Raja Shehadeh: Fremd in Ramallah. Mein Leben als Sohn im besetzten Palästina

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ET (D)
2003
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783203822501

Informationen zum Buch

Seiten
320

Sonstiges

Erster Satz
Das Haus, in dem meine Familie wohnte und in dem ich geboren wurde, war das Sommerhaus meiner Großmutter.

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So lange er denken kann, stand Raja Shehadeh im Bann seines Vaters. Der renommierte Anwalt Aziz Shehadeh war einer der ersten, der für die Anerkennung eines israelischen Staates plädierte als Voraussetzung für ein eigenständiges Palästina. Doch Sohn Raja hätte sich lieber einen Vater gewünscht, der sich für die Belange des Sohnes interessiert, statt einen Freiheitshelden. Raja versucht, seinen eigenen Weg zu finden, will beweisen, daß es noch etwas anderes gibt als Palästina und Israel, und erntet nur Verachtung seines Vaters. 1985 wird Aziz auf offener Straße von seinen eigenen Landsleuten ermordet. Sein Sohn erzählt die Geschichte seiner Familie vor dem Hintergrund der Geschichte seines Landes .

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Chronologisch, beginnend mit seiner frühen Kindheit, erzählt Shehadeh seine Lebensgeschichte, die von zwei großen Themen geprägt ist, nämlich dem Aufwachsen und Leben unter einer Besatzungsmacht sowie der Suche nach Anerkennung durch den Vater und die Abnabelung vom ihm. Sowohl im Hinblick auf diese beiden Themen wie auch auf den zeitlichen Aspekt zerfällt das Buch für mich in zwei Teile.

Der Anteil seiner Kindheit und Jugend am Bericht nimmt fast den gleichen Umfang ein wie die spätere Darstellung seines Lebens als Anwalt in Palästina einschließlich seiner Arbeit für die von ihm mitgegründete Menschenrechtsorganisation Al-Haq. Obwohl ich ersteres durchaus gerne gelesen habe und der Bericht für mich auch im wesentlichen davon lebt, hätte mich letzteres doch mehr interessiert. Aber hier bleibt leider vieles oberflächlich, die Arbeiten der Organisation werden nur relativ knapp dargestellt, von seinen nächsten Kollegen dort erfährt man nur das Allernotwendigste. Dieses Phänomen ist mir schon verschiedentlich bei Autobiographien aufgefallen. Während Kindheit und Jugend recht ausführlich und farbig geschildert werden, reduziert sich das ganze späterhin auf eine Abfolge von ich war dort, dann ging ich dahin und traf dort den und den. Und genauso langweilig liest es sich dann auch nach spätestens 20 Seiten. Denn entweder kennt man die Leute, die dort genannt werden, sowieso nicht, dann bleiben sie uninteressant, wenn man nicht mehr über sie erfährt, oder die Aufzählung mutiert zu einem bloßen Name-Dropping, was genauso unerquicklich ist. In der zweiten Hälfte des Buches habe ich mich jedenfalls vorwiegend gelangweilt.

Das hängt aber auch mit dem zweiten Themenbereich zusammen, nämlich seiner Suche nach Anerkennung der eigenen Arbeit durch den Vater und den Abnabelungsprozeß von diesem. Der Vater war auch Anwalt, hielt aber von der Menschenrechtsarbeit seines Sohnes nicht viel, sondern übernahm immer wieder auch schwierige Fälle, die ihm sogar Todesdrohungen einbrachten und letztlich wohl auch zu seiner Ermordung führten. Die Anspannung, die angesichts solch unterschiedlicher Auffassungen des Berufs in einer gemeinsamen Kanzlei auftreten muß, kann man sich vielleicht ansatzweise vorstellen. Der Untertitel verweist aber schon auf das zentrale Problem Shehadehs: Er nimmt sich selbst viel zu lange nicht als eigenständigen Menschen wahr, sondern definiert sich ausschließlich über seinen Vater. Das mag durchaus kulturelle Gründe haben, wobei auch zu sagen ist, daß die Shehadehs eine arabisch-christliche Familie sind. Zwar reflektiert er das bis zu einem gewissen Grad, aber eine tatsächliche Lösung erfolgt nicht, nicht einmal durch den Tod des Vaters, denn die Umstände machen eine verstärkte Identifikation nötig. Die israelische Polizei verfolgt den Fall nämlich ausgesprochen nachlässig, und die Familie muß gemeinsam alle Hebel in Bewegung zu setzen versuchen, um irgendwelche Ergebnisse zu erzielen und den Mörder zu ermitteln, das wird schließlich auch vom Umfeld erwartet. Daraus ergeben sich nicht gerade ideale Bedingungen, um sich vom Vater endlich zu distanzieren.

Insgesamt erfährt man hier mehr über eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung als über Palästina unter israelischer Besatzung bis zur ersten Intifada. Eine Karte vorne und eine Zeittafel am Ende runden das Ganze ein bißchen ab, aber es gibt sicher eine Menge Bücher, aus denen man über die Lebensbedingungen der Palästinenser in jener Zeit mehr und das auch besser erfahren kann.

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