António Lobo Antunes: Das Handbuch der Inquisitoren

António Lobo Antunes: Das Handbuch der Inquisitoren

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António Lobo Antunes: Das Handbuch der Inquisitoren
Verlag
ET (D)
1997
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
O manual dos inquisidores
ET (Original)
1996
ISBN-13
9783596141913

Informationen zum Buch

Seiten
456

Sonstiges

Erster Satz
Und als ich in Lissabon das Gericht betrat, dachte ich an das Landgut.

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Handlungsort

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Auf dem eindrucksvollen Landgut, auf dem sich in der Salzar-Ära Minister und Militärs trafen, blättert nicht nur die Farbe ab; die Rosenbeete, durch die schwer bewaffnete Bodyguards robbten, wenn der Präsident des Ministerrates zu "Geschäftstreffen" kam, sind plattgewalzt, die Felder liegen brach; für alte, selbstherrlich regierende Großgrundbesitzer wie den "Herrn Doktor" hat die neue Zeit keine Verwendung mehr. Nur wer seine Besitzungen rücksichtslos zu Geld zu machen versteht, am besten zum Ferienparadies mit Golfanlage, hat im Clan der neuen alten Mächtigen eine Chance. Im "Handbuch der Inquisitoren" entfaltet António Lobo Antunes ein grandioses Universum und macht das Landgut zum Welttheater: Der "Herr Doktor" und sein Sohn Joao, die mit ihrem Liebhaber ständig "Besorgungen" machende Mutter, die um die Gunst des Patrons buhlenden Hausangestellten, geschäftstüchtige Banker und rachsüchtige Militärs, Verlierer und Melancholiker -- sie alle haben ihre grotesken Geschichten, offene Rechnungen und Plä-ne, und sie alle kämpften und kämpfen um einen Fensterplatz an Bord des Schiffes, das Portugal in die neue Zeit, in eine bessere Zukunft oder in die Renditengewinne und die wun-derbare Kapitalvermehrung bringen soll.

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Der Doktor, gerade noch Minister und rechte Hand des Diktators Salazar, liegt nun pflegebedürftig im Altenheim. Vorbei ist es mit der Macht, und vorbei ist es auch mit dem Mißbrauch der Dienstmädchen auf dem Landgut. Nie hat er verwunden, daß seine Frau ihn zugunsten eines anderen Salazar-Günstlings verlassen hat und sein Freund, der Major der Geheimpolizei, diesen nicht kaltgestellt hat. Darunter gelitten hat vor allem Sohn João, der für seinen Vater erst auf dem Totenbett zu einer wahrgenommenen Person wird. Bis dahin hat João selbst eine gescheiterte Ehe mit einer höheren Tochter hinter sich, die ihn auch um das Erbe bringt. Der Vater hatte sich als alter Mann noch einmal eine junge Geliebte genommen und sich für diese finanziell verausgabt. Eine Vielzahl von Personen aus diesem Kreis berichten abwechselnd über die Vergangenheit und ihre Wahrnehmung davon, so formt sich langsam ein Bild der Geschehnisse und Charaktere.

Im Klappentext hieß es dann noch: "Meisterhaft verknüpft Antunes die politische Geschichte Portugals, den Kolonialkrieg und die Diktatur Salazars, die Nelkenrevolution und den Sozialismus, mit den privaten Geschicken seiner Figuren." So weit, so interessant - dachte ich. Was die Familienverhältnisse angeht, so findet sich auch tatsächlich alles aus der Buchbeschreibung wieder, aber damit erschöpft es sich für mein Empfinden auch. Die Verknüpfung mit der portugiesischen Geschichte fällt recht schwach aus. Ja sicher, Angola und Kolonialkrieg kommen irgendwie vor, desgleichen die Nelkenrevolution, mit beidem bin ich mehr oder weniger vertraut. Aber der Untergang und Verfall des mächtigen Herrn Doktors und seiner Familie resultiert eben einfach aus der Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie schlicht und einfach dem Alter. Mithin könnte das so oder doch sehr ähnlich überall dort stattfinden, wo Geld und Macht derart eng miteinander verflochten sind und keiner (demokratischen) Kontrolle unterliegen (also fast überall auf der Welt, und auch hierzulande wäre ich nicht sicher, daß es im Grundsatz völlig abwegig ist ...) und vermutlich passiert auch genau das nahezu täglich.

Trotzdem hätte auch das, selbst ohne Sympathie für irgendeine der auftauchenden Personen, noch interessant sein können, wenn es nicht durch einen weiteren Faktor schlicht zur Quälerei geworden wäre: den extrem zerfahrenen Stil. Antunes hat die einzelnen Berichte und Kommentare der Beteiligten so aufgeschrieben, wie man wahrscheinlich denkt und wie Leute, die in ihren mehr oder weniger verdrängten Erinnerungen kramen, es auch einem Gegenüber erzählen würden: mit Wiederholungen, Abschweifungen, unangekündigten Zeitsprüngen usw. usf. Auf Grund der Struktur des Romans mit seinen ständig wechselnden Perspektiven durch je einen anderen Berichterstatter (wobei manche auch mehrfach zu Wort kommen) kann ich zwar verstehen, warum diese Form gewählt wurde, aber begeistert hat sie mich trotzdem nicht, im Gegenteil. Die wechselnden Erzähler sind zum Glück in der Regel noch recht schnell im jeweiligen Abschnitt erkennbar, aber die im Satz sich ändernde erzählte Zeit wäre leichter zu verfolgen gewesen, wenn es Punkte nicht nur am "Kapitel"ende gegeben hätte, wie überhaupt Satzzeichen eher Mangelware sind - etwas, das ich nur in absoluten Ausnahmefällen gut vertrage, hier jedenfalls nicht.

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