Marisha Pessl: Die alltägliche Physik des Unglücks

Marisha Pessl: Die alltägliche Physik des Unglücks

Hot
 
3.5 (2)
 
0.0 (0)
4129   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Marisha Pessl: Die alltägliche Physik des Unglücks
ET (D)
2007
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Special Topics in Calamity Physics
ET (Original)
2006
ISBN-13
9783100608031

Informationen zum Buch

Seiten
601

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Bevor ich von Hannah Schneiders Tod erzähle, möchte ich über meine Mutter reden.

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei LChoice kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)
Blue hat den Blues. Ihr Vater, der Universitätsprofessor, zieht schon wieder um. Nie länger als ein Semester bleiben Tochter und Vater an einem Ort. Bald kennt Blue jedes College. Zum Glück hat sie die Bücher - ihre engsten Vertrauten. Und so hungrig wie sie Geschichten auf Papier verschlingt, so lustvoll stürzt sie sich ins pralle Leben: Charmant und witzig besticht sie als wandelndes Lexikon und läßt zugleich keine Wodkaflasche an sich vorbeiziehen. Jeder weiß, Blue ist besonders. Man liegt ihr zu Füßen. Und dann passiert ein mysteriöser Mord und ihr Leben gerät aus den Fugen. Ein Aufsehen erregender und temporeicher Roman und ein spannend komischer Streifzug quer durch die Sätze von Shakespeare bis Cary Grant.

Autoren-Bewertungen

2 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
3.5
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.5  (2)
Charaktere 
 
3.5  (2)
Sprache & Stil 
 
3.5  (2)
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Durchgeknallt, aber gut

Die Erzählerin des Buches ist Blue van Meer, eine sechzehnjährige Schülerin, die nach dem Unfalltod ihrer Mutter, einer New Yorker Society-Schönheit mit einer Passion für Schmetterlinge, mit ihrem Vater kreuz und quer durch die USA gezogen ist. Gareth van Meer, Professor der Politikwissenschaft, nimmt hier und dort für wenige Monate Gastprofessuren an, was für Blue ständige Schulwechsel bedeutet. Auf den langen Fahrten zwischen den alten und neuen Wohnorten bringt er ihr Gedichte und Prosaliteratur nahe und sensibilisiert sie für seine Leidenschaft, einen großen Wortschatz.

Für das High-School-Abschlussjahr nimmt der Vater für ein ganzes Jahr eine Stelle an, damit Blue ungestört ihren Schulabschluss machen kann. Noch vor Schuljahresbeginn treffen die beiden beim Einkaufen die faszinierende Hannah Schneider, die sich als Lehrerin an der exklusiven St.-Gallway-Schule entpuppt, die Blue in diesem Jahr besuchen wird. Um sich geschart hat sie ein Grüppchen von fünf Schülern, die von den anderen die "Bluebloods" genannt werden, sie treffen sich an den Wochenenden zum Essen bei Hannah, führen rege Diskussionen und bilden einen elitären kleinen Zirkel, in den auf Hannahs Wunsch auch Blue Aufnahme findet, wenn auch gegen den Widerstand der Bluebloods.

Auf einer Kostümparty bei Hannah kommt es zu einem merkwürdigen Todesfall, ein Partygast ertrinkt im Pool - und noch vor Ende des Schuljahres ist auch Hannah tot, erhängt, offenbar Selbstmord.

Doch Blue glaubt nicht an einen Suizid und versucht für sich alleine, Klarheit zu schaffen ...

Eins vorweg: ich kann gut nachvollziehen, was manche Leser an dem Buch gestört hat - wahrscheinlich viele der Punkte, die ich gerade mochte.

Die Erzählweise ist sehr ausschweifend, schlägt zahlreiche kleine Volten, man muss auch die Marotte mögen, dass Zitate, Anekdoten und Ereignisse gerne mit Quellenverweisen auf existierende oder fiktive Bücher versehen werden. Zwischen Blue und ihrem Vater hat sich eine Art Familien-Codesprache eingebürgert, die Gareths Sichtweise der Welt widerspiegelt, auch das fand ich sehr amüsant.

Dadurch, dass der Vater ihr einziger Fixpunkt in ihrem Vagabundenleben ist, hat Blue kaum dauerhaften Kontakt zu Gleichaltrigen, aber einen riesigen Wort- und Allgemeinwissensschatz, den sie gerne am Rande der Erzählung einfließen lässt. Ein wenig klugscheißerisch vielleicht, aber sympathisch, abgesehen davon, dass Einsprengsel auf Deutsch und Französisch oft fehlerhaft sind.

Einen Teil ihrer Recherchen nach Hannahs Tod hätte man ein wenig kürzen und straffen können, da gingen mir dann die Verweise auf fiktive Websites auf die Nerven. Danach kam allerdings eine Wendung, die mir den Atem stocken ließ und mich für die restlichen 150 Seiten noch mal förmlich an das Buch gekettet hat (bis zum doch recht abrupten und für mich nicht ganz zufriedenstellenden Ende).

Sehr gut gefallen hat mir auch das Inhaltsverzeichnis - jedes Kapitel ist mit einem Buchtitel überschrieben, und das Inhaltsverzeichnis trägt den Titel "Required Reading" und ist nach dem Muster einer Lektüreliste für Oberstufe oder Uni gestaltet.

Eine verrückte, leicht abgedrehte Geschichte, sicher nicht jedermanns Sache, aber bis auf die erwähnte Länge zwischendurch genau nach meinem Geschmack.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
3.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
3.0

Guter Beginn, nimmt leider gegen Ende ab

Blue ist 16 Jahre alt und seitdem sie denken kann, reist ihr Vater mit ihr andauernd von einem Ort zum nächsten. Überall ist er nie länger als vielleicht ein halbes Jahr. Entsprechend kann es passieren, dass Blue innerhalb von einem Jahr 3mal die Schule wechselt. Sie hat keine Freunde und ihr Vater ist ihre einzige Bezugsperson. Erst in ihrem letzten Schuljahr entschließt ihr Vater schließlich, dass sie das gesamte Jahr an einem Ort bleiben werden. Angeblich, damit seine Tochter in Ruhe ihren Abschluss machen kann. Die Wahrheit kommt erst ganz am Ende heraus.
In ihrem letzten Schuljahr schließlich wird Blue von der Lehrerin Hannah Schneider quasi dazu gedrängt ihrem Kreis beizutreten, zu dem noch einige andere Schüler zählen. Blue verliert sich komplett in ihrer neuen Clique, bis Hannah stirbt und sich Blue's Welt innerhalb kurzer Zeit auf den Kopf stellt.

Die einzelnen Kapitel des Buches sind mit Titeln von bekannten (oder auch weniger bekannten) Romanen versehen. Zuerst dachte ich, dass der Inhalt des Kapitels sich irgendwie über diese Romantitel deuten lässt, aber dem ist eigentlich nicht so. Wenn man die Titel einfach so liest und dann den Inhalt in dem Kapitel, passt der Titel sehr gut zum Inhalt, hat aber so weit ich feststellen konnte, nie wirkliche Gemeinsamkeiten mit dem erwähnten Buch.
Das Buch selber ist aus der Perspektive von Blue geschrieben und Blue neigt dazu sich in ihrer Geschichte zu verlieren, Vergleiche mit Büchern (sowohl real, als auch fiktiv) anzustellen und diese auch immer mit Zitatangaben zu hinterlegen. Zu Beginn fand ich das eigentlich sehr unterhaltsam und habe das Buch auch eher langsam gelesen. Als dann gegen Ende sich die Ereignisse überschlagen, hätte wegen mir auch die Sprache "schneller" werden können, da mich da die Vergleiche und Verweise gar nicht mehr interessiert haben, sondern ich endlich zur Auflösung kommen wollte.

Blue ist eigentlich zu bedauern: Durch das ständige Reisen ihres Vaters, hat sie keinerlei Freunde. Sie ist eine Einzelgängerin und lebt mehr in der Welt der Bücher als in ihrer realen Welt. Dazu trägt auch noch bei, dass ihr Vater sie wohl zu einem Genie erziehen möchte und fast alle Gespräche und Diskussionen mit ihr nur über Bücher und Zitate führt. Kein Wunder also, dass sie in ihrer "Lebensgeschichte" andauernd irgendwelche Schriften zitiert.
Zu Beginn habe ich als Leser dadurch aber auch geglaubt, dass Blue schon viel erwachsener ist und reifer, als andere Teenager. Umso überraschter war ich dann zuerst, als sich doch einfach zeigt, dass Blue ein normales Mädchen ist, dass sich auch nach einem netten Jungen sehnt und teilweise auch wie ein Teenager total konfus reagiert. Aber auch klar, dass der Vater mit einem pubertierenden Teenager nicht wirklich gut zurecht kommt...

Ehrlich gesagt tue ich mich sehr schwer das Buch zu bewerten. Ich finde die Idee mit den Romantiteln als Kapitelüberschriften sehr gelungen und auch der Erzählstil von Blue ist zwar am Anfang anstrengend, aber eigentlich sehr amüsant. Teilweise vermittelt sie einem auch ganz schön viel Wissen, was ich sehr spannend fand.
Andererseits will sich das Buch gegen Ende zu einem Thriller entwickeln und schafft das meiner Meinung nach nicht so richtig. Die Spannung die aufkommt, wird durch diese verschachtelte Erzählweise gleich wieder zerstört und die dann auch nur teilweise vorhandene Auflösung kam mir schließlich doch sehr konstruiert vor. Ich hatte da das Gefühl, dass die Autorin noch unbedingt eine ganz irre Geschichte auf die letzten Seiten packen wollte.

Für mich insgesamt ein zu Beginn sehr unterhaltsames Buch, dass mich gegen Ende dann aber leider nur noch genervt hat. Eine gute Idee, die aber am Ende ins abstruse abdriftet und man das Gefühl hat, dass da einfach zu viel Stoff verarbeitet werden wollte.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

In dieser Liste gibt es noch keine Bewertungen.
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue