Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

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Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
Verlag
ET (D)
2005
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783498035280

Informationen zum Buch

Seiten
304

Sonstiges

Erster Satz
Im September 1828 verließ der größte Mathematiker des Landes zum erstenmal seit Jahren seine Heimatstadt, um am Deutschen Naturforscherkongreß in Berlin teilzunehmen.

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Gegen Ende des 18. Jahrhunderts machen sich zwei junge Deutsche an die Vermessung der Welt. Der eine, Alexander von Humboldt, kämpft sich durch Urwald und Steppe, befährt den Orinoko, kostet Gifte, zählt Kopfläuse, kriecht in Erdlöcher, besteigt Vulkane und begegnet Seeungeheuern und Menschenfressern. Der andere, der Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß, der sein Leben nicht ohne Frauen verbringen kann und doch in der Hochzeitsnacht aus dem Bett springt, um eine Formel zu notieren - er beweist auch im heimischen Göttingen, dass der Raum sich krümmt. Alt, berühmt und ein wenig sonderbar geworden, treffen sich die beiden 1828 in Berlin.

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Zwei kluge Köpfe stehen im Mittelpunkt des Romans, die beide im Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts auf ihre Weise die Welt vermessen wollen - und die verschiedener kaum sein könnten.

Carl Friedrich Gauß, ein verschrobener Einzelgänger, der am liebsten keinen Fuß vor die Tür setzt und aus einfachen Verhältnissen stammt, fiel schon als Kind durch seine rasche Auffassungsgabe auf, fühlte sich zeitlebens den meisten anderen Menschen geistig weit überlegen und lebt eigentlich nur für seine Formeln und Berechnungsmodelle, die als Mathematiker und Astronom sein Lebensinhalt sind.

Alexander von Humboldt stammt aus einer adeligen Familie, erhielt eine erstklassige naturwissenschaftliche Ausbildung (während seinem Bruder geisteswissenschaftliche Bildung zuteil wurde) und ist neugierig und offen, was die Welt alles zu bieten hat. Auf einer Entdeckungsreise nach Südamerika befährt er mit Einheimischen den Orinoco, begegnet wilden Tieren und alten Kultstätten und trotzt diversen Gefahren.

Als alte Männer treffen die beiden in Berlin zusammen, wo das politische Geschehen sie einholt...

Diese beiden so unterschiedlichen Männer porträtiert Daniel Kehlmann mit Witz und Tiefgang und streift hier und da wissenschaftliche Themen und die damaligen Vorstellungen über Zusammenhänge in der Natur, was sich natürlich wesentlich interessanter liest als trockene Abhandlungen.

Am besten gefielen mir die Passagen über die Lebensgeschichte der beiden Forscher. Die Verflechtungen mit der deutschen Geschichte zum Schluss hin passten für mich nur bedingt ins Bild, und ich hätte gerade gegen Ende lieber noch etwas mehr über die beiden Männer gelesen als über die Wirren der damals aktuellen politischen Lage.

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Zwei Ikonen der Naturwissenschaften nimmt Daniel Kehlmann in diesem Roman aufs Korn: Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt. Zwei Geistesgrößen, die jede für sich schon Stoff genug für mehr als ein Buch liefern würde, die aber hier in einen reizvollen Zusammenhang gestellt werden: Die Frage, wie man die Welt für sich begreifbar machen kann.

Humboldt versucht es durch konkrete Anschauung an den unzugänglichsten Orten der Erde, Gauß durch reine Geistesleistung, Mathematik und Astronomie. Dennoch sind beide nur begrenzt erfolgreich und müssen am Ende ihres Lebens, als sie sich schließlich doch noch persönlich begegnen, die Grenzen ihrer Methoden erkennen.

Es handelt sich bei diesem Buch allerdings nicht um parallel geführte Biographien und auch nicht um einen klassischen historischen Roman. Vielmehr versammelt Kehlmann eine bunte Episodensammlung, die neben den großen Entdeckungen auch die Schwächen der beiden Genies, ihr Scheitern am Alltag und ihre ganz persönlichen Marotten nicht auslässt. Der Zwiespalt zwischen Ruhm und Größenwahn betrifft beide und wird höchst amüsant dargestellt. So wird z.B. die lange ersehnte Russland-Expedition von Humboldt zur Farce, weil seine Berühmtheit strengste Reglementierung und puren Formalismus nach sich zieht.

Ob sich alles was Kehlmann berichtet nun genau so zugetragen hat, fragt sich der Leser gar nicht erst - wichtig ist weniger das konkrete Ergebnis der Forschungen als vielmehr die Eigenheiten der beiden Männer, der Verbindung von Genie und Allzumenschlichem. Genau diese Verbindung macht auch den herrlich verschrobenen Humor des Buches aus, der das Lesen zu einem wahren Vergnügen macht. Dies wird besonders am Ende deutlich, als beide im gegenseitigen Kennenlernen neue Perspektiven auf ihr Leben und ihr Schaffen gewinnen. Beide erkennen ihr eigenes, eingeschränktes Weltbild und müssen sich ihre jeweilige Beschränktheit und auch ihr zumindest partielles Scheitern in Bezug auf die endgültige “Vermessung der Welt” eingestehen.

Kehlmanns Buch ist bei allem Humor, aller Beschönigung und auch Verfremdung der Lebensläufe doch von tiefem Respekt vor den Leistungen der beiden Wissenschaftler geprägt. Er schreibt fast berührend von dem Wunder, das in der Entdeckung des Unbekannten liegt, und zeichnet die Charaktere in all ihrer Doppelbödigkeit zwar gelegentlich ziemlich respektlos, aber doch sehr herzlich und voller Staunen. Dabei ist der Text trotz der vielen Brüche sowohl in den Lebensläufen selbst als auch durch den ständigen Wechsel zwischen Humboldt und Gauß locker und ausgesprochen flüssig zu lesen, zieht einen in seinen Bann, entlockt dem Leser immer wieder ein Schmunzeln oder Stirnrunzeln.

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Zwei ältere Männer treffen sich 1828 in Berlin: Alexander von Humboldt, der sich schon früh den Entschluss fasste zu reisen und Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß, der nie reisen wollte. Beide widmen sie sich auf ihre Art und Weise der Vermessung der Welt, ärgern sich über die langsam denkende Menschheit und mühen sich mit den kleinen Alltäglichkeiten des Lebens ab. Wir begleiten Humboldt auf seiner Reise in den tropischen Urwald Südamerikas, überqueren mit ihm den Orinoko und untersuchen Insekten und Gifte - fast gleichzeitig berechnen wir mit Gauß mathematische Formeln.

Daniel Kehlmanns fiktive Biografie dieser zwei Persönlichkeiten beginnt angenehm skurril mit dem brummigen Gauß, der sich selbst mag, aber den Rest der Welt nur wenig leiden kann. Ungewöhnlich ist die Erzählweise, denn der Autor vermeidet in seinem Buch strikt die wörtliche Rede und so muss man sich erst an den ewigen Konjunktiv in allen Dialogen gewöhnen. Gerade die Gedanken und Worte, die er Gauß in Kopf und Mund legt, verlocken oft zum Schmunzeln.

"Die Vermessung der Welt" ist sicherlich kein Buch, das ich jedem empfehlen würde, denn dafür überwiegen die verwirrenden Längen zu sehr. Das Buch wird oft als "erhellend", "kurzweilig" und "intelligent" bezeichnet - leider trifft dies meiner Meinung nach nur für die erste Hälfte zu. Auch schafft Kehlmann keine tiefschürfenden Erkenntnisse über die beiden Wissenschaftler, denn er behandelt nur die wichtigsten biografischen Punkte ihres Lebens, die auf den knapp 300 Seiten eher als Zeitraffer erscheinen. Leider kann Daniel Kehlmann das anfängliche Niveau mit den ironischen, oft sogar sarkastischen, Dialogen nicht halten. Wir wechseln Ort und Zeit, ohne es richtig mitzukriegen, was die Handlung ab der Hälfte des Buches sehr verwirrend macht. Auch ermüdet die konstante Verwendung des Konjunktivs bzw. der indirekten Rede mit der Zeit und auch die mystischen Einlagen (Visionen, Ungeheuer) muten etwas seltsam an und leider, leider: Auch der Humor lässt stark nach.

Trotz der Kritikpunkte konnte mich das Buch wunderbar unterhalten und der Autor schaffe es, dass ich mich nun für zwei Menschen interessiere, über die ich vorher so gut wie nichts wusste. Keine Strandlektüre, aber ein angenehmes Buch, auf das man sich einlassen sollte, um es genießen zu können.

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In diesem Roman von Daniel Kehlmann werden zwei der größten Wissenschaftler des 19 Jhd. auf amüsante Art und weise dargestellt. Bei den beiden Ikonen handelt es sich zum einen um Carl Friedrich Gauß und der andere wäre dann Alexander von Humboldt. Zwei Genies, die jeder für sich schon Ganze Buchwände füllen könnten. Das Zusammenspiel dieser beiden Größen hebt das ganze Spektakel aber nochmals auf einen neue Stufe. Die Frage die sich beide in diesem Buch zu stellen vermögen ist, wie man die Welt für sich so gestalten kann das man sie verstehen kann.

Die versucht Humboldt mehr mit der Veranschaulichung von extravaganten Orten auf unserer Erde, Gauß hingegen versucht alles mit reiner Geisteskraft zu lösen, also mit hilfe der Mathematik und der Astronomie. Aber dennoch müssen beide, als sie sich schließlich im Herbst ihres Lebens treffen, erkennen das sie je nur begrenzte erfolge vorweisen können. Denn beide müssen schließlich die grenzen ihrer beiden Methoden erkennen.

Um aber eins klar zu stellen, hierbei handelt es sich nicht um eine Biographie der beiden Hauptprotagonisten handelt und ebenso wenig um einen historischen Roman. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine lustig bunte Sammlung von vielen kleinen Episoden die so passiert sein könnten die Kehlman hier zusammenstellte. Hier werden aber nichtnur die Entdeckungen der beiden Ikonen dargestellt, sonder auch die schwächen der beiden Genies, das Scheitern der beiden im Alltag und ihre typischen Marotten dargelegt. Die Gradwanderung der beiden zwischen Genie und Größenwahn wird hier auf äußert humoristische und amüsante Art und weise dargelegt.

Ob wahrlich alles so geschehen ist wie Kehlmann es hier darlegt stellt sich dem engagierten Leser erst garnicht. Auch die Ergebnisse die diese Reisen mit sich bringen sind eigentlich ohne Bedeutung, vielmehr ist das Zusammenspiel und die Eigenheiten dieser interessant. Die ist es auch was den komischen Humor des Buches ausmacht. Am Ende erkennen jedoch beide das ihr beschränktes Weltbild ihnen für ihr Projekt der "Vermessung der Welt" nie helfen wird.

Trotz des ganze Humors, der Beschönigungen und der abgeänderten Lebensläufe der beiden, drückt Kehlmann bei diesem Buch trotzdem seien tiefsten Respekt der Leistungen gegenüber der beiden Wissenschaftler aus.

Zusammengefasst lässt sich sagen das Kehlmann trotz der Kritik die er so über Gauß und Humboldt äußert, ihnen trotzdem seinen Respekt zollt und so auch bei schlechtem Humor einen annehmbaren "Bestseller" schuf.

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Alexander von Humboldt (1769-1855) und Carl Friedrich Gauß (1777-1855): Das sind die beiden berühmten Namen, deren sich Daniel Kehlmann in seinem Roman "Die Vermessung der Welt" annimmt. Zwei unverkennbar begnadete Genies, mit ihren gleichwohl menschlichen Problemen entführen den Leser in die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, in der die Welt noch unberührt, unentdeckt und voller Rätsel ist. Mit Humboldt und Gauß stehen sich zwei Charaktere gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine ein unermüdlicher Forschungsreisender, der den noch unbekannten Westen der Welt vom höchsten Berg bis zur tiefstgelegensten Höhle mit seinen Messinstrumenten ergründet. Der andere ein astronomischer und mathematischer Denker, der nichts weiter braucht als ein Stück weißes Papier und einen ruhigen Ort um seine Ideen in Formeln, Zahlen und Linien festzuhalten. Trotz der unterschiedlich eingeschlagenen Wege verfolgen beide das selbe Ziel - Sie wollen die Geheimnisse des 18. Jahrhunderts enträtseln.



Mit seinem Roman "Die Vermessung der Welt" gelingt dem jungen Erfolgsautor Daniel Kehlmann eine perfekte Mischung aus historischem Roman und einer abenteuerlichen und ebenso tragischen Geschichte zweier hochintelligenter Persönlichkeiten. Die tatsächlichen Gegebenheiten und die fiktiven Ergänzungen Kehlmanns werden so realistisch vermengt, dass es dem Leser unmöglich ist zu erkennen was der Wahrheit entspricht und was nur aus der Fantasie des Autors heraus entstanden ist. Den Wissenschaftlern Humboldt und Gauß wird auf diese Weise eine Tiefe verliehen, wie es keine Biografie der Welt bewirken könnte. Doch müssen einem die Namen der beiden Naturwissenschaftler nicht schon von vornherein etwas sagen. Kehlmann geht so vorsichtig und geschickt ans Werk, dass es auch denen, die auf dem wissenschaftlich Gebiet nicht ganz so erfahren sind, leicht gelingt sich schnell ins Geschehen einzufinden. Mathematische Formeln und komplizierte Rechnungen werden nur angeschnitten und spielen neben der eigentlichen Handlung meist nur eine untergeordnete Rolle.

Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Viele der Dialoge und Gedankengänge der einzelnen Charaktere sind recht amüsant und wirken komisch und fast schon lächerlich. Der Leser wird mehr als einmal bemerken, wie ihm ein verschmitztes Lächeln über die Lippen huscht.

Das Vermeiden der wörtlichen Rede im ganzen Buch hingegen kann zum Teil etwas ermüdend wirken. Die Verwendung des Konjunktivs ist zwar eine interessante, und für mich gänzlich neue Technik des Schreibens, macht es dem Leser jedoch manchmal etwas schwer das Gesagte und das Gedachte auseinanderzuhalten und zieht so einige Passagen unnötig in die Länge.

Alles in allem kann man sagen, dass "Die Vermessung der Welt" mehr ist als ein Buch über die Lebensgeschichte zweier genialer Naturforscher. Es ist die Geschichte über eine lange Reise und handelt von den zwei Menschen, die mutig genug sind sie anzutreten. Es ist die Geschichte über den langen Weg, den es braucht um zu sich selbst zu finden und der häufig einer Grandwanderung zwischen Genie und Wahnsinn gleichkommt. Aber vor allen Dingen ist es eine Geschichte über den Reiz das Unbekannte zu entdecken.

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