Gina Mayer: Das Maikäfermädchen

Hot
 
4.9 (7)
 
5.0 (4)
6232 1

Autoren-Bewertungen

Gesamtbewertung
 
4.9
 
4.9(7)
Zurück zum Beitrag
7 Ergebnisse - zeige 1 - 5
1 2
Reihenfolge
Das Maikäfermädchen
Gesamtbewertung
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
4.0
Düsseldorf im Sommer 1945. Die Stadt liegt in Trümmern und die Menschen versuchen zu überleben, indem sie sich mit ihren Lebensmittelkarten in die Schlangen stellen - um an die wichtigsten Nahrungsmittel zu gelangen. Nicht selten gehen viele von ihnen leer aus. Es ist auch die Zeit der Trümmerfrauen und derer, die mit einem guten Einfall oder ihrem speziellen Können, ihr Überleben sichern.
Käthe ist so eine Frau. Sie ist Hebamme, eigentlich. Doch eines Nachts taucht eine junge Frau bei ihr auf und bittet Käthe um ihre Hilfe. Ingrid wirkt verstört und möchte weder über sich noch über den Vater des Kindes sprechen. Und so zögert Käthe nicht lange, sondern hilft Ingrid, in dem sie in einer alten Praxis in einem halbzerstörten Haus eine Abtreibung vornimmt. Einmal, denkt sich Käthe, die sich nicht gut bei ihrem Handeln fühlt. Anschließend verschwindet Ingrid wie vom Erdboden verschluckt, doch schon bald kommt das nächste schwangere Mädchen...
Schließlich beginnt die mehr als skeptische Käthe - angetrieben von ihrer sehr geschäftstüchtigen Freundin Lilo - weiteren Frauen und Mädchen zu helfen. Doch die Mund-zu-Mund-Propaganda ist sehr gefährlich für eine sogenannte "Engelmacherin" und noch dazu taucht ganz plötzlich Ingrid auf: erneut schwanger.

Die Autorin Gina Mayer hat mit "Das Maikäfermädchen" eine sehr ergreifende Geschichte geschrieben. Eingebettet in eine schwierige Zeit sind die Figuren, allen voran natürlich Käthe, für mich zum Greifen nahe gewesen - nachvollziehbar in ihrem Handeln und ihrem Kampf um ihr eigenes Leben und Überleben. Auch Käthe vermisst ihren Ehemann, wie so viele andere Frauen nach dem II. Weltkrieg. Sie muss für sich sorgen und hat es in einer Zeit, in der kaum ein Mensch sie bezahlen kann und sie eben auch ein gutes Herz hat, überhaupt nicht leicht. So ringt sie mit ihrer Einstellung, ihrem eigenen Wunsch nach einem Kind und ihrem christlichen Glauben auf der einen Seite und dem Wunsch der Frauen, die sie im Stillen aufsuchen, auf der anderen Seite.
Wenn Käthe durch die zerbombte Stadt geht und auf andere trifft, erkennt man die Nöte der sehr unterschiedlichen Menschen, die allesamt auf sehr unterschiedliche Art und Weise vom Krieg und seinen Folgen betroffen sind. Da wäre einmal ein zitternder Mann, der zu kaum etwas in der Lage ist - noch nicht einmal zu Worten, die sein Leiden vielleicht erklären könnten, oder ein anderer Mann, den das erlebte unermessliche Leid in einem Konzentrationslager nicht daran hindern kann, in das Land seiner Peiniger - und sein eigenes Land - zurückzukehren und mit einer guten Idee ein kleines "Geschäft" aufzubauen... Die unterschiedliche Stärke und ihre Schwächen und Traumata, mit der die Figuren ihre jeweiligen Leben und die Folgen des Dritten Reiches meistern, haben mich sehr beeindruckt. Besonders die Figur der Käthe, mit all ihren Gewissensbissen, ihrem Mut und ihrer Sehnsucht nach ihrem Mann Wolf, hat mir sehr gut gefallen und deshalb habe ich bis zum Ende mit ihr mitgefiebert; gehofft, dass es ein kleines Fünkchen Hoffnung für sie gibt...

Gina Mayer hat wirklich bewegende Charaktere geschaffen, die für mich sehr authentisch sind und mir sehr gekonnt vor Augen geführt haben, mit wie viel Leid die Menschen der damaligen Zeit zu kämpfen hatten. Im Grunde muss ich mir immer wieder vor Augen führen, was vor gut 70 Jahren in diesem Land alles geschehen ist - in einem Land, in dem ich weitestgehend wohlbehütet zur Welt gekommen und groß geworden bin. In einem Land, dass heute sicherlich eine der felsenfestesten Demokratien überhaupt ist. Was für ein Glück, dass wir den Terror der Nationalsozialisten und den daraus resultierenden Krieg nicht erleben mussten! Ebenso wenig wie die harten Jahre nach der Befreiung...

Fazit: Ein ergreifendes Buch mit tollen Charakteren, die mich sehr beeindruckt haben. Zudem besticht "Das Maikäfermädchen" durch eine sehr gekonnte, wenn auch harte Atmosphäre!
War diese Bewertung hilfreich für dich? 1 0
Das Maikäfermädchen
Gesamtbewertung
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
5.0
Inhalt
1945 in Düsseldorf. Der Krieg ist vorbei. Viele Männer sind nicht mehr heimgekehrt, Familien wurden auseinandergerissen und die Menschen leiden unter Hunger und Zerstörung. Es fehlt einfach an allem und lange Schlangen bilden sich vor den Geschäften, wenn mal wieder ein paar Graupen oder etwas Butter im Angebot sind, und die Verzweiflung ist groß, wenn das Warten mal wieder vergeblich war, weil die Ware schneller ausging, als noch Menschen darauf warteten. Auch Käthe, eine Hebamme, vermisst ihren geliebten Mann und kämpft um das tägliche Überleben. Eines Tages bittet ein verzweifeltes schwangeres Mädchen sie darum, ihr gegen Bezahlung das Kind abzutreiben. Käthes anfängliche Skrupel vergehen bei der Aussicht auf Nahrung, auch spürt sie, dass ihre medizinischen Kenntnisse das Mädchen davor bewahren werden, selbst einen lebensgefährlichen Abbruch zu versuchen und so nimmt sie den Eingriff heimlich vor. Dabei soll es nicht bleiben und immer mehr verzweifelte Frauen wollen ihre Dienste in Anspruch nehmen. Angetrieben von ihrer Freundin Lilo, die darin einen ertragreichen Weg sieht, Käthe und auch sich und ihre eigene Familie mit genug Essen zu versorgen, macht sich Käthe mit einem unguten Gefühl an die verbotene Arbeit.


Meine Meinung
Wieder hat die Autorin eine Geschichte geschrieben, die mich sehr berührt und bewegt hat. Schon die Beschreibungen der zerstörten Umgebung und der Lebensumstände direkt nach dem Krieg gingen mir unter die Haut. Ich konnte den Hunger, der Käthe so sehr quälte, fast spüren und auch die verzweifelte Ungewissheit über das Schicksal ihres Mannes. Viele kleine Rückblicke von Käthe oder auch ihre Beobachtungen von Trümmerfrauen oder anderen Mitmenschen auf den Straßen, ließen den Krieg und seine Folgen deutlich spürbar werden. Dabei wird oft in eher leichtem Ton, fast ein bisschen distanziert, erzählt, aber gerade dadurch erlebte ich die beschriebenen Szenen mit einer besonderen Intensität, einer ganz besonders eindringlichen Atmosphäre.

Aber nicht nur das Umfeld wirkte sehr authentisch, auch die Personen waren in ihrer Vielschichtigkeit sehr lebendig und echt. Es gibt kein Schwarz-Weiß, nur ganz viel dazwischen. Der Krieg hat moralische Werte verschoben, Hunger und Angst treiben die Menschen an und lassen sie oft abstumpfen, denn Gefühle machen nicht satt. Ich konnte daher sehr gut Käthes und auch Lilos Verhalten nachempfinden. Auch wenn gerade Lilos Geschäftstüchtigkeit mich doch sehr erschreckte, so konnte ich sie kaum verurteilen, wollte doch auch sie nur irgendwie überleben. Gefühle kommen aber auch immer mal wieder hoch und so litt ich oft mit Käthe wegen ihrer mehr und mehr aufkommenden Zweifel und ihrer Gewissheit, so oder so das Falsche zu tun. Denn natürlich nahm sie die Abtreibungen trotz allem sehr schwer, ebenso aber auch die sonst möglichen Selbstversuche der Frauen.

Neben den beiden so unterschiedlichen Freundinnen, gibt es mit Lilos Mann Hambach und der 16jährigen Tochter Hilde noch ein paar Nebenfiguren. Das Mädchen Hilde lag mir die ganze Zeit sehr am Herzen, denn sie ist in einem Alter, in dem man sich nach Liebe und Freundschaft sehnt, doch auch dies hat der Krieg vergiftet. Frauenarzt Doktor Hambach dagegen ist wie gelähmt nach seinem persönlichen Schrecken der Vergangenheit und scheint eine Schuld mit sich herumzutragen, die ihn innerlich zerfrisst. Auch dies konnte man sehr gut spüren und ich hätte ihn gerne das ein oder andere Mal geschüttelt, damit er endlich aus seinem Selbstmitleid und seiner Erstarrung erwacht und über die Geschehnisse spricht. Besonders betroffen hat mich aber das Schicksal von Schimanek, der den beiden Frauen immer eine Hilfe war. Seine Erzählungen und vor allem sein persönlicher Umgang mit seiner eigenen KZ-Vergangenheit, seine Stärke aber auch seine Verletzlichkeit und sein persönliches Trauma, haben mich sehr berührt.

So erzählt die Autorin auf eindringliche und atmosphärische Weise von so unterschiedlichen Menschen, die aber eines gemeinsam haben, nämlich einen furchtbaren Krieg hinter sich, aus dem sie sich mühsam herauskämpfen müssen. Für uns kaum vorstellbare Situationen zerren an der Kraft und an der Menschlichkeit jedes Einzelnen. Tod, Hunger, Kriegsgefangenschaften, KZ-Vergangenheiten, Schuld, Schwarzmarkt, Schmuggel, Notunterkünfte ,Essensmarken und Trümmer, Trümmer, Trümmer... Ich bin immer wieder dankbar, dass ich dies bisher nicht erleben musste und bewundere immer wieder das Durchhaltevermögen und die Kraft vieler Menschen in der damaligen Zeit.
War diese Bewertung hilfreich für dich? 1 0
Ein Buch über Abtreibungen im Nachkriegsdeutschland
(Aktualisiert: 03 Mai 2013)
Gesamtbewertung
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
5.0
Inhalt:
Düsseldorf im Herbst 1945: Die Stadt liegt in Trümmern, Hoffnunglosigkeit und Hunger beherrschen das Leben der Menschen. Die Hebamme Käthe, deren Mann verschollen in russischer Gefangenschaft ist, muß sich alleine durch den Alltag schlagen. Da begegnet sie einem schwangeren Mädchen, das sie bittet, ihr Kind abzutreiben; Käthe lässt sich durch die Aussicht auf eine Mahlzeit darauf ein. Schnell spricht sich herum, daß Käthe schwangeren Frauen in Not hilft und immer mehr Frauen bitten Käthe um Hilfe. Darüberhinaus trifft sie ihre alte Freundin Lilo wieder, mit der sie zusammen die Abtreibungen heimlich ausführt.
Meine Meinung:
Das Buch überzeugte mich durch seine Vielschichtigkeit: der Leser bekommt einen detaillierten Blick auf die Nachkriegszeit in Düsseldorf und auf die Probleme und Sorgen der dort lebenden Menschen, und das nicht nur aus einem Blickwinkel, sondern aus der Perspektive verschiedener Charaktere. Zudem werden über die Protagonisten sehr viele Themen der Nazi-Zeit angesprochen, ob es sich um den KZ-Aufenthalt und seine Folgen für den Insassen, um Homosexualität während des Nationalsozialismus oder um Aufgaben von Frauenärzten während des Nazi-Regimes handelt.

Die Charaktere sind ebenfalls vielschichtig dargestellt: die Autorin zeichnet die Figuren nicht nur schwarz-weiß, sondern zeigt ihre Stärken und Schwächen, wodurch die Romanhandlung sehr lebendig wird.

Die Handlung hat mich als Leser mitfiebern und -leiden lassen, zudem gab es einige überraschende Wendungen und Auflösungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Obwohl mir viele Fakten aus der Nazi-Zeit bekannt waren, gab es dennoch die ein oder andere Neuheit für mich.

"Das Maikäfermädchen" ist mein erstes Buch von Gina Mayer, wird aber garantiert nicht das letzte Buch der Autorin bleiben. Das Buch bekommt von mir volle Punktzahl und ist für mich ein Buchtipp.
War diese Bewertung hilfreich für dich? 0 0
Das Maikäfermädchen
Gesamtbewertung
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
5.0
Mit dem "Maikäfermädchen" schickt Gina Mayer uns in eine Zeit, aus der ich persönlich bisher eher weniger gelesen habe, aber nichtsdestototz sehr interessant finde: Die Nachkriegszeit, die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Deutschland ist zerrüttet vom Krieg, es herrscht Armut, Angst und alles ist voller Trümmer. Die damalige Atmosphäre fängt Mayer mühelos auf. Dabei unterstützen die unterschiedlichen überzeugenden Charaktere die Handlung. Die Personen sind facettenreich und lebhaft geschildert, jede Person ist eine großartige Persönlichkeit mit einer Geschichte, die von den harten Kriegsjahren gezeichnet war. Dabei wird keine Biographie als übertrieben dargestellt, aber verschönt wird auch nichts. Wie unterschiedlich die Personen mit ihren Schicksalen umgehen, ob sie hadern oder weiter gehen, ist ganz dem Charakter der Person angepasst, was die Charaktere für mich sehr realistisch gemacht hat.
Durch die schöne treffende Sprache nahm die Geschichte sehr schnell und einfach Formen an, was mir vor allem in den Rückblicken immer wieder aufgefallen ist. In einem mühelosen, nebenfälligen Ton wurden Nebengeschichten eingeflossen, die vor allem durch ihren Stil leicht daher kamen, aber nachhaltig im Gedächtnis blieben, so dass man auch noch nach dem Lesen darüber nachgedacht hat.
Mit einem überraschendem aber sehr rundem Ende wurde das Buch abgeschlossen und ließ mich doch sehr zufrieden zurück. Alles in allem ein sehr schönes Buch!
War diese Bewertung hilfreich für dich? 0 0
Das Maikäfermädchen
(Aktualisiert: 22 März 2013)
Gesamtbewertung
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
5.0
Zum Buch:

Herbst 1945 in Düsseldorf: Die Zeiten sind denkbar schlecht, die Menschen hungern. So auch die Hebamme Käthe. Als Ingrid, ein junges schwangeres Mädchen, sie bittet, ihr Baby abzutreiben, lässt Käthe sich darauf ein. Einmal und nie wieder, denkt sie. Dach dann kommt es ganz anders...

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich tief berührt. Die Geschichte spielt in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges. Diese bedrückende und harte Zeit wird sehr anschaulich beschrieben. Man hat fast das Gefühl, alles selbst erlebt zu haben - das stundenlange Anstehen für eine Handvoll Graupen, um dann doch leer auszugehen; das nagende Hungergefühl; die Kälte in kaputten Häusern ohne Fenster...
Dazu sind die Figuren sehr gut beschrieben und ausgearbeitet; sie wirken lebendig und authentisch. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen.
Von der ersten bis zur letzten Seite hat das Buch mich fesseln können, und auch jetzt nach dem Lesen bin ich noch gefangen in der Geschichte. Es ist wie ein kleiner Abschied, dieses Buch nun erst mal zurück ins Regal stellen zu müssen. Ich kann mir aber gut vorstellen, es irgendwann noch einmal zu lesen; es hat mich sehr beeindruckt.
Hier muss ich auch nicht lange überlegen; das Buch bekommt glatte fünf Sterne von mir; es ist ausgezeichnet!
War diese Bewertung hilfreich für dich? 0 0
7 Ergebnisse - zeige 1 - 5
1 2

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

 

Affiliate-Programm von LCHoice (lokaler Buchhandel) und Amazon. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue