Harry Mulisch: Die Entdeckung des Himmels

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Harry Mulisch: Die Entdeckung des Himmels
Verlag
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
De ontdekking van de hemel
ISBN-13
9783499134760

Informationen zum Buch

Seiten
797

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Handlungsort

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Eine in dieses umtriebige und abgründige Jahrhundert ausschwärmende Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, eine Liebe, die aufmüpfigen sechziger, die pragmatischen siebziger und die windigen achtziger Jahre und den langen Nachhall der Kriegs- und Nachkriegszeit; über ein ungewöhnliches Kind, das einen noch ungewöhnlicheren "Auftrag" hat; einen Astronomen und Don Juan, der nie zur Ruhe kommt, und ein Sprachgenie, das in der Politik Karriere macht.

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Eines Nachts in Den Haag, 1967: Max Delius, auf dem Heimweg von einer seiner vielen Frauenbekanntschaften, liest auf der Straße Onno Quist auf, das schwarze Schaf einer gutbürgerlichen, niederländisch-protestantischen Politikerfamilie. Damit beginnt eine wunderbare Freundschaft, die im wahrsten Sinne des Wortes im Himmel beschlossen wurde.

Wenig später kreuzen sich die Lebenswege der beiden mit dem einer jungen Cellistin, Ada Brons, die die beiden so verschiedenen jungen Männer gleichermaßen anzieht, den nüchternen Astronomen Max genauso wie den versponnenen Denker und Sprachwissenschaftler Onno.

Nach einigen Verwicklungen wird Ada schwanger, und mit dem kleinen Quinten kommt ein höchst außergewöhnliches Kind zur Welt, mit großen Geistesgaben gesegnet und einem ganz anderen Blick auf die Dinge. Schließlich ist der Kleine auch zu Höherem bestimmt, doch das weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Das ist in ganz dürftigen Worten die Handlung dieses großartigen Romans, der drei Jahrzehnte von den 60er bis zu den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts umfasst und neben der beschriebenen Geschichte eine Unmenge gescheiter Gedanken und wissenswerter Kleinigkeiten enthält, meistens verpackt in gelehrte Diskurse zwischen Max und Onno: Politik aller Couleur, Astronomie, Sprachwissenschaft, Musik, Religion, Literatur und Naturwissenschaft spielen eine Rolle, ohne das Buch zu überfrachten und zu weit vom Hauptthema wegzuführen: Freundschaft, Liebe, Familie, zwischenmenschliche Beziehungen und dieser ungewöhnliche Junge mit dem Auftrag von ganz oben, nebst zahlreichen köstlich gezeichneten, etwas schrägen Figuren, die jedoch nie unglaubwürdig werden.

Der Prolog mag zunächst ein wenig verwirren, doch es lohnt sich, durchzuhalten und den ganz eigenen Humor dieses Vorspanns zu genießen, danach entfaltet sich auf fast 900 Seiten ein Gesamtkunstwerk, das trotz seines intellektuellen Anspruchs beim Lesen ganz einfach Spaß macht. Ein Buch zum Immer-Wieder-Lesen.

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"Die Entdeckung des Himmels" erzählt vom prallen satten Leben mit all seinen Lichtern und Schatten.

Harry Mulisch zeichnet darin zahlreiche, einzigartige Charaktere, die vor dem lesenden Auge lebendig werden. Einzelne Charakterzüge, isolierte Merkmale, begegnen uns vielleicht in der einen oder anderen Person in unserem Leben und wirken vertraut. Aber in ihrer Einmaligkeit und Zusammensetzung sind sie eine vollkommene Mulisch´sche NeuSCHÖPFUNG und ich bin glücklich, sie über Mulisch kennen zu lernen und habe zugleich das Gefühl, sie schon lange zu kennen. Anderseits bin ich traurig, dass sie mir in meinem echten Leben nicht begegnet sind und niemals begegnen werden.

Zum Beispiel Onno: Onno ist stets ganz im Hier und Jetzt und das ausschließlich. Onno liebt Wort und Schrift. Er ist fasziniert vom geschriebenen Wort längst vergangener Kulturen, er liebt Hieroglyphen, seine Arbeit macht ihn glücklich und lässt ihn nicht los. Onno befindet sich permanent in einer Schaffensphase oder einer Schaffenskrise, die alles dominiert, seinen Alltag, seine Beziehungen und sein vernachlässigtes Äußeres. Sprachen und Schriften sind sein Leben. Onno beherrscht aber auch das gesprochene Wort. Er ist ein begnadeter Rhetoriker und es ist ein Vergnügen, ihm zuzuhören. Dieses Talent befähigt ihn nicht nur zum eigenbrötlerischen Forscherdasein, sondern auch zum Politiker. Seine familiale Herkunft, seine übergroße, allmächtige, weit verzweigte Verwandtschaft, sein Standesbewusstsein und die sich daraus ergebenden (beruflichen) Möglichkeiten durch Netzwerke unterstützen seine politische Karriere. Aber wer weiß, vielleicht sind Aufstieg und Fall seiner Forscher- und Politiker-Karriere nur Teil eines göttlichen Plans.

So sehr Onno Wort und Schrift bewegen, so emotionslos bleibt er beim Musikhören. Ganz anders Ada, die Cellistin. Ada ist zunächst in Max verliebt und später in Onno und mit beiden nacheinander zusammen. Ihre konzentrierte Art, Musik zu machen, erinnert an ihre reflektierte Art, Beziehungen zu leben und zu beenden, wenn es für sie an der Zeit ist. Ihr Kinderwunsch um des Kindes, und nicht um der Beziehung willen, sind Ada´sche Charakterzüge, aber wer weiß - vielleicht ist dieser Kinderwunsch nur Teil eines göttlichen Plans.

Max ist ein erfolgreicher, ehrgeiziger und leidenschaftlicher Astronom und Onnos bester Freund. Im Unterschied zu Onno ist Max heimat-, beziehungs- und familienlos. Er lebt mit dem Gefühl, als einziger von der Familie - letztlich infolge des Holocausts - übrig geblieben zu sein und kann dauerhafte Beziehungen am besten dann leben, wenn sie keinen gemeinsamen Alltag haben. Das erklärt seine vielen kurzen Frauenaffären. Max ist stets gerührt und bewegt beim Hören von Musik, das wiederum erklärt seine Liebe zu Ada, aber wer weiß, vielleicht ist diese Liebe nur Teil eines göttlichen Plans.

Mulischs gesamtes Werk ist durchzogen von einem permanenten Zusammentreffen des Jetzt - Früher und Morgen. Diese Gleichzeitigkeit der Zeiten spiegelt sich in jedem einzelnen Protagonisten wider: besonders in Max, aber auch in Quinten, von dem wir Lesende - im Unterschied zu seinen beiden Vätern Onno und Max - wissen, wer der "Leibliche" ist und bei dem wir schon vor seiner Geburt ahnen, dass große Aufgaben auf ihn warten.

Das Göttliche, die Metaebene, schwingt permanent mit und schaut aus dem JETZT heraus von oben auf uns, auf die Gegenwart. Die Pro- und Epiloge, die Intermezzi, die Perspektive des himmlischen "Chefs" und seines Assistenten sind literarische Kunstgriffe, die uns immer wieder der Gegenwart entreißen und eine Draufsicht auf die Ereignisse ermöglichen, inklusive Rückblenden und Ausblicken.

Das Buch fasziniert und macht ein bisschen neidisch auf die Freundschaft zwischen Onno und Max und auf die niederländische Lebensweise. Manchem Kind wäre zu wünschen, dass es in einem nur halb so anregenden Umfeld groß wird, wie Quinten. In einem Mehrgenerationen-Schloss auf dem Lande wächst Quinten mit Adas Mutter und Max auf. Verteilt auf mehrere Etagen und Wohntrakte leben dort die inspirierendsten Individualisten dieser Welt unter einem Dach, die es verstehen, ihrem Leben eine inhaltliche Bedeutung, ein Thema zu geben, die leidenschaftlich ihren jeweiligen, ganz unterschiedlichen Aufgaben nachgehen und ihr gemeinsames Leben in Schloss und Hof in respektvollem, wohltuend distanziertem Mit- oder Nebeneinander teilen, in gemeinschaftlicher aber nicht einengender Weise. Und der Mittelpunkt allen Schlosslebens ist Quinten, der von allen erzogen wird und der seinerseits alle erzieht.

Auch unabhängig von der konkreten Rahmenhandlung ist Mulischs Himmel ein Lesegenuss. Gespickt mit zahlreichen Essays, Nebensträngen und Seitenarmen erfahren wir ganz nebenbei etwas über alte Sprachen, Astronomie, Theologie, Architektur- und Kunstgeschichte und setzen uns mit den Themen Euthanasie, der Rolle Kubas in der 68-er Bewegung oder der Quantentheorie auseinander. Diese Exkurse sind für sich genommen literarische und intellektuelle Höhepunkte. All das macht den "Himmel" in meinen Augen zu einem literarischen Meisterwerk der Gegenwart und seit vielen Jahren zu einem meiner unangefochtenen Lieblingsbücher.

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