Donal Ryan: Die Sache mit dem Dezember

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Donal Ryan: Die Sache mit dem Dezember
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Thing about December
ET (Original)
2013
ISBN-13
9783257069273

Informationen zum Buch

Seiten
272

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Mutter sagte immer, der Januar ist ein schöner Monat.

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Handlungsort

Land
Kontinent
Handlungsorte
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In einer Kleinstadt in Irland soll die Investition eines riesigen Konzerns alle Bewohner zu Millionären machen. Wenn da nicht Johnsey Cunliffe wäre, der seltsame und stille Johnsey, der kaum je ein Wort sagt. Die Farm seiner kürzlich verstorbenen Eltern ist das Kernstück des geplanten Bauprojekts. Gerade als sich ihm das Glück zuwendet, wird Johnsey von allen Seiten unter Druck gesetzt. Er soll verkaufen. Doch genau das will er nicht.

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Ein ganzes Jahr - ein ganzes Leben

Inhalt:
Johnsey Cunliffe ist anders als andere Menschen, etwas langsam im Denken und ungeübt im Umgang mit anderen. Er lebt in einem Dorf in Irland auf dem elterlichen Bauernhof. Solange diese noch lebten, war Johnseys Leben zwar von Mobbing geprägt, aber auch von der Liebe seiner Eltern. Nach deren Tod ist er auf sich allein gestellt. Als ein Konzern sein Land kaufen will, um zu bauen, weigert sich Johnsey, das Land seiner Vorfahren zu verkaufen. Damit zieht er sich den Zorn der übrigen Bewohner zu, die sich selbst Reichtum erhofften.

Meine Meinung:
Donal Ryan zeichnet mit leisen Worten ein dramatisches Porträt eines jungen Mannes, der anders ist. Johnsey Cutliffe kann nicht gut mit Worten umgehen. Er vermeidet den Umgang mit seinen Mitmenschen und will am liebsten nur seine Ruhe haben. Von Kindheit an wurde er von seinen Mitschülern immer nur gepiesackt und schikaniert. Er ist aber auch ein geborenes Opfer, das sich nie wehrt. Lieber zieht er sich in sich selbst zurück und denkt darüber nach, sich umzubringen. Doch auch dazu fehlt ihm der Elan.

Mir war Johnsey von Anfang an sympathisch. Ich mochte seine ruhige Art, ich verstand seine Handlungsweisen. Und ich hatte auch Mitleid mit ihm. Er, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, wird von den meisten Leuten verachtet und angefeindet, nur weil er sich nicht wehrt, nicht argumentiert.

Als Leser erlebt man die Geschichte aus Johnseys Sicht. Es wird zwar in der 3. Person erzählt, aber eben ganz nah am Protagonisten. Wir dürfen an seinen tiefsten Gedanken teilhaben. Das ist einerseits toll, weil man Johnsey so sehr nahekommt und ihn gut kennenlernt, andererseits ist seine kindlich-naive Art auf Dauer aber auch ein wenig anstrengend. Schön sind wiederum seine philosophisch anmutenden Betrachtungen des Lebens und des Miteinanders.

Dass die wörtliche Rede, die sowieso nur ganz spärlich vorkommt, ohne Anführungszeichen steht und einfach in den Text einfließt, erfordert eine gewisse Konzentration beim Lesen, passt aber sehr gut zu Johnseys Art. Denn er spricht ja nicht viel.

So begleiten wir Johnsey durch ein ganzes Jahr, zwölf Kapitel von Januar bis Dezember. Wir erfahren, wie es früher, als die Eltern noch lebten, in den jeweiligen Monaten zuging, welche Arbeiten auf dem Hof anfielen, welche Rituale es in der Familie gab. Dann wird übergeleitet zu dem jeweiligen Monat im aktuellen Jahr, zu Johnseys neuesten Erlebnissen und Erfahrungen. Diese Art der Erzählung hat mir sehr gut gefallen, ergibt sich doch so insgesamt ein dichtes Bild von Johnseys Leben und Entwicklung.

Man sollte sich für dieses Buch etwas Zeit nehmen, über das Gelesene nachdenken und es wirken lassen - und sich immer wieder von der melancholisch-betrüblichen Stimmung erholen.

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Der Dezember zieht blitzschnell vorüber...

„Die Sache mit dem Dezember“ kommt ganz zum Schluss, zunächst begleiten wir Johnsey durchs Jahr. Jeder Monat ist ein Kapitel und beginnt mit einer Aussage, wodurch dieser Monat bislang geprägt war – ein sehr schöner Ansatz. „Bislang“ ist hier das Schlüsselwort, denn nun ist alles anders. Johnsey, ein junger Mann von eher schlichtem Gemüt, lebt nach dem Tod seiner Eltern alleine auf dem Hof, von Freunden seiner Eltern ein wenig betüttelt, aber eigentlich ziemlich einsam. Die Gleichaltrigen im Dorf sind schon lange weggezogen oder hängen arbeitslos auf dem Dorfplatz herum und schikanieren ihn, wann immer sie ihn sehen. Als sie es zu weit treiben, landet Johnsey im Krankenhaus und trifft dort zum ersten Mal Freunde. Und plötzlich wird er auch vom Rest des Dorfes nicht mehr ignoriert, doch das liegt wohl eher daran, dass sein Land im neuen Bebauungsplan eine wichtige Rolle spielt…

Gerade am Anfang musste ich das Buch nach ein paar Seiten immer mal wieder zur Seite legen und durchatmen. Der Stil, das Tempo mit dem Johnseys Gedanken auf den Leser abgefeuert werden, machte mich regelrecht atemlos. Dabei versuchte ich zu ergründen, wie 'blöd' Johnsey eigentlich ist: Er selbst hält sich für einen ziemlichen Idioten und manche Äußerungen von ihm bzw. sein Nicht-Verstehen bestimmter Begriffe passen einem eher unterdurchschnittlichen IQ, andererseits blitzt immer wieder Wissen auf, was deutlich darüber hinausgeht.

Johnsey fehlt zumindest die "Bauernschläue", mit der man sich seinen Vorteil sichert, aber moralisch steht er auf sehr sicheren Füßen und lässt sich nicht von der Fassade der anderen Menschen blenden, sondern durchschaut sie. Seine Einsichten werden mit schönen sprachlichen Bildern beschrieben. Ist sein größtes Problem nur seine Unsicherheit, dass er lieber schweigt als etwas Falsches zu sagen und im Großen und Ganzen "zu gut für diese Welt" ist? Andererseits zeigt gerade das Ende ein absolutes Unverständnis der realen Welt…

Ryans zweites Buch „The Spinning Heart" beschäftigt sich ebenfalls mit Iren im Angesicht des (dann schon gescheiterten) Finanzbooms und so denke ich, dass Johnsey irgendwie auch ein vereinfachtes Sinnbild für die "einfache" Landbevölkerung Irlands ist, die von dem Finanzboom, den das Land zwischendurch hatte, überrannt wurde. Einfach nur brav zu arbeiten und sonntags zur Messe gehen, reicht nicht mehr, es gibt neue tolle Möglichkeiten und wer die nicht ergreifen will, ist dumm. Dass das Leben nicht für alle aus Gewinnmaximierung besteht, sondern sie zufrieden sind, mit dem was sie haben, gilt nicht. Und das ist dann das Tiefgründige an dem Buch, was über die Erzählung des aufregendsten Jahres eines einfachen Kerls hinausgeht.

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Ein Jahr, das alles verändert…

Bei dem vorliegenden Buch hat mich der Klappentext so sehr angesprochen, dass ich neugierig geworden bin. Was ich aber letztendlich geboten bekam war so viel mehr als ich erwartet hatte.

Johnsey Cunliffe hat immer nur mit seinen Eltern zusammen gelebt und nach deren Tod ist er mit dem Leben überfordert. Warum sollte er den Besitz seiner Eltern verkaufen, wenn es doch das Einzige ist, was von ihnen übrig ist? Johnsey spürt alsbald, dass seine Entscheidung weitreichende Konsequenzen für sein Leben haben wird. Kann er sich der Mehrheit widersetzen?

Bevor ich überhaupt auf den Inhalt eingehe, möchte ich erst einmal den unheimlich bildhaften Schreibstil des Autors loben, der einfach ein Lesegenuss an sich ist, unabhängig von der Geschichte. Man kann sich alles sehr genau vorstellen und regelrecht in Johnseys Welt abtauchen.

Johnsey ist als Protagonist etwas ganz Besonderes, der mich manches Mal an Forrest Gump erinnert hat. Johnsey sieht sich selbst als Hornochsen an und die Kleinstadtbewohner behandeln ihn auch als solchen, dabei ist er ein Meister der Beobachtung und kann sehr gut andere Menschen einschätzen. Sein Schicksal berührt und nimmt einen als Leser emotional total mit, für mich eine sehr tragische Figur.

Die Kleinstadtbewohner mit all ihren Eigenarten und vor allem Vorurteilen sind sehr gut dargestellt.

Das Buch selbst ist in zwölf Kapitel unterteilt, die nach den Monaten des Jahres benannt sind. Die Handlung wird uns zum einen über Rückblenden, zum anderen als Gegenwartshandlung näher gebracht. Durch die Rückblenden bekommt man einen intensiveren Einblick in die Familie Cunliffe.

Das Ende kommt dann sehr plötzlich und ist offen. Mich hat dies anfänglich gestört, doch nachdem ich das Gelesene etwas hatte sacken lassen, habe ich den Kunstgriff des Autors verstanden, denn egal welches Ende er gewählt hätte, als Leser wäre man nie so recht glücklich geworden, daher ist es besser, wenn man sich selbst noch seine Gedanken dazu machen kann.

Fazit: Ein Roman mit Tiefgang, der zum Nachdenken anregt und mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Unbedingt lesen!

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(Aktualisiert: 08 Juni 2015)
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Ein berührendes Buch über Leute, die ein bisschen anders sind, Freundschaft und Loyalität

Inhalt:
Johnsey Cunliff tut sich schwer im Umgang mit Menschen, seine Gedanken kann er nicht in Worte fassen und deshalb sagt er meist gar nichts. In dem kleinen irischen Ort ist er ein Außenseiter und Opfer von Hänseleien und tätlichen Angriffen.
Als das Land, das er von seinen Eltern geerbt hat, zum Kernstück eines großangelegten Bauprojektes wird, das Aufschwung und Arbeitsplätzen schaffen soll, wird vom ihm erwartet, dass er es verkauft.
Aber Johnsey will nicht verkaufen und zieht damit den Zorn des ganzen Ortes auf sich.

Meine Meinung:
Ich habe selten mit der Hauptfigur eines Buches so gelitten wie mit Johnsey. Schon als Kind wird er ausgelacht und gehänselt, weil er anders ist, sehr schüchtern, still und etwas langsamer.
Als der Vater an Krebs stirbt, bricht sein einziger Halt, seine Familie auseinander; die Mutter, nur noch ein Schatten ihrer selbst, stirbt nur wenige Jahre später.
Seine einzigen Freunde lernt Johnsey im Krankenhaus kennen, doch auch die können die Ereignisse nicht beeinflussen oder aufhalten, die einsetzen, als Johnsey sein Land nicht verkaufen will und Opfer einer bösen Hetzkampagne wird.

Johnsey wirkt auf seine Umwelt sehr einfältig, weil er kaum redet und sich manchmal etwas seltsam verhält. Dabei macht er sich durchaus kluge und auf den Punkt gebrachte Gedanken und durchschaut auch so manches heuchlerische Verhalten seiner Mitmenschen.

Die Kapitel beziehen sich auf die fortlaufenden Monate eines Jahres und beginnen immer mit Erinnerungen an Rituale und Begebenheiten aus der Zeit, als Johnsey´s Vater noch lebte.
Diese Einteilung mit den Rückblenden hat mir sehr gut gefallen, weil sie schön übersichtlich ist und vor allem auch ein gutes Bild von Johnsey´s Leben vor all den aktuellen Ereignissen zeichnet.

Dieses Buch über Leute, die etwas anders sind, Loyalität und Freundschaft hat mich sehr berührt und gefesselt, deshalb kann ich mich insgesamt der Einschätzung von nicigirl85 nur anschließen und vergebe 5 Sterne

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Ein Jahr im Leben von Johnsey

Johnsey Cunliff lebt in einem kleinen Ort in Irland. Johnsey ist nicht der Hellste, übergewichtig und das Ziel von Schikane der Dorfjugend. Er wächst behütet im Haus seiner Eltern auf, bis sein Vater und kurze Zeit später auch seiner Mutter sterben. Plötzlich gehört ihm ein grosses Stück Land, das einem offensichtlich zukunftsträchtigen Bauprojekt zum Opfer fallen soll. Aber Johnsey will sein Land behalten und wird damit zum Ziel von Intrigen und Hass.

"Die Sache mit dem Dezember" erzählt in monatlichen Abschnitten die Geschichte von Johnsey Cunliff.

In Rückblenden erfährt man, wie er aufwuchs, wie seine Jugend verlief und auch, was für Menschen seine Eltern waren. Johnsey bezeichnet sich selbst als Idioten, aber das ist er nicht. Er ist, wie man so sagt, "von schlichtem Gemüt", hat allerdings eine äußerst gute Menschenkenntnis und durchschaut sehr Vieles. Dabei ist er ein durch und durch netter und gutmütiger Kerl, gerade das macht ihn aber auch zum Ziel von Spott und Anfeindungen.

Von Beginn an hatte ich unglaubliches Mitleid mit Johnsey, er will keinem etwas Böses und wird gerade von den Jugendlichen so schlecht behandelt, dass ich beim Lesen tief durchatmen und schlucken musste und nur dachte, dass er es nicht verdient hat, all das zu erfahren. Der Autor versteht es unglaublich gut, die Gefühle von Johnsey zum Leser zu transportieren. Johnsey glaubt immer noch an das Gute im Menschen, aber leider ist das einigen abhanden gekommen.
Die Frustrationen und Aggressionen gipfeln in einer Prügelattacke, die Johnsey in das Krankenhaus bringt, dort findet er Freunde, die ihn so nehmen wie er ist.

In einem bildhaften aber nie überladenen Schreibstil schildet Donal Ryan, was Gier und Neid alles anrichten können. Gegenübergestellt sieht man Johnsey Cunliff, der nur in Ruhe auf dem Land seines Vaters leben möchte.

Das Ende des Buches ist nicht ganz offen, lässt aber Raum für eigene Spekulationen. Für dieses beeindruckende Buch, das mich ein wenig sprachlos und nachdenklich zurückgelassen hat, ein gelungenes Ende.

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