Deborah Levy: Heiße Milch

 
0.0
 
4.2 (2)
359   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Deborah Levy: Heiße Milch
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Hot Milk
ET (Original)
2016
ISBN-13
9783462049770

Informationen zum Buch

Seiten
288

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Heute habe ich meinen Laptop auf den Betonboden einer Strandbar fallen lassen.

Community

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei LChoice kaufen

Handlungsort

Stadt
Kontinent
Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Eine junge Frau begleitet ihre Mutter nach Spanien, wo diese in einer Spezialklinik behandelt werden soll, da die Beine ihr den Dienst versagen. Doch ist das Leiden der Mutter wirklich physischer Natur, oder versucht sie, ihre Tochter an sich zu binden?
Dr. Gomez gilt als Koryphäe, deshalb reisen die beiden Engländerinnen nach Andalusien, wo sich Rose in Behandlung begibt. Sofia, deren griechischer Vater die Familie vor Jahren verließ, versucht zu ergründen, woran ihre Mutter erkrankt ist und wo sie selbst steht. Beim Schwimmen im Meer, das voller Medusen ist, in Gesprächen mit Dr. Gomez oder dessen Tochter wird ihr immer klarer, dass sie sich von ihrer Mutter befreien muss. Als sie die Deutsche Ingrid kennenlernt, die selbstbewusst und unkonventionell ihr Leben lebt, trifft Sofia Entscheidungen.

Karte

Move Map
Start/Ziel tauschen

Benutzerkommentare

2 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.2
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.5  (2)
Charaktere 
 
4.5  (2)
Sprache & Stil 
 
4.5  (2)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

"Meine Liebe zu meiner Mutter ist wie eine Axt. Sie schlägt sehr tief." (S.137)

Tief gelandet sind folglich auch Sofia Papastergiadis und ihre Mutter Rose - zumindest von ihrer Heimat Yorkshire aus, im tiefen Süden Europas nämlich, in Spanien. Dort soll Rose in der Spezialklinik des Dr. Gomez endlich Heilung finden, Heilung von einer diffusen Krankheit, die sie im wahrsten Sinne des Wortes lähmt. Zumindest manchmal. Denn die 64jährige Rose kann sich kaum mehr fortgebewegen.

Ihre Tochter Sofia kann das sehr wohl, zumindest physisch. Sie kann gehen: doch nach einer eigentlich recht erfolgreich begonnenen Karriere als Anthropologin mit einem tollen Masterabschluss, der nun mit der Dissertation gekrönt werden sollte, ist auch sie gelähmt - innerlich zumindest. Die 25jährige kommt nicht in die Pötte, sie lässt sich treiben, ist immer noch abhängig von ihrer Mutter.

Und diese von ihr: Rose hat sich in ihrer Krankheit eingerichtet, lässt Sofia alles machen, sie quasi von vorne bis hinten bedienen. Diese gegenseitige Abhängigkeit tut beiden nicht gut, ganz und gar nicht, doch gibt es eine Lösungsmöglichkeit?

Mutter und Tochter setzen im wahrsten Sinne des Wortes auf Dr. Gomez - sie haben für die überaus hohen Behandlungskosten ihr Haus versetzt. Doch möglicherweise ist er ein Scharlatan.

Die Geschichte wird aus Sofias Perspektive erzählt, aus der Perspektive einer jungen Frau, die sich treiben lässt, die eher (an)nimmt, als eigene Initiative zu ergreifen, deren Handlungen meist - auch wenn sie durchaus energisch sein kann - eher reaktive sind. Doch die Begegnungen in Spanien, bspw. mit der Deutschen Ingrid - während der Behandlungen ihrer Mutter hat sie viel Zeit - bringen sie auf neue Gedanken.

Sofia und Rose sind von ihrem Vater bzw. Partner, dem Griechen Christos vor langer Zeit verlassen worden, Sofia hat ihn seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen. Der Kontakt ist spärlich, denn der Vater hat nun eine neue Familie, mit und für die er lebt. Kann er vielleicht Sofia weiterhelfen? Sie macht sich auf den Weg zu ihn.

Ein Roman über starke Gefühle, über das Verhältnis zu anderen, zu sich selbst. Vor allem aber zu seinem Weg zur Findung der eigenen Identität. Deborah Levy hat einen schmerzlichen Roman geschrieben, finde ich, aber sie hat eine Leichtigkeit hineingebracht, die ihn unterhaltsam, anregend und spannend werden lässt. Auch wenn es an keiner Stelle unbeschwert zuging, war die Handlung für mich stets gut (be)greifbar. Die Sprache ist klar, dabei durchdacht, es werden viele Metaphern benutzt, vor allem solche, die zerstörende Kraft beinhalten. So der Vergleich von Sofias Mutterliebe zu einer Axt, den ich zum Titel dieser Darstellung gemacht habe, der eine weitere Formulierung zu den Veränderungen, die Sofia innerlich durchlebt, gegenübersteht: "Was ich über mich weiß, zerfällt derzeit in Trümmer und der Hammer ist Ingrid." (S.141).

Kraftvolle Vergleiche im Prozess einer Selbstfindung stehen im Zentrum des Romans, doch drumherum gruppieren sich zahlreiche Fragestellungen und Entwicklungen, die die Darstellung von Sofias Leben, ihrer Entwicklung, ergänzt. Obwohl ich den Roman gut lesen konnte, kann ich nicht sagen, dass ich ihn gerne gelesen habe, denn er hinterlässt in mir Gefühle, die ich nicht ganz einordnen kann. Vielleicht hat die Autorin Deborah Levy mir ja - ob beabsichtigt oder nicht - einen Spiegel vorgehalten, den ich erst einmal begreifen muss.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Ein einnehmender und vielschichtiger Roman über Abhängigkeit, Schuld und Selbstfindung

Sofia Papastergiadis ist 25 Jahre alt und hat fast ihr ganzes Leben damit verbracht, ihre alleinerziehende Mutter Rose zu umsorgen. Während sie zu einer Expertin und einer medizinischen „Detektivin wider Willen“ geworden ist, was die rätselhaften Symptome ihrer Mutter angeht, die dazu führen, dass sie die meiste Zeit nicht in der Lage ist, ihre Beine und Füße zu bewegen oder zu spüren, hat Sofia ihr eigenes Leben zurückgestellt und sogar ihre Dissertation abgebrochen. Als sie von einem Arzt in Spanien hört, der mit seinen unkonventionellen Methoden ihre letzte Hoffnung auf Besserung wird, reist sie zusammen mit ihrer Mutter nach Almería. Dort lernt sie nicht nur den dubiosen Dr. Gómez, sondern auch die schöne Berlinerin Ingrid und den Strandwächter Juan kennen, von denen jeder einen Teil auf seine Art und Weise dazu beiträgt, dass Sofia anfängt, über sich selbst und ihr Leben zu reflektieren, und sich als von ihrer Mutter unabhängige Person zu betrachten.

So wie ich „Heiße Milch“ an einem Tag verschlungen habe, so schwer finde ich es, im Nachhinein darüber zu sprechen oder eine Meinung zu formulieren, die der Geschichte und all den Themen und Motiven, die Deborah Levy hier unterbringen will, gerecht wird. Der Roman entfaltet eine ungeheure Sogwirkung, lässt man sich erst einmal auf die Geschichte, die hauptsächlich in der Hafenstadt Almería im Süden Spaniens spielt, ein. Doch ganz wie Sofia sich nicht von den Quallenwarnungen vom Schwimmen im Meer abhalten lässt und immer wieder schmerzende Medusenbisse davon trägt, so fühlt man sich als LeserIn. Man schwimmt in der symbolträchtigen und gelegentlich schwarzhumorigen Sprache voller Metaphern (die allerdings mal mehr, mal weniger schön sind), und immer fühlen sich Szenen an wie Nesseln, deren Gift sich langsam verteilt und die vielschichtiger sind als auf den ersten Blick erfassbar.

So zieht sich beispielsweise der Mythos um die Medusa durch die gesamte Geschichte und greift dabei in die verschiedenen Dimensionen der Erzählung ein, sei es die verkorkste Mutter-Tochter-Beziehung, Sofias Emanzipation oder die Entdeckung ihrer Sexualität. Auch Sprache und ihre Bedeutung, Schuld, Angst und der menschliche Körper spielen eine große Rolle in diesem Buch, das sich um die mysteriösen Symptome von Sofias Mutter dreht, die zusammen mit der konstanten, undankbaren Demütigung und Herabsetzung durch Rose zu Sofias Entfremdung von sich selbst und der Welt, ihren Schuldgefühlen, ihrer Perspektivlosigkeit und ihrem Wunsch nach einem größeren Leben führen.

„Heiße Milch“ ist ein Roman, dessen vielschichtige, (alb)traumartige Erzählung mich zwar komplett eingenommen hat, manchmal aber nicht richtig zum Punkt zu kommen und die einzelnen Fäden richtig zusammenzuführen schien. Insgesamt gefiel mir Levys oft lyrische und schöne Sprache, mit der sie viel in wenigen Worten sagt. Aber genau so wie die Figuren, die manchmal so schräg überzeichnet und symbolisch aufgeladen waren, dass sie den Punkt erreichten, an dem ich mich von ihnen wieder entfremdet fühlte, so eigenartig waren manche Metaphern, die z.B. einen Körper als 'so lang und hart wie eine Autobahn' beschrieben. Nichtsdestotrotz hat dieses Buch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, nicht zuletzt durch die bizarre Atmosphäre und die Geschichte, die sich entlang so vieler Motive bewegt und dabei bis zum Schluss überrascht.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue