Esther Gerritsen: Der große Bruder

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Esther Gerritsen: Der große Bruder
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Broer
ET (Original)
2016
ISBN-13
9783351037024

Informationen zum Buch

Seiten
132

Sonstiges

Originalsprache
niederländisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Ihr Bruder rief sie an, kurz bevor er sein Bein verlieren sollte.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Als Olivias großer Bruder Marcus sich nach Jahren wieder meldet, sind es nur noch fünf Minuten bis zu ihrem Gesellschaftermeeting. Er ist auf dem Weg in den Operationssaal, wo ihm das Bein amputiert werden soll. Bisher hatte Olivia alles unter Kontrolle. Eigentlich hatte sie immer die Rolle der großen Schwester gespielt. Doch nun muss sie das Meeting abbrechen, weil ihr die Sprache versagt. Kurz darauf zieht Marcus bei ihrer Familie ein und bringt alles durcheinander. Am Ende weiß sie nicht mehr, wer der Fremdkörper ist, wessen Leben gerade auf der Kippe steht, seines oder ihres.

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Olivia, um die 50, ist seit kurzem als Leiterin des Finanzbereichs bei einer altehrwürdigen, aber ziemlich maroden Firma tätig und soll helfen, den Traditionsbetrieb zu sanieren. Es ist schon fünf vor zwölf, Geschirr & Porzellan Kyvon steht am Rande des Abgrunds.

Kurz vor einer wichtigen Vorstandssitzung erhält sie einen Anruf von Marcus, ihrem älteren Bruder, von dem sie jahrelang nichts gehört und nichts gesehen hat. Marcus ist in ihren Augen ein merkwürdiger Typ, der sich mit Jobs der merkwürdigeren Sorte durchs Leben schlägt, in Behausungen wohnt, die kaum größer sind als Olivias Auto, und der sich einen Dreck um Konventionen schert.

Nun teilt er seiner Schwester mit, dass er gleich in den OP gebracht wird und man ihm wahrscheinlich das Bein amputieren wird. Olivia ist überrascht, wie sehr sie diese Nachricht aus dem Gleichgewicht bringt und wie sie sich plötzlich für ihren Bruder verantwortlich fühlt.

Die Karrierefrau Olivia und der Lebenskünstler Marcus sind nicht nur in ihrer Berufswahl und Wohnsituation so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Wo Olivia sich stets kühl und beherrscht gibt und immer den Eindruck erweckt, alles im Griff zu haben, lässt sich Marcus ungehemmt von seinen Gefühlen leiten und hat nah am Wasser gebaut. Deshalb standen sich die beiden auch nie sehr nahe, doch nun muss sich Olivia wohl oder übel mit ihrem Bruder befassen, der sonst niemanden hat.

Marcus' lebensverändernde Operation und ihre Folgen löst auch bei Olivia Unerwartetes aus, die Dynamik innerhalb der Familie verändert sich auch in Bezug auf ihren Mann und ihre halbwüchsigen Söhne, und plötzlich stellt Olivia ihr ganzes bisheriges Leben in Frage, in dem doch immer alles so glatt zu laufen schien.

Esther Gerritsen gelingt hier ein echtes Kunststück: Das Buch enthält Stoff für einen dicken Familienschmöker, doch sie wählt eine reduzierte, zurückhaltende Erzählform auf nicht einmal 150 Seiten und schafft es trotzdem, dem Wechselbad der Gefühle, in das Olivia durch einen einzigen Anruf gestürzt wird, Marcus' Verzweiflung angesichts seiner Lage, der Situation in der Firma und der Auswirkungen all dessen auf Olivias Partnerschaft und Familienleben umfassend Ausdruck zu verleihen. Ihre Formulierungen sitzen, ohne gekünstelt zu wirken, die Figuren erhalten trotz der knappen Beschreibungen Kontur, man ist gebannt und gespannt, wie sich die Dinge letztendlich entwickeln werden.

Schön, eine Familiengeschichte einmal auf diese ungewöhliche Art dargeboten zu bekommen. Gerne mehr von dieser Autorin!

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Eine Familie auf dem Prüfstand

INHALT
Olivia ist Leiterin der Finanzen in der Amsterdamer Firma Porzellan & Geschirr Kyvon. Sie nimmt ihren Beruf sehr ernst und arbeitet daher gern auch mal, zum Leidwesen ihrer Familie, nach Feierabend weiter. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Gerard, einem Zahnarzt, und den zwei Söhnen Tom und Julius im Teenageralter lebt sie in einem kleinen Stadthaus. Emotionen und Neuanfänge sind nicht so ihr Ding. Sie mag es wohlgeordnet und gleichförmig.

Als eines Tages ausgerechnet Olivias Bruder Marcus nach Jahren der Funkstille wieder in ihr Leben tritt, steht plötzlich ihr ach so toll arrangiertes Leben auf dem Prüfstand.

MEINUNG
Esther Gerritsens kleine Erzählung widmet sich dem Themenfeld Vereinbarung von Familie und Beruf in der Mitte des Lebens. Während Protagonistin Olivia noch einmal beruflich durchstarten will, ist ihr Ehemann Gerard von der Arbeit gestresst und wünscht sich mehr Zeit mit seiner Frau. Dann wäre da noch der schwer zuckerkranke Bruder Marcus, der sich klammheimlich in Olivias Familienhaus einnistet. Olivia ist damit alles andere als zufrieden, macht sich ständig Vorwürfe und zerbricht fast an ihren eigenen Ansprüchen und ihren unterdrückten Emotionen. Kurzum, Gerritsens Familiengeschichte bietet viel zwischenmenschliches Drama und vor allem eine hin und her schwankende Hauptprotagonistin. Wobei bewusst gesetzte Rückblenden in die Kindheit der beiden Geschwister - Olivia und Marcus - Ansatzpunkte für deren heutige Lebensweise liefern. Den im Klappentext versprochenen Humor habe ich leider nicht ausmachen können. Vielmehr empfand ich es teilweise recht anstrengend, die ständigen Wein- und Zweifelphasen von Olivia zu überstehen. Selbst der relativ optimistische Schluss konnte an der durchweg dunklen Grundstimmung der Lektüre etwas ändern.

FAZIT
Keine einfach zu lesende Familiengeschichte, für die man sich Zeit und Geduld nehmen sollte.

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