Charlotte Rogan: In einem Boot

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Charlotte Rogan: In einem Boot
Verlag
ET (D)
2013
Originaltitel
The Lifeboat
ET (Original)
2012
ISBN-13
9783839001509

Informationen zum Buch

Seiten
336

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Schlagworte

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Handlungsort

Handlungsorte
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Damit die einen überleben, müssen die anderen sterben. Grace ist frisch verheiratet mit Henry Winter, einem jungen Mann aus reichem Hause, als sie sich am Vorabend des ersten Weltkriegs auf der Zarin Alexandra einschifft. Doch nach einer mysteriösen Explosion sinkt der Ozeandampfer, und Henry erkauft seiner Frau einen Platz in einem Rettungsboot. Den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, treibt das überladene Boot wochenlang auf offener See. In einer Atmosphäre aus Misstrauen und unterdrückter Aggression stellen sich existentielle Fragen. Sollen die Stärkeren sich opfern, damit die Schwächeren überleben können? Oder besser umgekehrt? Wer darf das entscheiden? Und sitzt Grace überhaupt zu Recht in diesem Boot? Grace überlebt die Katastrophe, findet sich aber Wochen später vor einem Gericht in New York wieder. Die Anklage lautet auf Mord.

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Kühl und emotionslos

Im Jahr 1914 sinkt die „Zarin Alexandra“. Grace Winter war eine der mehreren hundert Passagiere. Frisch verheiratet war sie mit ihrem Mann Henry auf dem Weg nach Amerika, auf der Flucht vor dem in Europa ausbrechenden Ersten Weltkrieg und auf dem Weg in eine bessere Zukunft an der Seite des finanziell sehr gut gestellten Henry. Doch dann kommt alles anders, ihr Schiff sinkt nach einer mysteriösen Explosion und Grace findet sich in einem der Rettungsboote wieder, allerdings ohne Henry. Das Boot ist hoffnungslos überfüllt und treibt hilflos im Ozean. Entgegen den Erwartungen ihres Anführers, eines Mannschaftsmitglieds, taucht keine Rettung auf und die Situation an Bord des Bootes wird schnell immer angespannter.

Aufgrund des Prologs weiß man als Leser schon, wie die Geschichte ausgehen wird. Grace überlebt die Tortur, wird aber anschließend mit zwei weiteren Frauen des Mordes angeklagt. Wen sie umgebracht haben soll und wie es dazu gekommen ist, enthüllt sich aber erst nach und nach. Ihre Anwälte raten Grace, ihre Erinnerungen aufzuschreiben und das tut sie dann auch. Doch inwieweit kann man ihrem Gedächtnis überhaupt trauen? Schließlich waren die Menschen in diesem Boot in einer unbeschreiblichen Extremsituation, die nach normalen Maßstäben kaum zu beurteilen ist.

Einerseits fand ich das Buch sehr interessant und vor allem der Grundgedanke ist wirklich spannend. All diese Personen auf engstem Raum, die daraus zwangsläufig entstehenden Konflikte, die Todesangst, die Gefahr durch das Meer, durch Hunger, Durst und Kälte – all das hätte so viel Spannung hergeben können!

Die tatsächliche Umsetzung konnte mich allerdings nicht überzeugen, die Geschichte blieb trotz der Perspektive durch Grace‘ Augen seltsam emotionslos und fern. Grace ist keine Sympathieträgerin, sondern wirkt an vielen Stellen eher kalt und berechnend, auch in den Rückblenden, die ihr Leben vor der Katastrophe betreffen. Auch fiel es mir schwer, die vielen Personen auf dem Boot auseinanderzuhalten und mir das Ganze überhaupt bildlich vorzustellen. Auf der Homepage der Autorin finden sich Bilder, wie Rettungsboote damals ausgesehen haben, eine entsprechende Grafik im Buch hätte ich als sehr hilfreich empfunden.

Das Ende des Buches ließ mich dann auch eher ratlos und verwirrt zurück, denn einige drängende Fragen werden überhaupt nicht beantwortet und das Verhalten der Protagonistin blieb mir bis zum Schluss ein Rätsel.

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#1 Rezensent
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Kein Buch, das man schnell vergisst

Erst vor kurzem vermählt und doch schon Witwe: Grace Winter war auf der Reise von Großbritannien in die USA zur Familie ihres wohlhabenden Mannes, als ihr Schiff aus ungeklärten Gründen verunglückt und untergeht. Nur ein Bruchteil der Passagiere kann sich in die wenigen, zumeist überfüllten Rettungsboote retten. Sie alle hoffen auf ein Überleben, sie alle kämpfen um ihr Überleben. 21 Tage treiben sie auf der unbarmherzigen See, sind Sonne, Wind und Regen ausgesetzt und mit jedem Tag stirbt ihre Hoffnung ein bisschen mehr. Mit jedem Tag verlieren sie ein bisschen mehr ihrer Menschlichkeit. Nach 21 Tagen naht für wenige die Rettung - und Grace wird unter Mordanklage gestellt.

Charlotte Rogans Debüt ist eine gnadenlose Charakterstudie, die vielfältige Abgründe des Menschseins offenbart. Was geschieht mit uns, wenn wir eine Katastrophe überleben? Was geschieht mit uns, wenn wir drei Wochen lang darum kämpfen müssen, nicht zu verhungern, nicht zu verdursten, nicht aus dem kleinen und so überfüllten Rettungsboot zu fallen? Was geschieht mit uns, wenn andere in dieser Situation Entscheidungen treffen, die nur vielleicht zu unserem Besten sind? Was, wenn Misstrauen und Furcht irgendwann die Überhand gewinnen?

Grace' Leitspruch ist: "Gott hilft denen, die sich selbst helfen." und so gehört sie auch zu den wenigen Überlebenden am Ende. "In einem Boot" schildert die Geschichte aus ihrer Sicht. In Rückblenden erfährt der Leser nach und nach, was genau auf diesem Boot geschehen ist. Geschehnisse, die nochmals Todesopfer gefordert haben und es schildert vor allem, weshalb nun drei Frauen - eine davon Grace - unter Mordanklage stehen. Das Buch ist weniger ein Spannungsroman, als vielmehr ein Portrait über eine junge, willensstarke und lebenshungrige Frau, die der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Wie würden wir uns verhalten? Wären wir eher die Befehlsempfänger? Die Mitläufer und Komparsen? Oder würden wir Entscheidungen treffen zum Wohle aller und besonders zu unserem eigenen Wohl? Wie viel Wissen über uns selbst können wir verkraften?

Im Angesicht des Todes verhalten wir uns instinktiv. Überlegungen "Was wäre wenn ... ?" sind hinfällig, denn das Überleben einer Katastrophe kann nicht in Gedanken geübt werden. In Extremsituationen schrumpft unsere große Welt zu einem kläglichen Mikrokosmos zusammen. Charlotte Rogan präsentiert uns diesen Mikrokosmos auf einem Rettungsboot, das irgendwo zwischen der verlassen im Nordpazifik zwischen der amerikanischen und britischen Küste treibt. Doch was zählen hier noch Freundschaften? Was zählen Geld oder Macht? Was zählt der Unterschied zwischen Mann und Frau? Es gibt keine Antworten auf diese Fragen.

"In einem Boot" ist ein gnadenloses Portrait über Verzweiflung und der Bereitschaft, Opfer zu bringen. Ein Krieg lauert am östlichen Horizont in Europa, doch der Krieg, der auf dem Rettungsboot, dem "Lebensboot" stattfindet, ist ebenfalls ein Kampf um Leben und Tod. Es ist kein leichtes Buch und es ist kein Buch, das man schnell vergisst.

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In einem Boot

INHALT
Im Sommer 1914, dem Vorabend des Ersten Weltkriegs, schiffen sich das frisch verheiratete Paar Henry und Grace Winter auf dem luxuriösen Ozeandampfer Zarin Alexandra zur Überfahrt nach Amerika ein. Doch das Glück der 22jährigen Grace mit ihrem jungen wohlhabenden Ehemann währt nicht lange, denn eine mysteriöse Explosion bringt das Schiff in Seenot. Gerade noch rechtzeitig vor dem Schiffsuntergang kann Henry seiner Frau einen Platz in einem der Rettungsboote sichern.
Doch in dem hoffnungslos überfüllten Rettungsboot sind die geretteten Passagiere nun einem gnadenlosen Kampf gegen die Naturgewalten ausgesetzt und müssen ums nackte Überleben kämpfen. Je länger eine Rettung auf sich warten lässt, desto heftiger spitzt sich die Situation auf dem Boot unter den Überlebenden zu. Auch Grace gerät zwischen die Fronten und muss sich fragen, welchen Preis sie bereit ist zu zahlen, um dem sicheren Tod zu entrinnen.

MEINE MEINUNG
Bei dem Debüt „In einem Boot“ der Amerikanerin Charlotte Rogan handelt es sich um einen Roman für junge Erwachsene. Versprochen hatte ich mir hiervon eine hochdramatische und emotional aufwühlende Geschichte, die im Zusammenhang mit dem gnadenlosen Überlebenskampf auf dem überfüllten Rettungsboot auch viele ethische Fragestellungen aufwirft und Einblicke in die inneren Konflikte der Figuren und Abgründe der menschlichen Psyche gibt.
Doch leider wurden meine hohen Erwartungen enttäuscht, denn die äußerst vielversprechende Ausgangsidee wurde von der Autorin auch in Bezug auf die agierenden Charaktere nur sehr unbefriedigend umgesetzt und ausgearbeitet.
Bereits im kurzen Prolog erfahren wir voller Erstaunen, dass die 22-jährige Hauptfigur Grace, nachdem sie der Katastrophe nur knapp mit dem Leben davon gekommen ist, gemeinsam mit zwei weiteren Frauen wegen Mordes angeklagt ist. Ein gelungener Auftakt, der uns durch diese beunruhigende Vorankündigung gespannt rätseln lässt, welche schockierenden Geschehnisse ans Licht kommen werden.
Erzählt werden die Ereignisse aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Grace, die in ihren rückblickenden, tagebuchähnlichen Aufzeichnungen die Ereignisse dieser großen Schiffstragödie und der verhängnisvollen Tage auf dem Rettungsboot bis zu ihrer Rettung rekapituliert. Die Mischung aus chronologischen Schilderungen und Kommentaren zu den Ereignissen, Belanglosigkeiten sowie Einschübe mit persönlichen Reflexionen macht es allerdings schwer, den roten Faden zu behalten. Insbesondere die ausschließlich subjektive Sichtweise von Grace auf die grauenvollen Ereignisse und die handelnden Hauptfiguren habe ich allerdings durch ihre Distanziertheit als nachteilig empfunden. Ihre nüchterne, kühle Erzählweise mag zwar sehr passend und authentisch für Grace Gesamtsituation sein, wirkt sich jedoch auch nachteilig auf den Spannungsaufbau aus.
Insgesamt ist es der Autorin nicht gelungen, Grace Charakter so herauszuarbeiten, dass
man mit ihrer Figur warm werden und mit ihrem Schicksal mitfühlen konnte. Durch ihre emotionslose, distanzierte und teilweise auch berechnende Art wirkte sie auf mich wenig sympathisch und unnahbar. Da mir Einblicke in ihre wahre Gefühls- und Gedankenwelt fehlten, blieb für mich bis zum Ende des Buchs offen, was sich in Grace Kopf wirklich abgespielt hat, ob sie ihre Emotionen bewusst nicht preisgeben wollte oder sie durch die Katastrophe so abgestumpft und gefühlskalt geworden ist.
Sehr anschaulich und authentisch werden die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Passagiere, die aufkommenden Differenzen und auch teilweise wirklich schockierenden Szenen geschildert, die sich beim Kampf ums nackte Überleben an Bord abspielen.
Hier werden wir Leser auch mit ethischen Fragen konfrontiert und zum Nachdenken darüber angeregt, wie wir uns in einer ähnlichen Extremsituation verhalten hätten. Doch trotz zeitweise aufkommender Spannung hätte ich mir mehr Emotionalität und Dramatik gewünscht, um von Grace Leidensgeschichte richtig gefesselt und ergriffen zu werden.
Sehr erschwerend für den Einstieg in die Geschichte war die Tatsache, dass man anfangs mit der Zuordnung der vielen (39!) auf dem Rettungsboot befindlichen Personen überfordert ist. Hier wäre der Geschichte vorangestellte Personenaufstellung sehr hilfreich gewesen. Viele dieser namentlich erwähnten Figuren sind aber für den weiteren Handlungsverlauf nicht relevant, bleiben zumeist im Hintergrund oder werden nur sehr oberflächlich geschildert.
Alles in allem hat mich das Buch mit sehr vielen offenen Fragen zurückgelassen, die zwar nicht relevant für Grace Schicksal waren, aber dennoch zeitweise im Fokus von ihren Berichten standen und mich während des Lesens beschäftigt haben.

FAZIT
Ein Roman für junge Erwachsene, der mich nicht richtig überzeugen und begeistern konnte. Die interessante Ausgangsidee wurde von der Autorin leider nur unbefriedigend umgesetzt. Schade, dass hier so viel Potential verschenkt wurde, denn daraus hätte mit einer charismatischen Protagonistin eine wirklich packende, aufwühlende Geschichte werden können.

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