Sten Nadolny: Ein Gott der Frechheit

Sten Nadolny: Ein Gott der Frechheit

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Sten Nadolny: Ein Gott der Frechheit
Verlag
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783492222730

Informationen zum Buch

Seiten
286

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Handlungsort

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Hermes, der Bote zwischen den Welten, Gott der Kaufleute, der Diebe und der geraubten Küsse, wird 1990 nach 2187 unbequemen Jahren aus der Gefangenschaft befreit - von Hephäst, dem Gott der Vulkane. Zeugin dieses seltsamen Vorgangs ist Helga, eine junge Touristin aus Sachsen-Anhalt, in die sich Hermes prompt verliebt. Staunend folgt er ihr in wechselnden Gestalten überallhin, durch Mitteleuropa und Nordamerika. Er schlüpft in die Köpfe von Neurochirurgen, Rap-Musikern oder Graffiti-Künstlern und gewinnt die Erkenntnis, daß das lebenswichtige Element der Frechheit, von dem nur Zynismus und Skrupellosigkeit überlebt zu haben scheinen, wieder in etwas Göttliches zurückverwandelt werden muß...

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An einem Frühlingstag des Jahres 1990 wird eine menschliche Gestalt von den Ketten befreit, mit denen sie an eine Felswand geschmiedet war, und niemand aus der jungen Helga aus Stendal, gerade auf Ägais-Kreuzfahrt, bemerkt es. Der Befreite ist Hermes, der alsbald von Hekate aufgeklärt wird, daß er seine Ausrüstung als Götterbote noch eine Weile entbehren müsse und auch Athen nicht besuchen dürfe, ansonsten aber frei sei und sich zur Mitte der Welt begeben solle. Hermes versteht nicht recht, was das alles soll, trifft aber bald auf Helga, die ihn so fasziniert, daß er ihr folgt. Um nicht übermäßig aufzufallen reist er hier wie auch späterhin meist in anderen Menschen, denen er durchs rechte Ohr in den Kopf springt und sich dort an Beeinflussung der Gedanken und Fähigkeiten macht. Dabei lernt er im Verlaufe der Geschichte auch gleich noch verschiedene neue Sprachen und Handlungen, vom Graffiti-Sprühen bis zur Gehirn-OP.

In Venedig verlieren sich Hermes und Helga, dafür lernt er Helle kennen, eine Tochter des Hephaistos. Offensichtlich hat Hephaistos Pläne mit Hermes, und nachdem dieser sich in Nymphenburg sein Equipment wieder besorgt hat, kommt es auch zur Begegnung der beiden so ungleichen Götter. Hermes muß zu seinem Erstaunen feststellen, daß die übrigen Götter sich zurückgezogen haben und Hephaistos als Herr der Welt alles kontrolliert. Auch er soll eine Rolle in Hephaistos' Plänen spielen: als Zeitgeist mit provokanten Äußerungen im Fernsehen. Das fesselt Hermes, den Unbeständigen, aber auch nur kurz. Offensichtlich hat Hephaistos weitergehende Pläne, für die es zwingend notwendig ist, daß Anteros, der Gott der Gegenliebe, bei Hades bleibt, und Hermes und Apollon keine gemeinsame Sache machen. Hermes und Helle, die sich längst von ihrem Vater distanziert, schmieden einen kühnen Plan, um die Welt vor Hephaistos zu retten ...

Die Grundidee ist durchaus witzig, die Götter sind also nach wie vor unter uns. Beim nächsten Konzertbesuch werde ich mal darauf achten, ob der Dirigent nicht vielleicht in Wahrheit der getarnte Apollon ist. Aber die Unsterblichen haben es offensichtlich auch nicht leicht, wenn einer der Ihren so durchdreht wie Hephaistos. Vor allem Hermes und Apollon müssen dabei feststellen, daß „ihre Leute“, die frechen, leichtlebigen, durchtriebenen Lebenskünstler einerseits und die gelehrten und künstlerischen Träumer andererseits, in dieser Welt nicht mehr gefragt sind. Hermes leidet dabei besonders unter der Umdeutung des Wortes „hermetisch“, die Hephaistos aus Rache gegen den Bruder besonders gründlich betrieben hat.

Seine Komik bezieht der Roman also einerseits daraus, daß er mit den bekannten Göttern, ihren Eigenschaften und Beziehungen zueinander spielt, andererseits und das noch in größerem Maße, aus der Konfrontation Hermes' mit der heutigen Welt nach seinen gut 2000 Jahren der Gefangenschaft. Wie er sich manches zurechtlegt oder auch nicht versteht, ist durchaus amüsant und für mehr als einen Schmunzler gut. Weniger sympathisch kommt Hephaistos daher, an ihm und seinem Wirken macht Nadolny vor allem die von SheRaven schon angesprochene Gesellschaftskritik fest. Das wirkte dann stellenweise schon etwas bemühter und kam nicht so leichten Fußes daher, aber bekanntermaßen hinkte Hephaistos ja auch und hatte keine Flügelschuhe wie Hermes.

Verwirrend kann bei all dem sicher sein, daß manchmal nicht klar ist, ob jemand nun einfach ein Mensch oder ein Gott ist. Im Zweifelsfall tut man gut daran, von einem Gott auszugehen, das erklärt dann am ehesten die Merkwürdigkeiten, die sonst Kopfschütteln erzeugen müßten. Besonders bei Helga/Helle verschwimmen die Zuordnungen des öfteren, und ich hatte schon den Eindruck, daß Nadolny sich da ein, zweimal in seinen eigenen Konstrukten verlaufen hat und nur mit Mühe den Bogen zurück schlagen konnte. Es gibt immer Andeutungen, aus denen sich die Götter ahnen lassen, aber leicht oder gar eindeutig ist es manchmal nicht. Trotz dieser Schwäche habe ich mich von dem Roman insgesamt durchaus gut unterhalten gefühlt, ein Unbedingt-Lesen-Buchtip ist es aber sicher nicht, höchstens für Leute, die die griechischen Götter, und hier vor allem Hermes und Hephaistos, mal von einer anderen Seite kennenlernen wollen.

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