Halldór Laxness: Das Fischkonzert

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Halldór Laxness: Das Fischkonzert
Verlag
ET (D)
1961
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Brekkukotsannáll
ET (Original)
1957
ISBN-13
9783882438093

Informationen zum Buch

Seiten
269

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Ein kluger Mensch hat gesagt, abgesehen von Verlust der Mutter sei kaum etwas gesünder für kleine Kinder als der Verlust des Vaters.

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Handlungsort

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Alfgrimurs Leben hätte trauriger kaum beginnen können. Einen Vater gibt es nicht, und die Mutter läßt den Säugling auf der Durchreise nach Amerika an seinem Geburtsort zurück: auf dem Hof des Seehasenfischers Björn. Dort wächst Alfgrimur in einer armseligen, aber vollkommenen Welt auf.Der Junge fühlt sich von dem Sänger Gardar Holm angezogen. Im Ausland gefeiert, ist Holm der ganze Stolz Islands. Den Bewunderern im eigenen Land aber verweigert er eine Probe seiner Kunst. Als das Konzert schließlich doch stattfindet, nimmt es einen überraschenden Verlauf.

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(Aktualisiert: 05 März 2012)
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Halldór Laxness - Das Fischkonzert

- übersetzt von Hubert Seelow -

Dieses Buch heißt im Original wörtlich übersetzt "Die Annalen von Brekkukot". Brekkukot ist der Names des Hofes des alten Björn. Hier, außerhalb von Reykjavik, betreibt Björn eine kostenlose Herberge, die jeden aufnimmt, der eine Unterkunft nötig hat, zum Beispiel die mittellosen Auswanderer, die während der Auswanderungswelle Ende des 19. Jahrhunderts in Richtung Amerika unterwegs sind. So kommt auch Alfgrimurs Mutter auf den Hof und läßt den Jungen nach seiner Geburt dort zurück.

Alfgrimur wächst in der abgeschiedenen, eigenen Welt von Brekkukot auf, die durch ein Drehkreuz aus Holz, aber auch durch die teilweise kauzigen Ansichten des Großvaters von der Außenwelt abgetrennt ist. Björn und die Großmutter (deren Name im ganzen Buch nicht genannt wird, und deren Geschichte der Leser erst spät erfährt) geben Alfgrimur Geborgenheit.

Brekkukot ist eine Art Anziehungspunkt für allerlei Außenseiter der Gesellschaft. Seltsame Hausgäste wie der alte Kapitän Hogensen und der "Aufseher" Jon, Besucher wie die Frau aus dem "Landbrot", aber auch der Pfarrer und die alte Kristin, die im Küsterhaus lebt, tragen zu Alfgrimurs Erziehung bei. Über allen aber steht phantomhaft der berühmte Opernsänger Gardar Holm, der im Ausland für den Ruhm Islands sorgt, und dessen Leben merkwürdig viele Parallelen zu Alfgrimurs Leben aufweist. Allerdings will niemand in Brekkukot über Gardar Holm sprechen. Nicht einmal die alte Kristin, seine Mutter, antwortet auf Alfgrimurs Fragen. Alle reden ständig um den heißen Brei oder geben gleich rundheraus zu, daß Worte manchmal eher die Wahrheit verbergen, als sie zu benennen. Und warum werden die Konzerte, die Gardar Holm auf seinen Heimatbesuchen in Island geben will, immer im letzten Moment abgesagt?

Dieses Rätsel begleitet den Leser durch das ganze Buch, immer wieder taucht Gardar Holm in den Gedanken Alfgrimurs oder gar persönlich auf, bis sich in den letzten paar Kapiteln alles aufklärt.

Während der Leser darauf wartet, daß dieses "Fischkonzert" endlich stattfindet, beschleichen ihn gewisse Vermutungen über die Zusammenhänge. Unterdessen wird er bestens unterhalten durch allerlei kuriose Geschichten über Hausgäste und Durchreisende, die humorvoll und witzig sind, aber auch eine tiefere Bedeutung haben, die dem Leser erst am Ende klar wird.

Die Auflösung am Ende wirkte auf mich wie eine Erleuchtung: alle Puzzleteile sprangen an ihren Platz und das ganze Buch ergab im Nachhinein einen Sinn. "Selige Stunde, wenn die Nebel weichen." (Zitat aus dem Buch, S. 258)

Das Buch ist nicht nur eine Sammlung kurioser Anekdoten aus dem isländischen Leben, und es ist nicht nur die Lebensgeschichte eines elternlosen Jungen. Es hat einen philosophischen und politischen Hintergrund. Alfgrimur, Björn, und auch Gardar Holm, können als exemplarisch für das isländische Volk betrachtet werden, die einfachen Menschen, die sich ins Island des 20. Jahrhunderts (das eben nicht mehr weltabgeschieden ist, und in dem es auch solche Menschen wie den Kaufmann Gudmunsen gibt) hineinfinden müssen, und die ihr eigenes Schicksal aktiv in die Hand nehmen müssen, wenn sie nicht zum Spielball der Mächtigen werden wollen.

Viele Einzelheiten gibt es im Buch, die nicht zufällig sind, über die man im Nachhinein noch endlos sinnieren kann. Diese Vielschichtigkeit gefällt mir. Außerdem trifft Laxness offenbar genau meine Auffassung von Humor, denn ich habe mich beim Lesen des öfteren köstlich amüsiert, auch wenn ich eine ganze Weile im Dunkeln tappte und die Fäden nicht entwirren konnte.

Fazit: ein absoluter Buchtipp!

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