Dave Eggers: Der Circle

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Dave Eggers: Der Circle
ET (D)
2014
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Circle
ET (Original)
2013
ISBN-13
9783462046755

Informationen zum Buch

Seiten
560

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Erster Satz
Wahnsinn, dachte Mae.

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Handlungsort

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Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »drei Weisen«, die den Konzern leiten – wird es keinen Schmutz mehr geben im Internet und auch keine Kriminalität. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterneköche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles … Mit seinem neuen Roman »Der Circle« hat Dave Eggers ein packendes Buch über eine bestürzend nahe Zukunft geschrieben, einen Thriller, der uns ganz neu über die Bedeutung von Privatsphäre, Demokratie und Öffentlichkeit nachdenken und den Wunsch aufkommen lässt, die Welt und das Netz mögen uns bitte manchmal vergessen.

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Dystopie oder bald Wirklichkeit?

Inhalt:
Mae Holland hat es geschafft. Sie hat einen Job beim begehrtesten Arbeitgeber der Welt ergattert, dem Circle. Der Circle ist DAS führende Online-Unternehmen. Google, Facebook und Co. mussten die Segel streichen. Ziel des Circle ist es, das Internet und schließlich die ganze Welt zu verbessern, indem sie sie transparenter machen. Jeder soll Zugang zu allen Informationen haben können.

Meine Meinung:
Dave Eggers’ Roman ist erschreckend. Erschreckend, weil er so realistisch wirkt. Weil das Szenario, das der Autor hier entwickelt, womöglich gar nicht so weit entfernt ist von unserer Gegenwart.

Erschreckend aber auch, weil Eggers aufzeigen kann, wie leicht Menschen zu manipulieren sind, wie aus einer an sich genialen Idee schleichend ein Horrorszenario werden kann.

Anhand der Protagonistin Mae erleben wir die Entwicklung eines Charakters von einem ganz normalen Menschen mit einem ganz normalen Sozialleben zu einer Person, die quasi nur noch online und für ihre Follower lebt. Dieser Prozess geht so allmählich vor sich, dass man es anfangs gar nicht bemerkt. Bis es schließlich zu spät ist.

Ich fand Maes Entwicklung absolut nachvollziehbar. Froh darüber, diesen tollen Job zu haben, biedert sie sich bei ihren Vorgesetzten an, um ihn nur ja nicht wieder zu verlieren. Schließlich ist es ja auch nichts Schlimmes, was man von ihr verlangt. Ein paar Kommentare im Circleeignen Netzwerk abzugeben, tut ihr nicht weh. Auch ein Smile hier oder ein Frown da ist schnell angeklickt. Doch jede Aktion zieht eine Lawine von weiteren Aktionen nach sich, und Mae verliert sich immer mehr in der Circle-Maschinerie, ist schließlich selbst absolut überzeugt von der Unternehmensphilosophie. „Nette“ Gespräche mit den Vorgesetzten tragen natürlich viel dazu bei. Sie schaffen es immer wieder, „normale“ Verhaltensweisen als schlecht hinzustellen. Und auch mir als Leser erschien ihre Argumentation sehr oft sehr logisch, sodass mir klar war, warum Mae ihnen quasi blind folgt.

Auch wenn mir Mae nie richtig sympathisch wurde, fand ich sie doch interessant und richtig gut ausgearbeitet. Ich bin froh, dass zwar aus ihrer Perspektive erzählt wird, aber nicht in der ersten Person - so viel Identifikation hätte ich mit ihr nicht aufbringen wollen. Auch die anderen Charaktere, die eine größere Rolle spielen, wirken plastisch und sind vor meinem inneren Auge zum Leben erwacht.

Den Schreibstil fand ich gelungen, da er einfach zu lesen ist, aber trotzdem nicht trivial. Von Zeit zu Zeit nervten Wiederholungen, was ich aber nicht übelnehme, da sie einfach notwendig sind, um die Entwicklung zu demonstrieren.

Der Schluss hat mich wirklich überrascht - ich hätte mit etwas ganz anderem gerechnet. Aber es ist gut so, wie es ist.

Fazit:
„Der Circle“ konnte mich fesseln, mich bestürzen, mich ängstigen. Das Buch bietet viel Raum zum Nachdenken und regt zur Selbstreflexion an.

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Tolle Grundidee, hölzerne Figuren

Mae Holland ist überglücklich, als sie dank ihrer Freundin Annie, die dort eine einflussreiche Position bekleidet, eine Stelle beim "Circle" bekommt. Der Circle ist DAS Unternehmen des Internetzeitalters, so eine Art Google, Facebook, Amazon, Twitter und Apple in einem (und noch mehr). Endlich raus aus der miefigen Kleinstadt, in der sie aufgewachsen ist, raus aus dem öden Job bei den städtischen Versorgungswerken, und hinein ins pralle (Online)Leben auf dem hypermodernen Campus. Auf den ersten Blick wirkt das Circle-Gelände fast so, als würde dort kaum gearbeitet: Sportanlagen, Partys, Fitnesskurse, Starköche in der Cafeteria und Auftritte ständig neuer Künstler.

Aber schon bald merkt Mae, was es wirklich heißt, ein "Circler" zu sein: nicht nur, sich in die Arbeit im Kundendienst, der dort "Customer Experience" heißt, hineinzuknien und dabei möglichst gute Bewertungen zu bekommen, sondern auch stets und ständig up to date zu sein, was Mails, Zings (so etwas wie Tweets), Social-Media-Postings, Newsfeeds und andere Kommunikationsformen betrifft, und sich aktiv am gesellschaftlichen Leben auf dem Campus zu beteiligen, auch und gerade außerhalb der Arbeitszeiten.

Anfangs ist das für Mae äußerst gewöhnungsbedürftig, doch irgendwann ist sie voll und ganz im Circle aufgegangen, legt eine steile Karriere hin und hat nur noch ein Ziel: immer mehr Tools und Informationen in den Circle zu integrieren, immer mehr Transparenz in allen Bereichen des Lebens zu erreichen, kurz - die schöne neue Datenwelt, in der alles gläsern ist und es keine düsteren Geheimnisse mehr gibt, keine Verbrechen, die im stillen Kämmerlein ausgeheckt werden, keine Krankheiten mehr, die nicht schon praktisch bei Entstehung erkannt werden.

Mae ist in der Tat eine unglaublich naive und unreflektierte Protagonistin. Wie sie sich vom Circle in schon fast sektenartiger Weise indoktrinieren und umkrempeln lässt, war mir in dem Ausmaß fast ein bisschen zuviel des Guten. Sowas mag es durchaus geben, und ich verstehe, was Eggers uns an ihrem Beispiel zeigen wollte, aber das kommt schon ein wenig zu sehr mit dem Holzhammer daher. Vielleicht hätte man ein wenig subtiler darstellen können, wie Mae sich dermaßen dem Circle verschreibt, dass sie sich selbst völlig verliert. Hier erscheint sie eher, als hätte sie nie eine Persönlichkeit gehabt, die sie verlieren könnte. Charakterzeichnung ist nicht gerade die Stärke des Buches (und Sexszenen schon gar nicht, die fand ich vollkommen verzichtbar).

Was mir aber definitiv im Gedächtnis bleiben wird, ist die gruselige Vorstellung einer völlig transparenten, geheimnisfreien, zu Tode vernetzten Welt. Das beginnt bereits mit dem Konzept "TruYou", das bedeutet, dass man sich nicht mehr unter Pseudonymen online bewegen kann, sondern nur noch einen einzigen Account unter dem realen Namen besitzt, über den man Zahlungen abwickelt, einkauft, Social Media nutzt und und und (wobei ich es nicht wirklich glaubwürdig fand, dass sich das derart durchsetzt - wenn da einer das Passwort knackt, hat er Zugang zu allem? Viel zu gefährlich!) Somit ist man im Netz komplett gläsern, für Freund und Feind. Das alleine ist schon übel genug, aber dann entwickelt sich Laufe des Buches auch noch ein massiver Druck, sämtliche verfügbaren Informationen über jegliche Personen öffentlich zu machen. Politiker (und nicht nur die) tragen rund um die Uhr Minikameras, um zu beweisen, dass sie nichts zu verbergen haben, und wer nicht mitmachen will, sieht sich mit extremen Anfeindungen und einer ruinierten Karriere konfrontiert.

Genauso furchtbar habe ich auch den Zwang empfunden, sich an möglichst vielen der zahllosen Veranstaltungen des Circle zu beteiligen, möglichst viele Zings, Posts und Mails zu schreiben, zu liken und zu beantworten und dabei seinen Onlinefreunden und -bekannten auch noch möglichst viele Produkte zu empfehlen. Privatsphäre gilt als völlig überbewertet, wenn nicht sogar als eine egoistische Forderung, und "PartiRank", der Maßstab für die Partizipation am sozialen Leben, online und offline, ist das Maß aller Dinge. Was nicht dokumentiert und gepostet wird, hat quasi nicht stattgefunden, und wer sich nicht genügend beteiligt, dem wird auf unerträglich freundliche Weise klargemacht, dass das total daneben ist.

Dass die Entwicklungen, die Eggers beschreibt, wirklich so schnell und vor allem so geräusch- und widerstandslos umgesetzt werden können, wage ich doch stark zu bezweifeln, weil ich überzeugt bin, dass es in unserer Welt doch noch ein paar mehr Menschen mit Sinn und Verstand gibt als in diesem Buch, aber dennoch zeigt er mit dieser Dystopie eindrucksvoll die Gefahren auf, die die schöne neue Welt des Internets mit sich bringt.

Apropos "schöne neue Welt": es gibt einige ziemlich deutliche Anleihen bei sowohl diesem Buch als auch bei "1984" (die Leitsätze, die irgendwann aufgestellt werden, wie "Teilen ist heilen" und "Geheimnisse sind Lügen" haben mich sehr daran erinnert).

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(Aktualisiert: 28 September 2014)

#1 Rezensent
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Ein Buch, das mich nachdenklich machte

Dave Eggers ist Gründer von McSweeney's, einem unabhängigen Verlag in San Francisco, der nicht nur Bücher veröffentlicht, sondern auch Zeitschriften und Magazine. Darunter "The Believer" und "Voice of Witness", die es sich zum Ziel gemacht haben, Zeitzeugen über Gefährdungen der Menschenrechte weltweit berichten zu lassen. Eggers hat ebenfalls "826 Valencia" gegründet, ein gemeinnütziges Schreib- und Förderzentrum für Jugendliche. Mit Preisen wurde der Autor inzwischen überschüttet.

Die ZEIT bezeichnet "Der Circle" als "zornig" und "das '1984' fürs Internetzeitalter, während der Tagesspiegel das Buch als "Roman für analoge Anachronisten und Internet-Hasser" tituliert. Die FAZ ist begeistert, netzpolitik.org das Gegenteil. Was also ist dran an diesem Buch? Vermutlich kann ich dafür auch keine Antwort liefern, denn ich bin hin- und hergerissen.

Die 24-jährige Mae Holland kann ihr Glück kaum fassen. Ihrer Freundin Annie verdankt sie eine Stelle in dem renommiertesten Internetunternehmen der Welt: Dem "Circle". Keine mit Jute verkleidete Arbeitsbox mehr, sondern Yoga- und Meditation im Unternehmensgarten. Abendliche Teamevents und mit den Kollegen feiern. Es ist offensichtlich, dass der Circle neben einer großen Marktmacht auch noch ein anderes Ziel hat: Hier sollen sich unsere Mitarbeiter wohl fühlen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird ein hohes Maß von zwischenmenschlichen Komponenten eingebracht. Die Menschen teilen ihr Leben miteinander, indem sie alle über Soziale Netzwerke an ihren Leben teilhaben lassen.

Wie wäre die Welt, wenn es im Internet eine Klarnamenpflicht gäbe? Trolle hätten es dann schwer, der Umgang würde freundlicher, die Menschen glücklicher und zufriedener. Was, wenn man immer damit rechnen muss, dass eine Kamera das eigene Tun aufzeichnet? Würde man sich da nicht für sein Publikum "besser" verhalten? Sich zurückhalten? Wären dann vielleicht sogar Verbrechen seltener? Was, wenn man jederzeit über einen Chip erkennen könnte, wo sich ein Mensch gerade befindet? Eine Entführung wäre völlig sinnlos.

Mae Holland lebt in einer phantastischen Welt. Der Circle hat die Vision, die Welt besser zu machen. Google, Facebook, Youtube, Twitter - all' diese Unternehmen sind nun unter einem Dach vereint. Man verwaltet nur noch einen Account für alles. Mae ist völlig überzeugt von dem Konzept, doch dann trifft sie auf einen geheimnisvollen Mann, der nicht ganz so transparent ist, wie es die Firmenphilosophie vorlebt. Was hat er zu verbergen?

Ich hatte es schon erwähnt: Ich bin einerseits hingerissen von diesem Buch. Die Tendenzen, die sich hier abzeichnen, sind bereits jetzt schon zu erkennen und Dave Eggers versteht es, ein stimmungsvolles und besorgniserregendes Bild zu vermitteln. Ich hatte das Glück, vor einiger Zeit einen Vortrag von Daniel Domscheit-Berg zu hören. Der deutsche Informatiker, ist ehemaliger Sprecher der Enthüllungsplattform WikiLeaks und Gründer von OpenLeaks. Anhand von drei sehr eindrucksvollen Beispielen konnte er mich schnell davon überzeugen, dass es gar nicht so gut wäre, wenn alle Daten über jeden Menschen so transparent wären. Am erschütterndsten fand ich dabei seine Herleitung zum Dritten Reich: Mithilfe einer Volkszählung und umfangreichen Erfassung der Bevölkerungsdaten konnten Juden überhaupt erst identifiziert werden. Damals dachte noch niemand daran, dass die gesammelten Daten gegen eine ganze Menschengruppe verwendet werden könnte.

Heutzutage teilen wir fast alles mit völlig Fremden: Urlaubsbilder, Bilder unserer Kinder, Gefühle wie Wut, Trauer oder Schmerz. Wir laden Nacktbilder in die Cloud hoch und wundern uns, dass diese in Umlauf geraten. Wir facebooken und twittern, wir sind süchtig nach Likes und machen uns immer transparenter und transparenter. Sobald man auf eine Nachricht länger als 30 Minuten nicht antwortet, machen sich "Freunde" Sorgen um einen. Es gibt viele, die davor warnen. Viele Menschen, denen Datenschutz und Diskretion wichtig ist. Und viele, die fragen: Warum? Ich habe doch nichts zu verbergen. Ich bin schließlich kein Verbrecher.

Eggers bedient sich einiger Klischees und er mag es, Verschwörungstheorien mit seiner Geschichte zu verknüpfen (die Regierung betreffend). Leider zieht sich seine Geschichte manchmal wie Kaugummi, aber je mehr ich davon las, umso bedrückender wurde die Stimmung. Mae Holland ist euphorisch. Sie ist begeistert und begeisternd. Fast will man sich mitreißen lassen, doch dann wird man von einem anderen Gefühl überwältigt und man will sie nur noch wach rütteln. "Der Circle" wäre keine Dystopie, würde er ein positives Bild der Social-Network-Entwicklungen zeichnen.

Hut ab, David Eggers, ein Buch, das mich nachdenklich machte über meine Social-Media-Aktivitäten. Vielleicht sollte doch nicht alles mit allen geteilt werden. Aber vielleicht sieht man manchmal die Welt auch einfach nur zu schwarz.

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