Wolfram Fleischhauer: Das Buch in dem die Welt verschwand

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Wolfram Fleischhauer: Das Buch in dem die Welt verschwand
Verlag
ET (D)
2003
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783426196724

Informationen zum Buch

Seiten
447

Sonstiges

Erster Satz
Die Geschwindigkeit war atemberaubend!

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Nürnberg um 1780, kurz vor der Französischen Revolution. Der junge Arzt Nicolai Röschlaub soll im Auftrag des Reichskammergerichts zu Wetzlar einer Reihe beunruhigender Todesfälle nachgehen. Die Opfer weisen ein merkwürdiges Geschwür auf, sind jedoch alle gewaltsam, durch Mord oder Selbstmord, zu Tode gekommen. Ist ein rätselhaftes Gift im Umlauf? Zur gleichen Zeit finden rätselhafte Feueranschläge auf Postkutschen statt. Ihr Ziel sind Bücher. Raubdrucke. Gibt es einen Zusammenhang? Eine geheimnisvolle junge Frau tritt in Nicolais Leben, die ihm klar macht, dass etwas Ungeheuerliches hinter den Vorfällen stecken muss. Misstrauisch geworden, entwendet Nicolai wichtige Unterlagen seines Auftraggebers. Darin findet er eine Landkarte - und macht eine Entdeckung, die seine Vorstellungskraft sprengt ...

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Ende des 18. Jahrhundert steht die Welt vor dem Einbruch einer neuen Zeit. Es tummeln sich Freidenker und Rebellen, Philosophen, Geheimgesellschaften und Kirchengetreue im Herzen Europas. Die Französische Revolution steht bevor und Deutschland befindet sich mitten im energiegeladenen Sturm und Drang. Inmitten dieser "Aufbruchsstimmung" macht auch der Arzt Nicolai Röschlaub seine Entdeckungen. Als er geheimnisvolle Todesfälle aufklären soll, gerät er tief hinein in ein Gewirr von Geheimnissen und unausgesprochenen Wahrheiten. Was hat es mit der seltsamen Heimwehkrankheit auf sich, die die Menschen nahezu vergiftet? Und was steckt hinter den unsinnigen Postkutschenüberfällen?

Was wie ein rasanter historischer Wildwest-Krimi beginnt, wird zusehends zu einem philosophischen Roman, der dem Leser gehörig das Gehirn durcheinanderwirbelt. Wolfram Fleischhauer zeichnet das Bildnis einer Welt in Aufbruchstimmung, als Freidenker und Philosophen ein jahrhundertealtes Weltbild zum einstürzen brachten. Doch er zeichnet auch eine direkte Parallele zu unserer heutigen Welt. Auch unsere Umwelt besteht nicht nur aus Gemeinsamkeiten, sondern oft unüberbrückbaren Gegensätzen.

Wolfram Fleischhauer könnte der deutsche Jostein Gaarder sein - doch fehlt ihm eindeutig der ständig belehrend und moralisierend erhobene Zeigefinger im Gegensatz zu dem schwedischen Autor. Vielmehr ergibt sich die Philosophie ausschließlich aus den Dialogen der Protagonisten. Das führt dazu, dass man gedanklich ab und zu mal auf der Strecke bleibt, weshalb sich "Das Buch in dem die Welt verschand" nicht an Jugendliche, sondern ganz klar an Erwachsene richtet. Die Sprache des Autors ist sehr angenehm zu lesen, wenn auch oft sehr anspruchsvoll und so sollte man dem Buch nach Möglichkeit alle Aufmerksamkeit widmen. Sonst könnte es sein, dass der Leser auf den letzten 100 Seiten schlichtweg abgehängt wird von der Fülle an Ideen und Gedanken. Über ein paar Längen zwischendurch kann man großzügig hinwegsehen.

Ein zeitloses Buch, das zum Nachdenken und Grübel anregt und dem ich viele Leser(innen) wünsche, für das man aber auch etwas Geduld aufbringen muss, wenn man sich nicht für Philosophie interessiert.

Interessant ist sicherlich auch, dass der Autor in einer virtuellen Leserunde unter anderem das Buch "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" von Heinrich Heine als Sekundärliteratur empfohlen hat. Für das bessere Verständnis sei außerdem das Nachlesen der verlinkten Leserunde empfohlen - allerdings werden dort erhebliche Schlüsselszenen diskutiert und so sollte man diese erst nach der eigentlichen Lektüre des Buches lesen.

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Also das war etwas anderes als ich auf Grund des Klappentextes erwartet hatte. Das Buch wandert durch 3 Themengebiete, beginnt als spannender Kriminalfall mit rätselhaften Begleiterscheinungen, wird dann ziemlich mysteriös und leicht verwirrend, da einige Verschwörungstheorien und Geheimbünde entdeckt werden und endet rein philosophisch. Wers mag wird sich freuen! Ich fand die Spannung nahm zum Ende hin immer mehr ab und die Geschichte ist ziemlich merkwürdig. Was das Buch auf jeden Fall zu bieten hat, ist eine umfassende Schilderung der Zeit und der Menschen um 1780. Mein Ding wars nicht so ganz.

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Wolfram Fleischhauer erweckt mit seinem Roman "Das Buch in dem die Welt verschwand" die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts zum Leben, wie kein Geschichtsbuch es versteht und kein Schulunterricht es zu erreichen vermag. Die Lebenswelt der Menschen, die gesellschaftlichen Umstände, die großen geisteswissenschaftlichen Umwälzungen, welche die Zeit der Aufklärung - bekanntlich? - mit sich brachten, bilden den Rahmen und das Thema für eine Kriminalgeschichte, die bodenständig beginnt und sublim endet.

Fleischauer ist wie in allen vorangegangenen Romanen gelungen, den Leser kenntnisreich in eine vermeintlich bekannte - aber eben für den Leser neue Welt zu entführen. Er erschafft wie gesagt zum einen gekonnt und glaubhaft eine Welt, einen Handlungsrahmen für die agierenden Personen. Doch zum anderen gibt er zugleich, aber untrennbar eingeflochten, Anstoß zum Nachdenken über buchstäblich epochale thelogisch-philosophische Diskurse, wie die Grenzen der Vernunft, zurückgehaltene Ideen und die Folgen, wenn Ideen gesellschaftlich relevant werden und das Sein unaufhaltsam umzuformen beginnen - unumkehrbar. Wo bleibt Gott? Tauschen wir nicht besser Gott ein gegen die Vernuft und eigenverantwortliches, selbstbestimmtes Handeln? Bleibt dann noch Platz für Gott - für Moral, einen Wert - ohne einen Preis?

Die zentralen Figuren bilden ein frischgebackener Arzt, der von der Fachwelt ob seiner modernen Auffassungen ausgegrenzt wird und eine misteriöse Schöne, die zufällig ins Geschehen schlittert und sich mehr und mehr zur Schlüsselfigur und treibenden Kraft entwickelt. Er als Arzt verkörpert die anbrechende moderne Welt der Aufklärung, in der Wirkungen auf Ursachen zurückzuführen sind; sie als Ant-?/Agonistin steht für die Welt der Glaubenwahrheiten, als einer Vertreterin eines - rückblickend - dem Untergang geweihten Zeitalters. Im Verhältnis der beiden, die im Verlauf der Geschichte schicksalhaft zu einander finden und dennoch unüberbrückbar weit von einander stehen, liegt eine große Tragik, aber wird auch die Macht der Liebe und der Hoffnung deutlich, die Menschen öffnet für neue unbekannte Welten.

Die Lektüre bietet auf jeden Fall große Spannung und gute Unterhaltung. Aber anders als bei anglo-amerikanischen Erfolgsautoren, erlangt dieser Roman große Tiefe, nicht zuletzt durch große sprachliche Eloquenz. Schwächen in der Handlung werden durch, in meinen Augen, das eigentliche Thema - Idee und gesellschaftliche Wirklichkeit, Liebe, Lust und Politik, völlig in den Hintergrund gedrängt, ja unbedeutend.

Kurzum, ich kann diese Buch nur empfehlen; doch es verlangt einem auch ab, sich Seite für Seite in eine nacherfundene, fiktive Welt entführen zu lassen und dieses Zeitalter mit den Augen der Menschen damals verstehen zu lernen und zu erfahren. Aber genau dabei hilft Fleischauer, indem er die Protagonisten theaterreife, ja weise Dialoge führen lässt, an derem Ende nicht klar ist, wer gewinnt, um damit eigentlich zu verlieren, um mit einem Zitat aus diesem Buch zu sprechen.

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