Danny Wattin: Der Schatz des Herrn Isakowitz

Danny Wattin: Der Schatz des Herrn Isakowitz

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Danny Wattin: Der Schatz des Herrn Isakowitz
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Herr Isakowitz skatt
ET (Original)
2014
ISBN-13
9783847905844

Informationen zum Buch

Seiten
240

Sonstiges

Originalsprache
schwedisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Mein Großvater hat fast nichts von seiner Vergangenheit erzählt.

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Handlungsort

Handlungsorte
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"Einen Schatz muss man ausgraben", sagt der siebenjährige Leo und damit beginnt eine Reise, die keiner der Beteiligten je vergessen wird. Leo, sein Vater Danny und sein Großvater finden sich in einem Roadmovie der Generationen wieder. Bewaffnet mit einer Unmenge Butterstullen, einem uralten Straßenatlas und Opas hochmodernem Navi machen sie sich auf die Suche nach dem Schatz des Urgroßvaters Hermann Isakowitz. Die Familienlegende besagt, dass Hermann diesen Schatz vergrub, bevor er im besetzten Polen von den Nazis ermordet wurde. Die drei Wattins begeben sich auf die Reise in ein fremdes Land - und in die Geschichte ihrer eigenen Familie.

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(Aktualisiert: 01 Mai 2015)
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Reise in die Vergangenheit

Zum Autor:
Danny Wattin, geboren 1973, lebt als Schriftsteller mit seiner Familie in Uppsala. Der Roman „Der Schatz des Herrn Isakowitz“, der die Geschichte seiner eigenen jüdischen Herkunftsfamilie beschreibt, ist sein viertes Buch und das erste, das in Deutschland erschienen ist.

Zum Buch:
Danny ist mit seinem Sohn und seinem Vater auf dem Weg nach Marienwerder um dort nach dem vergrabenen Schatz seines Urgroßvaters zu suchen, von dem dieser erzählt hat.
Während der Autofahrt wird heftig diskutiert und oft stehen sich Danny und sein Vater mit Unverständnis gegenüber, was mit viel trockenem geschildert wird.

Unterwegs schweifen Dannys Gedanken immer wieder zurück in die Vergangenheit und die Geschichte seiner jüdischen Familie. Man erfährt, wie es war als Jude in der Zeit des Nationalsozialismus zu leben, egal ob in Deutschland, Schweden oder Polen. Aus vielen einzelnen Episoden, die ihm seine Verwandten nach und nach erzählt haben, setzt sich diese Handlungsebene zusammen und vermittelt eine Vorstellung von dem Erlebten.

Leider habe ich bei den vielen Personen ab und zu den Überblick verloren und musste mir immer wieder den Stammbaum anschauen, um zu verstehen, um wen es gerade ging. Vielleicht liegt das daran, dass der Autor nur das schreibt, was er tatsächlich erzählt bekommen hat und die wenigsten wollten sich ausführlicher erinnern, was verständlich ist. Deshalb fallen manche Abschnitte leider etwas kurz aus.

Je näher das Trio seinem Ziel kommt, desto mehr spitzt sich die Situation der Juden in der Vergangenheit zu. Waren die Passagen in der Gegenwart anfangs amüsant, so wirkten sie immer trivialer im Gegensatz zu den Rückblicken. Das Umschalten zwischen den Handlungssträngen fiel mir immer schwerer. Wie schwer muss es da erst für die Überlebenden gewesen sein, mit einem „normalen“ Leben in Schweden zurechtzukommen?
Diese Gedanken und Gefühle provoziert der Autor bewusst und so sagt er selbst:
„Unfassbar, wie selbstverständlich es für uns ist, dass es uns gut geht.“

Die Reise in die Vergangenheit und nach Polen war für die drei Wattins ein besonderes Erlebnis und sie haben mich als Leserin mit auf diese Reise genommen, die manchmal traurig und erschreckend, aber oft auch humorvoll war.

Aufgrund des Klappentextes hatte ich einen Roman erwartet, mit einer abenteuerlichen Schatzsuche und natürlich Rückblicken in die Vergangenheit. Dass es sich hier um die Schilderung von tatsächlichen Schicksalen der Familie des Autors handelt, war mir nicht bewusst.
Aber gerade das hat mich besonders berührt. Es geht hier nicht um erfundene Personen, sondern um real existierende Menschen, die Schlimmes erlebt und überlebt haben.

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Auf nach Polen

nämlich nach Marienwerder begibt sich Autor Danny Wattin samt Vater und Sohn - es geht auf die Suche nach den familiären Wurzeln, denn Wattins jüdischer Urgroßvater hatte ein Bekleidungsgeschäft in der damals deutschen Stadt, lebte auch in Berlin - bis er sich in den 1940er Jahren auf seine letzte Reise nach Riga ins Konzentrationslager begeben musste - leider eine Reise, die ihn in den Tod führte. Seinen Sohn verschlug es nach Schweden, von wo aus die mittlerweile dritte bis fünfte Generation sich auf die Spurensuche machte - alle, inklusive Dannys Vater bereits in Schweden geboren und damit recht weit entfernt von dem Geschehen auf deutschem Boden.

Als ich mich über das Buch informierte, erlag ich rasch der Faszination der Begriffe "Schatzsuche" und "Roman", die mich etwas ähnliches wie "Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand" erwarten ließ, also ein in Romanform verarbeitetes Familienschicksal. Die eigentliche Handlung ist jedoch weit davon entfernt, handelt von einer realen Reise der drei Verwandten nach Polen und hat aus meiner Sicht wenig mit einem Roman zu tun. Es ist eher zu vergleichen mit einer Aufarbeitung des Familienschicksals, wie es Ariel Magnus in „Zwei lange Unterhosen der Marke Hering“ realisiert hat, also eine Art Familienbiografie. Warum der Autor sein Werk als Roman bezeichnet? Ich kann es mir nur so erklären, dass nicht alles Wiedergegebene hundertprozentig zu belegen bzw. zurück zu verfolgen ist und der Autor sich somit schützen will.

Es ist ganz sicher ein interessantes und sehr persönliches Dokument zum Schicksal deutscher Juden, doch wirkt es auf mich seltsam distanziert. Danny Wattin hat zwar jede Menge Zeitzeugeninterviews geführt, vermag es aus meiner Sicht jedoch nicht, das Erfahrene berührend und mit dem erforderlichen "Drumherum" wiederzugeben.

Für mich fehlt seinem Bericht ein wenig die Seele - es geht mehr um ihn, um seinen Vater und seinen Sohn und ihre Erlebnisse und Reflexionen als um das Schicksal der inzwischen Verstorbenen, auch wenn viel von ihnen und von ihren Erlebnissen die Rede ist. Dem Autor ist es jedoch wichtig, zu transportieren, wie er, sein Vater und auch sein Sohn diese reflektieren, es liest sich wie durch einen Filter.

Spannende Geschichten und Histörchen, Dramatisches und Trauriges wie das Schicksal des Onkels Georg, den es nach Argentinien verschlug, der Großmutter, deren schwieriges Wesen sich erst durch diesen Hintergrund begreifen lässt - die gibt es zuhauf. Doch bleiben sie in einer seltsamen Ferne, als hätten sie nichts mit dem Autor zu tun, so, als müsse er sie erst für sich selbst verarbeiten, bevor er sie den Lesern so richtig nahe bringen kann.

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Auf den Spuren der Vorfahren

Das Buch:
Der schwedische Autor Danny Wattin erzählt in seinem ersten in seinem ersten in Deutschland veröffentlichen Roman die Familiengeschichte seiner jüdischen Vorfahren. Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart macht sich Danny gemeinsam mit Vater und Sohn Leo auf den Weg nach Polen, um einen Schatz auszugraben, den sein Urgroßvater einst vor seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten vergraben haben soll. Während der langen Autofahrt und der immer wiederkehrenden Zankereien mit seinem rechthaberischen Vater erinnert sich Danny an die Schicksale seiner Vorfahren. Ein großer Teil der Familie kam durch den Holocaust um, doch einigen gelang auch die Flucht nach Schweden, wo sie dennoch in ständiger Angst vor Verfolgung lebten und als billige Arbeitskräfte ausgenutzt wurden.
Schließlich erreicht die kleine Reisegesellschaft das ehemalige Marienwerder und begibt sich auf Spurensuche. Was hat es mit dem namensgebenden "Schatz des Herrn Isakowitz" auf sich?

Meine Meinung:
Als erstes muss ich die optische Aufmachung des Buches loben. Hier hat sich der Eichborn-Verlag viel Mühe gegeben; die Covergestaltung wirkt verspielt und zeitgemäß, ohne dabei den angemessenen Ernst im Hinblick auf die Thematik vermissen zu lassen. Innen helfen ein Stammbaum der Familie sowie Landkarten mit der verzeichneten Reiseroute dabei, den Überblick zu behalten.
Dies ist auch nötig, denn leider fand ich es extrem schwierig, die vorgestellten Personen richtig einordnen zu können. Abgesehen von Danny, seinen Eltern und seinem Sohn blieben die meisten der handelnden Personen blass für mich, obwohl ihre Lebensgeschichten oft bedrückend sind. Es gelang mir nicht, Personen an ihren Charakterzügen wiederzuerkennen, sondern immer nur anhand ihrer Lebenswege: "Ach ja, das war der, der nach Argentinien gegangen ist."
In einer Rezension, die ich gelesen habe, wurde die Roadmovie-Handlung in der Gegenwart kritisiert: Zu wenig Ereignisse, zu viel Geplänkel. Diesen Vorwurf kann ich zum Teil nachvollziehen. Einerseits machten die ewigen stichelnden Bemerkungen, die sich Danny und sein Vater während der Reise an den Kopf werfen, Sinn für mich. Sie zeigten, wie anstrengend Danny die Beziehung zu seinem Vater mitunter empfindet, ungeachtet aller Liebe und Hochachtung, die er für ihn fühlt. Warum sein Vater so ist, wie er nun mal ist, versteht Danny erst zu einem späteren Zeitpunkt der Geschichte, als er mehr über die Beziehung seines Vaters zu dessen Vater erfährt.
Andererseits passiert auf der Reise wirklich nicht genug, um den Titel "Roadmovie" zu rechtfertigen. Ein paar Mal verfährt man sich, weil Danny sich weigert, das moderne Navi zu benutzen, und das Essen in Polen ist für die drei Schweden ein kleines kulinarisches Abenteuer, aber damit hat es sich auch schon. (Man muss sich natürlich dabei in Erinnerung rufen, dass die Geschichte auf den Erlebnissen des Autors beruht. Dank Navigationssystem und Internet kann man Reisen heute im Voraus so gründlich planen und buchen, dass es dabei auch kaum Raum für "Abenteuer" und Ungeplantes gibt.)
Gut gefallen hingegen hat mir, über den zweiten Weltkrieg aus der Perspektive der nach Schweden geflohenen Juden zu erfahren. Dies war neu für mich; das schwere Los der Flüchtlinge trotz ihrer vergleichsweise "sicheren" Lage (anders als ihre Verwandten, die es nicht geschafft hatten, Deutschland zu verlassen) zum Beispiel hatte ich mir nie wirklich bewusst gemacht. In anderen Büchern, die den Zweiten Weltkrieg zum Thema haben, wurde Schweden immer als ein sicheres und friedliches Land dargestellt, in dem Menschen ein neues Leben beginnen und ihre schrecklichen Erfahrungen hinter sich lassen können. Wie dieses neue Leben aussehen kann, stellt Danny Wattin anschaulich dar.
Das Thema "Schatzsuche" nimmt in dem Roman einen recht geringen Teil ein; wer sich darauf freut, von Menschen mit Werkzeugen zu lesen, die alte Gegenstände ausgraben, wird vermutlich enttäuscht werden. Mir war eigentlich von Anfang an klar,

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Insgesamt ließ sich "Der Schatz des Herrn Isakowitz" schnell durchlesen. Dennoch entwickelte der Roman keinen wirklichen "Sog" für mich: Durch die Sprünge in der Zeit und die unterschiedlichen Familiengeschichten wirkte alles etwas episodenhaft; wenn man zwischendurch mal unterbrechen muss, ist es nicht schlimm und stört auch den Lesefluss nicht.
Wer Spannung sucht, wird hier vermutlich nicht fündig werden. Wer das Ganze mit dem Hintergedanken liest, eine relativ unbekannte Seite jüdischer Auswanderer-Schicksale kennenzulernen, schon eher.
Ich habe das Buch bei einer Testleseaktion gewonnen und habe mich gut davon unterhalten gefühlt, allerdings fehlte mir das gewisse Etwas: Eher "nett" als "mitreißend, humorvoll, berührend", wie der Roman im Klappentext angepriesen wird.

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