Henning Mankell: Die rote Antilope

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Henning Mankell: Die rote Antilope
Verlag
ET (D)
2001
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Vindens son
ET (Original)
2000
ISBN-13
9783423130752

Informationen zum Buch

Seiten
380

Sonstiges

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Ende des 19. Jahrhunderts reist ein junger Mann aus Schweden nach Südafrika. Der gescheiterte Student und Abenteurer Hans Bengler hofft, mit einem unbekannten Insekt zurückzukommen, das ihn berühmt machen soll. Stattdessen entdeckt er bei einem Großwildjäger am Rande der Kalahariwüste einen verwaisten Buschmannjungen und beschließt, ihn nach Europa mitzunehmen. Obwohl Daniel, wie Bengler ihn nennt, die schwedische Sprache bald leidlich versteht, wird er sich auf dem weißen Kontinent nie richtig heimisch fühlen. Er muss Schuhe tragen, an Türen anklopfen und sich pausenlos anstarren lassen, denn die meisten Schweden haben noch nie einen Schwarzen gesehen. Er wird wissenschaftlich untersucht und von seinem neuen Vater wie von einem Schausteller dem Publikum vorgeführt...

In seinen Träumen aber sieht er die rote Antilope, die sein leiblicher Vater in den afrikanischen Felsen geritzt hat. Wie sie will er zum Sprung ansetzen, weit zurück über das Meer, und nachts probiert er heimlich, ob e s nicht möglich ist, mit bloßen Füßen über das Wasser zu gehen. Wer war dieser kleine schwarze Junge, der auf einem Friedhof in Schonen begraben liegt? Welches Drama hat sich in seinem kurzen Leben abgespielt? Und was geschah zwischen ihm und dem weißen Mädchen, das eines Tages aus seinem Elternhaus verschwand und einem Mord zum Opfer fiel?

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Im Jahr 1876 befindet sich Hans Bengler auf einer Expedition durch die Kalahari, um – wie er hofft – eine neue Insektenart, egal ob Fliege, Käfer oder was auch immer zu finden, der er seinen Namen geben kann. Mit einem Ochsengespann und vier Treibern hat er sich auf den Weg gemacht, mit viel Glück erreicht er eine kleine Handelsstation, die ein schwedischer Landsmann betreibt. Als der Händler eines Tages einen schwarzen Jungen gegen einen Sack Mehl eintauscht, fühlt Hans Bengler seine Berufung: Er muß den Jungen adoptieren und ihm in Schweden ein anständiges Leben verschaffen. Kurzerhand nennt er den Jungen Daniel und reist mit ihm ab. Wieder in Schweden bemüht sich Bengler um Vorträge, bei denen er seine in der Wüste gesammelten Insekten präsentiert, aber auch Daniel muß als Faszinosum bei diesen Auftritten herhalten. Bei einem Vortrag kommen Hans und der Junge in Kontakt mit einer Journalistin, die sich für die Geschichte des Jungen interessiert und schnell merkt, daß zwischen Hans' Sensationserzählung und der Wahrheit eine Lücke klafft. Es kommt zu einem Eklat, Hans flieht mit Daniel, läßt diesen auf einem Bauernhof gegen Kostgeld zurück und verschwindet. Der Junge erinnert sich immer seiner ermordeten Eltern Kiko und Be, er träumt und spürt die Heimat, er hat einen Auftrag dort zu Hause und sinnt darüber nach, wie er zurückkehren kann.

Daniel, der eigentlich Molo heißt, ist einerseits zu bedauern, denn er wird gleich zweifach aus seinen vertrauten Lebensverhältnissen gerissen: einmal durch den gewaltsamen Tod der Eltern und der restlichen Sippe und einmal durch die Verfrachtung nach Schweden. Anfänglich besteht natürlich ein Sprachproblem, aber Molo lernt schnell soviel Schwedisch, daß er sich verständlich machen kann. Trotzdem hilft das kaum, denn was wirklich in ihm vorgeht, versteht und interessiert nicht nur Bengler nicht besonders, auch die meisten anderen Menschen, denen Molo in diesem fremden Land begegnet, tun das nicht. Er wird bestaunt, angegafft, gezeichnet, vermessen, aber wahrgenommen wird er entweder als exotisches Tier oder als Ausgeburt des Satans, aber nicht als Mensch mit Gefühlen und Gedanken. Ausnahme ist ein wenig das Bauernpaar, bei denen Bengler ihn unterbringt. Diese erkennen zumindest, daß das Heimweh den Jungen über kurz oder lang umbringen wird, auch wenn sie nicht im Detail verstehen, welche Gedanken ihn bewegen. Andererseits, aber das zählt angesichts dieses Schicksals wenig, ist Molo auch zu beneiden, denn er ist sich seiner Wurzeln sicher. Auch in der Fremde ist er in der Lage, den Kontakt zu seiner Welt, zu den Ahnen und Geistern, über seine Träume und Wahrnehmungen zu halten. Nur stürzt ihn das mehr als einmal in zusätzliche Probleme. Und so ist das Buch durchzogen von einer permanenten Traurigkeit, die das Heimweh und das Unverstandensein hervorrufen.

Unglücklich ist allerdings der von Mankell gewählte Zeitpunkt für Benglers Afrika-Reise. Er läßt Bengler nämlich schon 1874 eine deutsche Karte der Kalahari studieren, auf der er unter andem die Küste von Deutsch-Südwestafrika betrachtet. Das ist Humbug, denn selbst die Walfischbucht südlich von Swakopmund wurde wegen ihrer Besiedlung erst 1878 von Großbritannien offiziell annektiert, und erst 1884 wurde das Umland deutsches „Schutzgebiet“. Es ist also zum einen völlig unmöglich, 1874 eine solche Karte und dann auch noch mit diesen Bezeichnungen vorliegen zu haben, und zum anderen ist es extrem unwahrscheinlich, daß Molos Sippe einer Horde Deutscher zum Opfer fällt und der Junge sogar so etwas wie Kanonen schon gesehen haben soll. Nein, nein, Herr Mankell, da waren wir sehr schlampig, dafür gibt's eine halbe Ratte Abzug *tsts*

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Die rote Antilope - unverkennbar ein Mankell Buch. Ein krimihafter Spannungsbogen, eine gehörige Portion Sozialkritik und eine Liebeserklärung und Respekterweisung an Afrika und seine Einwohner.

Alles in allem eine recht spannend zu lesende Geschichte, die letztendlich aber doch an ihrem Ziel vorbeiplätschert: Während es noch glaubhaft gelingt, den Möchtegern-Entomologen Hans Bengler in seiner Tumbheit und Anmaßung, von einem Debakel ins nächste stolpernd, darzustellen mißlingt es Mankell, das Sehnen und sich Verzehren des entwurzelten afrikanischen Jungens Daniel alias Molo in Schweden überzeugend zu transportieren. Der kurze Aufstieg des Hans Bengler zum Herrenmenschen am dunklen Kontinent und der Rückfall in sein eigentliches Ich, das des multipel gescheiterten Studenten ("Er hatte mit der Philosophie geliebäugelt und mitunter überlegt, ob er Pfarrer werden sollte, wenn er mit den Kommilitonen zusammensaß und trank, aber es gab keinen Gott, und schließlich war er bei den Insekten gelandet") - packend und psychologisch überzeugend; die Geschichte des an Heimweh verendenden Molo - (psychologisch) wenig glaubhaft und oft mit effekthascherischen Wendungen zurechtgebogen.

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