Hédi Kaddour: Die Großmächtigen

Hédi Kaddour: Die Großmächtigen

 
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Hédi Kaddour: Die Großmächtigen
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Les prépondérants
ET (Original)
2015
ISBN-13
9783351036812

Informationen zum Buch

Seiten
477

Sonstiges

Originalsprache
französisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Sie las mehr Bücher auf Arabisch als auf Französisch.

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1922 ist die Welt in der maghrebinischen Stadt Nahbès zu aller Zufriedenheit aufgeteilt. Bis ein amerikanisches Filmteam wie ein Meteor in dem Wüstenort einschlägt. Für einen Moment begegnen sich die Amerikanerin Kathryn und Raouf, der Sohn des Caïd, die junge Witwe Ranja, der altersmilde Kolonialist Ganthier und die kesse Pariser Journalistin Gabrielle in einer ebenso unbeschwerten wie abenteuerlichen Utopie – ehe das Rad der Geschichte einen jeden wieder an seinen Platz verweist.

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Wüstenzauber

Hédi Kaddour - Die Großmächtigen - Aufbau

"1922 ist die Welt in der maghrebinischen Stadt Nahbès zu aller Zufriedenheit aufgeteilt. Bis ein amerikanisches Filmteam wie ein Meteor in dem Wüstenort einschlägt."

Nahbès, 1922

Die kluge und noch sehr junge Witwe Rania stammt aus einer gutsituierten Familie und lebt bei ihrem Vater. Bei dem eher spärlichen Angebot an intelligenten Männern, denkt sie keine Sekunde daran, noch einmal eine Ehe einzugehen. Sehr zum Bedauern ihrers Vaters, der sie aber zu sehr liebt, um sie zu zwingen. Als ihre Tante erkrankt, wird sie auf der Großfarm ihres Onkels um Hilfe gebeten. Einen Haushalt zu organisieren und die Buchhaltung zu führen liegt ihr, schon gibt sie die ersten Befehle..
Wenn sie mit der Kutsche ausfährt, sitzt ein Diener neben ihr, der so tut, als hielte er die Zügel in der Hand.
Rania hat Freude am Fortschritt und erhebt ebenfalls Anspruch darauf. Sie liest gerne, aber ihre Autorenauswahl sorgt immer wieder für Missfallen.
Ihr Onkel beschwert sich schon, dass sie ihre Nase zu tief in die Bücher steckt und Widerworte gibt.

"Bruder, willst dass ich ihr das Lesen verbiete? dass ich sie schlage? sie einsperre? Ich wollte ein wunderbares kleines Mädchen haben, nun ist es großgeworden.."

Doch Rania macht sich unentbehrlich, niemand geht so gut mit Zahlen um, wie sie.
Die Journalistin Gabrielle kommt oft mit noch nachtfrischen Morgentau an den Füßen zu Besuch, die Nacht war wieder einmal lang. Beim Frühstück erzählt ihr die freche und hosentragende Französin von einem mondänen Abend im Grand Hotel. Ein amerikanisches Filmteam besetzt für kurze Zeit den friedlichen Wüstenort. Auch Ranias Cousin Raouff gerät in moralische Konflikte, als er die zauberhafte Kathryn kennenlernt.
Einige Schicksale berühren sich. Menschen, die sich sonst nie begegnet wären und dies auch in ihren kühnsten Träumen nie für möglich gehalten hätten.

Hédi Kaddour stülpt über Okzident und Orient eine literarische Käseglocke. Genial! Spannend, atmosphärisch, dramatisch, geschrieben mit einer leichten Feder. Eine sogstarke und stilsichere Utopie. Sehr empfehlenswert.

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Ein außergewöhnliches, brillant-literarisches Portrait der Kulturen

"Die Großmächtigen" von Hédi Kaddour erschien gebunden, als HC im Aufbau-Verlag, 2017. Bereits das wirklich sehr schön gestaltete Cover weist auf "verschiedene Welten, verschiedene Kulturen" auf diesem unserem Planeten hin - und genau darum geht es:

Nahbés, Nordafrika, 1922:

Das kleine nordafrikanische Städtchen ist in einen europäischen und einen Teil der "Eingeborenen" unterteilt, in dem es friedlich zugeht, bis ein Filmteam aus Amerika das beschauliche Leben aufmischt: Neil, der Regisseur und Kathryn, seine Ehefrau kommen mit dem ganzen Tross und Welten, ja Kulturen prallen erstmal aufeinander.

Die weiteren Hauptprotagonisten sind Rania, eine junge, sehr kluge und wissbegierige Witwe, Raouf, ein ebenfalls sehr cleverer und intelligenter junger Mann und ihr Cousin, Ganthier, der sich, aus der französischen Kolonialmacht stammend, gerne mit ihm politische und philosophische Wortgefechte liefert; desweiteren Gabrielle Conti, die Journalistin aus Paris und eher im Hintergrund, aber dennoch unüberlesbar, Belkhjoda, ein Teppichhändler, der gerne als älterer Mann die "kleine Bande", zu der auch Raouf und Karim, sein bester Freund gehören, darin unterrichtet, wie man sich die richtige Frau sucht (auch wenn er selbst in dieser Rolle nicht eben glänzen kann).

Wir verfolgen nun über zwei Jahre - bis Juni 1924 - wie Gabrielle, die mit den beiden anderen Frauen befreundet ist, sie vorsichtig miteinander bekannt macht; wie Raouf zur 'rechten Hand' und mehr für Kulturelles und auch Persönliches von Kathryn wird und was diese sehr verschiedenartigen Menschen mehr und mehr miteinander verbindet und sich mehr und mehr anfreunden - trotz aller (oder gerade wegen?) aller kulturellen Unterschiede.

Der Schreibstil Kaddour's ist sehr blumig, orientalisch und reich im Detail, wobei mir die Prisen feiner Ironie mit am besten gefielen. Der Roman, der auch immer wieder brisante politische Themen umkreist, von der Kolonialmacht Frankreich angefangen bis zum Erstarken der Rechten in Europa, ist in drei Teile gefasst: Teil 1 ist in Nahbés verortet; in Teil 2 treffen wir die meisten Protagonisten, so Raoul, Ganthier und Kathryn, in Paris wieder und mit Schmunzeln stellte ich mir ihren Aufenthalt in sprachlicher Hinsicht im Elsass vor (ich wohne nicht weit davon entfernt ;). Ihr Weg führt sie über Berlin, wo Kathryn einen wichtigen Regisseur treffen möchte wieder nach Berlin zurück, von wo aus Raouf und Ganthier Richtung Marseille und Nordafrika weiterreisen.

Im 3. und letzte Romanteil kehren sie nach Nahbés zurück, man schreibt das Jahr 1924: Hier trennen sich die Wege der Protagonisten, das Filmteam kehrt bis auf Weiteres nach Amerika zurück; Raouf kam aus Paris zurück, wo er mittlerweile studiert und auch bei den Menschen in Nahbés nehmen die Ereignisse ihren Lauf....

Der Autor wertet nicht, mit feiner Ironie (und oftmals einem Augenzwinkern) überlässt er dies wohl lieber dem jeweiligen Leser; die Hauptcharaktere werden so schillernd und äußerst facettenhaft beleuchtet, wie es besonders in der arabischen Literatur üblich ist. Dieses Zeitportrait setzte Hédi Kaddour perfekt um und bereitet mit diesem Roman jedem Leser eine Freude, der an arabischer Erzählkunst (sehr ausgeschmückt und detailliert) interessiert ist.

Fazit:

Ich empfehle dieses opulente, wundervoll geschriebene Werk gerne weiter; besonders sicher jenen Menschen, die sich für interkulturelle Themen interessieren, da Kaddour hier eine sehr gelungene Brücke zwischen dem Orient und dem Okzident in literarischer Weise schlägt. Auch die zeitlose Aktualität ist fast 100 Jahre später herauszulesen. Chapeau für den Autor, ebenfalls für den Aufbau-Verlag und 5* von mir am literarischen Himmel des Abend- sowie des Morgenlandes!

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(Aktualisiert: 30 Oktober 2017)
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überraschend und anspruchsvoll

Wer sind sie „Die Großmächtigen“? Das fragte ich mich sofort, als ich diesen ungewöhnlichen Titel gelesen habe. Dazu ein vielversprechendes, wunderschönes Cover, welches mich zugreifen ließ.

Groß und mächtig fühlen sich in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in der maghrebinischen Stadt Nahbès die Franzosen, als Kolonialherren in ihrem scheinbar abgeschlossenen, elitären Zirkel. Aber die Gesellschaft ist bereits in Umbruch. Und deutlich wird das durch ein amerikanisches Filmteam, dass überraschend in die Stadt einfällt und die Menschen durcheinanderwirbelt und eine Lawine an kleinen und großen Ereignissen in Kraft setzt, die wie eine stetig wachsende Welle aus der kleinen Stadt bis hin in das ferne Europa, ja bis ins Ruhrgebiet schwappt.

Eine Handvoll kulturell sehr unterschiedlicher Menschen steht im Zentrum der Geschehnisse. Frauen und Männer, jungen und reifere, die jeder auf seine Weise auf der Suche sind. Dabei treffen sie aufeinander, umkreisen sich, kommen sich näher.

Der Stil, in dem Hedi Kaddour erzählt, ist anspruchsvoll, farbenfroh und mit einer Prise schalkhaften Humors für die Schwächen und Sehnsüchte der Menschen. Er macht dabei keinen großen Unterschied zwischen den Nationalitäten, hält allen einen Spiegel vor. Ich hatte das Gefühl, er möchte einen Bogen spannen zu heutigen Tagen. Einen Bogen zu den Beziehungen der Afrikaner und Europäer, die schon vor langem auf eine schiefe Bahn gerieten.

Ein schönes Buch für ein paar überraschende Lesestunden.

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