Bewertungsdetails

Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0
Fred “Bogus” Trumper ist ein typischer Irving-Charakter - auf den ersten Blick ganz normal, verläuft sein Leben beim zweiten Hinschauen doch alles andere als gleichförmig und offenbart die Absurdität, die im Alltäglichen liegt. Fred weiß nicht so richtig was er will; seine Existenz schwankt zwischen zwei Frauen und zwischen den Polen “Pflichterfüllung” und “Laissez faire”.

Der Roman ist Bogus’ Lebensgeschichte und springt immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen. Die Gegenwart, das ist seine Freundin Tulpen, die unbedingt ein Kind von ihm will, der Filmemacher Ralph Packer, bei dem er als Tonmischer arbeitet und der unbedingt sein Leben verfilmen will, eine unvollendete Dissertation über ein altniedernordisches Epos, das niemand außer ihm versteht, und ein nicht wieder gutzumachendes Zerwürfnis mit seinem Vater. Die Vergangenheit ist eine gescheiterte Ehe mit dem ehemaligen Skistar “Biggie”, ein Sohn, den er abgöttisch liebt, und die Freundschaft mit Merrill Overturf, mit dem er in Wien einige denkwürdige Monate verbracht hat. Diese Lebensgeschichte wird im Rückblenden episodenhaft erzählt

Fred ist ziemlich phlegmatisch, aber dennoch ein sehr liebenswürdiger Charakter, der aber von den Ereignissen in seinem Leben ziemlich herumgeschubst wird und bei dem es sehr lange dauert und vieler Anstöße bedarf, bis er dann endlich mal selbst die Initiative ergreift. Diese Anstöße gehen dabei in erster Linie von Tulpen aus, die, selbständig und mit starker Persönlichkeit, ihren Willen durchsetzt und Fred so über Umwege zu seinem Glück führt. Diese Lebensgeschichte wird im Rückblenden episodenhaft erzählt, die teilweise chaotisch wirken; erst im Laufe des Romans werden einige Passagen verständlich. Dieses Chaos spiegelt sich aber auch immer wieder in der Handlung wider - die Situationen, in die seine Protagonisten geraten sind einerseits völlig grotesk, andererseits scheint ihnen aber auch eine merkwürdige Unausweichlichkeit und Lebensnähe anzuhaften.

Ein herrliches Stilelement sind auch die immer wieder auftauchenden Abschnitte aus “Aktheld und Gunnel”, Freds Dissertationsprojekt. Diese Szenen voller Brutalität, Kampf, Rivalität und Sex sind kongruent mit Szenen aus Freds Leben und erscheinen in diesem Zusammenhang gar nicht mehr gar so exotisch und altertümlich.

“Die wilde Geschichte vom Wassertrinker” ist Irvings zweiter Roman und kommt stilistisch noch lange nicht an die spätere Meisterwerke “Garp”, “Owen Meany” oder “Gottes Werk und Teufels Beitrag” heran. Dennoch blitzt auch hier schon immer wieder die typische Ironie udn Situationskomik auf, die seine Romane so unverwechselbar macht. Die Charaktere sind allesamt voller Ecken und Kanten und deshalb jeder für sich vollkommen einmalig, und diese detaillierte, virtuose Zeichnung der Figuren ist es auch, was auch diesen Roman zu einem echten Vergnügen macht.
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