Gertraud Klemm: Aberland

 
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Gertraud Klemm: Aberland
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783854209638

Informationen zum Buch

Seiten
184

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Pressestimmen
»Von den Büchern mit feministischem Anspruch das interessanteste, differenzierteste und auch fairste, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.« (Tanja Dückers, Literaturagenten, rbb)

»Aberland ist eine oft bitterböse Sprach- und Denkanalyse weiblicher Selbsttäuschung und ein feministischer Apell - beklemmend gefühlsecht beschrieben.« (Michaela Schmitz, Deutschlandfunk Büchermarkt)

»Die bürgerliche Vorgartenidylle, ein Weiblichkeitsgefängnis, das Klemm stilistisch elegant auskleidet. Unüberhörbar die Vorbilder Jelinek und Streeruwitz, die scharfzüngigen Grandes Dames der österreichischen Literatur.« (Anna-Lena Scholz, Die Zeit)

Erster Satz
Das rote Billet in halber Herzform ist sichtlich von Kinderhand ausgeschnitten worden, Franziska klappt es auf, auch die Zeichnung lässt keine Zweifel offen, in der Mitte des Herzens eine Art Qualle, das soll wohl sie sein, sie wird das Billett auf die Küchenablage stellen, wo es sich einen feinen Fettfilm zulegen darf, bevor sie es im Sommer in die Aufbewahrungsbox legen wird, auf die ersten Handabdrücke in Fingerfarben, die kleinen Wollküken und die invaliden Kastanientiere, sie heben alles auf, was Manuel im Kindergarten produziert, die sogenannten Zeichnungen, auch wenn da gar nichts ist außer einer zornigen Linienführung, am Monatsende erfolgt die Übergabe an die Mutter, kein großer Künstler, sagte die Pädagogin unlängst lapidar, wie fast alle Buben, sie sieht Manuel, die Faust trotzig um den Stift geschlossen, wie er auf das Papier einsticht und dabei ist, es aufzuschlitzen, käme nicht die geübte Pädagoginnenhand ins Bild und sorgte dafür, dass es auch wirklich eine Zeichnung wird, jetzt muss sie aber erst einmal sitzen bleiben, das mit dem Frühstück hat schon ganz gut geklappt, Tom hat sich bemüht, er tut es noch, er trägt das schmutzige Geschirr einzeln zum Küchenblock, wie viel Zeit er mit seiner Umständlichkeit vergeudet, und er trägt die Teller schief, eine mehrspurige Bröselbahn hinter sich herziehend, Franziska ist angehalten worden, heute sitzen zu bleiben und eindlich einmal Zeitung zu lesen, sie kann ihnen natürlich auch beim Arbeiten zusehen, also erfreut sie sich entschlossen an ihrer Familie, sie hört die Stimme ihrer Mutter, Franziska hat einen sportlichen Tiroler geheiratet, der sich als liebevoller Ehemann herausgestellt hat und, was noch wichtiger ist, als leidenschaftlicher Vater, und sie versucht gnädig zu sein mit ihrer Mutter, wann, wenn nicht heute.

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Bürgerliche Mütter, bürgerliche Töchter: ein bitterböses Porträt zweier Frauen-Generationen

Elisabeth, 58, versucht würdevoll zu altern. Ihr gutbürgerliches Leben ist am ehesten charakterisiert durch das, was sie alles nicht getan hat: sie hat nicht studiert und nicht gearbeitet, sie hat ihre Kinder nicht vernachlässigt und ihren Mann nicht mit dem Künstler Jakob betrogen, sie hat der Schwiegermutter nicht die Stirn geboten und stellt noch immer nicht den Anspruch, ins Grundbuch der Jugendstilvilla eingetragen zu werden. Mit Zynismus und verhaltener Selbstreflexion beobachtet sie das Altern der Frauen um sie herum.

Und sie beobachtet ihre Kinder, vor allem Franziska, 35, die zu Wutausbrüchen neigt, mit den Anforderungen der Gesellschaft an ihre Mutterrolle hadert und die theoretische Gleichberechtigung von Mann und Frau im Alltag nicht einlösen kann. Auch sie hat ihre Visionen nicht verfolgt, weder beruflich noch privat, und begnügt sich mit einem fast fertigen Studium und einem fast geliebten Mann. Es scheint, als habe sich dieser zahnlose Feminismus von einer Generation an die nächste vererbt.

Gertraud Klemm, die mit einem Kapitel aus diesem Roman den Publikumspreis in Klagenfurt gewann, schildert eine gesellschaftliche Situation, in der mit viel »ja – aber« die wichtigen Entscheidungen verschoben und verhindert werden, und ihr Blick auf die Lage ist gnadenlos, bissig und (aus Verzweiflung?) wahnsinnig komisch.

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