Stephen King: Das Mädchen

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Stephen King: Das Mädchen
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
The Girl who loved Tom Gordon
ISBN-13
9783795117566

Informationen zum Buch

Seiten
302

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Handlungsort

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Um zehn Uhr saß Trisha auf dem Rücksitz des Wagens ihrer Mutter. Um halb elf hatte sie sich im Wald verirrt. Um elf versuchte sie, sich nicht zu fürchten. Versuchte, nicht zu denken "Es ist schlimm, es ist sehr schlimm". Versuchte, nicht daran zu denken, daß manchmal Leute, die sich im Wald verirrten, ernsthaft verletzt werden. Oder niemals wieder zurückkehren.

Das Mädchen irrt durch die Wälder. Sie ist allein. Sie ist vom Weg abgekommen. Noch hat niemand bemerkt, daß sie verschwunden ist. Nur sie weiß, daß sie sich verirrt hat und keiner da ist, der sie beschützen kann - vor dem Hunger und dem Durst, vor den Mücken und den wilden Tieren, vor der Einsamkeit und der Dunkelheit. Aber vor allem nicht vor dem, was sich in den Wäldern aufgemacht hat, die Neunjährige heimzusuchen. Eine Baseballkappe, ein kleines Radio und die Erinnerung an die Gespräche mit ihrem Vater sind die einzige Ausrüstung, die Trisha mit sich führt. Mehr hat sie dem Grauen der Wälder nicht entgegenzusetzen. Und das ist sehr, sehr wenig.

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Die 1998 entstandene Geschichte wurde zuvor von anderen Verlagen (Schneekluth und Ullstein) veröffentlicht. Im Februar 2011 erschien sie ein weiteres Mal über den Pan-Verlag. Der grün gehaltene Buchumschlag der aktuellen Ausgabe zeigt einen kahlen Wald, das Motiv der Vorderseite ist mit einem Hologramm gleichermaßen schlicht wie schön gearbeitet. Es zeigt zusätzlich zu dem mehr oder weniger dunklen Wald (je nachdem wie man das Buch hält) ein junges Mädchen und ein gelbes Augenpaar, das auf das Mädchen starrt.

Das durch das Hologramm ebenfalls mal größer oder kleiner wirkende Mädchen und seine düstere Umgebung passen zum Inhalt und verdeutlichen bereits sehr gut, worum es in Kings Roman geht. Der 1947 geborene Autor ist ein Garant für Gänsehauteffekte. Über 400 Millionen verkaufter Bücher in mehr als 40 Sprachen zeigen, dass er nicht nur in seinem Heimatstaat Maine eine feste Größe des Horrorgenres ist. Allerdings richtete sich der größte Teil seiner Geschichten an ein eher erwachsenes Publikum. Wie passt ein Jugendbuch in das von ihm bevorzugte Genre?

Die Lektüre zeigt sehr bald, dass das überraschend gut geht. Denn King verlässt die größtenteils von ihm beschrittenen, bereits etwas ausgetretenen Horrorpfade und beschreibt den Überlebenskampf der realistisch gezeichneten neunjährigen Trisha, die sich bei einem Tagesausflug zu einem Teilstück des Appalachian Trail hoffnungslos im Wald verirrt. Die meiste Zeit ist der Fokus auf das Kind gerichtet, nur kurzzeitig ergeben sich minimale Perspektivwechsel auf die besorgte Familie. Obwohl Trisha mittels Gedanken und Selbstgesprächen zu Wort kommt, erzählt sie ihre Geschichte nicht selbst.

Ich habe keine Angst. Überhaupt keine Angst. Der Wanderweg ist gleich dort vorn. Es ist wirklich ganz unmöglich, sich hier zu verlaufen ...


Dass es das doch ist, merkt Trisha sehr schnell. Tagelang versucht sie verzweifelt aus dem Wald zu gelangen oder jemanden zu finden, der ihr dabei helfen kann. Für eine einfache Wanderung mag ihre Kleidung und Ausrüstung ausgereicht haben, für eine solche Situation genügt sie nicht. Zudem ist der für einen Tagesausflug bemessene Proviant viel zu schnell verbraucht. Der Wald bietet Nahrung - doch was ist giftig, was schadet mehr, als dass es ihr weiterhilft? Wespen fallen über sie her, Stechmücken fressen sie fast auf, sie verletzt sich, wird krank. Trotzdem läuft sie fast zu Tode erschöpft immer weiter. Trifft die eine oder andere fatale Entscheidung, entfernt sich mehr und mehr von den Suchtrupps.

Die Kraft dafür zieht sie unter anderem aus erdachten Gesprächen – mit sich selbst, ihrem Vater, ihrer Freundin, einem Baseballspieler, für den das Mädchen schwärmt. Ruft Erinnerungen wach, um sich von ihrer momentanen Situation abzulenken. Eine kleine Schwachstelle der Geschichte bietet hier Trishas Begeisterung für Baseball, was sowohl der Autor in die Geschichte, als auch der Verlag in die Buchgestaltung eingebaut hat. Die einzelnen Kapitel sind nicht nur in „Vor dem Spiel“, insgesamt Durchgänge (ein Spiel dauert je nach Liga 9 Innings) mit einzelnen Hälften, und „Nach dem Spiel“ unterteilt, was jeweils deutlich durch eine zwei-, bzw. ab dem vierten Durchgang, dreiseitige Wiederholung des Waldmotives vom Text abgegrenzt wird. King lässt sich auch über die Sportart an sich aus und für Laien können die betreffenden Textpassagen Längen beinhalten. Davon wird man aber schnell wieder abgelenkt. Etwa von Trishas Nächten mit ihrem Walkman, der ihr Kraft gibt und dabei hilft, nicht verrückt zu werden. Wenn die Angst zu groß wird, weil die Nacht zu dunkel und voll erschreckender Geräusche ist, flößen die Stimmen aus dem kleinen Gerät Zuversicht ein, geben zumindest etwas Halt durch ihre – im Normalfall – Selbstverständlichkeit. Nicht nur die Schilderung dieser Nächte mit der das Mädchen umgebenden Dunkelheit ist King überaus gut gelungen.

Denn was ein neunjähriges Stadtkind allein in einem unendlich wirkenden, nachts zappendusteren oder lediglich mondbeschienen, unwegsamen Wald erlebt oder was ihre überreizte Fantasie ihr vorspielt, ist natürlich weder normal noch eine Selbstverständlichkeit. Und was eigentlich recht simpel beginnt, wird - ganz King – weitergesponnen. Denn da gibt es natürlich noch etwas. Dieses Etwas wird nicht nur durch die gelblichen Augen im Covermotiv oder einen Hinweis in der Inhaltsangabe angedeutet. Schon bald merkt nicht nur Trisha, dass ihr etwas auf den Fersen ist, dem sie im Ernstfall nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen hat.

Sehr früh wird dem Leser aus seiner sicheren Position heraus klar, um was genau es sich dabei handelt. Dennoch schafft King es, durch den ihm typischen Erzählstil die an sich schon beklemmende Grundsituation sukzessiv zu verschärfen. Wie gewohnt lässt er das Grauen in ruhigen Tönen anklingen. Jedoch nicht um es letztlich, wie von eingefleischten Fans vermutlich erwartet, in lautlosem Gebrüll lichterloh zu entfachen. Trotz der deutlichen Steigerung der Bedrohungssituation lässt er die Geschichte dadurch, dass er sein Hauptaugenmerk auf das Mädchen richtet, einsteigerfreundlich oder auch jugendbuchgerecht wachsen. Die Schilderung von Trishas Erlebnissen ist sensibel und lässt ihr Wechselbad an Gefühlen auch ohne übernatürlichen Horror überaus authentisch wirken. Die Gänsehaut wird weniger durch das ihr beständig folgende Wesen hervorgerufen, als durch die Phasen der Hoffnungslosigkeit, Angst und Verzweiflung, die sie durchlebt. Trauer und Wut werden abgelöst durch leichte Panik bis hin zur Existenzangst, die durch Hunger und Krankheit ausgelöste Halluzinationen noch verstärkt wird. Der ins scheinbare Nichts führende Weg voller Hindernisse und Probleme ist es, der für aufgestellte Nackenhärchen sorgt. Ein Weg, den viele von uns vermutlich ebenso naiv wie Trisha betreten, unter Umständen jedoch weitaus weniger gut bewältigen würden. Gekonnt und subtil konfrontiert der Autor seine Leserschaft mit Urängsten, die in uns allen stecken.

Auch wenn Das Mädchen sich vom Gros seiner Bücher unterscheidet: Kings Erzählstil zieht einen dennoch durch das Buch, selbst wenn man Grausigeres von ihm gewohnt ist und das avisierte Lesealter deutlich überschritten hat. Man fühlt mit dem Kind, man leidet mit ihm, man möchte es in die Arme schließen und hofft auf einen guten Ausgang.

Bis auf die erwähnten kleineren Längen, die durch die Ausführungen zum Thema Baseball für Laien und Nicht-Fans entstehen, ein spannendes Buch, das durchaus für die anvisierte Leser- bzw. Altersgruppe geeignet ist (entgegen meiner ursprünglichen Befürchtungen) und für das ich vier von fünf Punkten vergeben möchte.

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Dieses Buch hat mich ganze 302 Seiten gefangen genommen. Ich konnte förmlich spüren, wie Trisha von den Mücken geplagt wurde, wie sie Hunger und Durst litt und ihr Körper immer mehr dem Verfall preis gegeben wurde. Stephen King beschreibt das Wesen des Mädchens auf so subtile und eindringliche Art und Weise, daß ich ihre Angst und Einsamkeit fühlen konnte. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

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Ich muß zugeben, ich war nie ein sonderlicher King-Fan. Mein erstes Buch von ihm war 'Carrie', welches ich auch bei mehreren Startversuchen immer wieder in die Ecke geworfen habe. Aber dieses Buch hat mich nicht mehr losgelassen. Bemerkenswert war der ironische, teilweise schon sarkastische Galgenhumor, den Trisha auf ihrer 'Reise' entwickelt. Egal wie alt man ist, man fühlt sich selbst noch einmal jung und kann sich richtig in die Situation hinein versetzen... Mir erging es zumindest so, und das Buch wird auf jeden Fall einen Ehrenplatz in meinem Regal einnehmen. Der einzige Wehmutstropfen war das plötzliche zusammenfassen der Ereignisse - von mir aus hätte das Buch ruhig noch 200 Seiten mehr haben können...

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Eine Mutter unternimmt mit ihren beiden Kindern Pete und Trisha eine Wanderung durch den Appalachian Trail.

Nur bleibt die neunjährige Trisha unbemerkt zurück und verirrt sich im Wald.

Die Frage ist: Warum kommt Trisha vom Weg ab? Oberflächlich ist diese rasch beantwortet, wird gar nicht erst gestellt oder gern übersehen.

Spannend bis des Nachwortes letzte Seite ist diese Geschichte. Nur sei demjenigen Leser abgeraten, welcher eine reine Unterhaltungslektüre möchte.

"Das Mädchen" ist eine Entdeckungsreise über das Leben und dem Überleben, auf feinfühlige Weise ein Wechselgesang zwischen der Psyche eines kleinen Mädchens, der Natur und ursprünglicher Wildheit.

"Vom Stadtkind zum Höhlenkind in einem einzigen kleinen Schritt." Oh ja.

Auf ihrer Suche nach Rettung, begleitet von Mückenschwärmen, ist sie ihrem Hunger und Durst ausgeliefert, der Einsamkeit und der Gewißheit, das etwas ihre Witterung aufgenommen hat...

P.S. "Das Spiel" oder Titel der Originalausgabe "Gerald´s Game" Copyright 1992 by Stephen King atmet dieselbe Atmosphäre wie "Das Mädchen". Jedes für sich herausfordernd interessant.

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Ich muss sagen, dass ich ein sehr großer fan von King bin. Er schafft es immer mir eine Gänsehaut über den Rücken laufen zu lassen! Ich frag mich immer, wie ein Mensch auf solche blutigen und abstoßenden Ideen für Bücher kommnen kann! "Das Mädchen" ist ihm extrem gut gelungen und faszieniert mich! Ich konnte das Buch nicht weglegen!! P.S. die Kurzgeschichten von King kann ich nur empfehlen! Echt Horror pur!

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Zwar bin ich gerade zarte 19 Jahre jung, habe jedoch schon einige Stephen King Bücher gelesen und bekomme einfach nicht genug davon. "Das Mädchen" ist eines der besten Bücher, dass ich je gelesen hab. Das Buch hat mich bis zur letzten Seite so sehr gefesselt, dass ich es nicht zur Seite legen wollte. Ich habe mit Trisha gelitten und gebetet, dass sie gerettet wird. Man kann sich sehr gut in ihre Lage versetzen, da alles auch sehr realistisch gehalten wird! Ich kann diese Buch nur empfehlen und hoffe euch gehts genauso wie mir, denn als ich es zu Ende gelesen hatte, habe ich mir gewünscht es würde noch weiter gehen, denn das Buch lässt einfach nicht mehr los!

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Okay, Stephen King ist der Meister des Horrors, aber deswegen müssen nicht all seine Werke gut sein. Dieses Buch hat mich sehr enttäuscht. Zwar war es teilweise schon aspannend, aber insgesamt doch langweilig. Am Ende war ich genauso müde wie Trisha nach ihrem Waldmarsch.

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