Gina Mayer: Das Maikäfermädchen

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Gina Mayer: Das Maikäfermädchen
ET (D)
2012
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783352008436

Informationen zum Buch

Seiten
368

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Sie war früher schon einmal hier gewesen.

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„Maikäfer flieg – der Vater ist im Krieg“ Sommer 1945. Deutschland liegt in Trümmern, von Düsseldorf sind nur noch Ruinen übrig. Die Hebamme Käthe Mertens leidet unter der Trennung von ihrem Mann Wolf, der im Krieg verschollen ist. Eines Nachts taucht eine junge Frau bei ihr auf. Ingrid ist schwanger und völlig verstört. Sie will Käthe nicht sagen, wer der Vater ihres Kindes ist, sondern summt immer nur die Melodie von „Maikäfer flieg“. Käthe zögert nicht lange, sie hilft Ingrid, indem sie in einer halb zerstörten Arztpraxis eine Abtreibung vornimmt. Ingrid verschwindet nach dem Eingriff spurlos, aber wenige Wochen später erscheint ein anderes junges Mädchen bei Käthe, das ebenfalls schwanger ist. Zusammen mit ihrer Freundin Lilo beschließt Käthe, bedrängten Frauen zu helfen – trotz der Gefahr, als „Engelmacherin“ im Gefängnis zu landen. Dann taucht Ingrid wieder auf, erneut schwanger, und beginnt Käthe zu erpressen. Die berührende Geschichte zweier Frauen im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland – ein Roman über Suche, Wahrheit und die Kraft, sein Leben zu meistern.

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Das Maikäfermädchen

Düsseldorf im Sommer 1945. Die Stadt liegt in Trümmern und die Menschen versuchen zu überleben, indem sie sich mit ihren Lebensmittelkarten in die Schlangen stellen - um an die wichtigsten Nahrungsmittel zu gelangen. Nicht selten gehen viele von ihnen leer aus. Es ist auch die Zeit der Trümmerfrauen und derer, die mit einem guten Einfall oder ihrem speziellen Können, ihr Überleben sichern.
Käthe ist so eine Frau. Sie ist Hebamme, eigentlich. Doch eines Nachts taucht eine junge Frau bei ihr auf und bittet Käthe um ihre Hilfe. Ingrid wirkt verstört und möchte weder über sich noch über den Vater des Kindes sprechen. Und so zögert Käthe nicht lange, sondern hilft Ingrid, in dem sie in einer alten Praxis in einem halbzerstörten Haus eine Abtreibung vornimmt. Einmal, denkt sich Käthe, die sich nicht gut bei ihrem Handeln fühlt. Anschließend verschwindet Ingrid wie vom Erdboden verschluckt, doch schon bald kommt das nächste schwangere Mädchen...
Schließlich beginnt die mehr als skeptische Käthe - angetrieben von ihrer sehr geschäftstüchtigen Freundin Lilo - weiteren Frauen und Mädchen zu helfen. Doch die Mund-zu-Mund-Propaganda ist sehr gefährlich für eine sogenannte "Engelmacherin" und noch dazu taucht ganz plötzlich Ingrid auf: erneut schwanger.

Die Autorin Gina Mayer hat mit "Das Maikäfermädchen" eine sehr ergreifende Geschichte geschrieben. Eingebettet in eine schwierige Zeit sind die Figuren, allen voran natürlich Käthe, für mich zum Greifen nahe gewesen - nachvollziehbar in ihrem Handeln und ihrem Kampf um ihr eigenes Leben und Überleben. Auch Käthe vermisst ihren Ehemann, wie so viele andere Frauen nach dem II. Weltkrieg. Sie muss für sich sorgen und hat es in einer Zeit, in der kaum ein Mensch sie bezahlen kann und sie eben auch ein gutes Herz hat, überhaupt nicht leicht. So ringt sie mit ihrer Einstellung, ihrem eigenen Wunsch nach einem Kind und ihrem christlichen Glauben auf der einen Seite und dem Wunsch der Frauen, die sie im Stillen aufsuchen, auf der anderen Seite.
Wenn Käthe durch die zerbombte Stadt geht und auf andere trifft, erkennt man die Nöte der sehr unterschiedlichen Menschen, die allesamt auf sehr unterschiedliche Art und Weise vom Krieg und seinen Folgen betroffen sind. Da wäre einmal ein zitternder Mann, der zu kaum etwas in der Lage ist - noch nicht einmal zu Worten, die sein Leiden vielleicht erklären könnten, oder ein anderer Mann, den das erlebte unermessliche Leid in einem Konzentrationslager nicht daran hindern kann, in das Land seiner Peiniger - und sein eigenes Land - zurückzukehren und mit einer guten Idee ein kleines "Geschäft" aufzubauen... Die unterschiedliche Stärke und ihre Schwächen und Traumata, mit der die Figuren ihre jeweiligen Leben und die Folgen des Dritten Reiches meistern, haben mich sehr beeindruckt. Besonders die Figur der Käthe, mit all ihren Gewissensbissen, ihrem Mut und ihrer Sehnsucht nach ihrem Mann Wolf, hat mir sehr gut gefallen und deshalb habe ich bis zum Ende mit ihr mitgefiebert; gehofft, dass es ein kleines Fünkchen Hoffnung für sie gibt...

Gina Mayer hat wirklich bewegende Charaktere geschaffen, die für mich sehr authentisch sind und mir sehr gekonnt vor Augen geführt haben, mit wie viel Leid die Menschen der damaligen Zeit zu kämpfen hatten. Im Grunde muss ich mir immer wieder vor Augen führen, was vor gut 70 Jahren in diesem Land alles geschehen ist - in einem Land, in dem ich weitestgehend wohlbehütet zur Welt gekommen und groß geworden bin. In einem Land, dass heute sicherlich eine der felsenfestesten Demokratien überhaupt ist. Was für ein Glück, dass wir den Terror der Nationalsozialisten und den daraus resultierenden Krieg nicht erleben mussten! Ebenso wenig wie die harten Jahre nach der Befreiung...

Fazit: Ein ergreifendes Buch mit tollen Charakteren, die mich sehr beeindruckt haben. Zudem besticht "Das Maikäfermädchen" durch eine sehr gekonnte, wenn auch harte Atmosphäre!

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Das Maikäfermädchen

Inhalt
1945 in Düsseldorf. Der Krieg ist vorbei. Viele Männer sind nicht mehr heimgekehrt, Familien wurden auseinandergerissen und die Menschen leiden unter Hunger und Zerstörung. Es fehlt einfach an allem und lange Schlangen bilden sich vor den Geschäften, wenn mal wieder ein paar Graupen oder etwas Butter im Angebot sind, und die Verzweiflung ist groß, wenn das Warten mal wieder vergeblich war, weil die Ware schneller ausging, als noch Menschen darauf warteten. Auch Käthe, eine Hebamme, vermisst ihren geliebten Mann und kämpft um das tägliche Überleben. Eines Tages bittet ein verzweifeltes schwangeres Mädchen sie darum, ihr gegen Bezahlung das Kind abzutreiben. Käthes anfängliche Skrupel vergehen bei der Aussicht auf Nahrung, auch spürt sie, dass ihre medizinischen Kenntnisse das Mädchen davor bewahren werden, selbst einen lebensgefährlichen Abbruch zu versuchen und so nimmt sie den Eingriff heimlich vor. Dabei soll es nicht bleiben und immer mehr verzweifelte Frauen wollen ihre Dienste in Anspruch nehmen. Angetrieben von ihrer Freundin Lilo, die darin einen ertragreichen Weg sieht, Käthe und auch sich und ihre eigene Familie mit genug Essen zu versorgen, macht sich Käthe mit einem unguten Gefühl an die verbotene Arbeit.


Meine Meinung
Wieder hat die Autorin eine Geschichte geschrieben, die mich sehr berührt und bewegt hat. Schon die Beschreibungen der zerstörten Umgebung und der Lebensumstände direkt nach dem Krieg gingen mir unter die Haut. Ich konnte den Hunger, der Käthe so sehr quälte, fast spüren und auch die verzweifelte Ungewissheit über das Schicksal ihres Mannes. Viele kleine Rückblicke von Käthe oder auch ihre Beobachtungen von Trümmerfrauen oder anderen Mitmenschen auf den Straßen, ließen den Krieg und seine Folgen deutlich spürbar werden. Dabei wird oft in eher leichtem Ton, fast ein bisschen distanziert, erzählt, aber gerade dadurch erlebte ich die beschriebenen Szenen mit einer besonderen Intensität, einer ganz besonders eindringlichen Atmosphäre.

Aber nicht nur das Umfeld wirkte sehr authentisch, auch die Personen waren in ihrer Vielschichtigkeit sehr lebendig und echt. Es gibt kein Schwarz-Weiß, nur ganz viel dazwischen. Der Krieg hat moralische Werte verschoben, Hunger und Angst treiben die Menschen an und lassen sie oft abstumpfen, denn Gefühle machen nicht satt. Ich konnte daher sehr gut Käthes und auch Lilos Verhalten nachempfinden. Auch wenn gerade Lilos Geschäftstüchtigkeit mich doch sehr erschreckte, so konnte ich sie kaum verurteilen, wollte doch auch sie nur irgendwie überleben. Gefühle kommen aber auch immer mal wieder hoch und so litt ich oft mit Käthe wegen ihrer mehr und mehr aufkommenden Zweifel und ihrer Gewissheit, so oder so das Falsche zu tun. Denn natürlich nahm sie die Abtreibungen trotz allem sehr schwer, ebenso aber auch die sonst möglichen Selbstversuche der Frauen.

Neben den beiden so unterschiedlichen Freundinnen, gibt es mit Lilos Mann Hambach und der 16jährigen Tochter Hilde noch ein paar Nebenfiguren. Das Mädchen Hilde lag mir die ganze Zeit sehr am Herzen, denn sie ist in einem Alter, in dem man sich nach Liebe und Freundschaft sehnt, doch auch dies hat der Krieg vergiftet. Frauenarzt Doktor Hambach dagegen ist wie gelähmt nach seinem persönlichen Schrecken der Vergangenheit und scheint eine Schuld mit sich herumzutragen, die ihn innerlich zerfrisst. Auch dies konnte man sehr gut spüren und ich hätte ihn gerne das ein oder andere Mal geschüttelt, damit er endlich aus seinem Selbstmitleid und seiner Erstarrung erwacht und über die Geschehnisse spricht. Besonders betroffen hat mich aber das Schicksal von Schimanek, der den beiden Frauen immer eine Hilfe war. Seine Erzählungen und vor allem sein persönlicher Umgang mit seiner eigenen KZ-Vergangenheit, seine Stärke aber auch seine Verletzlichkeit und sein persönliches Trauma, haben mich sehr berührt.

So erzählt die Autorin auf eindringliche und atmosphärische Weise von so unterschiedlichen Menschen, die aber eines gemeinsam haben, nämlich einen furchtbaren Krieg hinter sich, aus dem sie sich mühsam herauskämpfen müssen. Für uns kaum vorstellbare Situationen zerren an der Kraft und an der Menschlichkeit jedes Einzelnen. Tod, Hunger, Kriegsgefangenschaften, KZ-Vergangenheiten, Schuld, Schwarzmarkt, Schmuggel, Notunterkünfte ,Essensmarken und Trümmer, Trümmer, Trümmer... Ich bin immer wieder dankbar, dass ich dies bisher nicht erleben musste und bewundere immer wieder das Durchhaltevermögen und die Kraft vieler Menschen in der damaligen Zeit.

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(Aktualisiert: 03 Mai 2013)
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Ein Buch über Abtreibungen im Nachkriegsdeutschland

Inhalt:
Düsseldorf im Herbst 1945: Die Stadt liegt in Trümmern, Hoffnunglosigkeit und Hunger beherrschen das Leben der Menschen. Die Hebamme Käthe, deren Mann verschollen in russischer Gefangenschaft ist, muß sich alleine durch den Alltag schlagen. Da begegnet sie einem schwangeren Mädchen, das sie bittet, ihr Kind abzutreiben; Käthe lässt sich durch die Aussicht auf eine Mahlzeit darauf ein. Schnell spricht sich herum, daß Käthe schwangeren Frauen in Not hilft und immer mehr Frauen bitten Käthe um Hilfe. Darüberhinaus trifft sie ihre alte Freundin Lilo wieder, mit der sie zusammen die Abtreibungen heimlich ausführt.
Meine Meinung:
Das Buch überzeugte mich durch seine Vielschichtigkeit: der Leser bekommt einen detaillierten Blick auf die Nachkriegszeit in Düsseldorf und auf die Probleme und Sorgen der dort lebenden Menschen, und das nicht nur aus einem Blickwinkel, sondern aus der Perspektive verschiedener Charaktere. Zudem werden über die Protagonisten sehr viele Themen der Nazi-Zeit angesprochen, ob es sich um den KZ-Aufenthalt und seine Folgen für den Insassen, um Homosexualität während des Nationalsozialismus oder um Aufgaben von Frauenärzten während des Nazi-Regimes handelt.

Die Charaktere sind ebenfalls vielschichtig dargestellt: die Autorin zeichnet die Figuren nicht nur schwarz-weiß, sondern zeigt ihre Stärken und Schwächen, wodurch die Romanhandlung sehr lebendig wird.

Die Handlung hat mich als Leser mitfiebern und -leiden lassen, zudem gab es einige überraschende Wendungen und Auflösungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Obwohl mir viele Fakten aus der Nazi-Zeit bekannt waren, gab es dennoch die ein oder andere Neuheit für mich.

"Das Maikäfermädchen" ist mein erstes Buch von Gina Mayer, wird aber garantiert nicht das letzte Buch der Autorin bleiben. Das Buch bekommt von mir volle Punktzahl und ist für mich ein Buchtipp.

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Nach dem Krieg

Düsseldorf 1945, nach Kriegsende. Der Krieg ist zwar vorbei, aber das Leben noch lange nicht wieder das, was es früher war. Die Städte sind ausgebombt, es fehlt an allem, die Menschen kämpfen sich irgendwie durch.
Käthe ist Hebamme. Eines Tages begegnet ihr ein junges Mädchen und bittet sie verzweifelt um Hilfe, die ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Käthe kann sich den Bitten des verstörten Mädchens nicht entziehen und führt einen Abbruch durch. Obwohl das Ganze als einmalige Ausnahme gedacht war, steht bald die nächste Frau vor ihrer Tür und als ihre Freundin Lilo davon erfährt, sieht sie eine Möglichkeit, sich und ihre Familie mithilfe von Käthes Tätigkeit durchzubringen.

Obwohl Käthe schwere Bedenken dabei hat, aus der Not der Frauen ein Geschäft zu machen, sieht sie doch die Notwendigkeit ein, ihnen zu helfen. Ihr moralisches Dilemma wird eindringlich dargestellt, besonders beeindruckt hat mich hier die Aussage, dass ihre Entscheidung falsch ist, egal wie sie ausfälllt. Wenn sie es nicht macht, würden die Frauen zu jemand anderem gehen oder selbst Hand anlegen und sich dabei verletzen. Für die nicht-geborenen Kinder ist es aber allemal eine Entscheidung gegen deren Leben, bevor es überhaupt beginnen konnte.

Gina Mayer gelingt es hervorragend, die Umstände der damaligen Zeit zu schildern. Neben Käthe und Lilo spielen auch einige interessante Nebenfiguren ihre Rollen, so zum Beispiel der ehemalige KZ-Insasse Schimanek, der den beiden Frauen seinen Keller zur Verfügung stellt oder der britische Soldat Winston, der bei Lilo Deutschunterricht nimmt und ihr Medikamente und andere Utensilien besorgt. Eine weitere spannende Figur war für mich Lilos Mann Hambach, der ein Geheimnis mit sich herumträgt, an dem er beinahe zerbricht. All diese Personen zeigen, jeder auf seine Art, das Grauen von Kriegszeiten, in denen es oft keine richtige Entscheidung gibt, sondern jeder irgendwie um das eigene Überleben kämpft.

Das war mein erstes Buch von der Autorin, aber sicherlich nicht das letzte!

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Das Maikäfermädchen

Mit dem "Maikäfermädchen" schickt Gina Mayer uns in eine Zeit, aus der ich persönlich bisher eher weniger gelesen habe, aber nichtsdestototz sehr interessant finde: Die Nachkriegszeit, die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Deutschland ist zerrüttet vom Krieg, es herrscht Armut, Angst und alles ist voller Trümmer. Die damalige Atmosphäre fängt Mayer mühelos auf. Dabei unterstützen die unterschiedlichen überzeugenden Charaktere die Handlung. Die Personen sind facettenreich und lebhaft geschildert, jede Person ist eine großartige Persönlichkeit mit einer Geschichte, die von den harten Kriegsjahren gezeichnet war. Dabei wird keine Biographie als übertrieben dargestellt, aber verschönt wird auch nichts. Wie unterschiedlich die Personen mit ihren Schicksalen umgehen, ob sie hadern oder weiter gehen, ist ganz dem Charakter der Person angepasst, was die Charaktere für mich sehr realistisch gemacht hat.
Durch die schöne treffende Sprache nahm die Geschichte sehr schnell und einfach Formen an, was mir vor allem in den Rückblicken immer wieder aufgefallen ist. In einem mühelosen, nebenfälligen Ton wurden Nebengeschichten eingeflossen, die vor allem durch ihren Stil leicht daher kamen, aber nachhaltig im Gedächtnis blieben, so dass man auch noch nach dem Lesen darüber nachgedacht hat.
Mit einem überraschendem aber sehr rundem Ende wurde das Buch abgeschlossen und ließ mich doch sehr zufrieden zurück. Alles in allem ein sehr schönes Buch!

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Mitten ins Herz

Ich bin immer noch hin und weg von dem Buch, es bleibt in meinen Gedanken und es wird einen Platz in meiner ewigen Highlight Liste bekommen.

Gina Mayer hat ein brisantes Thema zum Mittelpunkt ihres Buches gemacht. Zwei Frauen bauen sich im Nachkriegsdeutschland eine „Existenz“ auf, in dem sie anderen Frauen helfen … sie beenden ungewollte Schwangerschaften.

Den Schreibstil fand ich anfangs etwas eigenwillig, ein bisschen kalt und distanziert. Aber anders kann man das Elend, den Hunger, den Schutt, die Verzweiflung gar nicht beschreiben. Dachte ich … und war froh über diese Distanz, die mir gewährt wurde.

Aber das währte nicht lange. Denn ich habe mich sehr schnell an diesen ganz speziellen Stil gewöhnt und ohne viele Worte traf mich Gina Mayer mitten ins Herz. Sie zelebriert Sprache auf eine ganz besondere Art, die sich mir im Laufe des Buches immer mehr erschlossen hat.

Sie führt mich behutsam durch das zerbombte Düsseldorf, bringt mir ihre Personen ganz langsam nah, die Hebamme Käthe, die bei jedem Abbruch ihre Zweifel hat. Ihre lebensfrohe Freundin Lilo, die trotz ihrer schwierigen und undurchschaubaren Tochter Hilde ihren Lebensmut nicht verliert. Lilos Ehemann Hambach, der nach dem Krieg nur noch ein Wrack ist und natürlich Schimanek, der das KZ überlebt hat. Sie betreten alle nach und nach die „Bühne“ dieser Geschichte und sie alle sind mir nah gekommen.

Die Geschichte entwickelt sich ganz langsam um Käthe herum, ganz behutsam, so als wollte mir die Autorin nicht zu viel auf einmal zumuten. Und sie ist so kompakt geworden und so rund. Am Ende war ich fast sprachlos, mit vielem hatte ich einfach nicht gerechnet. Ich finde es faszinierend, wenn man ohne viele Worte so viel erzählen kann. Das ist Gina Mayer perfekt gelungen.

Am Ende war ich dann froh über so viel Nähe, Käthe und Lilo waren mir so vertraut, dass ich sie am liebsten umarmt hätte. Und es ist wieder so ein Buch wie schon die Bücherdiebin, aus dem man ganz viele Sätze einfach aufschreiben möchte …

Die Geschichte geht unter die Haut, sie berührt, sie macht nachdenklich und sie ist auf ihre ganz eigene Art sehr schön. Am Ende kullerten bei mir die Tränen und ich bin einfach froh, dass ich dieses besondere Buch entdeckt habe.

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"Es ist falsch, es zu tun, es ist falsch, es nicht zu tun"

Als nachträgliches Geburtstagsgeschenk ist hier meine begeisterte Rezension - volle Punktzahl für „Das Maikäfermädchen“ und vor allem dich, liebe gina für das tolle Buch und die klasse Begleitung der Leserunde. Ich werde die Rezi noch im Netz streuen.


Ich habe von Gina Mayer schon „Die Wildnis in dir“ gelesen und war davon sehr angetan und auch über das „Maikäfermädchen“ habe ich nur Gutes gehört. Meine Erwartungen an das Buch waren hoch, aber sie wurden voll erfüllt.

Handlungsort ist Düsseldorf, die Heimatstadt Gina Mayers, die Geschichte spielt direkt nach dem 2. Weltkrieg. Titelgebend ist ein junges Mädchen, das verstört durch die zerbombte Stadt irrt, sie ist ungewollt schwanger und weiß keinen Ausweg. Immer wieder summt sie das Lied „Maikäfer flieg“. Das Mädchen trifft auf die Hebamme Käthe und bittet sie, das Kind abzutreiben. Käthe lehnt Abtreibungen ab, doch die Verzweiflung des Mädchens aber auch die Hoffnung, sich von dem Pelzmantel, den ihr das Mädchen als Bezahlung bietet, endlich einmal wieder ausreichend Essen kaufen zu können, lässt sie den Eingriff durchführen.
Von da an dreht sich die Geschichte um Käthe und ihre Freundin, die Krankenschwester Lilo. Beide haben im Krieg den Verlust ihrer Männer erleben müssen, Käthes geliebter Mann Wolf ist vermisst und Lilos Mann hat als Arzt bei den Nazis Traumatisches erleben müssen und vegetiert nur noch vor sich hin. Lilo muss sich Trümmerfrau verdingen, um ihre Familie durchzuschlagen, Käthe kommt als Hebamme kaum über die Runden. Da hat Lilo die Idee, zusammen mit Käthe eine „Abtreibungspraxis“ zu eröffnen und damit Frauen zu helfen und sich ein besseres Einkommen zu verschaffen. Ein ehemaliger KZ-Insasse als Vermieter und ein britischer Offizier als Materiallieferant sollen dabei helfen.

Gina Mayer gelingt es auf sehr einfühlsame Weise, die Atmosphäre der Nachkriegszeit in Düsseldorf einzufangen. Der tägliche Kampf vor allem der Frauen ums Überleben und die Notwendigkeit, moralische Bedenken beiseite zu schieben, werden ebenso dargestellt wie der sehr unterschiedliche Umgang mit der Vergangenheit des Nationalsozialismus. Hoffnung auf ein besseres Leben und kleine Freuden werden bildhaft geschildert, Menschen, denen der Glaube Halt gibt, aber auch zerbrochene Biographien und Menschen, die aus allem Gewinn ziehen. Die Charaktere sind vielschichtig und die Autorin verzichtet auf Schwarzweißmalerei und mahnende Zeigefinger. Die Darstellung der Personen, von Lilo und Käthe bis hin zu kleinen Nebenfiguren finde ich ebenso gelungen wie die Beschreibung der Umgebung, die man sich sehr gut vorstellen kann.

„Das Maikäfermädchen“ liest sich flüssig und spannend. Ich konnte mich wunderbar in die Geschichte einfinden und mit den Heldinnen mitleiden und mithoffen. Die Geschichte ist nicht vorhersehbar und vom berührenden Anfang bis zum unerwarteten Ende lesenswert.
Für mich war dieses Buch und die Leserunde ein beeindruckendes Leseerlebnis, das mich noch länger beschäftigen wird. Ich kann „Das Maikäfermädchen“ allen wärmstens empfehlen, die eine fesselnde und berührende Geschichte aus der Nachkriegszeit lesen möchten.

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Ein wunderbares Buch !

Nachkriegsdeutschland - 1945 - Düsseldorf

Die Mittvierzigerin Käthe Mertens ist Hebamme. Da ihr Mann Wolf als in Russland vermisst gilt, muss sie sich alleine durchschlagen. Das Leben in dieser Zeit ist hart und Nahrungsmittel knapp. Als Käthe eines Tages in einer Schlange ansteht um Lebensmittel gegen Marken einzutauschen, spricht sie ein junges Mädchen an - sie bietet einen Pelzmantel gegen eine Abtreibung. Obwohl sich alles in Käthe gegen dieses Vorgehen sträubt, geht sie auf den Handel ein - und damit beginnt ihre Zeit als "Engelmacherin".

Zufällig begegnet sie ihrer früheren Freundin und Arbeitskollegin Lilo wieder, die gelernte Krankenschwester ist. Käthe hat gerade bei eine Abtreibung durchgeführt bei einer Frau, die schon auf eigene Faust versucht hatte sich des Kindes zu entledigen und sich dabei sehr schwer verletzt hat. Ohne Medikamente wird sie vermutlich nicht überleben. Lilo kommt hinter Käthe's Geheimnis, sie hat Kontakte zu Sergeant Samuel Winston, der wiederum kann die Medikamente besorgen. Die geschäftstüchtige Lilo wittert die Chance darauf ihre Familie ernähren zu können - für Käthe ist der Gedanke an ihre zukünftige "Arbeit" ein einziger Alptraum. Fortan assistiert Lilo als Narkoseärztin und Käthe nimmt die Abtreibungen vor.

Das Leben von Käthe und Lilo sowie deren Familie ist nun eng miteinander verbunden. Die große Gefahr und die Angst aufzufliegen ist übermächtig.

Die Autorin Gina Mayer versteht es den Leser ins Jahr 1945 mitzunehmen. Die Umstände damals sind hervorragend recherchiert. Obwohl ich erst viele Jahre nach Kriegsende geboren bin kann ich mir beim Lesen des Buches sehr gut vorstellen wie die Menschen damals gelebt haben und wie sie um ihr Überleben gekämpft haben und teilweise Dinge getan haben (tun mussten?!), die sie unter anderen Umständen verurteilt hätten.

Mein Fazit:
Ein Buch das man nur schwer wieder aus der Hand legen kann bevor man es komplett gelesen hat.

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Die unverblümte Wahrheit über das Leben nach dem Krieg

Inhalt:
Düsseldorf 1945, es ist Ende des Krieges aber lange nichts des Schreckens, dessen es hinterlassen hat. Vieles ist zerstört, zerbombt und alle Überlebenden dieses schrecklichen Krieges kämpfen jeden Tag um ihr eigenes Überleben.
Genau wie die Hebamme Käthe, die nach all den schrecklichen Geschehnissen alleine darstellt, weil ihr Mann Wolf eingezogen worden ist. Auch nach Kriegsende weiss sie nichts von ihm aber sie ist stark, will kämpfen und sich nicht aufgeben. Vorräte sind knapp und auch Käthe leidet unter großem Hunger, den sie jeden Tag aufs Neue versucht zu stillen. Da begegnet ihr ein junges Mädchen namens Ingrid. Und Ingrid hat eine Bitte an sie. Eine Bitte wodurch Käthe erst mal keinen Hunger mehr erleiden müsste...

Meine Meinung:
Bildlich und gefühlvoll beschreibt Gina Mayer das Leben nach dem Krieg. Nichts wirkt aufgesetzt, sondern zeigt das Leben, wie es früher wirklich war. Kleine Details, die so viel Gefühl herüber bringen werden dem Leser in diesem Buch nahe gebracht. Erklärungen zu früheren Ereignissen werden erläutert und verständlich erklärt.
Das Buch erzeugt eine bedrückende Stimmung, die ich aber nicht als negativ empfunden habe. Es war viel eher wie ein Film, der vor meinem geistigen Auge abgelaufen ist. Eine ehrliche Dokumentation über das Leben nach dem Krieg 1945.
Über Menschen, wie du und ich, die leider diese schreckliche Zeit miterleben mussten. Menschen die jeden Tag zwischen Hoffnung und Bangen standen, den nächsten Tag zu überleben. Menschen, die über ihre moralischen Grundsätze hinaus gingen, um das Leben ihrer eigenen Familie nicht zu gefährden.

Besonders gut gefällt mit, dass hinter diesem Buch auch lange Recherchen mit Anwälten, Hebammen und Zeitzeugen stehen. Sie machen dieses Buch für mich sehr authentisch und bringen es mir näher, als es manche Werke je taten.
Es ist so ehrlich und ungeschönt geschrieben, dass auch das Ende des Buches und die Auflösung in meinen Augen sehr passend gewählt wurden. Es ist keine Zeit der Beschönigungen gewesen, sondern der unverblümten Wahrheit und Gina Mayer trifft für mich genau diesen Kern mit ihrem Werk.

Ein wunderbar geschriebenes Buch, welches mich sehr nachdenklich gestimmt hat und mir die Nachkriegszeit mit all ihrer unerbittlichen Härte sehr nahe gebracht hat.

Das wird definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin sein!

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