Christian Kracht: Faserland

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Christian Kracht: Faserland
Verlag
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783423129824

Informationen zum Buch

Seiten
154

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Handlungsort

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Einmal durch die Republik, von Nord nach Süd: Christian Kracht schickt seinen Helden auf eine ungewöhnliche Reise, von Sylt bis an den Bodensee. Und erzählt dabei die mitreißende Geschichte einer Jugend, witzig und scharfsinnig, schnoddrig und schwermütig - und unendlich unterhaltsam!

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Rezension zum Hörbuch, gelesen vom Autor:

Selten habe ich mich so gerne von zwei Hörbuch-CDs getrennt, wie in diesem Fall. Dabei waren die Vorschuss-Lorbeeren gewaltig. Der Roman habe die Wahrnehmung einer ganzen Generation verändert, heißt es. Und der Roman sei zu Unrecht vom Feuilleton zunächst vernachlässigt worden.

Das Feuilleton hätte den Roman ruhig etwas liegen lassen und anderen Buchbesprechungen Platz machen können. Denn was Kracht da von der Bussi-Gesellschaft berichtet, erscheint mir weder neu noch speziell erzählt; selbst rückblickend darauf, dass der Roman vor 15 Jahren erschienen ist, mag ich nicht glauben, dass der gelangweilte Ich-Erzähler so viel Unruhe gestiftet haben soll.

Der Erzähler langweilt sich auf Sylt, wirft mit Markennamen um sich und denkt gelangweilt über Frauen nach (Kracht erzählt sein Buch übrigens auch absolut passend: Gelangweilt und total unbeteiligt). Er schlabbert Schampus und Scampi, steigt in den Flieger und langweilt sich in Frankfurt weiter. Mit einer von Joghurt durchnässten Hose, weil er irgendwo zwei Becher seiner Lieblingssorte eingesackt hatte. Weil die Jacke ebenfalls durch die Joghurt-Panne unbrauchbar ist, zündet er sie an, verschwindet, mopst sich in einer Kneipe einfach eine neue, zischt damit via München an den Bodensee, um sich dort ... na, was wohl? ... weiter zu langweilen. Und weil es am Bodensee -wie schon bemerkt- auch grausam langweilig ist, mopst er sich ein fremdes Auto, fährt nach Zürich und langweilt sich dort so lange, bis ihn jemand für 200 Franken über den See rudert. Hier endet das Hörbuch zum Glück.

Alles ödet den Jungen Mann an, ein Bub aus reichem Elternhaus, Salem-Absolvent und fast nur unter Seinesgleichen unterwegs. Leuten also, die Roederer Champagner trinken, Modeltypen als Servicekräfte engagieren, Barbour-Jacken tragen und Hermès-Halstücher sowie das neueste Mercedes-Modell fahren. Alle nehmen offensichtlich und ganz selbstverständlich am laufenden Band Tabletten, Alkohol und Drogen, als wären es Lebensmittel. Wer zuviel von der Society hat, wird Hippie und sponsort eine indisches Ashram für die Sinnfindung oder fängt an, nachzudenken und wird schon im Schüleralter verstoßen. Wer Geld hat, der gehört ganz oben dazu, das Leben gab's offensichtlich gratis zur Babyausstattung von Chanel - also mal schauen, was man damit anfangen kann. Folglich ist es auch egal, was die anderen machen; hingucken lohnt nicht, wenn in Zürich schon die nächste Ablenkung auf einen wartet.

Ja, der Erzähler gibt ein trauriges Bild von sich und der Gesellschaft, in der er sich bewegt. Wer aber meint, der Roman habe irgendwie gleich mit einer ganzen Generation zu tun, dreht sich vielleicht selbst zu sehr in der begrenzten Gesellschaftsschicht, die Kracht vorführt, die einggengt von gelangweilten Augen und einem von Valium eingenebelten Hirn die Tage verbringt? Ich weiß wirklich nicht, warum die Feuilletonisten damals voller Überschwang glaubten, die öden Roederer-Schlabberer, die schon nach der Frage nach dem Wetter keinen Gesprächsstoff mehr haben, seien etwas Bewegendes.

Fazit: Trotz all der Interpretationen und Rezensionen, die ich schon kannte, obwohl Kracht so gifitg zur angeblich stets highen Society ist, verstehe ich nach zwei Stunden Hörzeit und einigen Stunden Reflektion nach wie vor nicht, warum ein Ödnis über die mickrige, stinkreiche Bussi-Gesellschaft von mir zur literarischen Besonderheit auserkoren werden soll.

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Das Buch Faserland ist eines der Bücher, die man erst am Ende des Buches wirklich anfängt zu verstehen. Es ist ein Buch, das man liest ohne zu wissen worum es wirklich geht und man fragt sich die ganze Zeit "und wann passiert endlich mal was?". Der Leser des Buches bekommt eine Beschreibung einer Deutschlandreise zu lesen. So richtig spannend ist das Buch nicht und es fordert auch an keiner Stelle weitergelesen zu werden und trotzdem tut man es, ohne groß darüber nachzudenken. Erst am Ende des Buches findet man sozusagen die Auflösung und das überrascht. Dieses Buch emphielt sich für Leute die nicht nach Unterhaltung suchen und auch gerne nach dem Lesen darüber nachdenken. Ich persönlich mag das Buch sehr.

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Es fängt mit einer Flasche Jever bei Fisch Gosch auf Sylt an und endet kurz vor der Mitte des Bodensees - dazwischen erzählt der Journalist Christian Kracht in seinem Romandebut von einer ziellosen Reise durch die Republik. Klar daher auch der kryptische Titel, dem Literaturwissenschaftler bereits eindeutig entschlüsselt haben wollen: FASERLAND gleich FATHERLAND; vom "Vaterland" also, in diesem Fall Deutschland, und der Beziehung des Erzählers handelt das Werk. Ein schönes Buch, welches zu lesen überhaupt nicht anstrengend ist.

Eine Deutschlandreise von Nord nach Süd, die kurzweilig zu lesen ist und auf Humor und Ironie nicht verzichtet. FASERLAND ist aber mehr. Der Protagonist reist zwischen dem Deutschland des Momentes, seiner Erinnerung und den Klischees der Vergangenheit und sucht nach etwas, dass er vermutlich bis zuletzt nicht findet: Der Identität seiner selbst und seines "Vaterlandes". Dass, was er findet sind nur Reste, die eine Vergangenheit andeuten: zornige Nazi-Rentner, hässliche Neubauten gemischt mit alten architektonischen Fragmenten und einer Atmosphäre des Nihilismus. Ziel der Stationen des Erzählers sind Partys und Situationen, mit denen Kracht seiner Generation einen Spiegel vorhält. Es dominieren moralische Oberflächlichkeit, inflationärem Markenbewusstsein und der Hang zur kollektiven Orgie.

FASERLAND zeigt auch, dass ein Land nur noch aus unerheblichem Gefasel bestehen kann und Moral in Deutschland immer schon eine Frage des Schicksals war. Es wird gefragt, ob Demokratie und die vielbeschworene politische Verantwortung in diesem Land mehr sind als lose Worthülsen und das hilflose "agieren" der sozialdemokratischen und alternativen Gutmenschen. Die Reise endet abrupt und stellt gleichzeitig die wichtigste Frage als symbolische Botschaft des Buches an das Land und an uns: Wie geht es weiter???

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Das Buch Faserland von Christian Kracht ist meiner Meinung nach eine anspruchslose Lektüre. Das widerspiegelt wiederum den dumpfen Alltag des lyrischen Ichs, der von einer Party zur nächsten treibt ohne je eine konkrete Vorstellung davon zu haben, was er will. So wie er seine Mitmenschen beschreibt, sieht es in ihm innerlich aus: Er ist oberflächlich, emotionslos, in seiner inneren Leere gefangen und "fertig".

Wenn ich mir vorstelle, dass lyrische Ich auf einer Party zu treffen, so, denke ich, würde ich ihn mit seinem teilnahmslosen und isolierten Erscheinen kaum bemerken. Er gehört zu der Sorte Mensch, die sich zu allem und jedem ihren Teil denken, sich aber nicht artikulieren. Er ist also nicht gesellschaftsfähig. Doch dort, wo er sich meistens aufhält, auf Partys, ist er nun mal permanent von Gesellschaften umgeben. Während er am Anfang der Erzählung noch Konversation führte, nimmt das immer mehr ab. Es macht sich eine regelrechte Sprachohnmacht breit, die auch den Leser nicht unberührt lässt, da es sehr anstrengend ist mit jemandem mitzufühlen, der sich seiner Umwelt entzieht, aber doch permanent von ihr umgeben ist. Jeglicher Versuch in Einklang mit ihr zu treten scheitert.

Um noch mal auf den Anfang einzugehen. Faserland ist zwar eine anspruchslose Lektüre, aber dennoch eine nicht leicht zu lesende, da man durch Anteilnahme Gefahr läuft zu verkrampfen.

Literarischer Kunstgriffe bedient sich Christian Kracht kaum. Meist ist es ein bloßes Wiedergeben der Realität aus den Augen des lyrischen Ichs. Seine Erinnerungen an den alten Freund Alexander, der gerne um die Welt reist, und ihn mit esoterisch-kryptischen Briefen beschenkt, haben etwas Verzauberndes. Während des Lesens meint man darin mögliche Botschaften des Autors zu erkennen, doch bleibt der Sinn der Briefe leider ungeklärt.

Gegen Ende des Romans taucht das Motiv der Flucht auf, da er sich in der Schweiz fernab von Deutschland und der Gesellschaft mit seiner "Traumfrau" und gemeinsamen Kindern zur Ruhe setzten will. Diese Vorstellung der utopischen Lösung all seiner Probleme erinnert mich an Holden aus dem Fänger im Roggen. Der Unterschied zwischen Holden und ihm ist, dass Holden sich von der Gesellschaft missverstanden fühlt und er die Gesellschaft nicht mehr versteht. In dem Flucht-Motiv findet der Leser die endgültige Ausweglosigkeit des lyrischen Ichs. Schon vorher hat er nie ernsthaft reflektiert und ist von einer Enttäuschung in die nächste geraten, wenn er nachdachte, schwelgte er bloß in Erinnerungen, aber meist ohne Schlüsse daraus zu ziehen. Diese Art der Reflexion, der Gegenwart zu entfliehen, zeigt seine Verlorenheit, da er unfähig und zu ausgelaugt ist, um rational zu denken.

Berührt bin ich von seiner Auffassung des Elite-Daseins. Das Bild der Maschine finde ich passend, da eine Maschine konstant läuft und alles für einen erledigt. So kann man die Maschine mit der High Society gleichsetzten, denn diese läuft auch von alleine und man muss sich nur auf sie einstellen. So erhält sich die High Society auch von alleine, da alle bloß tun, was von ihnen erwartet wird. Wichtig ist ihr allein zu wissen, dass man am Besten ist, also die besten Wagen fährt, die besten Drogen nimmt, etc. Das ist die einzige Stelle, an der er ein Phänomen oder etwas Tiefgreifendes aufarbeitet und auf den Punkt artikuliert. Doch genau aus dieser Erkenntnis sieht man, dass er deswegen nicht mehr nach Deutschland, und eben in die High Society, zurückkehren kann.

Auf diese Vision schließt sich dann das offene Ende an: "Bald sind wir in der Mitte des Sees." Es deutet einiges auf einen Suizid hin. So wie er Rollo nicht mehr vor dem Suizid bewahren kann, kann er auch nicht sich davor bewahren. Außerdem sucht er nach dem Grab von Thomas Mann, welches er aber nicht findet. Das klingt in etwa so: Anstatt das Grab von Thomas Mann zu finden, fand er sein eigenes. Das wäre aber ein zu großer Wink mit dem Zaunpfahl.

Hat er es etwa auf den Steuermann abgesehen? Zwar hat sich das Lyrische Ich im Laufe der Erzählung einen gefühlslosen und rohen Ruf erworben, da er zum Beispiel die Jacke klaut und Rollo links liegen lässt, aber das wäre doch zu hoch gegriffen und unlogisch.

Wahrscheinlich führt er das, was immer er auch vorhat, nicht aus, da er unfähig ist seinen Willen, wenn er schon mal einen hat, durchzusetzen. So wird er wohl am anderen Ende ankommen und in den nächsten Flieger steigen.

Kritik: Übrigens finde ich die Behauptung Christian Kracht würde eine markenorientierte und oberflächliche Gesellschaft beschreiben falsch. Das lyrische Ich bleibt nur bei seinen Mitmenschen an den Äußerlichkeiten, wie den Marken, hängen, da er sich nicht einen Blick dahinter zu werfen traut. So wie er sich nicht traut in sich selbst zu blicken.

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