Michel Houellebecq: Die Möglichkeit einer Insel

Michel Houellebecq: Die Möglichkeit einer Insel

Hot
 
3.7
 
0.0 (0)
1656   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Michel Houellebecq: Die Möglichkeit einer Insel
Verlag
ET (D)
2005
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
La possibilite d'une ile
ET (Original)
2005
ISBN-13
9783832179281

Informationen zum Buch

Seiten
443

Sonstiges

Originalsprache
französisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Meine gegenwärtige Inkarnation verschlechtert sich; ich glaube nicht, daß sie noch lange währt.

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei Thalia kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Liebe ist unmöglich – Das Alter unausweichlich Daniel24 und Daniel25, emotionslose Neomenschen späterer Klongenerationen, blicken auf ihren genetischen Prototypen und damit auf unsere Gesellschaft zurück: Eine Gesellschaft, die alle Tabus gebrochen hat und unter vernichtender Angst vor dem Altwerden leidet. Doch auch der Neomensch findet in seiner individuellen Unabhängigkeit kein Glück. Marie23 und Daniel25 begeben sich schließlich auf die Suche nach der Möglichkeit einer Insel … 

Autoren-Bewertungen

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
3.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
2.0  (1)
Charaktere 
 
5.0  (1)
Sprache & Stil 
 
4.0  (1)
Gesamtbewertung 
 
3.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
2.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Unglaublich deprimierend!

Mein Gott, hat mich dieses Buch fertig gemacht! Ich habe es gerade erst aus der Hand gelegt und konnte es nur in zwei Anläufen lesen. Nach guten 300 Seiten brauchte ich eine Pause, weil es wirklich nicht mehr auszuhalten war.

Das Buch funktioniert auf zwei Erzählebenen. Die erste und Umfangreichere spielt in der jetzigen Zeit und schildert das Leben von Daniel1 einem erfolgreichen Komiker aus seiner eigenen Sicht. Die zweite Ebene befasst sich mit Daniel24 und 25, welche genetisch veränderte Klonnachfolger von Daniel1 sind und etwa 2000 Jahre später "leben". Sie betrachten und kommentieren den Lebensbericht des Urdaniels und philosophieren über das Leben der Menschheit kurz vor ihrem Untergang in der uns bekannten Form.

Dieses Buch ist durchgehend deprimierend. Daniel1 führt ein besonderes, aber in seiner Art nicht ganz ungewöhnliches Leben. Er hat das Glück beruflich erfolgreich zu sein, ohne allzuviel dafür zu tun und kann sich daher was finanzielle Sorgen angeht schon bald aller Sorgen entledigen. Ein guter Zug vom Autor, da er so diese Komponente der Lebensproblematik von Anfang an aus dem Spiel hält. Genug Geld oder Freunde mit genug Geld haben in diesem Buch alle Charaktere und so ist es Houellebecq möglich dem Leser mit voller Wucht den eigentlichen Dampfhammer dieses Buchs ins Genick zu hauen. Liebe gibt es nicht und ab Mitte 40 bist du tot!

Liebe will keiner mehr, sondern nur Sex und für Sex bist du eigentlich schon mit 30 zu alt und hässlich. Mit ein wenig Glück, Geld und Geschick bekommst du es vielleicht hin noch bis 45 Sex mit jungen hübschen Menschen zu haben, aber ab dann ist auf jeden Fall Schluss. Ab dann kannst du nurnoch langsam vor dich hinrotten, lüstern nach nackten Mädchen am Strand gucken und dir beim Impotentwerden zusehen. Wahre Liebe findest du nur bei Hunden und wenn du dumm genug bist sie bei anderen Menschen zu suchen, wird dich das am Ende zerbrechen.

Der liebe Herr Houellebecq hat ja nicht ganz Unrecht mit seinen Beobachtungen, aber muss man denn gleich so in die Vollen gehen? Man sehnt sich geradezu herbei, dass jemand Daniel1 von seinen Leiden erlöst. Am besten durch einen grausamen gewaltsamen Tod! Bringt ihn um den alten Schwarzmaler! Und jetzt beginnt der fiese Teil dieser Buchbesprechung.
Ich spreche dem Autor nicht ab, dass er eine außergewöhnlich Gabe zum Schreiben hat. Er ist was seinen Stil angeht wahnsinnig flexibel und das Buch ist hervorragend durchdacht und aufgebaut, aber ganze ehrlich: Was soll das? Mit seinen unnötigen Anspielungen auf tausende Philosophen, seinen naturwissenschaftlichen Schwafeleien und den ach so explizit dargestellten Sexszenen kann er zumindest mich nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Die Philosophieteile wirken teilweise Zusammenhangslos und prahlerisch, die naturwissenschaftlichen Themen kann jeder Mensch bei Galileo Mysterie so sehen und solchen Sex hatte ich selber schon. Den Stempel "Große Literatur" auf diese Dinge zu drücken macht sie nicht besser. Es ist ein wirklich gut gezeichnetes Psychogramm eines Menschen, der sein Leben als verpfuscht ansieht, aber das ganze Drumherum und vor allem der moralische "Passt-auf-Ihr-lieben-Leute-der-Mensch-ist-schlecht-und-das-Leben-ein-Haufen-Dung" Dampfhammer machen dieses Buch kaputt. Die Neomenschen werden erst in den letzten 50 Seiten ansatzweise interessant.

Ginge es nach diesem Buch, sollte sich jeder Mensch nach den ersten paar erfolgreichen Sexualakten ertränken. Na das hätte ich nach 300 Seiten fast gemacht. Nur Terry Pratchett hat mir das Leben gerettet. Danach hatte ich wieder genug Kraft mich weitere 200 Seiten lang im psychischen Restmüll von Daniel1 zu suhlen.

Dieses Buch ist wie Kunst von Beuys. Vergammelter Hartkäse auf einem Stück Filz. Wenn ich will kann ich darin Gesellschaftskritik in einer entfremdeten Form sehen, aber wenn man es sich mal ganz nüchtern anschaut bleibt es Käse auf Filz. Klar muss man eine gewisse Genialität mitbringen um sowas zu schaffen, aber mir erschließt sich das nicht so recht. Ich stehe davor und sage: "Oh, aha. Na dann!"

Der einzige Grund warum ich dieses Buch zuende gelesen habe ist, dass man Daniels Entwicklung nachvollziehen kann, das Gefühl hat Zeuge echter Gefühle und Gedanken zu werden und das ist schmerzlich, aber durchaus faszinierend. Den Rest und somit sicher 200 Seiten des Buches hätte man sich sparen können. Und nebenbei, soooooo schlimm finde ich das Leben garnicht und das obwohl ich auf die 30 und somit auf mein Houellebecqsches Verfallsdatum zugehe. Aber das sehe ich garnicht ein. Nicht mit mir Herr Houellebecq. Es gibt die wahre Liebe und die tut manchmal weh, da haben sie vollkommen recht, aber wenn man nicht son Jammerlappen wie Daniel ist kommt man damit zurecht. Man wischt sich den Staub von den Knien und kauft sich ein Calippo Fizz und weiter gehts auf der wilden Reise. Ich lass mich von Ihnen nicht runterziehen! Das könnte Ihnen so passen!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

In dieser Liste gibt es noch keine Bewertungen.
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue