Ramona Ambs: Die radioaktive Marmelade meiner Großmutter

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Ramona Ambs: Die radioaktive Marmelade meiner Großmutter
Verlag
ET (D)
2013
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783939239468

Informationen zum Buch

Seiten
126

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Schlagworte
Erster Satz
Die Erinnerung, ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können, hat Jean Paul gesagt.

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Romy wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei ihren vom Holocaust traumatisierten jüdischen Großeltern auf. Gefangen in diesem Käfig aus Erinnerungen, die nicht ihre eigenen sind, sucht sie nach einem Ausweg. Sie schnüffelt an den Lacken im Keller, probiert die Tabletten der Großmutter und schließlich auch den Stoff, der bereits ihrer Mutter den Tod brachte: Heroin.

Romy landet schließlich auf der Straße. Sie lässt sich treiben, verdingt sich eine Weile in Istanbul, bevor sie sich verliebt und das Leben nicht mehr gelb, sondern golden strahlt. Aber auch das goldene Strahlen der Liebe kann die Schatten über Romys Leben nicht vertreiben ...

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Der Holocaust fordert immer noch seine Opfer

Ramona Ambs‘ Debütroman ist ein feines und kleines Buch. Auf gerade mal 126 Seiten schildert sie das Leben von Romy, die bei ihren jüdischen Großeltern in Freiburg aufwächst, da ihre Mutter schon früh den Drogentod fand. Die Großeltern leiden allerdings noch immer stark unter den Erlebnissen, die sie im Dritten Reich überlebt haben. So ist es ihnen unmöglich, Romy unbeschwert gegenüberzutreten und ihr ein normales altersgerechtes Leben zu ermöglichen. Mit dieser Belastung kann das Kind schwer umgehen und landet schließlich wie die Mutter beim Heroin. Trotzdem gelingt es ihr immer wieder, ihr Leben in den Griff zu bekommen … bis zum nächsten Absturz.

Das Buch beginnt sehr außergewöhnlich mit Kapitel 135, da laut Anmerkung der Autorin ja alles schließlich auch eine Vorgeschichte, eine Vergangenheit hat, die hier aber nicht erzählt wird. Die 98 Kapitel sind dann sehr kurz, teilweise nur ein paar Zeilen, selten mehr als 2 Seiten, sodass man das Buch jederzeit gut unterbrechen kann, um sich seine eigenen Gedanken zu machen. Dies sollte man auch unbedingt tun, denn Ramona Ambs wirft dem Leser oft nur Brocken hin, deutet an, gibt einen kurzen Abriss von Romys Leben. Dabei lässt sie die Protagonistin selbst als Ich-Erzählerin zu Wort kommen. Deutlich verändert sich hier die Sprache entsprechend, als von der Kindheit/Jugend zum Erwachsenenalter gewechselt wird. Sowohl Wortwahl als auch Satzbau werden mit zunehmendem Alter geschliffener.

Obwohl ich alles gut nachvollziehen konnte, blieb ich beim Lesen seltsam distanziert. Romy wurde mir während der ganzen Zeit nicht wirklich sympathisch. Ich denke, mir persönlich hätte es viel gebracht, wenn das Buch ein paar Seiten mehr gehabt hätte, um mir Romy noch näher zu bringen. Doch auch so war es ein beeindruckendes, lesenswertes und nachdenkenswertes Buch.

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Dünnes Buch mit schwerem Inhalt. Authentisch erzählt

Romy muss ein schweres Erbe tragen, obwohl sie selber direkt gar nicht davon betroffen ist. Ihre Großeltern sind Juden und mussten zur Zeit des 2. Weltkrieges schlimme Dinge erleben. So richtig verkraftet haben sie das bis heute nicht und geben dieses Trauma zuerst an die Tochter und schließlich auch noch an die Enkelin weiter. Nachdem Romy's Mutter mit diesem Erbe schon nicht umgehen konnte und ihren Tod in den Drogen fand, sieht auch Romy schließlich keinen anderen Ausweg und landet bei den Drogen und schließlich beim Heroin.

Den Selbstzerstörungstripp von Romy erlebt der Leser dabei hautnah mit, da das gesamte Buch aus der Ich-Perspektive erzählt ist. So erlebt man als Leser die teilweise echt dramatische Kindheit von Romy mit und landet mit ihr gemeinsam in der Abgestumpftheit und der Taubheit der Drogenwelt. Romy's Leben ist dabei irgendwann fühlbar nur noch hoffnungslos und bei mir übertrug sich dieses Gefühl so gut beim Lesen, dass ich Romy's Taten und ihr Handeln sehr gut nachvollziehen konnte.

Dieses Buch ist keine leichte Kost, zeigt aber auf erschreckende Weise und dabei sehr eindrucksvoll, wie das Leid einer Generation immer weiter gegeben wird und wie Menschen zum Opfer werden, die eigentlich gar nicht direkt betroffen gewesen sind. Da ich das Thema mit der Weitergabe von Trauma auch in der eigenen Familie gut kenne, fand ich das hier sehr gut dargestellt und authentisch beschrieben.

Ein zwar dünnes Buch, das aber mit schwerem Inhalt überzeugt. Für mich eine klare Weiterempfehlung.

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"Alles ist Schmerz und Schmerz kann fast so stark betäuben wie Heroin." (Seite 117)

1970er/1980er Jahre: Romy wächst bei ihren Großeltern auf. Die Atmosphäre ist bedrückend, denn ihre Großeltern sind gekennzeichnet von der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg.
Romy kommt schon in sehr jungen Jahren mit Drogen in Kontakt, wird süchtig, geht anschaffen.

Mein Leseeindruck:

In diesem schmalen Buch mit gerade mal knappen 130 Seiten wird die Lebensgeschichte eines jüdischen Mädchens erzählt. Romy wird in den 1970er Jahren in Deutschland geboren und wächst bei ihren Großeltern auf. Sie erzählt ihre Geschichte in der Ich-Erzählform mit sehr klaren Worten. Zum Teil hat die Geschichte einen sehr bösen, bissigen Humor, zum größten Teil wirkte die Erzählung aber bedrückend auf mich.
Man möchte Romy am liebsten aus der Geschichte herausholen und ihr die Chance auf ein anderes Leben ohne Drogen geben. Die Geschichte von Romy ist sehr deprimierend. Ich habe es selten erlebt, dass so ein dünnes Buch so große Emotionen in mir ausgelöst hat.
Jetzt habe ich die letzten Seiten gelesen, und das Buch wird mich bestimmt noch für eine Weile weiterbeschäftigen.

Empfehlenswert!

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(Aktualisiert: 14 Juli 2013)
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Geht unter die Haut

Die junge Romy wächst bei ihren jüdischen Großeltern auf, da ihre Mutter an einer Überdosis Heroin gestorben ist. Die traumatischen Erinnerungen der Großeltern an den Holocaust ziehen wie ein dunkler Schatten über Romys Kindheit, dem sie vergeblich zu entfliehen versucht. Zuerst schnüffelt sie an Lacken, schließlich greift sie zu Heroin, mit dem für sie eine Abwärtsspirale beginnt, die sie zur Prostitution zwingt, um ihre Sucht zu finanzieren. Ihre Reise führt sie auch nach Istanbul, wo sie sich das erste Mal richtig wohl fühlt. Aber die Sehnsucht nach ihrer Familie läßt sie nicht los.

Selten habe ich es erlebt, daß ein gerade mal 126 Seiten dickes Büchlein so voller Emotionen sein kann und die unterschiedlichsten Gefühle in mir als Leser weckt. „Die radioaktive Marmelade meiner Großmutter“ schafft das mühelos.

Es wird die Kindheit und das Leben der jungen Romy beschrieben, ein Mädchen mit einer jüdischen Mutter und einem christlichen Vater. Da die Mutter früh verstorben ist, wächst Romy bei ihren Großeltern und ihrem Onkel Max auf. Alle Drei haben den Holocaust zwar überlebt, sind aber durch die traumatischen Erlebnisse von damals immer noch in ihren schlimmen Erinnerungen gefangen, die auch ihren Einfluss auf Romy haben. Es gibt zwar auch schöne Momente in ihrem Leben, aber die düsteren Schatten der Erinnerung holen sie immer wieder ein, ebenso wird sie auch immer wieder im Alltag damit konfrontiert, daß sie eben „jüdisch“ ist.

Ihr Drang nach Freiheit führt sie schließlich zum Heroin, das die Sonne für sie golden, und nicht nur gelb erscheinen läßt – eine trügerische Freiheit, die sie immer mehr in die Abhängigkeit dieses teuflischen Stoffes drängt und dessen Beschaffung zum Mittelpunkt ihres Lebens wird.

Romys Leben führt allerdings nicht nur abwärts, es geht auch wieder aufwärts, sie schafft den Entzug; ihr jüdisches Erbe holt sie aber immer wieder ein. Das waren die Momente, in denen ich mit Romy zusammen gelitten, gehofft und geweint habe. Die Lektüre ließ mich oftmals hilflos zurück: man möchte Romy helfen, weiß aber nicht, wie!
Dies alles erzählt Romy in einem gleichgültigen und teilweise sarkastischen Ton, der der Wirkung des Heroins geschuldet ist, aber genau dadurch empfand ich ihr Leben umso tragischer.

Sehr gut hat mir gefallen, daß die Handlung immer wieder durch historische Bezüge zeitlich eingeordnet wird.

Dieses Buch ist ein sehr eindrückliches Portrait, das mich auch nach seinem Ende noch lange Zeit beschäftigt hat – absolut empfehlenswert.

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Ein Buch, das lange nachwirkt

Romy ist jüdisch. Das bedeutet, dass ihre Großeltern auch jüdisch sind. Ein unnötiger Satz? Nein, denn Großeltern haben den zweiten Weltkrieg miterlebt und Romys Geschichte zeigt, dass die schrecklichen Erlebnisse der Großeltern sich noch über mehrere Generationen auswirken. Romys Mutter flüchtete sich mit Hilfe des Heroins in den Tod und auch Romy lernt schnell, dass die Drogen sie vergessen lassen.



Meine Meinung:

Das Buch ist mit seinen 120 Seiten ein eher dünnes Exemplar. Doch Ramona Ambs beweist, dass man auch auf wenig Platz unglaublich viel unterbringen kann. Diese wenigen Seiten berühren, wühlen auf und machen nachdenklich. Wo endet Geschichte? Wieviel Vergangenheit kann ein Kind ertragen? Sollte man das jüdische Mädchen um die Ecke besonders behandeln, um die leidvolle Vergangenheit der Familie wertzuschätzen, oder ist es nicht viel mehr Wertschätzung, sie als normal anzusehen?



Schon die einseitige Vorbemerkung stimmt den Leser nachdenklich. Zum Einen, weil das Buch mit Kapitel 135 beginnt. Denn es sind immer schon vorher Dinge passiert, die das Leben beeinflussen. Zum Anderen, weil Romys unglaublich schwarzer Humor hervorspringt. Sie erklärt dem Leser, dass sie eine schnell sterbende literarische Figur sei, denn sie ist ja jüdisch. Romy ist unglaublich intelligent und stark, doch der Leser merkt schnell, dass die Geschichte oft stärker ist.



Ich möchte nicht viele Worte über dieses wundervolle Buch verlieren. Man sollte es einfach lesen und auf sich wirken lassen. Doch Vorsicht: Dieses Buch ist eine Droge. Eine Droge, die einen dazu zwingt, auch nach der Lektüre noch über das Gelesene nachzudenken. Vielleicht fällt dem einen oder anderen Leser auf, dass das Dritte Reich auch Auswirkungen auf das eigene Leben hatte.

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"Alles ist Schmerz und Schmerz kann fast so stark betäuben wie Heroin." (Seite 117)

1970er/1980er Jahre: Romy wächst bei ihren Großeltern auf. Die Atmosphäre ist bedrückend, denn ihre Großeltern sind gekennzeichnet von der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg.
Romy kommt schon in sehr jungen Jahren mit Drogen in Kontakt, wird süchtig, geht anschaffen.

Mein Leseeindruck:

In diesem schmalen Buch mit gerade mal knappen 130 Seiten wird die Lebensgeschichte eines jüdischen Mädchens erzählt. Romy wird in den 1970er Jahren in Deutschland geboren und wächst bei ihren Großeltern auf. Sie erzählt ihre Geschichte in der Ich-Erzählform mit sehr klaren Worten. Zum Teil hat die Geschichte einen sehr bösen, bissigen Humor, zum größten Teil wirkte die Erzählung aber bedrückend auf mich.
Man möchte Romy am liebsten aus der Geschichte herausholen und ihr die Chance auf ein anderes Leben ohne Drogen geben. Die Geschichte von Romy ist sehr deprimierend. Ich habe es selten erlebt, dass so ein dünnes Buch so große Emotionen in mir ausgelöst hat.
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