Bewertungsdetails

Gegenwartsliteratur 1711
Verwirrend und speziell
Gesamtbewertung
 
2.7
Plot / Unterhaltungswert
 
3.0
Charaktere
 
2.0
Sprache & Stil
 
3.0
Sean Phillips ist ungewöhnlich: Seit einem gescheiterten Selbstmordversuch mit einem Gewehr ist sein Gesicht zerstört. Er lebt mehr in seiner Fantasie als in der realen Welt und erschafft daraus ein briefbasiertes Rollenspiel über das Leben in einer postapokalyptischen Welt.

Das Buch ist komplett anders, als ich es erwartet hätte. Der Klappentext weckt die Annahme, es ginge um das Rollenspiel und dessen Spieler. Weit gefehlt: Es geht einzig und allein um den Entwickler des Spiels Sean. Geschrieben ist die Geschichte aus seiner Ich-Perspektive. Das Spiel ist nicht wie gedacht ein Computerspiel, sondern funktioniert per Brief: Menschen schreiben Sean, wie sie handeln würden und Sean schickt ihnen daraufhin immer den nächsten Teil der Geschichte zu, an deren Ende es wieder verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten gibt.

Das Buch fängt ziemlich wirr an. Sean liegt nach seinem "Unfall" in einem Fiebertraum und genau so fühlt man sich auch als Leser. Nach ca. 20 Seiten nimmt die Verwirrung zwar ab, allerdings ist das ganze Buch nicht chronologisch erzählt und wechselt zwischen Episoden aus Seans Vergangenheit vor und nach dem "Unfall", während der Entwicklung des Spiels und nach dem Tod einer der Spielerinnen.

Da Sean sehr in sich gekehrt lebt und man nur seine Gedanken kennt, erfährt man auch kaum etwas über andere Charaktere und deren Motive. Einblicke in das Leben der Spieler bekommt man nur durch Auszüge aus ihren Briefen. Auch mit Sean selbst konnte ich mich selten identifizieren, da seine Welt für mich so fremd ist. Selbst sein Selbstmordversuch, der am Ende geschildert wird, war (wohl auch für Sean selbst) nicht richtig nachvollziehbar und genauso konfus wie der Rest der Handlung.

Das Buch liest sich wie niedergeschriebene Gedanken: sprunghaft, für Außenstehende verwirrend, teils mit Einstreuungen oder unverständlichen Kleinigkeiten. Das machte jedoch auch in gewisser Weise dessen Reiz aus. Ein solches Buch ist durchaus etwas besonderes und vermutlich steckt viel mehr drin, als man beim ersten Lesen aufnehmen kann. Besonders faszinierend fand ich aber das Spiel. Mir hat gut gefallen, dass immer wieder einzelne Ausschnitte daraus in die Geschichte eingestreut waren und auf dessen sehr durchdachten und super interessanten Plot hindeuteten.

Insgesamt ein ganz spezielles Buch, bei dem ich mich einerseits verloren fühlte, andererseits auch fasziniert war. Der Stil und die Art des Buches erinnern ein wenig an "Birnbäume blühen weiß" von Gerbrand Bakker.
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