Claudia Piñeiro: Die Donnerstagswitwen

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Claudia Piñeiro: Die Donnerstagswitwen
ET (D)
2010
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Las viudas de los jueves
ET (Original)
2005
ISBN-13
9783293004177

Informationen zum Buch

Seiten
320

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Ich machte den Kühlschrank auf und starrte eine Weile geistesabwesend vor mich hin, die Hand auf dem Türgriff, vor dem kalten Licht, das die Fächer beleuchtete.

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Fünfzig Kilometer vor den Stadttoren von Buenos Aires lebt hinter hohen Sicherheitszäunen eine kleine elitäre Gemeinschaft. Ihre Sorgen scheinen sich in der Sommerhitze und deren Folgen für den örtlichen Golfplatz zu erschöpfen. Unter der schönen Oberfläche jedoch schwelen Konflikte, die auch vor den Siedlungszäunen nicht halt machen: Untreue, Alkoholsucht und Ehezwist. Zudem bekommt selbst die privilegierte Gated Community die Auswirkungen der Wirtschaftskrise mit aller Wucht zu spüren. Doch anstatt die Ärmel hochzukrempeln, gehen drei Familienväter einen eigenwilligen Weg, um ihren Lieben den hohen Lebensstandard zu sichern. Ihre Leichen werden am Grund des Swimmingpools gefunden ... Die Donnerstagswitwen ist das Porträt einer Gemeinschaft, die über ihre Verhältnisse lebt und tödliche Geheimnisse zu verbergen hat. Der preisgekrönte Bestseller ist bereits in vierzehn Sprachen zu lesen und wurde 2009 von Marcelo Piñeyro fürs Kino verfilmt.

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Der erste Satz:

„Ich machte den Kühlschrank auf und starrte eine Weile geistesabwesend vor mich hin, die Hand auf dem Türgriff, vor dem kalten Licht, das die Fächer beleuchtete.“

Meine Meinung zum Buch:

Es fällt mir sehr schwer, eine abschließende Meinung zu dem Buch zu finden.

Vielleicht erst einmal das Positive:

Ein sehr schöner Einfall der Autorin war die Art, Dinge zu zeigen, ohne sie tiefer zu erklären. Damit musste ich mich als Leserin selbst mit den Hintergründen der Geschichte beschäftigen, sie wurden mir nicht auf dem Silbertablett geliefert. An vielen kleinen Anzeichen wurde der Niedergang einer Gesellschaftsschicht und eines Lebensstiles gezeigt, und das war sicher beeindruckender, als wenn die Autorin das direkt beschrieben hätte. Gut gefallen hat mir auch der ruhige Schreibstil, der sich sehr gut und flüssig lesen ließ.

Es gab aber auch viel Negatives:

Ich fand die Personen sehr flach und oberflächlich charakterisiert. Die Geschichte plätscherte irgendwann vor sich hin und nur die Neugier, was es mit den drei Toten im Pool auf sich hat, konnte bewirken, dass ich Freude am Lesen hatte. Die anfängliche Begeisterung über das Buch ließ langsam aber sicher nach, das war sehr schade. Irgendwann gingen mir auch die hohlköpfigen Protagonisten auf die Nerven, bei denen der Schein viel mehr gilt als das Sein – aber das war vielleicht sogar die Absicht der Autorin? Auch mit dem Schluss hatte ich so meine Probleme – leider kann ich auf diesen Punkt aber hier nicht näher eingehen, sonst verrate ich zu viel.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was mir aber keine Probleme bereitete. Ich wusste immer recht schnell, in wessen Gedanken ich gerade steckte.

Alles zusammen genommen kann ich nur eine mittelmäßige Bewertung geben.

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“Die Donnerstagswitwen” spielt in Argentinien, genauer gesagt in Altos de la Cascada. Hier leben etwas reichere Einwohner Argentiniens, welche es bevorzugen abgeschottet und bewacht zu leben. Im County braucht man keine Angst zu haben, denn rund um die Uhren sind Sicherheitsbeamte anwesend. Niemand darf das Gelände ohne Genehmigung betreten. Doch dann werden 3 Leichen in einem Pool gefunden. Was ist hier nur geschehen?

Wie vermutlich die meisten Leser erwartete ich einen Krimi, der im Hintergrund etwas auf die Situation in Argentinien eingeht. Doch in der Hinsicht wurde ich enttäuscht. Enttäuscht ist das falsche Wort, weil ich das Buch sehr mochte. Aber es war anders als erwartet. Um einen Krimi handelt es sich bestimmt nicht. Die Aufklärung des Falles spielt in keinster Weise eine große Rolle. Viel mehr geht es um das Leben im County. Es wird erzählt, wie die Leute miteinander umgehen und was ihre Aufgaben sind. Geheimnisse sind hier an der Tagesordnung, denn das wichtigste ist das Ansehen der Bewohner.

Mich hat das Leben sehr an Desperate Housewives erinnert. Es hat doch gewisse Ähnlichkeiten.

Ich fand das Buch sehr interessant. Vor allem da die Autorin selbst in einem County lebt. Das macht die Erzählungen noch authentischer und glaubwürdiger. Man erfährt viel über das Eheleben, die Kindererziehung und den Alltag dieser Menschen. Einzig störend fand ich, die vielen Sprünge in der Erzählform. Oft wird aus der Sicht Virginias erzählt. Dann aber scheint es plötzlich einen aussenstehenden Erzähler zu geben. Das verwirrt manchmal, aber es ist zum Aushalten.

Ein weiteres Problem stellten für mich die vielen Namen dar. Ich konnte mir nicht merken, wer nun mit wem verheiratet ist, und wer wo wann arbeitet oder Golf/Tennis spielt. Aber ich habe ja generell kein großes Talent dafür in Büchern Namen zuordnen zu können.

Auf jeden Fall möchte ich das Buch noch im Original auf Spanisch lesen. Die Sprache ist sehr einfach, da meist sehr kurze Sätze verwendet werden. Das habe nicht besonders gerne, aber hier hat es nicht gestört. Ich bin schon neugierig, welche Unterschiede es zwischen der deutschen und der spanischen Version geben wird.

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Virginia Guevara erlebt einen merkwürdigen Abend, als ihr Mann von seinem allwöchentlichen Besuch bei den Nachbarn zurückkehrt. Ronie ist wortkarg und wirkt völlig abwesend. Doch Virginia kommt nicht mehr dazu, Ronie Fragen zu stellen nach dem offensichtlichen Streit, den Ronie wohl ausgefochten hat. Ihr Mann bricht sich das Bein und alles konzentriert sich nun auf den Notfall. Nach ihrer Rückkehr erfahren die beiden, dass in derelben Nacht drei Nachbarn tödlich verunglückt sind.

In Rückblenden erzählt Piñeiro danach, wie die Geschichte in der Gated Community "Altos de la Cascada Country Club" angefangen hat - mal aus der Sicht von Virginia, mal aus der einer Nachbarin. Virginia vermittelt die Immobilien in der Siedlung, ein Job, der sich zufällig ergeben hat und der inzwischen die einzige konstante Geldeinnahmequelle des Paares ist. Zwar können sich nur wohlhabendere Leute ein Haus in La Cascada leisten, doch die Weltwirtschaft strauchelt und zieht eine Menge Bewohner mit sich. So auch bei den Guevaras, die sich zum Beispiel keine Haushaltshilfe mehr leisten können. Andere Familien sparen am Schulgeld, pumpen Nachbarn an oder müssen wegziehen. Wird ein Haus leer, vermittelt Viriginia wieder und sie kennt nicht nur die einzelnen Immobilien bestens, sondern auch ihre Nachbarn.

La Cascada, das Paradies: Überall gibt es Pools, die Freizeit gehört Golf und Tennis, man kann jederzeit alleine nachts draußen sein - wenn auch außer den Angestellten niemals jemand zu Fuß laufen würde. Die einzige (und hermetische) Absperrung gibt es zur Außenwelt, innerhalb gibt es bloß blühende Hecken, die je nach geltender Gartenmode gesetzt werden.

Bald werden Risse in der heilen Welt erkennbar, die die Bewohner zum Teil geflissentlich übersehen: Handfesten Familienzwist zum Beispiel oder Alkoholismus. Es gibt eine Verwaltung, bei der Anzeigen platziert werden können, doch die "richtige" Polizei sieht man innerhalb der Siedlung nie. Alles wird so diskret und intern geregelt wie nur möglich.

Selbst als Leser mit Vorahnungen schlich ich zunächst über die kritischen Momente hinweg. La Cascada ist ruhig und schön und nur langsam braut sich das Gewitter zusammen. Wer nicht wegziehen muss, versucht so lange wie möglich, den Schein zu wahren und die Freunde schauen nicht weg, weil sie den anderen so nehmen mögen wie er ist. In La Cascada wird schlicht eine Traumwelt aufrecht erhalten, weil die Realität irgendwo außerhalb der Mauern stattfindet. Das schaffen die arbeitslosen Männer sogar über Monate hinweg und sie bilden sich ein, von irgendwoher komme schon ein neuer Job geflogen.

Die Szenerie, die Piñeiro beschreibt, ist beklemmend und macht mir die Gated Community so richtig madig (vielleicht fehlt auch der Bezug dazu, weil dieses Wohnkonzept hier so fremd ist). Wer meint, dass sich bestimmte Verhaltensmuster vorzugsweise vor den Reichen und Schönen fernhalten, der muss sich von Piñeiro einfach mal nach La Cascada mitnehmen lassen. Am Ende geht der Realitätsverlust bei einigen Einwohnern viel zu weit; das ist freilich tragisch, aber der Magen dreht sich erst um, als mal wieder die Verwaltung das Wort ergreift und die Tragödie nach Manier von La Cascada verarbeiten möchte.

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Rund 50 Kilometer vor den Toren von Buenos Aires liegt die Gated Community von Altos de la Cascada. Hier verbringen vier Männer jeden Donnerstag abend mit Essen, Trinken und Kartenspielen bei den Scaglias, während ihre Frauen, die „Donnerstagswitwen“, sich außer Haus treffen. Einzig Virginia hat sich diesem Ritual schon vor einiger Zeit entzogen. Eines Donnerstags kommt ihr Mann Ronie vorzeitig nach Hause, aber sie kann ihm die Gründe nicht entlocken. Etwas später an diesem Abend fällt Ronie auch noch die Treppe hinunter und bricht sich ein Bein. Als Virginia ihn ins Krankenhaus fährt, verlangt er, zu den Scaglias gebracht zu werden, was niemand so recht versteht. Am nächsten Morgen werden Tano Scaglia, Gustavo Masotta und Martín Urovich tot aus dem Swimmingpool geborgen. Was ist passiert?

Rückblickend und aus verschiedenen Perspektiven entrollt sich das Leben in der Gated Community von Altos de la Cascada, die Verbindungen zwischen den Familien, die eingestandenen und verborgenen Probleme und Ängste, die zu diesem Abend geführt haben.

Viel mehr als diese Anfangsszene will ich zum Inhalt gar nicht verraten, um nichts vorwegzunehmen. Denn was an diesem Abend nun genau passiert ist und warum, das erfährt bzw. ahnt man als Leser Stück für Stück danach. In etlichen Kapiteln tritt Virginia als Ich-Erzählerin auf, während die anderen von einem auktorialen Erzähler präsentiert werden, der sich aber als Bestandteil der Gated Community begreift und durch häufige „Wir-in-Altos-de-la-Cascada“-Verweise positioniert. Virginia ist eine gute Wahl für die Innensicht, weil sie als Immobilienmaklerin der Community Einblicke in ziemlich alle Häuser und Familien hat, über die sie auch Informationen in ihrem berühmten roten Notizheft festhält.

Auffällig, aber wenig überraschend gilt in dieser sog. Gemeinschaft der äußere Schein, das Haben, mehr als das Sein. Was in den Häusern, in den Familien passiert, interessiert niemanden, solange es nicht auf die heckengesäumten Wege dringt, egal ob es sich um Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme, Untreue oder prügelnde Ehemänner handelt. Nach außen werden Fassaden gewahrt, man spielt Tennis und Golf im Community-eigenen Club, vor der Tür steht mindestens ein SUV zusätzlich zu weiteren Autos, die Kinder besuchen allesamt Eliteschulen, in denen auf Englisch unterrichtet wird usw. Diese Konzentration auf alles Materielle führt aber auch dazu, daß Arbeitslosigkeit zum schlimmstmöglichen Schicksal wird, denn hält dieser Zustand zu lange an, dann bekommen es die Nachbarn nicht nur irgendwann mit, nein, man ist dann schließlich sogar gezwungen, das Domizil und den Lebensstil aufzugeben. Um die Jahrtausendwende ist die Wirtschaftslage in Argentinien insgesamt nicht gut und daher leidet jeder – mehr oder weniger, aber im Vergleich zur Welt „draußen“ plagen die Cascada-Bewohner immer noch Luxusprobleme. Und die Welt „draußen“ wird auch sorgfältig draußen gehalten, durch den Sicherheitsdienst, durch Zäune und Überwachungskameras. Nur in Form von Hausangestellten, Gärtnern, Handwerkern darf die Außenwelt hier herein.

In einer solchen Konstellation ist es nicht allzu verblüffend, daß auch „kreative“ Lösungen für das Finanzproblem gesucht werden, auch wenn diese zumindest bei mir eher Kopfschütteln auslösten. Dafür war der Blick in eine solche Gated Community durchaus interessant, ich kann mir gut vorstellen, daß dieses Abgeschottetsein, diese Fixierung auf Leute gleicher sozialer Schicht zu genau solchen Problemen führen kann. Mir war allerdings auch etliche Seiten vor dem Ende schon klar, was und wie da an diese bewußten Abend gelaufen sein mußte, deshalb fand ich die Gestaltung des Endes, obwohl es dann noch einmal einen zusätzlichen Überraschungsdreh gab, nicht so ganz gelungen. Mein größtes Problem war aber die Vielzahl der Personen mit ihren zum Teil ähnlichen Namen. Ich mußte mehrfach hin- und herblättern, um mich zu vergewissern, wer mit wem wie zusammengehört, für den Gesamtumfang des Romans war das doch etwas viel an Personal.

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