Alan Isler: Der Prinz der West End Avenue

Alan Isler: Der Prinz der West End Avenue

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Alan Isler: Der Prinz der West End Avenue
Verlag
ET (D)
1995
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
The Prince of West End Avenue
ET (Original)
1994
ISBN-13
9783423125239

Informationen zum Buch

Seiten
320

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Die letzten Wochen sind nicht leicht für mich gewesen.

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In dem jüdischen Nobel-Altersheim Emma Lazarus in Manhattan probt man Shakespeares Hamlet . Doch der »Geist« Otto Korner ist abgelenkt: Die Heimleitung hat eine Krankengymnastin eingestellt, die aussieht wie seine große unglückliche Liebe aus den zwanziger Jahren, die schöne Magda, der Stern der Züricher Dada-Clique. Magda endete wie Körners Familie in Auschwitz. Körner selbst emigrierte nach New York, im Gefühl, schwere Schuld auf sich geladen zu haben. Unterdessen werden im Emma Lazarus einige Insassen jäh dahingerafft, und plötzlich hat Korner die Hauptrolle des dänischen Prinzen inne.

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Der Prinz der anspruchsvollen Unterhaltung

Mit seinem Erstlingswerk "Der Prinz der Westend Avenue" ist Alan Isler ein Roman gelungen, der sowohl in Fragen der guten Unterhaltung, als auch auf der Ebene des sprachlichen Niveaus seines Gleichen sucht.
Der etwas blasierte Protagonist, Otto Korner, blickt mit scharfen Augen auf sein Umfeld und seine eigene Geschichte und kommentiert beides mit ebenso scharfer Zunge. Mit einer geistreichen Mischung aus Wehmut und Witz gibt er sich den Klagen über die Unannehmlichkeiten und Sorgen des Alters hin und nimmt auch bei delikaten Themen kein Blatt vor den Mund, wenngleich er sich dabei einer gehobeneren Ausdrucksweise befleißigt, als sein Freund Benno Hamburger, der sich durch ein einfaches, direktes Wesen und einen "koprophilen Humor" auszeichnet, welcher gelegentlich durch raue Sprüche oder vulgäre Kalauer zu Tage tritt. Wir erleben das Emma-Lazarus-Seniorenheim, in dem beide mit diversen anderen, in der Regel komischen, geradezu karikaturistisch anmutenden Figuren ihren Lebensabend verbringen, aus der Perspektive Otto Korners, schmunzeln über seinen Bildungsdünkel und fürchten mit ihm die Konfrontation mit seiner Vergangenheit, die jedoch, ausgelöst durch das Auftauchen der Physiotherapeutin Mandy Dattner, unaufhaltsam über Korner und uns als Leser, hereinzubrechen droht. Mandy Dattner, die eine frappierende Ähnlichkeit mit Magda Damrosch, einem Mitglied der Dada-Gruppe um Emmi Hennings, Hugo Ball und Hans Arp und ehemaligen Geliebten Korners aufweist, bringt zwar das (Fahr-) Rad seiner Erinnerung ins Rollen, erweist sich jedoch als, ihrem Wesen nach, vollkommen anders und rückt bald in den Hintergrund, denn im Emma Lazarus gibt es größere Probleme: Die geplante Hamlet-Aufführung des Emma-Lazarus-Old-Vic, die seit dem Tod des Hauptdarstellers Adolphe Sinnsheimer ohnehin schon durch Besetzungsstreitigkeiten und die Hybris einzelner Darsteller - oder aber deren jeweiliges biblisches Alter - gefährdet war, ist immer neuen Zerreißproben ausgesetzt und wird bald zum Zankapfel zweier Lager, die erbittert um die Regie kämpfen. Und wenn Korner nicht gerade mit Senior-Casanova Freddy Blum, einem Uraltkommunisten, den alle nur den "roten Gnom" nennen (ein Name, der auf seine radikale politische Linksausrichtung einerseits und seine Körpergröße andererseits zurückzuführen ist) und Hamburger Pläne zur Rettung der Inszenierung vor dem wichtigtuerischen Stümper Nahum Lipschitz schmiedet, ist er auf der hektischen Suche nach seinem wertvollsten Besitz - dem Rilke-Brief, der aus seinem Zimmer gestohlen wurde.

Isler wechselt auf hervorragende Weise die zum Teil skurrilen, stellenweise betrüblichen, aber dennoch zu jeder Zeit unglaublich komischen Episoden im Emma-Lazarus mit den absolut ernsten und zunehmend erschreckenden Rückblenden aus Korners Vergangenheit ab.
Angefangen von seiner Zeit als Student, über seine Zeit in Zürich mit der Dada-Gruppe bis hin zu seinen Erlebnissen im Dritten Reich.
Zu beginn der Handlung gibt der Ich-Erzähler Korner an, mit der folgenden Geschichte seine (verkannte) Rolle in der Entwicklung des Dadaismus aufdecken zu wollen, aber der Leser erkennt bald, im Laufe der Handlung, dass dies nicht alles ist. Vielmehr geht es Korner, wenngleich evtl. unbewusst, um die Aufarbeitung seiner persönlichen Erfahrungen während des Holocaust und der verdrängten Schuld, die er auf sich geladen zu haben glaubt. Die Erinnerungen brechen in immer rascherer Folge über ihn herein, bis er sich ihnen zur Gänze stellen muss.
Die beiden Handlungsstränge -Vergangenheit im Europa und Gegenwart im Seniorenheim in der Westend Avenue in New York - greifen glänzend ineinander und ergänzen sich zu einem Wechselspiel aus Lachen, Mitgefühl und Schrecken, das den Leser einfach mitreißt.
Der Sprachstil ist relativ gehoben und immer wieder ausgeschmückt durch Wortdrehereien, Scharaden, scharfzüngige Bemerkungen und mit vielen Arabesken versehene Beschreibungen skurriler Charaktere und Situationen. Dennoch sind die Charaktere keine Kunstfiguren.
Sie sind plastisch und einnehmend und in all ihrer Komik und ihrer zeitweiligen Boshaftigkeiten ebenso glaubhaft wie liebenswert.
Wenn man allerdings nicht über ein fundiertes historisches Wissen und einige Kenntnisse über die jüdische Kultur verfügt, so ist es ratsam, zumindest eine gute Enzyklopädie zur Hand zu nehmen, denn "der Prinz" stellt sowohl sprachlich als auch inhaltlich einen gewissen Anspruch an seine Leser. Nichtsdestotrotz - oder vielleicht mitunter gerade deswegen - liest er sich flüssig und mit, wie ich finde, zunehmender Spannung.

Ich kann Ihnen nur wärmstens empfehlen, sich auf das Buch einzulassen und auf alles gefasst zu sein, denn eins wird Ihnen nach der Lektüre in jedem Falle klar sein: "In Bereitschaft sein ist alles."

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Gelungene Unterhaltung

Was wir hier lesen können, ist eine gelungene Mischung. Die Mischung, die ein kurzweiliges, gutes Buch ausmacht. ?Auf sehr humorvolle Art und Weise berichtet der Ich-Erzähler Otto von seinem Leben im jüdischen Altersheim Emma Lazarus. Es gibt hier, wie überall auf der Welt große und kleine Sorgen, aber auch den immer wieder kehrenden Alltag. Abgewechselt werden die humorvollen Beschreibungen des Jetzt durch Rückblicke in die Vergangenheit Ottos. Bei diesen Rückblenden wechselt die Stimmung. Sie wird ernst, wehmütig, nachdenklich und sehr bewegend. Je weiter Otto erzählt, desto tiefer taucht er ab in die Vergangenheit und der Leser erfährt bedrückende Wahrheiten. Es geht hier um Schuld, Ignoranz und Verdrängung.?Isler ist es jedoch gelungen, dass der Leser, trotz der dramatischen Vergangenheit Ottos, nicht mit einem leeren und deprimierten Gefühl zurückbleibt. Zum Glück aber lässt uns Otto immer wieder im Jetzt herzhaft lächeln und nimmt uns so die Schwermütigkeit von der Seele. Dafür sorgen schon die skurrilen Bewohner von Emma Lazarus, die mich sehr oft zum lachen brachten und auf wunderschöne Art und Weise zeigen, wie sehr alte Menschen noch immer ihren wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten und die sich in ihren Emotionen von der jungen Generation nicht unterscheiden. ?Ich bin sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben.  ?

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