Ellen Marie Wiseman: Die dunklen Mauern von Willard State

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Ellen Marie Wiseman: Die dunklen Mauern von Willard State
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
What She Left Behind
ET (Original)
2014
ISBN-13
9783492307581

Informationen zum Buch

Seiten
464

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Schon kurz nachdem sie das Gelände des verlassenen Willard State Asylums betreten hatte, wusste die siebzehnjährige Isabelle Stone, dass es ein Fehler gewesen war.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Zehn Jahre ist es her, dass eine schicksalhafte Nacht für Izzy Stone alles veränderte: Ihre Mutter erschoss ihren Vater während er schlief. Seitdem lebt die nun 17-Jährige bei Pflegefamilien. Als sie für ein Museum Gegenstände ehemaliger Insassen der alten und berüchtigten psychiatrischen Anstalt Willard State Asylum katalogisiert, stößt sie auf einen Stapel ungeöffneter Briefe und das alte Tagebuch einer gewissen Clara Cartwright. Je mehr sie über Claras Leben in Erfahrung bringt, desto mehr klären sich auch die Rätsel ihres eigenen Lebens …

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Rahmenhandlung zu sehr überfrachtet

Die 17jährige Isabelle, genannt Izzy, hat schon viel durchgemacht im Leben. Vor 10 Jahren hat ihre Mutter ihren Vater im Schlaf erschossen und sitzt seitdem im Gefängnis. Izzy hat ihren Vater geliebt und verweigert den Kontakt zur Mutter, da sie sich deren Tat nur damit erklären kann, dass die Mutter wahnsinnig geworden sein muss. Nach dem Tod ihrer Großeltern kam Izzy von einer Pflegefamilie in die nächste. Nun ist es nur noch ein Jahr bis zu ihrer Volljährigkeit und sie ist fest entschlossen, dieses letzte Schuljahr unauffällig hinter sich zu bringen. Aber ihre neue Pflegemutter Peg ist Kuratorin eines Museums und fest entschlossen, ausgerechnet die Gebäude der alten Psychiatrie Willard State vor deren Abriss noch einmal genauer anzuschauen, wobei Izzy sie begleiten soll. In einem verlassenen Schuppen finden sie die Koffer von hunderten von Insassen, eine einmalige Gelegenheit, das Leben einiger früherer Patienten zu rekonstruieren. Insbesondere der Schrankkoffer einer jungen Frau namens Clara entpuppt sich als wahre Fundgrube und Claras Schicksal zieht Izzy mehr und mehr in seinen Bann.

Dies ist die Rahmenhandlung, die 1995 spielt. Das Willard State Projekt und die Koffer gibt es übrigens wirklich.
Parallel hierzu erzählt die Autorin die Geschichte der damals 18jährigen Clara im Jahr 1929. Clara verliebt sich unstandesgemäß in einen italienischen Einwanderer und als sie ihrem Vater den Gehorsam verweigert, wird sie in die Psychiatrie eingewiesen. Zu Beginn geht sie noch davon aus, dass er ihr nur eine Lektion erteilen will und ihr Aufenthalt nach wenigen Tagen wieder beendet sein wird, doch sie irrt sich und hat keinerlei Vorstellung, was für ein Martyrium auf sie zukommt.

Abwechselnd auf beiden Zeitebenen erzählt die Autorin die Geschichte. Claras Abschnitte sind schockierend und aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Doch damals herrschte natürlich eine völlig andere Meinung über Geisteskrankheiten, deren Definition und den Umgang mit den Kranken. Allerdings bleibt die Autorin doch sehr in Stereotypen verhaftet, die Bösen sind böse, die Guten gut, Zwischentöne gibt es nur bei einigen ganz wenigen Figuren. Dennoch fand ich Claras Schicksal sehr fesselnd, auch wenn ich nicht alles wirklich realistisch fand – die Behandlungsmethoden und der Umgang mit Patienten wurde wohl schon recherchiert und richtig beschrieben, die Autorin kratzt hier aber nur vorsichtig an der Oberfläche und schildert keine Details. Ich kann mir außerdem einfach nicht vorstellen, dass so ein Klinikleiter auch in Bezug auf andere Personen tun und lassen konnte, was er will.

Etwas zu sehr übertrieben waren mir aber vor allem die schweren Schickale in der Rahmenhandlung. Hier wäre weniger für mich mehr gewesen. Die Geschichte mit Izzys Eltern ist schlimm genug, da müsste nicht auch noch Mobbing in der Schule mit der Hintergrundgeschichte ihrer fiesen Klassenkameradin Shannon dazukommen. Ebenso fand ich am Ende die Entwicklung mit Izzys Mutter einfach zu viel, vor allem was das Timing angeht, inhaltlich hatte ich mir da schon gedacht, was damals wohl passiert ist.

Auch einige andere als Überraschung gedachte Enthüllungen am Ende waren mir zu viel Zufall und Kitsch und zu wenig Überraschung, das konnte man sich größtenteils schon längst denken und es war dann einfach zu passend, auch wenn ich grundsätzlich durchaus für schöne, versöhnliche Enden zu begeistern bin.

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(Aktualisiert: 13 Januar 2016)
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Spannender und erschreckender Blick in die Vergangenheit

In diesem Buch geht es in zwei unterschiedlichen Handlungssträngen um zwei junge Frauen. In der Gegenwart begegnen wir Izzy, deren Mutter vor vielen Jahren ihren Vater erschoss. Seit dem lebte Izzy in verschiedenen Pflegefamilien, ohne zu wissen, was damals geschah.

Als Izzy mit ihrer Pflegemutter in einer stillgelegten psychiatrischen Einrichtung nach interessanten Dingen für ein Museum sucht, stößt sie auf das Tagebuch von Clara, einer Insassin von Willard State. Neugierig geworden beschließt Izzy Claras Geschichte in Erfahrung zu bringen.

Was wir über Clara erfahren ist erschrecken und beklemmend. Sie wächst in der Zeit um 1930 als Tochter einer reichen Familie auf. Sie genießt ihr Leben und erschleicht sich die ein oder andere Freiheit. Doch als sie gegen ihre Eltern aufbegehrt und einen armen Mann heiraten will, lassen diese sie kurzerhand in die Psychiatrie einweisen. Claras Kampf und Leidensweg beginnt und ich war entsetzt und habe mit ihr gelitten und auch mit den anderen Schicksalsgenossinnen, die Clara in Willard State begegnen. Es ist erstaunlich wie einfach es damals war einen Menschen für immer wegsperren zu lassen.

Auch Izzys Leben ist nicht immer einfach. Sie kommt auf eine neue Schule und wird hier vom ersten Tag an gemobbt. Halt gibt ihr ihre neue Pflegefamilie. Doch die Angst diese zu enttäuschen sorgt dafür, dass Izzy ihre Ängste und Sorgen für sich behält und versucht alles alleine durchzustehen. Zudem glaubt Izzy dass ihre Mutter geisteskrank ist und hat Angst, dass das auch in ihr steckt. Das macht für sie die Besuche in der alten Psychiatrie nicht gerade einfach.
Während Izzy mit ihrer Angst kämpft, dass auch sie psychisch krank ist, erlebt Clara die Schrecken einer Einweisung am eigenen Leib, obwohl sie gesund ist.

Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben und liest sich flott. Allerdings fand ich vor allem Claras Teil manchmal so beklemmend, dass mir das Weiterlesen nicht immer leicht gefallen ist. Zum Glück hat die Autorin die Schrecken nicht bis ins letzte Detail geschildert und manches nur vage angedeutet.

Auch bei Izzy gab es einen Moment, bei dem mir der Atem gestockt hat und ich musste unbedingt weiterlesen. Ich hätte das Buch nicht weglegen können ohne zu wissen, wie sich diese Situation
auflöst.

Das Ende ließ mich zur Ruhe kommen und auch wenn es sehr harmonisch war, ist das Buch kein Wohlfühlroman, sondern die spannende Geschichte zweier junger Frauen, die in unterschiedlichen Zeiten mit ihren Problemen kämpfen und sich nicht unterkriegen lassen.

Im Anhang gibt es Anmerkungen der Autorin zu den historischen Gegebenheiten und den Büchern auf die sie sich stützt. Außerdem beantwortet sie auf einigen Seiten Fragen zum Buch und ihrer Inspiration dazu.

Fazit: Die spannende und teilweise beklemmende Geschichte zweier junger Frauen, die mit Willard State in Berührung kommen.

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Starkes Thema, leider klischeehaft umgesetzt

1995 wurden in der ehemaligen psychiatrischen Anstalt Willard State 400 Koffer ehemaliger Insassen gefunden, die völlig unberührt schienen, seit ihre Besitzer - teilweise in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts - nach Willard State kamen.
Oft erscheinen die damaligen Gründe, warum diese Menschen nach Willard geschickt wurden, aus heutiger Sicht zweifelhaft. Es genügte ein ärztliches Gutachten und Menschen konnten auch gegen ihren Willen eingewiesen werden; viele blieben über Jahrzehnte dort oder sollten Willard State nie wieder verlassen. Gerade bei Frauen genügte von der Norm abweichendes Verhalten, um die Kriterien zur Zwangseinweisung zu erfüllen: Promiskuität, Trauer nach dem Verlust von Kindern, Homosexualität...Es kann einem eiskalt über den Rücken laufen beim Gedanken an die Menschen, die unschuldig in die Mühlen dieser Institutionen geraten sind und keine Möglichkeit hatten, sie aus eigener Kraft wieder zu verlassen.

Leider gelingt es Ellen Marie Wiseman nicht, dieses Grauen in ihrem Buch "Die dunklen Mauern von Willard State" erlebbar zu machen.
Gute Ansätze wie eine vielversprechende Geschichte sind vorhanden, doch leider kann die Umsetzung nicht überzeugen. Stereotype Charaktere und vorhersehbare Entwicklungen in beiden Handlungssträngen machen das Buch zu einer zähen Angelegenheit.
Die wenigen kurzen Lebensgeschichten ehemaliger Insassen von Willard State, die ich im Internet finden konnte, haben mich sehr erschüttert. Wäre es Ellen Marie Wiseman gelungen, in ihrem Buch nur einen Bruchteil dieses Elendes einzufangen, hätte es ein gelungener Roman werden können.
So aber fühlte sich "Die dunklen Mauern von Willard State" für mich dermaßen konstruiert und unecht an, dass es mich nicht berühren konnte. Izzys Schicksal blieb mir genauso gleichgültig wie der überdramatische Leidensweg Claras; auch das Ende war einfach zu viel des Guten.
Zu pathetisch waren mir auch Sprache und Stil des Buches. Als Beispiel die Gedanken Izzys beim ersten Anblick von Willard State:
"Izzy fragte sich, welche Gräuel das wuchtige Gebäude wohl erlebt hatte. Welche schrecklichen Erinnerungen hatten sich an die Backsteine, den Mörtel und die blinden Scheiben geheftet und gehörten nun für alle Zeiten zum Bauwerk, eingefressen und darin verschlossen mit Blut und Tränen? So wie Schmerz und Leid immer ein Teil von ihr sein würden, würden die Erinnerungen von Tausenden von gequälten Seelen in der Chapin Hall und den umliegenden Gebäuden des Willard State Asylums weiterleben. (S. 8)

Die leisen Töne fehlen in "Die dunklen Mauern von Willard State" komplett. Gut und Böse sind auf den ersten Blick deutlich zu erkennen; die fehlende Differenzierung lädt den Leser nicht dazu ein, sich näher mit der Motivation der weniger sympathischen Figuren zu beschäftigen, zum Beispiel Claras Arzt in Willard State. Hier wird viel Potential verschenkt.
Am Ende war ich froh, dass Buch aus der Hand legen zu können, weil es mich trotz interessanter Grundidee leider überhaupt nicht fesseln konnte. Die Figuren blieben für mich blass und schablonenhaft, so dass ich auch kein gesteigertes Interesse an ihrem Entwicklungsweg aufbringen konnte.
Ich werde zum Vergleich noch den Roman "Runa" von Vera Buck lesen, der sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigt, aber hoffentlich auf anspruchsvollere und sensiblere Art und Weise.

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Verstörender und dennoch sehr lesenswerter Ausflug in die Welt der Psychiatrie

Dieser (für mich sehr außergewöhnliche) Roman ist als TB im Piper Verlag, November 2015, erschienen. Der Titel der Originalausgabe lautet "What she left behind" (Kensington, 2014); wobei man unter "what they left behind" zahlreiche weitere reale Dokus und Informationen im Internet zum Thema Nervenheilanstalten im vorigen Jhd. findet, die diesem Roman einen sehr realen Hintergrund gibt.... Das Cover ziert das Hauptgebäude von Willard State (Staat N.Y.); die Umzäunung steht symbolisch für die Situation, in der sich die insgesamt 54.000 Insassen bzw. "Patienten" (von 1869-1995) in Wahrheit befanden....

Inhalt:

Willard, 1995. Zehn Jahre ist es her, dass eine schicksalhafte Nacht für Izzy Stone alles veränderte. Seitdem lebt die 17-Jährige bei wechselnden Pflegefamilien, die Wunden ihrer Vergangenheit sitzen tief. Izzys Pflegemutter bittet sie, bei der Katalogisierung von Koffern und deren Inhalten aus einer leerstehenden psychiatrischen Anstalt zu helfen. Dabei stößt Izzy auf das Tagebuch einer gewissen Clara Cartwright.
New York, 1929. Die 18-jährige Clara Cartwright wurde einem Sprössling aus gutem Hause versprochen. Als sie sich weigert, die arrangierte Ehe einzugehen, schickt ihr Vater sie in ein Heim für Nervenleidende - und ein Albtraum nimmt seinen Lauf.
Claras Geschichte holt Izzy mehr und mehr in ihre eigene Vergangenheit zurück, und je mehr sie über Claras Leben in Erfahrung bringt, desto mehr klären sich auch die Rätsel ihres eigenen Lebens..... (Quelle: Klappentext)

Meine Meinung:


Die einzelnen Kapitel dieses unglaublich brillant und mit Authentizität sowie großer emotionaler Tiefe geschriebenen Romans von Ellen Marie Wiseman wechseln sich immer wieder in den beiden Handlungssträngen ab und auf für mich äußerst spannende, flüssig und teils poetisch beschriebene Weise, die von einer excellenten atmosphärischen Dichte begleitet wird, wird der Leser in die Lebenswege und das Schicksal von Clara (in den 1930er Jahren) und Izzy (ab 1995) , die miteinander kunstvoll verwoben sind, literarisch entführt: Die Charaktere, deren Gedanken und ihre Gefühlswelt sind von großer Sensibilität gezeichnet; besitzen Intelligenz und persönliche Stärke, die sowohl auf Clara als auch auf Izzy zutreffen. Während Clara ihr Schicksal, vom eigenen Vater zuerst nach Long Island und später nach Willard State (Asylum for Insane) als völlig gesunde junge Frau eingewiesen wird, nicht mehr verändern kann, hat Izzy durch das Auffinden des Tagebuchs von Clara und der Schließung von Willard (im Jahre 1995!) die Chance, ihre Beziehung zu ihrer Mutter, die im Gefängnis sitzt, zu überdenken und die Motive für deren Handeln herauszufinden, sich damit ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen...
Die beiden Hauptprotagonistinnen wie auch die Nebenfiguren sind sehr authentisch beschrieben, der Roman ist durchsetzt von großer Spannung und gleichermaßen einer ungewöhnlich starken Gefühlstiefe: Der Leser erhält einen Einblick in die teils inhumanen und grausamen früheren "Heilmethoden" in Nervenheilanstalten, deren Insassen - viele von ihnen nicht chronisch psychisch krank, sondern von Familienangehörigen oder sogar Arbeitgebern eingewiesen, da diese sich ihrer oftmals damit "entledigen" wollten - einmal eingewiesen, aus der "Mühle", dem Räderwerk dieser Anstalten teils bis zu ihrem Lebensende nicht mehr herauskamen. Clara teilt hier exemplarisch das Schicksal vieler Insassen, die oftmals keine Chance mehr hatten, zu einem normalen Leben zurückzufinden und entlassen zu werden....
Ebendies hat mich zutiefst erschüttert, erreicht, betroffen gemacht und mich bestürzt! (Auch wenn mir dies nicht unbekannt war). Der Schreibstil, den ich brillant finde, die große Spannung und Authentizität taten das Übrige: Clara ist zwar eine fiktive Person, steht jedoch exemplarisch für viele, die ein solches Schicksal tatsächlich ereilt hat! Somit stellt dieser Roman ein dunkles und inhumanes Kapitel der Psychiatrie dar (den früheren Nervenheilanstalten) und hält sich dabei (mit Ausnahme kleiner schriftstellerischer Freiheiten, die die Autorin auch im Nachwort benennt); er knüpft an die realen Bedingungen an, unter denen Menschen sich bis vor ca. 50 Jahren in diesen Anstalten mit mehr als fragwürdigen "Heilmethoden" wiederfanden, in dieser Zeit auch ausgebeutet wurden (interne Arbeitseinsätze) und oftmals zeitlebens diese Hospitale nicht mehr verlassen konnten, sogar anonym dort beerdigt wurden.
Unsere Geschichte von Clara und der Tochter, die sie in Willard geboren hat, endet jedoch eher tröstlich und für Izzy besonders schön - ohne dabei trivial oder seicht zu wirken, ganz im Gegenteil: Das Romanende unterstreicht eher die Dramatik, die dem Leser (der, so hoffe ich, starke Nerven besitzt!) die Tränen in die Augen treibt - und dies alles andere als grundlos!

Fazit:

Ein sehr berührender, emotional tiefer und authentisch sowie brillant geschriebener Roman, der den Opfern psychiatrischer Einrichtungen, hier exemplarisch das Willard State im Staat New York, eine Stimme gibt! Menschen, die der Macht und der Willkür von Medizinern ausgesetzt waren (Psychologen gab es erst ab ca. 1960 in diesen Anstalten); Menschen, die aufgrund eines Schocks, eines Traumas, einer depressiven Phase o.a. eingewiesen wurden, bis sie dann oftmals das waren, was "geheilt" werden sollte: "verrückt zu sein"!
Dies ist kein Roman mit "Wohlfühlfaktor", eher ein Buch, das aufklärt, fasziniert, verstört, hoffen lässt, den Leser teilhaben lässt an einer Welt, die nicht so war, wie sie es vorgab, zu sein ("Wir wollen Ihnen nur helfen" - Dr. Roach). Für mich ein überaus tolles, ergreifendes, außergewöhnliches Buch, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte und ein Lesehighlight 2015 für mich darstellt, das ich mit 100° und 5 Sternen (plus) bewerte und der Meinung bin: Es hätte nicht besser geschrieben werden können!

P.S. Noch einen Tipp für Interessierte: Zu Willard gibt es viele Infos im Netz; zu den Koffern (427 an der Zahl, die auf dem Dachboden von Willard gefunden wurden!) bei www.travelbook.de (Die-Koffer-der-vergessenen-Seelen-von Willard). Dort kann man durch die Fotografien von Jon Crispin die Inhalte der Koffer sehen - und findet sogar eine reale Person, die auch im Buch genannt wurde - und Clara sehr geholfen hat! (Mr. Lawrence) - damit erhalten frühere "Patienten" eine Geschichte und: ein Gesicht!

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