Sven Regener: Herr Lehmann

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Sven Regener: Herr Lehmann
Verlag
ET (D)
2001
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783442453306

Informationen zum Buch

Seiten
285

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Handlungsort

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Mit einem nüchternen Blick für die tragische Komik des Lebens bewegt sich der Wahlkreuzberger Lehmann durch den Alltag. Jahrelange, ausgefuchste Ausweichmanöver und heroische Trägheit haben ihn bisher erfolgreich vor den Ansprüchen von Eltern, Vermietern und Frauen verschont. Doch kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag - im Jahr der Wiedervereinigung - bricht eine unvorhergesehene Störung nach der anderen in seinen geliebten Alltagstrott.

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Mir hat es viel Spaß gemacht, Herrn Lehmann auf seinen Touren durch das West-Berlin der Achtzigerjahre zu begleiten. Dabei bekommt der Leser eine gehörige Portion Zeitgeist vermittelt, ohne dabei die individuelle Erlebniswelt der Hauptfigur aus den Augen zu verlieren. Herr Lehmann ist sehr authentisch gezeichnet, er muss sich und seiner Umwelt nichts vormachen, um sich als "Part of the Party" zu fühlen.

Seine Erlebnisse haben mich vielfach zum Schmunzeln gebracht; insbesondere sein Talent, in allen Situationen unverblümte und passende Worte zu finden, macht ihn sehr sympathisch. Die Bandwurmsätze, die in seinem Gehirn ablaufen und an denen der Leser teilhaben darf, habe ich sehr gerne gelesen und als sprachliche Höhepunkte des Buches empfunden.

Am Ende hätte ich mir noch einen eindeutigeren Schluss gewünscht; irgendwie hört das Buch mittendrin auf. Nicht einmal die Maueröffnung kann am Ende ein richtiges Ausrufezeichen setzen, Herr Lehmann lebt einfach sein Leben weiter wie bisher auch. Vermutlich steht er heute noch in irgendeiner Kneipe und schenkt Bier aus. Aber das ist vielleicht auch das, was Herrn Lehmann von seinen Mitmenschen unterscheidet; er will sich nicht weiterentwickeln, sondern einfach so weitermachen, weil er mit sich und seinem Leben zufrieden ist.

So plätschert der Roman von Anfang bis Ende einfach so dahin; ein wenig zum Schmunzeln, ein wenig zum Nachdenken, keine größeren Höhepunkte. Genau wie Herrn Lehmanns Leben.

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„Herr Lehmann“ ist ein Roman, der sowohl von Jugendlichen als auch Erwachsenen gut gelesen werden kann. Er ist meiner Meinung nach in einem sprachlich leichten aber auch sehr gut gewählten Deutsch geschrieben. Ich finde den Einstieg ohne große Einleitung beziehungsweise Vorgeschichte sehr ansprechend, da man so leicht in den Roman hineinfinden kann. Nach meiner Auffassung sind allerdings zu viele Wiederholungen in „Herr Lehmann“ vorhanden, welche das Lesen, wenn nicht gerade viel wörtliche Rede vorhanden ist, nach einiger Zeit doch stark abstumpfen lassen. Die Geschichte an sich finde ich gut, allerdings teilweise auch recht banal, da sie ziemlich simpel geschrieben ist und nichts wirklich Außergewöhnliches beinhaltet. Es sind nach meinem Empfinden zu wenig eindeutige Wechsel, beziehungsweise wirklich wichtige Szenen vorhanden, ohne die man diese Buch nicht schreiben bzw. verstehen könnte.

Allerdings beinhaltet der Roman auch viele gute Inhalte. So finde ich zum Beispiel die Charaktere sehr gut gewählt, auch wenn einige nicht detailliert genug dargestellt werden. Ich finde, dass die Konflikte nicht genau genug zu einem Ende gebracht werden, sondern eher oberflächlich und ohne wirklichen Schluss geführt werden. Besonders interessant finde ich Karl, da dieser am Anfang des Romans häufig und detailliert behandelt bzw. genannt wird. Dies flacht dann aber mittleren Teil und zum Schluss stark ab, was ich persönlich sehr schade finde, da Karl eine durchaus interessante und wichtige Rolle in „Herr Lehmann“ spielt. So wird zum Beispiel auch am Ende nicht klar, warum Karl auf einmal so durchdreht bzw. warum er in der Zeit davor so merkwürdig war.

Ebenso wie Karl finde Frank Lehmann eine interessante, unter anderem etwas über eifrige Person, der dann doch auf seine eigene Art alles wieder recht simpel sieht und es sich einfach macht. Mich persönlich spricht es an, die Konversationen zu lesen und die darin enthaltenen Gesprächsinhalte zu analysieren, die einem häufig sehr kindisch erscheinen, wenn man sich nicht über den Hintergrund klar ist, was Herr Lehmann damit überhaupt bezwecken möchte. Wenn man dann allerdings hinter die Fassade des Herrn Lehmann blickt, der aus meiner Sicht eine keineswegs unterschätzte Person ist, wie es in dem Roman häufig heißt, stellt man fest, dass dieser zwar Dinge, wie die Szene, in der er Karl ins Krankenhaus bringt sehr souverän meistert, aber ich denke, dass er sich innerlich einfach nicht traut auch einmal seinen weichen Kern durchdringen zu lassen und seinen Frust nicht durch aggressives Verhalten, sondern durch Tränen auszudrücken.

Was mich persönlich wirklich sehr an diesem Roman stört ist das Ende. Dieses kommt mir so vor, als hätte Sven Regener keine Lust mehr daran gehabt, den Roman zu einem kompletten Ende zu bringen. Denn die letzten beiden Sätze ich zitiere „Ich gehe erst einmal los, dachte er. Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.“ (S.285, Zeile 6+7) würde der Frank Lehmann, den man auf den vielen Seiten davor kennengelernt hat, wie er lebt und was er tut, wie er denkt und was ihn bewegt, nicht so ausdrücken und nicht so zu Ende denken. Wenn man sich die vielen Seiten davor anschaut, dann bemerkt man, dass Frank Lehmann das ganze weiter hinterfragen würde und nachdenken würde, was sich ergeben würde. Ganz egal, wie simpel er auch an manchen Stellen des Buches denken mag.

An diesem Punkt meiner Kritik möchte ich allerdings noch einmal sagen, dass ich das Buch an sich wirklich sehr gut geschrieben finde. Denn durch viel direkte Rede kann meine sich normalerweise einfach so „durch das Buch durch lesen“. Die Teile, an denen keine direkte Rede vorhanden ist, wirken auf mich hingehen eher ein wenig langweilig, denn hier muss frage ich mich wirklich ob es nötig ist, wirklich jede einzelne Kneipe, die Herr Lehmann auf einer seiner Sauftouren, allein oder gemeinsam mit Freunden durch Kreuzberg macht, aufzählen muss.

Wenn ich diesen Roman bewerten würde, würde ich ihm auf einer Skala von 0 bis 10, wobei 10 die beste Wertung ist, trotz einiger Mängel eine 8 geben, da mich das Thema eines alleinwohnenden jungen Mannes durchaus interessiert, aber der Roman in meinen Augen, auf die ein oder andere Art, doch ein wenig zu banal geschrieben ist.

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Das Buch handelt von einem gewissen Typus, einem Milieu, einer Lebensart. Man kann sagen, es handelt vom amerikanischen Single wie man ihn sich vorstellt. Ein Typus ohne Ehrgeiz zu etwas Neuem aber, trotzdem ist Frank Lehmann ein Kämpfer. Er kämpft mit einem Hund, mit der Mutter, mit der Köchin um die Liebe und er kämpft sogar handgreiflich mit einem Gast und mit einem Gastwirt. Man kann sagen Herr Lehmann ist ein alternativer Lebenskünstler, der (wie seine Freunde sagen) "erfrischend simpel" ist. Er lebt seit neun Jahren immer im gleichen Alttagstrott: Er arbeitet immer in der Abendschicht im Einfall, das ist eine Kneipe im Kreuzberg, bis ca. um 3 Uhr. Dann geht er in andere Kneipen oder nach Hause. Sein Bewegungsradius ist begrenzt, es ist nur sein Quartier. Tagsüber liest Frank Lehmann ein Buch oder geht in eine von Erwins Kneipen. Die Arbeit in der Kneipe sieht Herr Lehmann nicht nur als Zwischenlösung sondern als legitime Arbeit. Alle seine Kollegen machen sonst noch Kunst oder Musik oder studieren noch. Sein Leben ist Eigentlich nicht aufregend und langweilig.

"Herr Lehmann" ist eine Geschichte, die man eigentlich nicht zusammenfassen oder nacherzählen kann, genauso wenig wie das eigene Leben. Es passiert nichts Dramatisches. Es gibt zwar einige Anhaltspunkte, die das Leben oder die Geschichte spannend machen. Damit hat man aber noch gar nichts darüber erzählt, was dieses Leben wirklich ausmacht. So ist es mir auch ergangen mit diesem Buch. Es lebt von der wunderbar genauen Beobachtung eines alltäglichen Menschen. Dieses Buch ist voll gestopft mit Dialogen, die nichts aussagen und die die Geschichte eigentlich überhaupt nicht weiterbringen. Aber genau wegen diesem vollendetem Unsinn finde ich das Buch lesenswert. Das Buch ist auch wegen seinem sprühenden Witz und den Metaphern in den Dialogen lesenswert. Mit diesen sinnlosen Dialogen wird man an Comic erinnert. Sinn und Inhalt gibt es eigentlich nicht wirklich. Ich finde "Herr Lehmann" ist ein Comic. Nur muss man sich die Zeichnungen zu den Dialogen noch selber vorstellen. Die einzige "Lücke" in diesem Nonsens ist der Nervenzusammenbruch von Karl. Plötzlich passiert etwas, es wird plötzlich dramatisch und man erfährt Karls eigene Geschichte, eigene Biographie.

Dass der Roman während der Wende handelt, ist eigentlich nebensächlich. Das er im Herbst 1989 spielt und ausgerechnet am 9. November, dem Mauerfall endet, ist wahrscheinlich nicht mehr als ein Werbegag. Das politische bleibt in diesem Buch, nämlich immer nebensächlich. Ich empfehle dieses Buch nur an jene, die einmal etwas Anders als einen "normalen" Roman lesen wollen.

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