Wolfram Fleischhauer: Der gestohlene Abend

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Wolfram Fleischhauer: Der gestohlene Abend
Verlag
ET (D)
2008
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783492048477

Informationen zum Buch

Seiten
368

Sonstiges

Erster Satz
Mein Rezept gegen Stress lautete jahrelang: Schwimmen.

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Der Pool des Colleges lag im hellen Licht des frühen Morgens. Noch waren sie die Einzigen. Matthias stand bis zur Brust im Wasser und umfasste Janines Taille. Ihr Badeanzug streifte seinen Oberschenkel, als er ihr erklärte, wie man eine Rollwende macht. Natürlich durfte er sich keinen Illusionen hingeben, Janine war mit David zusammen. Eigentlich hatte Matthias sich an der renommierten Hillcrest-Universität eingeschrieben, um etwas über Literatur zu erfahren, um die neuen spektakulären Thesen Professor de Vanders kennenzulernen. Während Matthias noch mit seiner Situation hadert, ist es ausgerechnet David, sein großer Rivale, der ihm die Augen öffnet über die erschütternde Wahrheit hinter de Vanders Thesen.

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Matthias ist mehr als happy, als er sich an der kalifornischen Vorzeigeuni Hillcrest eingeschrieben hat, wo hochkarätige Literaturwissenschaftler unterrichten. Er schafft es sogar, einen Platz in einem Seminar zu ergattern, in das ausländische Studenten normalerweise gar nicht aufgenommen werden, und ist sehr fasziniert von den Theorien über den Autoren und das geschriebene Wort, die dort heiß diskutiert werden. Ebenfalls fasziniert ist er von der schönen Janine, die er ein paarmal auf Partys getroffen hat, doch sie ist vergeben, und zwar David, an einen der begabtesten Studenten in Matthias' Jahrgang, der sich immer wieder höchst undurchsichtig verhält.

Irgendwann beginnt Matthias dann, anhand verschiedener Hinweise zu ahnen, dass David einer möglicherweise unschönen Enthüllung auf der Spur ist, und beginnt nach einem dramatischen Ereignis selbst, dieser Spur nachzugehen ...

Auf den ersten hundert Seiten hat mich das Buch überhaupt nicht packen können. Mir gefiel zwar die Perspektive eines europäischen Studenten an einer US-Eliteuniversität, doch mischte sich für mich da hauptsächlich Belangloses (die oh so schöne Janine sinnlich auf ein Sofa drapiert) mit verkopften, hochkomplizierten Literaturtheorien. Die waren mir ganz einfach zu hoch, und so gerne ich den Blick in die Seminarräume von Hillcrest mochte - ganz so abgefahrene Theoretisiererei hätte ich wirklich nicht gebraucht.

Ich war schon kurz davor, das Buch wegzulegen, als sich langsam herauszukristallisieren begann, welcher heiklen Sache David nachgeht. Die Spurensuche in der Vergangenheit drängte dann die Fachsimpeleien à la "Der Autor ist tot" und "Sprache sagt eigentlich gar nichts aus" gottlob weit in den Hintergrund, und spätestens als Matthias selbst anfing, Davids Verdachtsmomenten nachzuspüren, und gleichzeitig deutlich wurde, welche Machtkämpfe hinter den Kulissen von Hillcrest toben, hat mich der Roman doch noch mitgerissen.

Intelligente Unterhaltung in schöner Sprache, die allerdings ein bisschen zu sehr in literaturtheoretische Ansätze verliebt ist. Von mir aus hätte es gerne etwas früher zur eigentlichen Sache gehen können.

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Für mich war "Der gestohlene Abend" ein ganz besonderes Leseerlebnis - das liegt vor allem daran, dass die Handlung autobiographisch ist und vom Autor selbst erlebt wurde. Die Ich-Perspektive fand ich in diesem Fall als besonders intensives Stilmittel, um dem Leser die Geschichte näher zu bringen. Ganz schön mutig von Wolfram Fleischhauer, der Öffentlichkeit so viel Einblick in seine Vergangenheit und in sein inneres Erleben zu geben.

Dabei sind die Vorgänge an der Hillcrest Universität in Kalifornien natürlich nicht Wort für Wort nacherzählt, Wolfram Fleischhauer hat aus dem Stoff ein tragfähiges Gerüst für eine spannende, unglaubliche und mitreissende Story gebastelt, in der man nie genau weiß - ist das nun genau so passiert oder hat der Autor in seinem Einfallsreichtum einen erzählerischen Trick verwendet, um die wahren Geschehnisse zu umschreiben?

Die Handlung hat mich stets in Atem gehalten und mir einen ungewohnten Blick in das Leben einer Universität verschafft. Dabei spielt einerseits das ganz normale Studentenleben mit seinen oft überfrachteten Lerninhalten und dem Ringen nach der besten Kombination an Seminaren eine Rolle, andererseits aber gibt es auch eine Ebene hinter den Kulissen, auf der heftigst intrigiert wird und Machtspielchen gespielt werden.

Den geisteswissenschaftliche Aspekt in der Geschichte fand ich spannend und höchst brisant, ohne allerdings auf eine ausreichende Wissensbasis zu verfügen, um das Ganze halbwegs zu begreifen. Trotzdem war ich mit der Lektüre nie überfordert, denn Wolfram Fleischhauer hat es verstanden, die literaturtheoretischen Abschnitte so zu schildern, dass sie auch für Laien verständlich und interessant ist.

Faszinierend fand ich die Charakterzeichnungen der Figuren, von denen die wenigsten Fiktion sind und die meisten tatsächlich existieren. Hier prallen im wahrsten Sinne des Wortes Welten aufeinander, und insbesondere bei der Konfrontation mit lange zurückliegenden Geschehnissen während des Dritten Reiches zeigen so manche Figuren plötzlich ihr wahres Gesicht. Diese Entwicklung fand ich sehr schön ausgearbeitet und letztendlich liegt darin auch die Antwort verborgen, warum Wolfram Fleischhauer heute der ist, der er ist.

Ein spektaktuläres Buch, das sich auf keinen Fall in eine Schublade pressen lässt; eine Handlung, die viele Anworten enthält, aber noch mehr Fragen aufwirft; ein Roman, in dem der Autor sich selbst wiederspiegelt und Stellung bezieht. Und, wie immer, ein Lesegenuss durch den brillanten Schreibstil, der mich von Beginn bis zum Ende gefesselt hat.

Das gibt die Höchstwertung!

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