John Boyne: Der freundliche Mr. Crippen

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John Boyne: Der freundliche Mr. Crippen
Verlag
ET (D)
2013
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Crippen
ET (Original)
2004
ISBN-13
9783716027004

Informationen zum Buch

Seiten
560

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Erster Satz
Sie war über einhundertfünfundsiebzig Meter lang und fast ein Achtel so breit.

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Handlungsort

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Am 20. Juli 1910 verlässt das Passagierschiff S.S. Montrose den Hafen von Antwerpen und steuert mit rund 1.400 Fahrgästen in Richtung Quebec. Unter ihnen aus London ein Vater mit seinem Sohn. Im März desselben Jahres meldet im Londoner Büro von Scotland Yard eine Frau ihre Freundin Cora Crippen als vermisst und äußert einen ungeheuerlichen Verdacht: Coras Ehemann, der Arzt Hawley Crippen, soll seine Frau ermordet haben. Inspektor Walter Drew schenkt diesem Hinweis jedoch keinerlei Glauben, denn Mr Crippen gilt als überaus freundlich, sympathisch und harmlos. Doch auch Mr Crippen scheint wie vom Erdboden verschluckt, und dann macht Scotland Yard eines Tages einen grausigen Fund. In Vor- und Rückblenden zwischen den Ereignissen in London und auf der S.S. Montrose erzählt John Boyne von der spannenden Jagd nach einem Mörder und seiner Komplizin, die sich im Jahr 1910 wirklich so zugetragen hat. Sie führt uns zurück in die große Zeit der Passierschifffahrt kurz vor dem Untergang der Titanic und der großen technischen Erfindungen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wurde ein Täter per Schiffsfunk überführt.

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Ein freundlicher Mann

Im Sommer des Jahres 1910 sticht in Antwerpen ein kanadisches Schiff in See: es ist die SS Montrose auf ihrem Weg nach Nordamerika, genauer in den Hafen von Québec. An Bord sind sehr viele Menschen, die die Überfahrt aus unterschiedlichsten Gründen machen: unter anderem sind da Mrs Drake und ihre Tochter, die sich beide an Nervigkeit schier überbieten, der französische Geschäftsmann Zéla, die alleine reisende Miss Hayes und Mr Philo Robinson, der mit seinem Sohn reist. Während das Vater-Sohn-Gespann schon bald auffällt, weil nur wenige Passagiere überhaupt in den besseren Kajüten untergebracht sind, erzählt der Autor John Boyne die Geschichte in verschiedenen Zeitebenen, so dass die Rückblenden immer mehr Details über das Leben und den Charakter des mysteriösen Mr Crippen, einem US-amerikanischer Arzt, der seit etlichen Jahren eine Praxis im Norden Londons hat, enthüllen. Nebenbei erfährt der Leser aber auch einiges über die großen Zeiten der Passagierschifffahrt und die neuesten technischen Errungenschaften…
So entpuppt sich langsam ein wichtiger historischer Kriminalfall, der in England weitaus bekannter ist als hier in Deutschland.

John Boyne verarbeitet gerne interessante geschichtliche Geschehnisse zu Romanen - dennoch würde ich bei diesem Buch dazu raten, vor der Lektüre nicht allzu viel zu den realen Figuren zu recherchieren, denn das könnte das Leseerlebnis erheblich schmälern. Gerade die Erzählweise des Autoren lässt es nämlich zu, dass sich "Der freundliche Mr Crippen" wie eine Zwiebel schälen lässt und erst nach und nach alle Details und Rätsel frei gibt, während die Dramatik stetig zunimmt.
Wie auch schon bei "Der Junge im gestreiften Pyjama" und "Das Haus zur besonderen Verwendung" wählt John Boyne eine tolle Sprache, die den Figuren regelrecht Leben einhaucht, so dass man bei den einzelnen Charakteren ihre Entwicklung, ihre Probleme und ihre Gefühlswelt zu begreifen meint. Besonders gefällt mir aber der Witz, den Boyne perfekt beherrscht und der fein dosiert immer wieder in den Sätzen mit schwingt - überhaupt sind seine Sätze häufig kleine Kunstwerke, in denen mehr steckt als die bloße Beschreibung einer Situation oder Person.

Am Ende des Buches wird man feststellten, dass der Autor die unterschiedlichen Zeiten und Geschehnisse perfekt miteinander verwoben hat und so ein stimmiges Bild entstanden ist - aber natürlich ist nichts davon mit knallharten Fakten belegt. So wie der eigentliche Fall bis heute noch an der ein oder anderen Stelle Fragen aufwirft, so muss man hierbei dem Schriftsteller seine künstlerische Freiheit zugestehen, denn immerhin ist "Der freundliche Mr Crippen" kein Sachbuch, sondern ein Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht. Einzig und alleine ein Nachwort, eine Chronologie der Fakten oder ein paar erklärende Worte in einer Danksagung habe ich einwenig vermisst - auch die Motivation des Autors, sich dieses Falles anzunehmen, hätte mich wirklich interessiert...

Fazit: Wirklich eine sehr gute Unterhaltung, bei der mich vor allem die schönen Sätze und der charmante Sprachwitz beeindruckt haben. Aber wie gesagt: es empfiehlt sich sehr, den Roman unvoreingenommen (durch vorherige Informationen zum Fall) zu lesen, denn dann macht er sicherlich noch einen Tick mehr Spaß!

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Der wahre Fall des Mr Crippen - neu interpretiert

In dem Buch "Der freundliche Mr Crippen" hat John Boyne den wahren Fall des Mr Crippen aufgerollt und einige interessante Sichtweisen mit einfließen lassen. Dabei lässt er das Buch zuerst sehr entspannt auf dem Schiff "Montrose" starten, auf dem einige interessante Passagiere sich zusammenfinden und ich schon gleich zu Beginn über einige eigenwillige Charaktere schmunzeln bzw. den Kopf schütteln musste.

In Rückblenden wird dann das Leben von Hawley Crippen erzählt. Von seiner Jugend, hin zu seinem verzweifelten Wunsch Arzt zu werden, über seine nicht glücklichen Ehen.
Dabei war mir einige Zeit erstmal nicht klar, wo der Zusammenhang zwischen der "Montrose" und Hawley Crippen besteht. Erst nach und nach wird Stück für Stück aufgedeckt, inwiefern das zusammenhängt und die gesamte Dramatik der Geschichte sich aufbaut.

Dies hat John Boyne für mich wieder sehr gut gemacht und mich dabei auch noch mit seinem sprachlichen Können erneut aufs Neue überzeugt. Wie nebenbei lässt er manche Dinge einfließen oder legt sie seinen Figuren in den Mund und teilweise habe ich so versteckte Seitenhiebe zuerst überlesen, um dann doch wieder zu ihnen zurück zu kehren und mir ein Lächeln nicht verkneifen zu können.

Ich habe mich absichtlich vorab nicht mit dem wahren Fall von Mr Crippen beschäftigt und kann auch nur jedem raten es auch so zu halten. John Boyne hat sich eine Variante ausgedacht, die so hätte stattfinden können, aber nicht historisch belegt ist. Leider hat er auch kein Nachwort verfasst und so bleibt der Leser im Dunkeln, was von der Geschichte auf Tatsachen beruht und was reine Fiktion ist.

Dieser Punkt ist für mich auch der einzige Negativpunkt, den ansonsten hat mich das Buch sehr gut unterhalten und vor allem durchgehend gefesselt.

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John Boyne hat einen phantastischen Erzählstil

Was wie eine vergnügliche Überfahrt beginnt, endet mit einer bislang nie dagewesenen Verfolgungsfahrt auf hoher See. Als am 20. Juli 1910 das Passagierschiff S.S. Montrose unter der Obhut von Kapitän Henry Kendall den Hafen von Antwerpen verlässt, befindet sich ein Sammelsurium unterschiedlichster Menschen an Bord. Kendall führt mit strengem Regiment seine Crew, ist er doch Fan von William Bligh, dem führenden Offizier der Bounty. So fällt es dem ersten Offizier Billy Carter schwer, in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten. Einige der Passagiere lernen wir auch näher kennen. Angefangen mit Mrs. Antoinette Drake und deren Tochter Victoria. Erstere tötet anderen (Passagieren wie Lesern) den letzten Nerv, letztere ist so von sich eingenommen, dass sie sich wundert, wenn ihr die Männerwelt mal nicht gleich zu Füßen liegt.

Ein mysteriöses Paar geben Mr. Robinson und sein Sohn Edmund ab, denn beide haben offensichtlich ein Geheimnis. Der reiche Geschäftsmann Matthieu Zéla reist in Begleitung seines Großneffen, des 14-jährigen Tom DuMarque, nach Kanada und schließlich ist da noch die 30-jährige Miss Martha Hayes, die alleine unterwegs ist und mit allen schnell Bekanntschaft schließt.

John Boyne hat einen phantastischen Erzählstil und obwohl oft gar nicht so viel geschieht, verzaubert mich seine charmante, humorvolle Schreibweise immer wieder:

"Meine Tante Georgina hatte auch Tuberkulose, und sie musste die letzten zehn Jahre ihres Lebens in der Schweiz verbringen, wegen der Luft. Dann ist sie gestorben, weil ein Vogel auf sie gefallen ist."
"Weil was auf sie gefallen ist?"
"Eines Tages ist ihr ein Vogel auf den Kopf gefallen. Als sie einen Spaziergang machte. Er muss im Flug gestorben sein und ist runtergefallen. Sie war gleich tot, es war ein ziemlich großer Vogel. So zu sterben ist sicher nicht angenehm. Besonders, weil sie dort hingezogen war, um am Leben zu bleiben. Ich meine, da hätte sie auch nach Hause kommen und ihre letzten Tage in England verbringen können, ohne Angst haben zu müssen, dass irgendwelche Sachen vom Himmel fallen und sie umbringen. Aber das sind die Schweizer, denke ich. Die sind ein komisches Volk, finden Sie nicht auch?"
Edmund nickte und hob die Brauen ein wenig. Er fragte sich, ob Vögel und Tiere tatsächlich eine nationale Identität annehmen konnten.


Der Autor lässt die Geschichte jedoch nicht nur auf dem Schiff spielen, sondern zeigt auch in Rückblenden mehr über das Leben Dr. Crippens. Oft rückte die Handlung für mich etwas in den Hintergrund, wenn ich mir die einzelnen Sätze langsam und genüsslich auf der Zunge zergehen ließ. Boyne schaffe es immer wieder, eindrucksvolle Bilder in meinem Kopf zu hinterlassen:

Für den Abend hatte Mrs Drake ein extravagantes grünes Kleid ausgesucht und dazu ein Mieder, das ihre Brüste kräftig nach oben drückte. Sie hoben sich, wenn sie einatmete, und man konnte sie praktisch diskutieren hören welche von ihnen als erste hervorschnellen sollte.

John Boyne beleuchtet einen wahren Fall auf seine ganz eigene Art und Weise und bringt viele neue Ideen mit ein. Dabei bedient er sich wohl einiger schriftstellerischer Freiheiten und vor allem zum Ende hin erschienen mir einige Punkte als eher unwahrscheinlich und unglaubwürdig. Leider betreibt Boyne auch ein bisschen Schwarz-Weiß-Malerei. Besonders Frauen kommen nicht sehr gut weg in dem Buch. Die einzige Ausnahme bildet hier wohl Miss Hayes und so kommt ein überraschendes Gefühl der Solidarität des Lesers zu einem Menschen auf, der ein Verbrechen begangen hat. Am Ende fragte ich mich, welche Tat grausamer ist: Die fortdauernde seelische und körperliche Misshandlung eines Menschen oder das, was am Ende dann daraus resultiert.

Je weniger man über den wahren Fall Dr. Crippen weiß, umso interessanter ist das Buch wohl zu lesen. Vorherige Recherchen und Erkenntnisse bringen den Leser hier um einigen Spaß und Spekulation.

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Unterhaltsame Interpretation eines realen Falles

Im Sommer 1910 verlässt die SS Montrose den Hafen Antwerpen mit Ziel Kanada. An Bord ist eine bunte Mischung von verschiedensten Personen, unter anderem ein Mister Robinson mit seinem Sohn Edmund. Schnell wird klar, dass die beiden ein Geheimnis haben, aber die unterhaltsame Schilderung der anderen Mitreisenden lässt dies erstmal in den Hintergrund treten. Da sind zum einen die unausstehlich arrogante Mrs. Drake und ihre eingebildete Tochter Victoria, die glaubt, ausnahmslos jeden Mann um den Finger wickeln zu können, dann die eher unauffällige Miss Hayes sowie der wohlhabende und scharf beobachtende Mathieu Zela und sein unausstehlicher Neffe Tom. Nicht zu vergessen natürlich die Besatzung der Montrose selbst, allen voran der Kapitän Kendall und sein neuer erster Offizier Billy Drake, der das erste Mal auf der Montrose mitfährt. All dies gäbe wahrscheinlich schon genug Stoff für ein ganzes Buch, doch Boyne verknüpft die Handlung auf der Montrose geschickt mit Rückblenden in die Vergangenheit von Hawley Crippen, einem jungen Mann, der bei einer fanatisch religiösen Mutter aufwächst, sich sehr für Medizin interessiert, aber aus finanziellen Gründen kein richtiges Studium absolvieren kann und nach einigen Irrwegen in London landet, wo er eine homöopathische Apotheke leitet.

Mir war zu Beginn der Lektüre nicht klar, dass Hawley Crippen die Hauptfigur in einem bekannten realen Kriminalfall gewesen ist. Wer dies noch nicht weiß, sollte sich während der Lektüre auch eher bremsen und nicht nachschlagen, was über den Fall so geschrieben wurde, man nimmt sich einiges an Spannung, auch wenn Boyne hier seine ganz eigene Auslegung der Fakten geschrieben hat.
Ich habe das Buch gar nicht als Krimi angefangen, sondern eher an einen historischen Roman gedacht. Insofern habe ich wohl auch weniger mitgerätselt als ich es bei einem Kriminalroman getan hätte und so ist es dem Autor mehr als einmal gelungen, mich total zu überraschen.

Die Figuren, die Boyne hier zeichnet, sind teilweise unglaublich überspitzt, aber gerade das macht einen Großteil des Lesevergnügens aus, man liest und mag es sich kaum vorstellen, aber kann gleichzeitig nicht ausschließen, dass es solche Personen wirklich gegeben hat und gibt.

Im Nachwort hätte ich mir allerdings gewünscht, dass der Autor etwas mehr darauf eingeht, was nun Fakten waren und was seiner Phantasie entsprungen ist, hier muss man dann doch eher selbst recherchieren, wenn man es genauer wissen will.

Insgesamt habe ich mich aber sehr gut unterhalten gefühlt und Boynes Schreibstil überzeugt mich einfach jedes Mal, egal um welches Thema es geht!

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Grandios!

Im Jahr 1910 macht ein Mordfall in London große Schlagzeilen: Dr. Hawley Crippen soll seine Frau Cora Crippen kaltblütig ermordet und ihre zerstückelte Leiche im Keller vergraben haben. Der Mord ist damals tatsächlich geschehen, jedoch gibt es wohl bis heute immer noch Unklarheiten, wie genau und wer den Mord tatsächlich begangen hat.

John Boyne hat diesen alten Fall aufgegriffen und einen Roman darüber geschrieben. Die Geschichte in diesem Buch basiert also auf wahren Begebenheiten, jedoch wurde auch vieles ausgeschmückt und mit fiktiven Begebenheiten ergänzt.

Wer also einen wirklichen Tatsachenroman erwartet, wird hier unweigerlich enttäuscht werden.

Ich wurde keinesfalls enttäuscht, im Gegenteil! Ich habe dieses Buch von Anfang bis Ende genossen und war kaum fähig, es aus der Hand zu legen. Die Geschichte ist so spannend und interessant erzählt, und die Tatsache, dass sie auf einem wahren Mordfall basiert, hat sie für mich nur noch faszinierender werden lassen.

Zudem hat John Boyne einen Schreibstil, der mich begeistern kann. Er hat einen sehr feinen Humor, so dass ich beim Lesen oft ein Lächeln im Gesicht hatte.

Ich habe während der Lektüre des Buches parallel auch ein wenig über den wahren Fall des Dr. Crippen gelesen und dachte daher, ich wäre auf das Ende des Romans vorbereitet. Das erwies sich als Fehler, denn John Boyne hat es tatsächlich noch mal geschafft, mich mit dem Ausgang des Buches zu überraschen.

Für mich war die Lektüre des Buches eine richtige Freude; ich hab es sehr genossen!

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Meisterhaft konstruiert

John Boyne ist ein sprachliches Genie und außerdem ein Meister darin, eine Geschichte zu konstruieren.

Die Geschichte beruht auf einer Tat, die sich wahrlich zugetragen hat. Den wahren Fall Crippen muss man als Leser nicht kennen - ich würde sogar behaupten, dies würde das Lesevergnügen schmälern. Aber nur geringfügig, denn: Boyne schafft es den Leser immer wieder geschickt zu verwirren, dass er das eigene Wissen in Frage stellt und auch die Lösung, die er am Ende liefert, ist überraschend und trotzdem nicht unglaubwürdig.

Der Roman lebt von seinen Figuren. Diese sind allesamt skurril, haben in der Regel zwei Gesichter. Vor allem der titelgebende Mr Crippen lässt sich absolut nicht in ene Schublade stecken. Man möchte ihn hassen, aber es fällt schwer. Man findet ihn abstoßend und seltsam, hat aber Mitleid mit ihm.

Viele der Nebenfiguren sind fast ebenso interessant wie die Hauptfiguren. Mathieu Zela und sein Neffe Tom, der sich unmöglich auf dem Schiff benimmt. Mrs Drake, die so impertinent ist, dass man permanent über sie lachen möchte. Und der liebenswerte Billy Carter, dessen Geschichte sicherlich Stoff für einen weiteren Roman geben würde.

Für mich eines der Lesehighlights dieses Jahr.



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Klasse!

Mit diesem Roman ist mir Boyne noch mehr ans Herz gewachsen. Er hat eine tolle Geschichte zusammengesponnen. Als ich dann noch erfuhr, dass es Crippen tatsächlich gab, war es für mich noch umso spannender. Ich hatte mir ein paar Fotos angesehen, dann aber meine Recherchen zurückgestellt. Zum Glück: So hatte ich noch einige Spannungsmomente :smile:
Man wird von einer Mordphantasie in die nächste getrieben und weiß irgendwann überhaupt nicht mehr, wer was getan haben könnte.

Die Charaktere sind alle klasse. Manche so überspitzt, aber immer noch glaubhaft, andere mysteriös oder brutal. Wirklich eine interessante Mischung. Mein Lieblingscharakter wurde der Kapitän Kendall. Er ist so unwirsch und dann doch wieder so liebenswert. Ein alter brummiger Seebär eben.

Ich hätte im Nachwort gerne von Boyne noch mehr über den echten Fall Crippen erfahren. Da muss man dann aber leider selber auf Recherche gehen.

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Der wahre Fall Mr. Crippen

MEINE MEINUNG
Mit „Der freundliche Mr. Crippen“ hat William Boyne äußerst unterhaltsamer historischer Roman geschrieben, der mich sehr begeistern konnte.
Basierend auf den realen historischen Ereignissen und Begebenheiten des Kriminalfalls Crippen im Jahr 1910, der damals um die ganze Welt ging und die Menschen erschütterte, ist es dem Autor hervorragend gelungen, die Fakten mit den fiktiven Elementen zu verweben und uns eine sehr fesselnde Kriminalgeschichte zu erzählen.
Es sei an dieser Stelle allerdings schon darauf hingewiesen, dass es sich trotz der vielen eingestreuten, realen Fakten um einen rein fiktiven Roman handelt, der keinen Anspruch auf historische Korrektheit erhebt. Um sich ganz unvoreingenommen auf den Roman einlassen zu können, empfiehlt es sich aber, mit der Recherche der historischen Details bis nach der Lektüre zu warten, um das Lesevergnügen nicht zu schmälern.
Erstaunlich raffiniert und komplex ist die Geschichte mit den unterschiedlichen Handlungssträngen angelegt, so dass das Miträtseln ausgesprochen viel Spaß macht. Doch schon bald merkt man, dass es sich mit einigen Dingen nicht so verhält, wie man zunächst dachte und erlebt so manche Überraschung während des Lesens – sogar, wenn man bereits die historischen Hintergründe zu kennen glaubt.
Hervorragend gelungen sind Boyne vor allem seine liebevoll ausgearbeiteten, herrlich skurrilen Charaktere, wie beispielsweise die überhebliche Mrs. Louise Smythson oder auch die bornierte Victoria mit ihrer durchtriebenen etwas einfältigen Mutter. Sehr gekonnt eingefangen fand ich auch die besondere Atmosphäre an Bord der S.S. Montrose und Stimmung unter den Reisenden während der Schiffspassage. Boynes Schilderungen zeigen einen interessanten Mikrokosmos auf und spiegeln die englische Gesellschaft jener Zeit auf sehr gelungen Weise. Schon bekommt man bald das Gefühl, dass fast alle Passagiere irgendetwas zu verbergen haben, vor allem natürlich der übernervöse Mr. Robinson und sein "Sohn" Edmund, die zurückhaltende Martha Hayes oder der sehr undurchsichtige Matthieu Zela mit seinem pubertierenden Neffen Tom. Boyne hat hier sehr spannende, vielschichtige Charaktere portraitiert, hinter deren Fassade man nur zu gern schauen möchte, um ihre Geheimnisse zu ergründen.
Sehr gelungen ist auch der Erzählstränge, in dem Boyne die Kindheit und Jugend von Hawley Crippen und seine charakterlichen Besonderheiten herausarbeitet. So lernen wir ihn als einen äußerst zielstrebigen jungen Mann kennen, der großes Interesse an der Wissenschaft hatte und dessen größter Wunsch war, Arzt zu werden. Als etwas zu überzeichnet empfand ich teilweise aber seine zweite Ehefrau, die Möchtegern-Sängerin Cora, in ihrem grenzenlosen Egoismus und ihren Gewalttätigkeiten.
Herausragend ist auch der angenehme flüssige Schreibstil Boynes, dessen besonderer Humor mir sehr gefallen hat.
Insgesamt hat Boyne seine eigene Darstellung des Fall Crippens bis zum Ende sehr stimmig ausgearbeitet, mich mit den vielen überraschenden Wendungen fesseln können und nachdenklich gestimmt.
Im Nachwort erwähnt der Autor zwar noch einige Begebenheiten zum wahren historischen Fall Crippen, wer aber die vollständigen Details nachlesen möchte und mit dem Roman vergleichen möchte, ist auf eine eigene Recherche im Internet angewiesen.
FAZIT
Ein äußerst fesselnder Roman, der mich sehr gut unterhalten konnte!

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Eine tolle Geschichte!

In diesem Buch wird die Geschichte um Hawley Crippen beschrieben und seine eher traurige Lebensgeschichte näher beleuchtet.
Seine Kindheit, seine Ausbildung, selbst seine Wahl der Ehefrauen beschreiben einen unterwürfigen Mann ohne Durchsetzungsvermögen. Umso erstaunter war ich, dass es sich bei diesem Mann um einen mutmaßlichen Mörder seiner Ehefrau handeln soll.

John Boyne schafft es durch viele verschiedene Hinweise, dass man zweifelt und dann wieder vollkommen überzeugt ist, dass Crippen ein kaltherziger Mörder ist.
Doch auch neben Crippen gibt es viele spannende Nebencharaktere: Mrs. Drake und ihre Tochter Victoria beispielsweise, die dem Geheimnis um Hawley Crippen sehr nahe kommen. Aber auch Matthieu Zela oder der Kapitän Henry Kendall.

Das Buch behandelt zwei Handlungsstränge: einerseits die Vergangeheit von Hawley Crippen und die Gegenwart, die sich auf der "S.S. Montrose" abspielt.
Besonders schön fand ich hierbei, dass man in jedem Kapitel etwas Neues über die Charaktere erfahren hat. Neben schauerlichen Details gab es aber auch einige Stellen, wo ich schmunzeln musste, weil die Situation einfach sehr amüsant dargestellt wurde.

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Spannender Krimi

Zum Inhalt:

Es ist Anfang des 20. Jahrhunderts als von Antwerpen ein Passagierschiff nach Kanada aufbricht. An Bord sind eine Reihe von Leuten, die alle in Kanada ein neues Leben beginnen wollen. Ein paar Monate zuvor meldet eine Frau in London ihre Freundin Cora Crippen als vermisst und verdächtigt den Ehemann Hawley Crippen ihrer Freundin Cora ermordet zu haben. Zunächst wird diesem Verdacht keine Aufmerksamkeit geschenkt, da der Verdächtige einen freundlichen und harmlosen Eindruck gemacht hat. Erst auf Druck von der obersten Polizeibehörde wird dem Verdacht Beachtung geschenkt.

Erster Satz:

Sie war über einhundertfünfundsiebzig Meter lang und fast ein Achtel so breit.

Meine Meinung:

Bisher hatte ich noch nicht das Vergnügen ein Buch von John Boyne zu gelesen zu haben und konnte dies glücklicherweise mit diesem Buch ändern. Boyne versteht sich darauf vergangene Ereignisse spannend zu schildern. Hierfür hat er einen Kriminalfall aus dem Jahr 1910 genommen, der die damalige Bevölkerung erschüttert hat. Die Geschichte von Der freundliche Mr Crippen ist angelehnt an einen wahren Kriminalfall und daher sollte man sich selbst den Gefallen tun und die Geschichte vorher nicht recherchieren. Dies könnte ansonsten dazu führen, dass man etwas von dem Lesevergnügen einbüßt.

Geschickt zeigt Boyne aus verschiedenen persönlichen als auch zeitlichen Perspektiven was sich ereignet hat bzw. was die Beteiligten glauben, was sich ereignet habe. Hierbei verwendet er einen leicht lesbaren Schreibstil, der den jeweiligen Personen angepasst ist. Einer der Erzählstränge begleitet Hawley Crippen von seiner Kindheit an bis zu den aktuellen Ereignissen. Dadurch kommt man ihm näher. Wobei mich seine Charakterzüge an vielen Stellen eher überrascht haben. Die anderen Personen bleiben für meinen Geschmack etwas konturlos, bei einigen hätte ich mir mehr Tiefgang bzw mehr Informationen über deren Leben gewünscht. Vieles wurde angedeutet, jedoch nicht ausgesprochen.

Der Kriminalfall an sich ist sehr spannend geschildert. Ich habe von Anfang an mitgefiebert und konnte mich gar nicht entscheiden, ob ich für den Inspektor oder für den Verdächtigen mitfiebern soll :breitgrins: Zum Schluss kam es für mich jedoch anders als gedacht, sodass ich positiv von John Boynes Erzählstruktur überrascht war.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass John Boyne mit diesem Buch einen spannenden Kriminalroman geschrieben hat, der so manche Überraschung birgt. Ich war mir erst kurz vor Schluss sicher, was wirklich passiert ist und konnte daher die ganze Zeit mitfiebern. Auch, dass er so geschickt vergangene Ereignisse mit dem aktuellen Geschehen verbunden hat, hat der Geschichte das gewisse Etwas gegeben. Dies und die Tatsache, dass ich dieses Buch in einer wunderbaren Leserunde, die manche schöne Diskussion und Spekulationen ins Leben gerufen hat, zu einem tollen Leseerlebnis gemacht.

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