Dagmar Trodler: Der letzte lange Sommer

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Dagmar Trodler: Der letzte lange Sommer
Verlag
ET (D)
2007
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783442366927

Informationen zum Buch

Seiten
349

Sonstiges

Erster Satz
Der alte Mann kam erst aus dem Haus geschlurft, als der Hund sich schon heiser gekläfft hatte.

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Die junge Lies Odenthal ist frustriert von ihrem Leben: Ihr Job ist langweilig, und ihr Freund hat sie gerade verlassen. Kurz entschlossen fasst sie sich ein Herz und reist nach Island - um dort ein Jahr auf einer Farm zu arbeiten. Doch bei der Ankunft trifft sie der Schock: Gunnarstaðir ist der einzige Hof im ganzen Tal und hat nur einen einzigen Bewohner, den alten, wortkargen Elías. Doch Lies beißt sich durch und gewöhnt sich langsam an die harte Arbeit im Schafstall, das dürftige Essen und den mürrischen Elías. Sie lernt die verzauberte Landschaft und das einfache Leben kennen und lieben, wobei ihr nicht zuletzt auch der Tierarzt Jói Magnússon hilft ...

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Ein melancholischer Islandroman

Ich habe mich mit diesem Buch unwahrscheinlich wohl gefühlt. Sicher lag das auch an dem recht passenden Wetter das draußen herrschte. - Es stürmte und regnete. Die Stimmung ist nämlich melancholisch, aber recht angenehm ruhig. Der Roman ist nicht sehr laut und Dagmar Trodler verzichtet einmal mehr auf eine kitschige Liebesgeschichte. Ein wenig Angst hatte ich ja doch das es abdriften könnte, aber eigentlich kenne ich den Stil der Autorin ja inzwischen und hätte mir keine Sorgen machen müssen. Vielmehr ist ein schöner Islandroman entstanden der mir so richtig Lust gemacht hat selbst einmal hinzufahren - möglichst in eine einsame Gegend.
Lies, die Hauptfigur mochte ich gleich von Anfang an und noch mehr den grummeligen Elías. Irgendwie hatte man den Eindruck echte Menschen kennen zu lernen die sich eher zufällig in einen Roman verirrt hatten.
Dieses eher verplante machte mir Lies sympathisch, zwar hat sie eigentlich keine Ahnung worauf sie sich einlässt aber ich glaube dass das vielen Auswanderern am Anfang so geht. Erst nach und nach wird ihr bewusst das sie mit dem Land und den Menschen warm zu werden beginnt. Es findet eine Entwicklung statt die man als Leser mitverfolgen kann.

Das Ende ist irgendwie Hoffnungsvoll und obwohl es traurig ist geht das Leben doch seinen Gang weiter. Für mich ist es ein absolutes Wohlfühlbuch und wenn der graue Herbst wieder kommt, werde ich es sicher ein mal wieder in die Hand nehmen um ein bisschen Sonne einzulassen.

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Wer eine Chef hat wie Lies und einen öden Schreibtisch-Job, der überlegt nicht lange und packt seine Prütteln. Lies will nicht einfach einen anderen Job, sie will ganz weit weg und heuert über eine Agentur auf einem Hof in Island an. Lies vergisst allerdings vor lauter Fluchtgedanken, sich ein bisschen vorab zu informieren, sie hört bei der Agentur nicht so recht zu und so trifft sie der Schlag doppelt: Auf dem Hof gibt es nur Schafe, den wortkargen Hofbesitzer und unendliche Einsamkeit. Ohne Telefon, ohne Radio, ohne Fernseher hockt sie ausgerechnet im einzigen Hof im Tal, der nächste ist fast eine Stunde zu Pferd entfernt.

Die Ausgangslage ist bitter. Hinzu kommt die anstrengende Hofarbeit, die sie sich mangels Sprachkenntnissen beim alten Elías abgucken oder selber ausprobieren muss. Wenn sie sich an eine Aufgabe gewöhnt hat, packt das Hofleben noch eins drauf - immer, wenn sie glaubt, es könne kaum schlimmer kommen. Selbst die Geburtshilfe für ein Lamm erscheint ihr auf Anhieb wie der letzte Schritt vor der Rückreise nach Deutschland. Aber sie fängt sich - immer wieder. Und wartet darauf, dass eines Tages vielleicht mal wieder der gutaussehende Tierarzt Jói in der Einsamkeit aufkreuzt.

Eine absolute Stärke des Buchs sind die Beschreibungen von Hof, Arbeit und Land. Man steckt mittendrin beim Ausmisten, hilft beim Weißeln der Stallwand oder trauert um ein totgeborenes Lamm. Schleichend verändert das Hofleben nicht nur die Fähigkeiten von Lies, sondern auch ihre Werteskala: Es dreht sich alles nur um Leben und Tod. Als Lies bei einem Kaufmann Wünsche äußern darf, will sie außer Schokolade nichts haben. Vergessen sind Spaghetti, Eis, Bücher, Fernsehen oder Säfte.

Während Lies für mich eine ziemlich impulsive, erstaunlich naive Frau war, wirkte Elías wesentlich authentischer. Die unbarmherzige Natur Islands hat ihn hart geprüft und zum Eigenbrötler gemacht. Manchmal ist er für Lies eine stärkere Herausforderung als Einsamkeit und Hofarbeit. Dabei hat sich Lies schon längst Respekt bei ihm verschafft. Schweigsam wie er ist, bleiben gesellige Momente aber die Ausnahme und kommen meist nur mit Freunden von Elías zustande.

Alles in allem ein Buch, das ganz entscheidend von der Atmosphäre Islands lebt; nur dort scheint das Zusammenspiel von Faszination und Schrecken der Natur so gut zu wirken. Island selbst ist die heimliche Hauptperson des Romans.

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"Der letzte lange Sommer" ist ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat. Es lässt sich in keine Schublade stecken und war wohl als kleines Experiment von Dagmar Trodler gedacht, die sonst hauptsächlich historische Romane schreibt. Ich finde, das ist ihr sehr gut gelungen!

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Island, und diese raue Insel mit ihren Naturgewalten gibt auch den Rhythmus des Buches vor. Wir begleiten die Aussteigerin Lies auf ihrem steinigen Weg zu sich selbst, der über viele Hürden geht und ihr sehr viel abverlangt. Ihr Aussteigerjahr auf einer isländischen Schaffarm hätte sie sich wohl ganz anders vorgestellt, aber es bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich erstmal von ihrem vergleichsweise luxeriösen Leben in Deutschland zu verabschieden und sich auf das einfache Leben sowie die Bedürfnisse der ihr anvertrauten Tiere einzustellen. Wir erleben mit ihr den Lauf eines Frühjahrs und eines Sommers im Schafstall, und das Wohl der Schafe rückt in den Mittelpunkt ihres Lebens. Auch Menschen begleiten sie während dieser Zeit, so der mürrische und unappetitliche Hofbesitzer Elías, mit dem sie sich nach und nach zusammenraufen muss, und den jungen gutaussehenden Tierarzt Jói, der ihr so manches Herzklopfen verursacht.

"Der letzte lange Sommer" ist eine Geschichte mit vielen Gesichtern; eine Geschichte über die Naturgewalten Islands, eine Geschichte über das Leben auf einer Schaffarm, aber auch eine Geschichte, in der es ums Leben und um den Tod geht. Dabei lässt Dagmar Trodler keinen Zweifel darüber aufkommen, dass beides zusammengehört. Wo Leben ist, da ist auch der Tod und wo geboren wird, da wird auch gestorben. Mir hat es gut gefallen, wie sich dieses Thema wie ein roter Faden durch den Roman zieht, und Island ist wahrhaftig die passende Kulisse dafür.

Was mir weniger behagt hat, war der Sprachstil an manchen Stellen; es mag zwar ein einleuchten, dass Lies' Leben in Deutschland regelmäßig mit Fäkalsprache beschrieben wird und dadurch ein noch größerer Gegensatz zum Leben in Island geschaffen wird, aber deswegen muss mir dieses Stilmittel noch lange nicht gefallen.

Da mich aber der Inhalt und die Idee des Buches restlos überzeugt hat und ich die Lektüre insgesamt sehr genossen habe, empfehle ich das Buch sehr gerne weiter! Wer Lust auf eine Reise nach Island hat, sich für Land und Leute interessiert und obendrein noch eine ungewöhnliche, berührende Geschichte lesen möchte, der wird sicher seine Freude daran haben.

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