Haruki Murakami: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt

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Haruki Murakami: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt

Autor

Biografie & Bibliografie von
Verlag
ET (D)
1995
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Sekai no owari to Hard-boiled Wonderland
ET (Original)
1985
ISBN-13
9783518396971

Informationen zum Buch

Seiten
542

Sonstiges

Erster Satz
Der Aufzug fuhr ungemein träge aufwärts.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Tokyo, ferne Gegenwart. Es herrscht Datenkrieg. Das System, die Organisation der- gar nicht so guten- ewig Guten, entwickelt immer ausgeklügeltere Verschlüsselungstechniken, die von der Fabrik, einer Art Datenmafia, immer wieder geknackt werden. Ein genialer greiser Wissenschaftler, der Professor, entwirft dem System jedoch ein absolut sicheres Kodierverfahren: Einer Gruppe professioneller Datenwäscher, allesamt Mitarbeiter des Systems, isoliert er die Persönlichkeitsstruktur, den "Psychokern", und implantiert ihn einigen Versuchspersonen als jederzeit per Kodesignal aufzurufende Black Box ins Gehirn. Ver- und Entschlüsselungen können nur im Unterbewusstsein stattfinden, jeder unerwünschte Zugriff auf Daten wird verhindert. Doch nur der 35jährige coole Held und Ich-Erzähler überlebt die Prozedur und findet sich zwischen allen Fronten. Auf seinen parallelen Reisen durch das mehr oder weniger reale Tokyo und die phantastische Stadt in seinem Kopf, erlebt der hirnmanipulierte Yuppie wundersame Abenteuer.

Autoren-Bewertungen

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Rätselhaft und faszinierend

Ich habe das Buch in der englischen Übersetzung von Alfred Birnbaum unter dem Titel ”Hard-boiled Wonderland and the End of the World” gelesen.

Schon im Inhaltsverzeichnis wird deutlich, dass das Buch aus zwei Teilen besteht: Der Titel der ungeraden Kapitel besteht aus jeweils 3 Substantiven, deren Zusammenstellung neugierig macht – was mag z. B. Whiskey, Folter und Turgenjew verbinden? Die Titel der geraden Kapitel dagegen sind kursiv gedruckt und heißen z. B. Die Mauer oder Grauer Rauch.
Schnell wird deutlich, dass sich dahinter 2 Erzählstränge verbergen, von denen der erste ”Hard-boiled Wonderland” und der zweite ”Das Ende der Welt” heißen.

Der namenlosen Ich-Erzähler des ersten Stranges, der wohl in der nahen Zukunft spielt, ist ein Calcutec, ein Mann, der nach einer Gehirnoperation in der Lage ist, zu ”shuffeln”, d. h., Information hundertprozentig sicher zu vercoden. Während es bisher immer gelungen war, auch die kompliziertesten Codes zu knacken, ist dies nun nicht mehr möglich. Von dem ”System” angestellt, bekommt er einen Auftrag eines Forschers, der sich ein unterirdisches, geheimes Labor eingerichtet hat. Er vershuffelt die Information wie gehabt und erfährt von dem Forscher, dass es absolut notwendig ist, nach einer bestimmten Frist zu ihm zurück zu kehren. Dies schon lässt ihn ahnen, dass dieser Auftrag kein gewöhnlicher ist, und bestätigt wird ihm das, als er Besuch von der ”Fabrik” erhält, dem Gegenspieler des Systems. Es scheint um (sein) Leben und Tod zu gehen, er begibt auf der Suche nach dem Forscher auf eine Odyssee in der wörtlichen Unterwelt unter Tokio.

Im zweiten, im Präsens erzählten Erzählstrang findet sich ein anderer Ich-Erzähler, der in einer ihm unbekannten, von einer unüberwindbaren Mauer hermetisch abgeriegelten Stadt wieder, ohne sich genau daran erinnern zu können, wie oder wieso er dorthin kam und was vorher war. Nur weiß er, dass er, um die Stadt betreten zu dürfen, seinen Schatten opfern musste. Dieser wurde ihm abgeschnitten und der Obhut des Torhüters übergeben, bei dem er (der Schatten) die letzten Monate bis zu seinem Tod leben wird. Dem Ich-Erzähler, der sich anfangs in der Stadt wohl fühlt, wird allmählich klar, dass dort nicht alles zum Rechten steht – so haben die anderen Bewohnern kein ”mind”, (leider weiß ich nicht, wie dieser Ausdruck ins Deutsche übersetzt ist; Geist oder Seele vielleicht?), und er erfährt, dass auch er diesen mit dem Tod seines Schattens verlieren wird. Er beschließt, zusammen mit seinem Schatten zu fliehen.

Diese beiden Stränge scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, doch gibt es sonderbare Parallelen. Gewisse Gegenstände wie z. B. Büroklammern fallen beiden Erzählern immer wieder auf, Tierschädel spielen hier wie dort eine wichtige Rolle, und schon bald vermutete ich einen bestimmten Zusammenhang, der sich später als weitgehend richtig herausstellte.
Beide Stränge sind spannend zu lesen, allerdings enthält der erste in der Mitte für meinen Geschmack etwas zu viel Action und langweilte mich daher etwas.
Das Ende des Romans ist gelungen – es bietet noch einmal eine gehörige Überraschung und lässt wehmütig von dem Buch und seinen Personen Abschied nehmen, während man überlegt, wie es mit diesen weiter gehen kann.
Stilistisch war die Lektüre dieses Buches ein Genuss. Jedes einzelne Wort stimmte (zumindest in der englischen Übersetzung; zu der deutschen kann ich nichts sagen), und trotz schwer durchschaubarer Handlung war es schnell zu lesen. Erleichtert wurde die Lesbarkeit durch die erstaunliche ”Westlichkeit” des Romans. Bücher aus ”exotischen” Ländern sind oft wegen des fremden kulturellen Hintergrundes schwerer zugänglich, aber hier war das nicht der Fall, wohl mit dadurch bedingt, dass sich immer wieder auf westliche Bücher, Musik etc. bezogen wird. Abgesehen davon, dass ab und zu japanische Gerichte, Tokioer Stadtteile, Straßennamen und U-Bahnstationen erwähnt werden, könnte die Handlung auch in jeder anderen Großstadt spielen.
Ein rätselhaftes, fantasievolles und spannendes Buch, das Lust auf weitere Werke von Haruki Murakami macht..

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Japan in einer Zeit, die sich nur durch einige Details von unserer Gegenwart unterscheidet. Der Ich-Erzähler und Held lebt ziemlich zurückgezogen und arbeitet als „Kalkulator“, das heißt, er ist so eine Art menschliche Verschlüsselungsmaschine. Sein neuester Auftrag ist aber alles andere als Routine und führt ihn bald in Lebensgefahr. Parallel dazu wird die Geschichte eines Mannes ohne Erinnerung erzählt, der in eine von einer hohen Mauer umgebene Stadt kommt und am Tor seinen Schatten abgeben muss.

Ich hatte "Hardboiled Wonderland..." bereits vor einigen (vielleicht 10) Jahren einmal gelesen, allerdings in einer ausgeliehenen Ausgabe. Da Murakami seitdem zu meinen Lieblingsautoren gehört, wollte ich das Buch aber auch besitzen und habe es dann jetzt in Folge dessen auch noch einmal gelesen. Murakamis Bücher weisen einen unterschiedlichen Grad an Phantastik auf, von praktisch reinen Liebesgeschichten bis zu Romanen, die praktisch nur aus seltsamen Momenten bestehen. Ich bevorzuge die phantastischeren Romane und "Hardboiled Wonderland…" ist von diesen meiner Meinung nach der, mit der am wenigsten "normalen" Welt.

Mir fällt es aus diesem Grund schon schwer, auch nur eine Zusammenfassung zu schreiben und eine Rezension ist nicht wirklich einfacher. Um dieses Buch zu mögen muss man jedenfalls akzeptieren können, das man nicht alles versteht und die Geschichte manchmal zwar keinen Sinn ergibt, aber trotzdem Gefühle auslöst.

Wollte man das Buch analysieren, würde dabei vermutlich herauskommen, dass es von der Vereinzelung und Vereinsamung der Menschen handelt, ich analysiere aber nicht so gerne, sondern lasse mich lieber von der Stimmung des Buches davon schwemmen. Mitreißend ist es zwar nicht direkt, vordergründige Spannung gibt es eher in der ersten Hälfte des Buches, es zieht einen aber trotzdem mit der Zeit in seinen Bann. Die beschriebene Welt ist in mancher Hinsicht vollkommen fremd, trotzdem versteht man die Menschen und ihre unerfüllten Grundbedürfnisse nach menschlicher Nähe. Ich empfand das Ende als melancholisch und irgendwie traurig, kann aber noch nicht einmal sagen, was da jetzt wirklich passiert ist und welches Schicksal die Hauptfigur jetzt letztendlich erleidet.

Das zweite Lesen hat meinen ersten Eindruck bestätigt: Ein herausragendes Buch eines sehr guten Autors.

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