Chigozie Obioma: Der dunkle Fluss

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Chigozie Obioma: Der dunkle Fluss
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Fishermen
ET (Original)
2015
ISBN-13
9783351035921

Informationen zum Buch

Seiten
313

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Erster Satz
Wir waren Fischer.

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Handlungsort

Kontinent
Handlungsorte
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Ein großer Roman über die Schönheit und Abgründe Afrikas Benjamin und seine Brüder leben in der Nähe eines gefährlichen Flusses. Als ihr Vater die Familie verlassen muss, verstoßen sie gegen sein Verbot, sich dem Gewässer zu nähern. Die Fische, die sie dort fangen, sind Vorboten einer Tragödie. Ein faszinierendes Familiendrama und eine sprachmächtige Fabel über das Schicksal Nigerias. Von Afrikas neuem großem Erzähler. "Knisternd vor Lebendigkeit, beladen von Vergänglichkeit, schwindelerregend sowohl im Stil als auch in der elementaren Kraft seiner Geschichte. Nur wenige Romane verdienen das Prädikat 'mythisch' – Chigozie Obiomas 'Der dunkle Fluss' gehört mit Sicherheit dazu. Ein wahrhaft großartiges Debüt." Eleanor Catton (Booker-Preis 2013) "Jeder Satz versetzt einem einen präzisen, tief empfundenen Schlag. Besser geht es nicht. Diesen Namen muss man sich merken." Alexandra Fuller, Autorin von Unter afrikanischer Sonne

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Nigerianisches Familienschicksal

Ein großer Roman über die Schönheit und Abgründe Afrikas, heißt es auf der Rückseite des Buches. Tatsächlich wird beides, Schönheit und Abgründe, für den Leser sehr deutlich spürbar. Diese Familiengeschichte lässt den Leser tief eintauchen ins Nigeria der neunziger Jahre, umreißt Lebensgefühl und Zeitumstände dieser Jahre aus der Sicht eines Kindes. Vieles ist hier anders, als der europäische Leser es kennt. Lebensweise und Lebensumstände, Sitten und Bräuche, Glaube und Aberglaube, Aspekte von Familie und Erziehung werden plastisch geschildert, und über allem Alltagsleben liegt eine durch die politischen Umstände der Zeit bedingte Atmosphäre der Unsicherheit und Gewalt, die man als Leser sehr deutlich wahrnimmt.

Die Geschichte, rückblickend erzählt aus der Sicht des neunjährigen Benjamin, dreht sich vor allem um die Erlebnisse Benjamins und seiner drei älteren Brüder, deren Welt aus den Fugen gerät, als die ordnende Autorität des Vaters (der beruflich in eine andere Stadt versetzt wird) aus ihrem Leben verschwindet. Sie verlieren die Orientierung im Leben, ungünstige Zufälle akkumulieren sich, bis die Geschehnisse in einer Katastrophe eskalieren, die die Zukunft aller vier Brüder nachhaltig beeinflusst oder gar zerstört und der nicht einmal der sanftmütige Ben entkommen kann.

Die Geschichte kann gelesen werden als Fabel über das Schicksal Nigerias, als Metapher für die unheilvolle Kollision von altem/traditionellem und neuem/nachkolonialem Afrika. Unter einer Oberfläche moderner Bildung ist noch immer der alte Glaube an Mythen und Magie tief verwurzelt. Nachvollziehbar werden die verhängnisvollen Verstrickungen der vier Jungen geschildert, die aus bestimmten tradierten Denkweisen (die in der Figur des verrückten Sehers Abulu personifiziert werden) und den unglücklichen aktuellen Umständen resultieren. Möglicherweise hätte alles ganz anders enden können, wären manche Ereignisse ein klein wenig anders verlaufen, hätte man eine andere Sichtweise auf die Dinge oder wären die Verhältnisse friedlicher.

Der Schreibstil des Autor enthält viele sehr bildhafte Vergleiche, angefangen vom Fluss und den Fischen, bis hin zu den Vergleichen der Familienmitglieder mit verschiedenen Tierarten, die die Stellung der betreffenden Person in der Welt sehr treffend charakterisieren. In einigen Aspekten ging der Roman dann zwar nicht so tief, wie ich es erwartet hatte, so durchzieht der titelgebende Fluss als Motiv beispielsweise nicht das ganze Buch, sondern ist nur anfänglich von Bedeutung.

Fazit: ein sehr lesenswerter und empfehlenswerter Roman für jemanden, der sich für Afrika interessiert oder gern mal über den europäischen Tellerrand schauen möchte.

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lesenswertes Familiendrama aus Nigeria

Das ist jetzt mein dritter nigerianischer Roman und idiotischerweise habe ich bei afrikanischer Literatur trotzdem immer noch das „Slum oder Dorf als üblicher Handlungsort“ – Vorurteil, welches sich erneut als falsch erwiesen hat. Die Familie gehört zu Mittelschicht, der Erzähler Ben ist der jüngste von 4 Brüdern zwischen 9 und 14 Jahren, es gibt noch zwei deutlich jüngere Geschwister, die für die Geschichte aber keine Rolle spielen, Als der Vater versetzt wird, zerstört das die heile Familienstruktur und es schließlich gibt Tote.

Der älteste Bruder soll in der Abwesenheit des Vaters eine Doppelrolle einnehmen: Ersatzvater und Vorbild für seine jüngeren Brüder einerseits, gehorsamer Sohn der Mutter gegenüber andererseits. Die daraus resultierende Überforderung des Teenagers ohne Unterstützung oder eigene Vorbilder in der Verwandtschaft fordert ihren Tribut. Neben dem Hauptthema, dem Zerbrechen der Familie, erfährt man viel über die nigerianische Gesellschaft, wobei der Autor Dinge wie Erziehung, Glauben und vor allem auch Aberglauben, Fußball (Nigeria wurde 1996 Weltmeister), Politik oder die allgegenwärtige Korruption und Gewalt eher nebenbei einfließen lässt und so auch seine europäischen Leser nicht überfordert.

Der Roman ist auch optisch gut aufgemacht, als Kapitelsymbol dient passenderweise ein Angelhaken, wobei die Kapitelüberschriften oft etwas sehr symbolisches haben und an Sternzeichen oder Tarotkarten erinnern. Gleich im ersten Satz wird das Symbol dann häufig einer Person zugeordnet, die in diesem Kapitel eine wichtige Rolle spielt. Dadurch wirkt die Geschichte bei aller Bildhaftigkeit klar und gut strukturiert. Sprachlich empfand ich das Buch ebenfalls als angenehm zu lesen, einzelne Ausrufe auf Ibo fügten sich gut ein und störten den Lesefluss nicht. Allerdings bin manchmal über einzelne Wörter wie Leviathan oder Nyktophobier gestolpert, die sich für mich sprachlich deutlich vom restlichen Stil abhoben. Vielleicht sind diese Wörter aber auch im Englischen gebräuchlicher, in dem Fall wäre das ein reines Problem der deutschen Übersetzung.

„Der dunkle Fluss“ ist eine dramatische Familiengeschichte vor ungewohntem Hintergrund. Der Roman eignet sich meiner Meinung nach sehr gut als Einstieg in afrikanische Literatur und ist unabhängig davon auch einfach eine lesenswerte Geschichte.

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Komm wie du bist und gehe als neuer Mensch...

Als experimentierfreudige Leserin wollte ich mal etwas völlig Neues ausprobieren und zudem gern etwas Anspruchsvolleres lesen als sonst und entschied mich daher für dieses ungewöhnliche Buch.

Der Ich- Erzähler Ben führt uns durch die Geschichte. Zunächst lernen wir seine Familie kennen, bestehend aus 6 Geschwistern (inklusive Ben) und dem Elternpaar. Die Familie lebt verhältnismäßig glücklich im Nigeria der 90er Jahre bis der Vater beruflich versetzt wird und die Mutter mit den 6 Sprösslingen allein zurechtkommen muss. Und dann passiert etwas, dass das Leben der Familie total auf den Kopf stellt...

Chigozie Obioma zeichnet ein sehr interessantes Bild von Nigeria und gibt uns Lesern Einblicke in eine uns völlig fremde Kultur. Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen förmlich einen Kulturschock erlitt, denn der raue Umgang in der Familie und die andauernde Angst und Gewalt sorgten bei mir für Bauchweh, denn so etwas möchte man in seiner Kindheit wohl kaum erleben. Auch der Aberglaube spielt hier eine sehr wichtige Rolle.

Die Ereignisse spielen zu einer Zeit als Ben 9 Jahre alt ist. Aufgrund der Erzählperspektive erfährt man alles über ihn und erhält tiefe Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt, was mir sehr gut gefiel.

Da Ben ein guter Beobachter ist, erleben wir auch seine Umgebung, die Familienmitglieder und die Bewohner der Nachbarschaft sehr intensiv. Erschreckend fand ich vor allem den Charakter Abulu.

Besonders verzaubert hat mich die Schreibe des Autors, verwendet er doch Beschreibungen, die das Lesen zu einem wahren Genuss machen. Die Eltern werden hier zum Beispiel als Herzkammern des Hauses bezeichnet und die Zukunft als leere Leinwand, auf die man alles projizieren kann.

Das Familiendrama hat mich sehr gefesselt und tief berührt. Man fragt sich immer wieder was man anstelle der Jungs getan hätte.

Fazit: Wahrer Lesegenuss, den ich einfach empfehlen muss. Lasst euch dieses Buch nicht entgehen. Deutlich einfacher zu lesen als es auf den ersten Blick erscheinen mag...

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Nigeria ist ein Phoenix....

Chigozie Obioma erzählt die Geschichte einer Familie und eines Landes, seines Landes, Nigeria.
Die Familie Agwu lebt nicht nur in Nigeria, sie teilt auch ein Schicksal mit ihrem Heimatland, zerissen
zwischen Tradition und Moderne, zwischen alter und neuer Welt.
Dazwischen der Omi-Ala, der dunkle Fluss, der diese Welten zugleich trennt aber auch verbindet. Er windet
seinen Weg durch die Geschichte und reisst am Ende alles mit sich. Er ist Anfang und Ende, Unheilbringer und Erlöser.
In bildhaften Worten beschreibt Obioma die Tragödie der Familie Agwu, bunt und lebendig. Wir nehmen teil an ihrem Leben, das untrennbar mit Nigeria erbunden ist. Und wie ein Phoenix sich aus seiner Asche erhebt, werden auch sie am Ende auferstehen und ein neues Leben beginnen.
Es ist Obioma gelungen diese beiden Geschichten zu verbinden und auf anschauliche Weise darzustellen, auf eine Art und Weise, die einen von der ersten Seite an fesselt. Mag es auch wie eine mythische Sage daherkommen, so bildet es doch die Realität ab, wie sie auch heute noch in Afrika gelebt wird. Aber lässt uns mit einem Gefühl der Hoffnung zurück, daß es möglich ist, die schönen und guten Traditionen zu bewahren und den Aberglauben zu überwinden.

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Aberglaube und Familienbande

Ein virtueller Lesekreis brachte mich zu diesem Buch, zu dieser nigerianischen Familientragödie Mitte der neunziger Jahre. Erzählt wird aus der Sicht von Ben, einem der 4 älteren Geschwister, welche die Hauptakteure der Geschichte darstellen.

Im Rahmen der Familiengeschichte erfährt man viel über Sitten und Gebräuche in Nigeria, über den Bruch zwischen alter Tradition und missioniertem Christentum und einer Hingabe zum "westlichen" Kulturkreis. Eine Tragödie die im beruflich begründetem Weggang des Vater ihren Anfang nimmt und aus Aberglaube, Teenager-Gefühls- und Findungschaos und einer müttlerlichen Ohnmacht genährt und vollendet wird. Man stellt sich beim Lesen Fragen zum familiären Einfluss, zum Einfluss von Mitmenschen aber auch von Religion und Aberglaube und ganz nebenbei erfährt man auch etwas über politische Ereignisse und Gegebenheiten Afrikas.
Die Sprache ist flüssig und gut verständlich, einzelne afrikanische Passagen passen gut, erhöhen das sprachliche Lesegefühl und verdeutlichen inhaltliche Punkte.
Einzig der Titel hat in mir höhere Erwartungen über Verbindungen und Symbole erzeugt als in der Handlung tatsächlich vorkommen. Der Fluss an sich, das Fischen und dazu die Verbindung der Jungs waren eher wage und hatten für mich eine weniger bedeutende Rolle als ich mir vorgestellt habe.

Insgesamt ein gutes Buch, spannend, gefühlvoll und authentisch. Es war eine Bereicherung und ich empfehle es weiter...

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