William Kotzwinkle: Ein Bär will nach oben

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William Kotzwinkle: Ein Bär will nach oben
Verlag
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
The Bear Went Over the Mountain
ISBN-13
9783499138959

Informationen zum Buch

Seiten
270

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Handlungsort

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Es war einmal ein großer schwarzer amerikanischer Bär, der unter einem Baum ein Romanmanuskript fand. Er konnte es zwar nicht fressen, aber stehlen und lesen. Und weil er es nicht schlecht fand, lieh er sich im Dorfladen einen Anzug aus, nannte sich fortan nach seiner Lieblingsmarmelade "Hal Jam", ging nach New York, um in der Verlagswelt sein Glück zu machen.

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Der Literaturdozent Arthur Bramhall hat sich ein Freijahr genommen, um seine Depression zu pflegen und ein Buch zu schreiben. Der abgekupferte Bestseller verbrennt und Arthur beginnt einen neuen Roman. Dieser wird ihm leider direkt nach Fertigstellung von einem Bären gestohlen, der eigentlich auf der Suche nach Freßbarem war, sich damit aber auf den Weg in die Stadt macht und sich fortan, nach der Marmelade auf dem Frühstückstisch, Hal Jam nennt. Sein Eintritt in die Welt der Literatur gelingt grandios, niemandem scheint aufzufallen, daß er ein Bär ist, man hält ihn für rustikal, etwas verschroben, seine Einsilbigkeit für Bescheidenheit und stilisiert ihn zum „neuen Hemingway“. Immer besser findet sich Hal in der Welt der Menschen zurecht, vermenschlicht auch in seinen Verhaltensweisen, während Arthur sich dieser Welt zunehmend entfremdet und im wahrsten Sinne des Wortes zum Bär wird. Als Arthur aber durch Zufall darauf stößt, daß sein Manuskript ein Romanerfolg geworden ist, nimmt er noch einmal den Kampf auf.

Kotzwinkle erzählt eine Geschichte, die absurd und durchaus amüsant ist. Hal versteht natürlich längst nicht alles von dem, was um ihn herum geschieht. Vieles interpretiert er mit seinem Bären-Hintergrund auch falsch. Andererseits bewundert er die Menschen für viele ihrer Errungenschaften, allen voran die ständige Verfügbarkeit von ausreichend Futter. Da er den vielen und schnellen Gesprächen normalerweise kaum folgen kann, antwortet er auf Fragen ausgesprochen einsilbig und vor allem mit dem, was für ihn das Wichtigste ist: Futter, besonders in seinen süßen Varianten. Interessant sind die Reaktionen seiner Gesprächspartner darauf, denn diese interpretieren in seine Antworten typischerweise das hinein, was sie gerne hören wollen. Da sich so jeder von Hal bestätigt fühlt, mögen ihn auch alle und verzeihen ihm auch merkwürdige Anwandlungen wie das Herumrollen auf dem Boden – Künstler sind eben schon mal exzentrisch. Zur gleichen Zeit bleibt Arthur in seiner Abgeschiedenheit, wo er sich zunehmend zum Bär entwickelt. Sein Geruchssinn und seine Reaktionen verbessern sich enorm, er verändert sich körperlich hinsichtlich Behaarung, Muskulatur usw. bis er schließlich zum Winterschlaf in eine mit Fichtenzweigen ausgelegte Höhle zieht.

Aus der Gegenläufigkeit der Entwicklung wird, auch wenn es natürlich überzeichnet ist, schon klar, daß vieles eben nicht angeboren, sondern anerzogen bzw. erlernbar ist. Was unterscheidet denn dann eigentlich einen Menschen vom Tier? Ist ein Bär, nur weil er Anzug trägt und im Restaurant mit Messer und Gabel ißt, deshalb schon ein Mensch? Ist ein Mensch, der abgeschieden lebt, kaum spricht und körperlich etwas aus der Reihe fällt, deshalb kein Mensch mehr? Hal und Arthur werden hier so behandelt – aber geschieht das zu Recht?

An dieser Stelle, dem Vermenschlichen Hals im Vergleich zu Arthurs Verwandlung zum Bären, setzt aber auch meine Kritik an, denn Kotzwinkle ist hier innerhalb des Rahmens seiner Geschichte nicht konsequent. Arthur verliert bei seiner Verwandlung zum Bären menschliche Eigenschaften: Er kann kaum noch vernünftig reden, er ändert seine Ernährungs- und sonstigen Lebensgewohnheiten, er verändert sich körperlich. Es ist eine echte Verwandlung, die aus ihm nicht einen Menschen im Bärenkostüm macht. Hal dagegen erlernt zwar menschliches Verhalten (vom Fahren in einem Taxi über das Leben in einer Wohnung bis zu anderem S.e.x.ualverhalten), verliert aber seine Bäreneigenschaften nicht. Ihm bleibt sein feiner Geruchssinn, er bleibt träge im Denken, er bleibt auch äußerlich (trotz Anzug und Krawatte) ein Bär. Hal bekommt also sozusagen das Beste aus beiden Welten, während Arthur zwar möglicherweise am Ende nicht unglücklich ist, aber nie eine wirkliche Wahl hatte. Als Gesellschaftssatire hat Kotzwinkles Geschichte daher zwar gute Ansätze, in der Umsetzung aber leider ein paar Schwächen. Als kurzweilige, leichte Unterhaltung für einen Abend ist es aber, auch dank seines flüssigen Stils, allemale gut.

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Arthur Bramhal ist vom Pech verfolgt. Sein erstes Manuskript - ein kopierter Bestseller - wird zerstört, als sein Haus niederbrennt und sein zweites Manuskript - nun ein rundum gelungener Roman - wird von einem Bären gestohlen, der eine Sahnetorte in der Aktentasche vermutet. Dem Bär gefällt das Manuskript fast so gut wie Sahnetorte und er macht sich auf nach New York in dem Bestreben ein Mensch und berühmt zu werden. Bramhal hingegen macht eine ganz andere Verwandlung durch.

"Ein Bär will nach oben" beginnt absurd und endet genauso. Ein durch und durch skurriler Roman, bei dem ich mich anfangs eine ganze Weile gefragt habe "Was soll das jetzt eigentlich alles?". Doch nach und nach hatte ich meine Aha-Erlebnisse. Der Bär, der sich fortan "Hal Jam" (nach einer Marmelade) nennt, ist bestrebt ein Mensch zu sein. Er bewundert die Komplexität dieser Wesen und entfremdet sich seiner Art, obwohl immer wieder seine alten Instinke durchbrechen. Aber je mehr er sich in der Menschenwelt aufhält, desto mehr passt er sich an, beherrscht sich. Die Menschen selbst widerum sind fasziniert von diesem exotischen "Menschen".

So geschehen in Hal Jams Umwelt immer wieder aberwitzige Begebenheiten, die einfach nur unterhalten und laut herauslachen lassen. Die Medienwelt mit ihren Haien in Menschenform, aber auch die Menschheit ansich wird von Kotzwinkle gnadenlos durch den Kakao gezogen. Doch wer wird glücklicher werden? Hal Jam, ein Bär als Mensch, oder Arthur Bramhal, der durch den Bären zu der Natur zurückfindet.

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Komplett durchgeknallt - das ist das Buch auf den ersten Blick. Auf den zweiten, genaueren Blick zeigt sich eine bitterböse Satire auf die Medien, selbsternannte Intellektuelle, auf menschliches Gebaren im allgemeinen.
Das alles ist von Kotzwinkle zu einer treffenden und sehr guten Erzählung verpackt worden. Nach anfänglichem Befremden wegen Lektüre des Klappentextes (das Buch war ein Geschenk) ist es inzwischen ein heißer Anwärter auf die persönlichen Top 10.

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G-r-a-n-d-i-o-s! Ich lese William Kotzwinkles karrierebegabten Bären grade zum zweiten Mal innerhalb von 6 Jahren und lache noch immer genauso schallend an ganz vielen Stellen. Das hat bislang kaum ein Buch geschafft - dass ich einfach laut lospruste bei der Lektüre. Scharfsinnig beobachtet, tiefsinnig dramaturgisiert, genial geschrieben. Ein bärenstarkes Werk!

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