Majgull Axelsson: Die Aprilhexe

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Majgull Axelsson: Die Aprilhexe
Verlag
ET (D)
2000
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Aprilhäxan
ET (Original)
1997
ISBN-13
9783442724727

Informationen zum Buch

Seiten
511

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Handlungsort

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Desirée kommt schwerstbehindert zur Welt. Gelähmt, stumm und spastisch krampfend wird sie in eine Anstalt für geistig Behinderte abgeschoben, denn in ihrem missgestalteten Körper vermutet man eine missgestaltete Seele. Doch Desirée ist eine hoch intelligente Frau, und obwohl sie weder gehen noch sprechen kann, weiss sie die Welt auf ihre Art zu erkunden. Denn Desirée ist eine Aprilhexe - sie hat die wundersame Fähigkeit, ihren verkrüppelten Körper zu verlassen, hinter dem Auge eines Vogels Platz zu nehmen und den Tierkörper dazu zu zwingen, sich dorthin zu bewegen, wohin sie will: in die Welt ihrer Schwestern. Ihre drei Schwestern, die eigentlich ihre Pflegeschwestern sind, wissen nichts von ihrer Existenz. Doch eines Tages bekommt jede von ihnen einen Brief, der sie zwingt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Margareta, die Physikerin, Christina, die Ärztin, und Birgitta, die Alkoholikerin. Mit ihren anonymen Briefen legt Desirée den Finger auf Wunden, die noch längst nicht verheilt sind ...

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Die Geschichte beginnt in den 50er Jahren, spielt in Schweden und handelt von vier Schwestern, die eigentlich gar keine sind.

Da ist zum einen Desirée, die einzige leibliche Tochter von „Tante“ Ellen. Desirée, deren Name ironischerweise „Die Ersehnte“ bedeutet, wurde gleich nach ihrer Geburt von Ihrer Mutter in ein Heim gegeben – das machte man in den 50ern so mit behinderten Kindern. Die Ärzte hatten Sie abgeschrieben und empfahlen dies auch ihrer Mutter, bis diese schließlich resignierte. In den 60ern änderte sich die Einstellung zu Behinderten, und die Zuckungen epileptischer Anfälle wurde nicht mehr mit geistiger Behinderung gleich gesetzt, so dass Desirée im Rahmen ihrer gesundheitlichen Fortschritte sogar eine schulische Ausbildung gewährt wurde und als Erwachsene mit Ihrem Rollstuhl sogar eine betreute Wohnung beziehen durfte. Jeder schlimme Anfall blieb aber nicht ohne Folgen. Mittlerweile ist sie im Pflegeheim – bemitleidet, abgeschrieben, ein „Stück Treibholz“, sie ist gelähmt und bettlägerig, sprechen kann sie auch nicht mehr und sie verständigt sich über einen Computer, den Sie mit einem Mundstück bedient.

Nur Hubertsson, ihr Arzt, kümmert sich in besonderem Maße um Desirée, verbindet sie mit der Welt draußen und konfrontiert sie unter anderem auch mit Informationen über ihre Mutter Ellen und die drei Pflegekinder, die Ellen nacheinander aufgenommen hat und für die sie zu „Tante Ellen“ wurde.

Da ist zum einen Margareta, das Findelkind, heute eine Physikerin, die zunächst Archäologie studierte, bis sie im Rahmen einer ihrer Träumereien auf die Physik verfiel. Christina, als Kind von ihrer leiblichen Mutter schwer misshandelt, als Kind sprachgestört, brav und ängstlich, heute eine Ärztin. Und Birgitta, die zunächst eine Zeit lang bei ihren Großeltern lebte, bis diese meinten, es sei an der Zeit, dass Gertrud, Astrids Mutter nun an der Reihe sei. Gertrud ist völlig überfordert mit ihrer Mutterrolle – sie ist eine Trinkerin. Aber auch die Wegnahme durch das Jugendamt und die Zeit bei Tante Ellen konnten Birgittas Absturz in die Gosse nicht verhindern. Von der jugendlichen Schönheit über die Fabrikarbeiterin und Hure zur abgewrackten Trinkerin – das ist Birgittas unrühmlicher Lebenslauf.

Desirée beschäftigt sich sehr mit Ihren Schwestern und deren Schicksal. Sie ist der Meinung, dass eine von ihnen das Leben gestohlen hat, das eigentlich für sie selbst bestimmt gewesen war. Sie will herausfinden, welche. Ihr Körper ist zwar zur Bewegungslosigkeit verdammt, aber sie ist eine Aprilhexe – das bedeutet, sie kann mit ihrem Geist Besitz von anderen Lebewesen nehmen, die in ihre Nähe kommen. Sie kann diese lenken, wohin Desirée möchte oder sie bestimmte Dinge tun lassen. Meistens nimmt sie dafür eine Möwe oder einen anderen Vogel, der an ihr Fenster kommt, aber auch schon einmal einen Pfleger oder einen Besucher. So beobachtet sie ihre „Schwestern“ und sorgt dafür, dass diese anonyme Briefe erhalten – treffende Verse, die sie in ihrer Kindheit schwer belastet haben und die ihnen ihr Leben mit allen Ängsten und Problemen erneut vor Augen führen. Dinge, die diese längst verdrängt hatten. Diese Briefe führen Christina, Margareta und Birgitta am Ende auch wieder zusammen, obwohl diese nie wieder miteinander reden wollten.

Zusammen mit Desirée erlebt der Leser die erschreckende Realität in einem Pflegeheim, wirft in vielen Rückblenden einen Blick auf die Kindheit von Christina, Birgitta und Margareta, auf deren Pubertät, ihre schlimmsten Erlebnisse und ihr heutiges Leben. Mein Fazit: Das Buch ist erschreckend ehrlich, nimmt oft auch kein Blatt vor den Mund, vor allem, wenn es um die vulgäre Birgitta geht und ist sehr fesselnd, wenn man erst einmal angefangen hat, es zu lesen. Wen also das „mythische“, die Fähigkeit von anderen Lebewesen Besitz zu nehmen, nicht stört, findet in der „Aprilhexe“ ein ungewöhnliches, aber nicht minder spannendes Buch.

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