Jean-Philippe Blondel: Direkter Zugang zum Strand

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Jean-Philippe Blondel: Direkter Zugang zum Strand
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Accès direct à la plage
ET (Original)
2003
ISBN-13
9783492056991

Informationen zum Buch

Seiten
160

Sonstiges

Originalsprache
französisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Jeden Morgen komme ich am "Mickey Mouse Club" vorbei.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Jean-Philippe Blondel avancierte mit seinem Roman "6 Uhr 41" rasch zum Publikumsliebling. "Direkter Zugang zum Strand" ist ebenso lebensklug und amüsant. Während man von ersten Lieben, schmerzhaften Trennungen, Überraschungen und unverhofftem Glück liest, spürt man die Sonne im Gesicht am breiten Strand der französischen Atlantikküste. Die französische Atlantikküste, salzige Luft, weiter blauer Himmel: Der kleine Philippe Avril sehnt sich danach, einen Tag im Mickey Mouse Club verbringen zu dürfen, und findet fast einen neuen Freund. Der 18-jährige Jean-Michel träumt sich am Strand weit weg, bis in die noblen Landhäuser auf der anderen Seite des Atlantiks. Und Henri hat vor Kurzem seine Frau verloren, der »Tapetenwechsel« am Meer war die Idee seiner Kinder. Nun sitzt er verlassen im Sand und weiß nichts mit sich anzufangen. Danielle geht als Natacha auf Männerjagd und macht von sich reden. Doch die bösen Zungen wissen nicht, wovon sich Danielle in Wahrheit abzulenken versucht. Zufällige Begegnungen, verpasste Gelegenheiten, unbedachte Geständnisse und kleine Geheimnisse stellen die Weichen für große Veränderungen. Klug und nachdenklich erzählt Jean-Philippe Blondel von sonnigen Tagen am Atlantik und hat dabei das ganze Leben im Sinn.

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Ein feiner Buchtipp

Jean-Philippe Blondel hat mit "Direkt Zugang zum Strand" einen wirklich bemerkenswerten kleinen Roman geschaffen, der seine Episoden, die 1972, 1982, 1992 und 2002 an der französischen Küste spielen, brillant verknüpft.
Der Autor erzählt von ganz unterschiedlichen Personen, deren Träume und Wünsche, von ihren Sorgen und Hoffnungen. Doch natürlich gibt es auch Enttäuschungen, unerfüllte Sehnsüchte und ungesagte Worte...
Das Buch beginnt mit einem Jungen namens Philippe Avril, der mit seinen Eltern Strandurlaub macht - obwohl der Vater die Berge liebt und überhaupt unentwegt zankt, die Mutter lieber die Nähe des Paradiesvogels Natascha sucht und Philippe selbst am liebsten in den strandnahen Mickey Mouse Club möchte. Über die hohe Hecke kann er die anderen Kinder nur erkennen, wenn sie auf die Rutsche geklettert sind, was für Philippe genug Versprechung bedeutet. Stattdessen verbringt er den Tag alleine und nervt seine Eltern damit, das er ein Eis möchte oder ein neues Spirou-Heft. Durch Zufall lernt er den gleichaltrigen Benoît kennen, mit dem er einen Plan schmiedet. Doch dieser Plan kommt nie zustande und der Leser erfährt erst 10 Jahre später mehr über Benoît...
1992 lernen wir Hannah kennen, eine junge Frau, die aus Ostdeutschland stammt und nun ihren ersten Urlaub bei ihrem Onkel macht. Sie steht noch ganz unter dem Eindruck des Mauerfalls und wundert sich sehr über das Anspruchsdenken ihrer Verwandtschaft, die schon Jahrzehnte in Frankreich lebt.
2002 macht sich Vincenz auf zu ein paar Tagen am Meer - dort trifft er seinen ehemaligen Lebensgefährten und dessen Frau, mit denen Vincenz inzwischen eine enge Freundschaft verbindet.

Bemerkenswert ist, wie der Autor all diese Eindrücke aus den Leben unterschiedlichster Menschen verknüpft. Manchmal sind es nur kurze Begegnungen, flüchtige Entscheidungen, unbedachte Handlungen oder Emotionen, die das Leben eines eigentlich fremden Menschen ändern. Und manchmal sogar, ohne dass man es ahnt. Manchmal ahnt man selbst als Leser die Verknüpfungen nicht sofort und ich war mehrmals richtig überrascht, wie gelungen Blondel dies hinbekommen hat.
"Direkter Zugang zum Strand" ist ein kluges Buch, das nachdenklich macht: wie viele Entscheidungen hat man wohl schon unterbewusst getroffen und dabei ein anderes Leben beeinflusst?
So ist das Puzzle, das sich allmählich zusammenfügt mal tragisch, mal optimistisch, mal schmerzhaft und leichtfüssig. Ein beeindruckendes Werk, das mit 160 Seiten leider viel zu schnell gelesen ist.

Fazit: Man muss dabei blieben, damit man die feinen Bande und leisen Hinweise erkennt, aber man wird belohnt, mit einer tollen Komposition an Geschichten. Nicht nur am Strand oder in der Sonne lässt sich dieses Buch wunderbar lesen und deshalb wünsche ich ihm eine große Leserschaft.

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(Aktualisiert: 09 April 2015)
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Miteinander verknüpfte Kurzgeschichten

Das Buch ist in vier Abschnitte aufgeteilt, die jeweils in einer anderen Stadt am Meer in Frankreich spielen. Zwischen den Abschnitten liegen jeweils 10 Jahre, beginnend im Jahr 1972 mit der Geschichte des kleinen Philippe Avril, der den Urlaub wie jedes Jahr mit seinen Eltern am Meer verbringt. Er wäre so gerne auch im Mickey Mouse Club, wo die anderen Kinder scheinbar so viel Spaß haben, doch er muss sich alleine am Strand beschäftigen, während seine Eltern unter dem Sonnenschirm liegen.
Zeitgleich schlendert die schöne Danielle am gleichen Strand entlang um unter dem Namen Natascha auf Männerjagd zu gehen, damit sie ihren Schmerz vergisst ...

In jedem Zeitfenster gibt es fünf Kurzgeschichten, die jeweils von einer anderen Person handeln, die sich gerade an einem der Urlaubsorte befindet. Es sind immer nur Momentaufnahmen, die einen Blick hinter die Fassade gewähren und oft erschreckend wahr sind. Der Autor schildert seine genauen Beobachtungen und schafft es, dass der Leser sich in die Situationen und das Kaleidoskop der Gefühle hineinversetzen kann, egal ob es um Enttäuschung, Liebe, Träume, Ignoranz oder Gleichgültigkeit geht.
Und so ist das Buch mal beschwingt und leicht und dann wieder traurig und fast schmerzlich.

Ein besonderes Kunststück ist dem Autor gelungen, indem er die Personen alle miteinander verknüpft. Auf die ein oder andere Weise sind sie alle jemandem aus den vorangegangenen Kapiteln begegnet, manchmal ohne dass es ihnen bewusst ist.
So ist z.B. Danielle/Natascha eine Bekannte von Philippes Mutter und eine weitere Geschichte handelt von einem der Männer, der zu ihren Eroberungen gehört.
Nicht immer sind diese Querverbindungen offensichtlich und es war stellenweise eine Herausforderung die einzelnen Puzzleteile zusammenzusetzen.

Am Ende des Buches gibt es vier Schriftstücke die einen Einblick in die Zukunft einzelner Beteiligter gewähren.

Fazit: Ein bunter Strauß aus Lebenseindrücken, der mir ein kurzweiliges Leseerlebnis beschert hat.

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Mehr Meer

genießen wollen zahllose Franzosen und so drängt es sie Jahr für Jahr im August – dem traditionellen Urlaubsmonat aller Südeuropäer an die Küsten des eigenen Landes. Jean-Philippe Blondel hat in „Direkter Zugang zum Meer“, einem Frühwerk aus dem Jahre 2003, das erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde, Momentaufnahmen von Feriengästen aus vier Jahrzehnten – in Zehn-Jahres-Schritten von 1972 bis 2002 – zusammengestellt, kleine Portraits, in denen sie jeweils selbst zu Wort kommen. Es sind sehr unterschiedliche Gestalten, denen wir hier begegnen, sowohl Kinder als auch Erwachsene – und beinahe jeder von ihnen findet sich als Querverbindung in einem anderen Portrait, alle sind quasi miteinander verquickt.

Wach sollte der Leser sein und aufmerksam, damit ihm keiner dieser Hinweise entgeht, denn sie alle zusammen ergeben diesen entzückenden Roman, in dem sich schicksalhafte Fügungen wie Perlen aneinander reihen. Das Leben an sich ist es, das uns hier begegnet, unglaublich elegant vermittelt in den kurzen Blitzaufnahmen, die mal wie Sonnenstrahlen, dann wieder wie Regentropfen auf uns einwirken. Eine absolut runde Sache, dieser „kleine“ – keine 150 Seiten lange Roman, in dem doch so vieles (aus)gesagt wird. Erst auf den zweiten Blick erkennt man grandiose Situationen wie offene Worte, die schon lange fällig waren oder große Gesten wie Unterstützung von unerwarteter Seite.

Und erst die Sprache: Blondel begegnet uns hier als sehr französischer Autor im besten Sinne indem er sehr charmant und leichtfüßig, doch niemals oberflächlich über Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins schreibt. Helles und Dunkles, Schicksalsschläge und überraschende und prägende Fügungen folgen aufeinander bzw. gehen miteinander einher – wie dies auch im wahren Leben der Fall ist.
Ein wunderbares Buch, stellenweise spannend wie ein Krimi – ja, auch Totschlag und andere Verbrechen kommen darin vor – dann wieder nachdenklich. Für mich auf jeden Fall ein unvergessliches Werk, das Lust auf weitere Romane des Autors macht!

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