Bewertungsdetails

Gegenwartsliteratur 27756
Gesamtbewertung 
 
2.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
2.0
Charaktere 
 
2.0
Sprache & Stil 
 
2.0
Ein Roman ist es nicht, ein Sachbuch bzw. ein Reisebericht aber auch nicht; eigentlich soll dieses Buch ein Tatsachenbericht sein, der als fiktive Erzählung daherkommt; laut der Autorin, um die Menschen, die in ihr vorkommen zu schützen. Wovor genau diese geschützt werden müssen, darüber schweigt sie sich weitestgehend aus; vermutlich vor der allumfassenden Gier des weißen Mannes nach der Unterwerfung fremdartiger Kulturen.

Marlo Morgan wird eine ganz besondere Ehre zuteil: Sie wird von einem der letzten an seinen ursprünglichen Lebensformen festhaltenden Aborigine-Stämme zur Teilnahme an einem “Walkabout” eingeladen; einem mehrmonatigen Marsch durch das australische Outback. Eine Einladung zu einer Veranstaltung zu ihren Ehren wegen ihres Einsatzes für Aborigine-Jugendliche läuft völlig anders ab, als sie erwartet hatte; keine festlichen Reden, kein Buffet, keine Ehrenverleihung, statt dessen wird sie in den australischen Busch “entführt”, muss merkwürdige Zeremonien über sich ergehen lassen und anschließend fast genötigt, sich diesem Marsch anzuschließen.

Die besondere Bedeutung dieses Marsches bleibt ihr zunächst völlig verborgen; der Sprache nicht mächtig, auf das Wohlwollen ihres einzigen Dolmetschers angewiesen, leidet sie zunächst nur unmenschliche Qualen. Barfuß über messerscharfes Gras und Dornengestrüpp, unter sengender Sonne und ohne regelmäßige Versorgung mit Lebensmitteln muss sie zunächst ihre eigenen körperlichen Grenzen erkennen und darüber hinauswachsen. Dies verlangt ihr das Allerletzte ab, vor allem da sie nicht weiß, warum sie an diesem Marsch eigentlich teilnehmen soll; ein Ziel ist nicht zu erkennen, sie leidet Hunger und Durst, auf dem Speiseplan stehen Käfer, Maden, Eidechsen und fremdartige Wurzeln, sie hat körperliche und seelische Verletzungen zu überwinden.

Erst nach und nach erkennt sie, dass es weniger darum geht, das Land kennenzulernen als vielmehr in die Geheimnisse der “Wahren Menschen” eingeweiht zu werden. Dafür muss sie sich selbst, ihre westliche Denkweise und ihre Erwartungen an das Leben aufgeben, muss sich ihren Reisegefährten anvertrauen und lernen, wie sie zu sein. Sie lernt was es heißt, wirklich eins mit dem Land zu sein, auf und von dem man lebt, und wie eine Kultur, die diese Verbindung seit Jahrzehntausenden aufs Innigste pflegt, auf spiritueller Ebene mit diesem Land verbunden ist. Und sie lernt eine Gesellschaft kennen, die davon lebt, dass jedes Mitglied bestmöglich in seinen Begabungen gefördert wird, damit es diese seinen Mitmenschen dann wieder zur Verfügung stellen kann.

Die Begabungen, die sie im Laufe der Wanderung kennenlernt, sind wirklich ganz Besondere. Die Ureinwohner haben bemerkenswerte Heilkünste, die sie an den zerstörten Füßen ihres Gastes beweisen; sie haben eine fast unheimliche Gabe, mitten in der Wüste Nahrung und Wasser zu finden; sie können sich über weite Entfernungen scheinbar “telepathisch” miteinander verständigen; sie pflegen spirituelle Rückzugsorte, die seit Jahrtausenden in Betrieb sind.

Dieses Buch bringt einem westlich geprägten Menschen eine Kultur nahe, die der unseren so fremd und fern ist wie nur möglich. Der Bericht von Marlo Morgan gewährt einerseits sehr ungewöhnliche, teilweise sogar berührende Einblicke in eine völlig fremde Welt, andererseits hat er mir aber in einigen Punkten auch überhaupt nicht gefallen. Der erhobene Zeigefinger, die stetig wiederkehrenden Ermahungen an uns “Veränderte”, doch die Natur und die Mitmenschen bitte (wieder) schätzen zu lernen, dann sei auch wie selbstverständlich ein sorgenfreies und ursprüngliches Leben möglich, sind in dieser Penetranz störend und auch fehl am Platze. Die philosophischen Exkurse sind von einer bedauerlichen Flachheit und gehen über ein esoterisch verbrämten “man mache es den Aborigines nach und werfe alle westlichen Errungenschaften über Bord” kaum hinaus. Man nimmt Morgan ihr Staunen über die Fähigkeiten dieser Ureinwohner und ihre Dankbarkeit über die Einweihung in ihre Riten durchaus ab; ihre Schlüsse daraus sind allerdings meiner Meinung nach weder realistisch noch notwendig.

Ein weiteres Manko ist der Schreibstil, der ähnlich trostlos und langweilig ist wie das australische Outback selbst; es mag ja sein, dass die Autorin uns durchaus etwas Wichtiges mitzuteilen hat, allein die Fähigkeit dazu geht ihr eindeutig ab.
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