Han Kang: Die Vegetarierin

 
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Han Kang: Die Vegetarierin
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Vegetarian
ET (Original)
2007
ISBN-13
9783351036539

Informationen zum Buch

Seiten
190

Sonstiges

Originalsprache
koreanisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt sich sie in jeder Hinsicht für völlig unscheinbar.

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Handlungsort

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Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

Autoren-Bewertungen

1 Bewertungen

Beklemmend und faszinierend
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Yeong-Hye ist eine relativ durchschnittliche südkoreanische Hausfrau, die von heute auf morgen beschließt, sich ab sofort vegetarisch zu ernähren und zudem konsequenterweise alle Produkte tierischen Ursprungs aus dem Haushalt zu entfernen.
Der Roman ist dabei in drei Teile eingeteilt, die alle aus der Perspektive einer Figur erzählt werden, deren Gemeinsamkeit es ist, dass sie durch Yeong-Hyes überraschende wie ungewöhnliche Entscheidung beeinflusst werden. Nicht jedoch aus der Sicht der Frau, um die sich alles dreht.

Der erste Teil widmet sich dem Blickwinkel ihres Ehemanns, dessen gefühllose Art mich durchaus an der ein oder anderen Stelle erschaudern ließ. Hat er Yeong-Hye wirklich als seine Frau erwählt, weil sie so ein unscheinbares Geschöpf war?

Der zweite Teil wird von Yeong-Hyes Schwager erzählt - einem Videokünstler, der eine starke sexuelle Obsession für seine Schwägerin hegt. Er möchte sie zum Mitwirken in einem Video überreden, ja, sogar eine Sexszene mit ihr drehen.
Der Autorin gelingt es hier sehr gut, die befremdliche Anziehung zwischen Schwager und Schwägerin zu schildern, ohne dabei abzudriften.

Nach Zwang, Vergewaltigung und eine kurzen Phase von Erfüllung wird Yeong-Hye von ihrer Schwester In-Hye, die zugleich auch die Ehefrau des besagten Schwagers ist, in die Psychiatrie gebracht. Hintergrund ist, dass Yeong-Hye gänzlich die Nahrung verweigert, da sie annimmt, sich wie eine Pflanze ernähren zu können. Während sich Ehemann und Familie längst von der an Wahnvorstellungen erkrankten Yeong-Hye abgewandt haben, ist ihre Schwester die einzige, die noch zu ihr steht.

Kein einfaches Buch. Weder thematisch noch sprachlich.

Yeong-Hye unternimmt einen radikalen Versuch, aus ihrem Alltag auszubrechen und all den Erwartungen und Rollenbildern zu entkommen. Ein düsteres Leben, geprägt von Gewalt, Unterdrückung, Wahnvorstellungen und Angst. Die Autorin hat einen sehr reduzierten Sprachstil gewählt, der zu all dem perfekt passt, ja beinahe kafkaesk daherkommt. Die Bilder, die so vor dem inneren Auge entstehen sind teilweise nicht leicht zu verdauen, teilweise richtiggehend surreal.

Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, welche Rolle die strengen gesellschaftlichen Regeln Südkoreas für den Roman hatten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine solche oder ähnlich geartete Geschichte im westlichen Europa möglich wäre.
Dieses gleichförmige Leben, die Erwartung der Gesellschaft, dass sich alle anpassen und stromliniengleich mitschwimmen und niemals auffallen - all das springt gerade zwischen den Zeilen hervor. Jegliche Abweichung, jeder Gefühlsausbruch oder die kleinste befreiende Handlung wird quasi als subversiv aufgefasst... Beängstigend.

Fazit: Ungewöhnlich, beklemmend, verstörend und gleichzeitig eine nicht leicht zu lesende, aber faszinierende Art und Weise, sich mit südkoreanischen Normen zu beschäftigen.
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Eine Frau irgendwo im Nirgendwo
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Wenn ich den Inhalt lediglich mit einem Wort beschreiben müsste, dann definitiv mit 'verstörend'. Wie man aus der Buchbeschreibung ja bereits herauslesen kann, geht es hierin um die Protagonistin Yeong-hye, die aufgrund eines Traumes urplötzlich aufhört, Fleisch zu essen und darüber hinaus auch kein weiteres tierisches Produkt mehr anrührt. An und für sich ist dieser Umstand jetzt erst mal nicht beunruhigend, aber Yeong-hye wirkt auf den Leser von Anfang an schon irgendwie eigenartig, wenig fassbar oder durchschaubar und sehr zurückhaltend/passiv. Klar, eine gewisse Unscheinbarkeit haftet ihr auch an, aber diese stand für mich nicht wirklich im Vordergrund. Dass sich in ihrem Inneren deswegen umso mehr Essenzielles abspielt, war mir gleich bewusst, genauso wie die Tatsache, dass genau das wohl früher oder später aus ihr herausbrechen wird ...

~ Das Leben ist schon seltsam. Egal, was passiert, selbst nach einem schrecklichen Ereignis isst man, trinkt man, geht auf die Toilette, wäscht sich. Kurz, das Leben geht weiter. ~
(S. 175)

Geschrieben ist das Buch NICHT aus der Sicht von Yeong-hye (ist klar, sonst hätte man die wahren Motive für ihr Verhalten wahrscheinlich erfahren), sondern zuerst aus der Sicht ihres Ehemannes, im nächsten Teil aus der Perspektive ihres Schwagers und im letzten Abschnitt ist ihre Schwester die Hauptfigur. Alle beschreiben mehr oder weniger, neben ihrem eigenen Innenleben und das, was sie beschäftigt, wie sie Yeong-hye im Laufe der Zeit wahrgenommen und was sie alles Merkwürdiges mit ihr erlebt haben. - Und das ist manchmal wahrlich unheimlich gewesen. Yeong-hye begann damit, kein tierisches Produkt mehr zu essen (man erfährt aus ihrem Mund nie wirklich, warum sie das tut) und endet damit, dass sie gar nichts mehr isst und schlussendlich den Leuten versucht begreiflich zu machen, sie sei eine Pflanze und brauche nichts weiter als Sonnenlicht und hin und wieder ein Schlückchen Wasser. Die Folge davon ist, dass sie logischerweise körperlich immer mehr verschwindet.
Für mich war es ziemlich unheimlich, mir Yeong-hye vorzustellen. In meinem Kopf hatte ich das Bild einer völlig teilnahmslosen Frau ohne Emotionen, die kaum noch spricht und sich in der Sonne andauernd entblößt, weil sie denkt, sie sei ein Gewächs, das dringened Sonne benötigt. Manch einer würde sich an dieser Stelle denken: Ein Fall für die Psychiatrie! Letztlich wurde sie dort auch (von ihrer wenig einfühlsamen Familie) eingewiesen.

Tatsächlich blieb Yeong-hye (mir) bis zum Schluss ein undurchschaubares, sonderbares Wesen. Ich wusste nicht, ob sie all das alles echt glaubt und wirklich verrückt geworden ist, oder ob ihr Umfeld sie einfach nur falsch verstanden hat (auch ich). Sie ist im Grunde nämlich eigentlich eine arme, wenig respektierte Frau, die man nur gebogen und verbogen hat. Vielleicht wollte sie mit ihrem ganz bewusst gespielten, absichtlichen Verhalten genau daraus ausbrechen und endlich frei sein? Dass sie gelitten hat, hat man gemerkt, aber sie hat sich bis zu ihrer Entscheidung, kein Fleisch mehr zu essen, niemals jemandem widersetzt. Mit ihren merkwürdigen Anwandlungen hat man sie, die ewig unscheinbare Frau, endlich auch mal wahrgenommen. Yeong-hye ist unzufrieden und wird unterdrückt. Sich selbst nicht mehr als menschliches Wesen zu sehen, unter die Pflanzen zu gehen und so nach und nach zu verhungern, sah sie möglicherweise als Befreiungsschlag ... Aber das sind nur meine Gedanken dazu. Was uns die Autorin damit genau vermitteln wollte, weiß ich nicht.

Das offene Ende lässt mich zwar etwas ratlos zurück, aber empfehlen kann ich das Buch auf alle Fälle ... Das Kopfkino funktioniert hier nämlich einfach grandios und zusätzlich kann man beim Lesen durchgehend miträtseln, es ist also kein Buch nur zum Abschalten, sondern vor allem auch zum Mitdenken.
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Protestschrei
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Han Kang - Die Vegetarierin - Aufbau-Verlag

Seoul
Ein Südkoreaner hat seine Ehefrau ausgesucht, weil sie unscheinbar und mittelmäßig ist. Ein Topfschnitt, hohe Wangenknochen, eine gute Köchin, eine willige Liebhaberin.
Alles deutet auf ein langes und angenehmes Leben hin.

"Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie in jeder Hinsicht für völlig unscheinbar.“
Pragmatisch, die Erklärung des Ehemanns:
"So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.“

Yeong-hye war die perfekte Ehefrau, bis sie sich entschloss, ihre Essgewohnheiten radikal zu ändern. Eines Nachts steht sie vor dem Kühlschrank und sortiert alle tierischen Produkte aus, die teuren Lebensmittel wandern in den Müll.
Der Ehemann ist verärgert, ob dieser Verschwendung und spricht sie darauf an:
"Ich hatte einen Traum.." Es ist ein blutiger Traum, angefüllt vom Geschrei der viel zu vielen verspeisten Seelen.
Wegen der Arbeit, isst er sowieso meistens auswärts und nimmt es mit einem Schulterzucken hin, er hält diesen Hilferuf für eine vorübergehende Marotte.

In Südkorea gilt ein andersartiges Verhalten als subversiv. Fleisch abzulehnen, aus idealistischen Gründen, findet in der Gesellschaft kein Verständnis.
Als sie fast alle Gerichte bei einem Arbeitsessen verschmäht, kommt das einem Eklat gleich, ihr Ehemann ist verzweifelt und wendet sich an ihre Eltern. Bei dem nachfolgenden Familienessen kommt es allerdings zur Katastrophe. Der Vater versucht seine Tochter zu zwingen, Yeong-hye muss sich körperlich wehren und landet im Krankenhaus. Yeong-hyes Schwager ist fasziniert von ihrem Protest, in ihm wächst eine tiefe Sehnsucht. Er möchte ihren Körper mit Blumen bemalen..

Jeder muss seine Rolle spielen, damit sich niemand Sorgen machen muss, jemanden über Gebühr Mitleid zeigen zu müssen. Das seelische Gleichgewicht fällt und steht mit der Andersartigkeit der Mitmenschen.

Han Kangs "Vegetarierin" wurde mit dem internationalen Man Booker Preis ausgezeichnet. Die Überraschung aus Südkorea.

Die Vegetarierin ist ein Roman in drei Akten, er hat eine stetige unscheinbare Spannung, immer einen großen Schritt vom Mittelmaß entfernt. Die Divergenz wird gefeiert. Es liest sich wie Wasser, fließend, mit Untiefen.
Leise und kraftvoll, empfehlenswert!
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