Eva Weaver: Jakobs Mantel

Hot
 
5.0
 
4.8 (3)
1330   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Eva Weaver: Jakobs Mantel
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
he Puppet Boy of Warsaw
ET (Original)
2013
ISBN-13
9783426304426

Informationen zum Buch

Seiten
400

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Erster Satz
Ohne den Mantel wäre nichts so gekommen, wie es kam.

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei LChoice kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Warschau 1939. Mika liebt seinen Großvater Jakob sehr. Gemeinsam lebt die Familie im Ghetto. Als Jakob stirbt, erbt Mika dessen geheimnisvollen Mantel und entdeckt darin eine Puppe. Jakob hatte sie gebastelt, ebenso wie das Krokodil, den König, den Narren. Mitten in einem Alltag bestimmt von Angst, Hunger und Tod, erfindet Mika neue Puppen. Der Prinz wird sein Liebling, und bald ist Mika im ganzen Ghetto für seine Puppenspiele bekannt. Trotz aller Gefahren spielt Mika immer wieder – bis ihn der deutsche Soldat Max erwischt. Der Prinz rettet ihn, doch dafür muss Mika von da an für die Deutschen spielen.

Autoren-Bewertungen

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0  (1)
Charaktere 
 
5.0  (1)
Sprache & Stil 
 
5.0  (1)
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Puppenspiel im Warschauer Ghetto

Der junge Mika erlebt eine glückliche Kindheit in Warschau, bis die Deutschen 1938 die Stadt erobern. Für die Warschauer Juden – und damit auch für Mika und seine Familie - beginnt eine Zeit der Ausgrenzung und Schikane, die in den brutalen und todbringenden Zuständen des Warschauer Ghettos ihren Höhepunkt findet. Als Mikas Opa Jakob stirbt, übernimmt der Junge dessen Mantel und entdeckt Jakobs Handspielpuppen in den vielen Taschen. Vor allem der Prinz nimmt eine besondere Stellung ein. Mit seinen Puppen schafft es Mika, dem brutalen Ghettoalltag zu entfliehen, bis er eines Tages von dem deutschen Soldaten Max aufgegriffen und gezwungen wird, vor dessen Kameraden zu spielen.

Das Buch von Eva Weaver ist voller Emotionen, was kein Wunder ist, beleuchtet es doch eines der düstersten und traurigsten Kapitel der deutschen Geschichte. Aber es geht noch darüber hinaus: neben den Erlebnissen des Jugendlichen Mika und seinem Leben im Ghetto werden auch die Nachkriegserlebnisse des deutschen Soldaten Max erzählt sowie die Auswirkungen der Nazi-Zeit auf die nachfolgenden Generationen der beiden Familien. Es ist die Puppe des Prinzen, die die Familien über Generationen begleitet und verbindet.

Die Beschreibungen des Lebens im Warschauer Ghetto sind schonungslos und sehr bedrückend, und es ist egal, ob man sich schon mehrmals mit der damaligen Zeit auseinandergesetzt hat, es macht mich immer wieder sprach- und fassungslos, wie wir es damals haben so weit kommen lassen können, das so etwas passieren konnte.
Aber es gibt auch Lichtblicke dank Mikas Puppenspiel, wenn er den Waisen- und kranken Kinder für ein paar Stunden die Flucht aus der Realität ermöglichen kann.

Aber auch Max' Erlebnisse im Kriegsgefangenenlager in Sibirien sind sehr bedrückend, die Parallelen zum Alltag im Ghetto sind nicht zu übersehen. Aber die deutschen Soldaten waren die Täter und damit geht es auch um Schuld und Verantwortung, Anklage und Verarbeitung. Die Dämonen der Vergangenheit bleiben beiden Protagonisten erhalten. Aber die nächsten Generationen haben es in der Hand, die Vergangenheit aufzuarbeiten und gemeinsam an einer Aussöhnung zu arbeiten.

Auch wenn ich mir die Dimension von Jakobs Mantel nicht vorstellen konnte bzw. daß der Prinz all diese Strapazen überlebt hat, hat mir das Buch sehr gut gefallen, denn die Symbolkraft des Mantels und des Prinzen konnten mich überzeugen.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

3 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.8
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.7  (3)
Charaktere 
 
5.0  (3)
Sprache & Stil 
 
4.7  (3)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Sehr bewegender Roman, der mitten ins Herz trifft

Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen ein Buch zu rezensieren wie bei diesem hier. Mit dem Lesen habe ich etwas länger gebraucht, nicht weil der Roman nicht gut ist, sondern weil er mich so emotional berührt hat und Einfluss auf meine Stimmung ausgeübt hat, dass ich ihn nur in kleinen Portionen genießen konnte. Meine Erwartungen wurden jedenfalls bei weitem übertroffen.

In der Geschichte geht es um Mika, der mit seiner Familie im Warschauer Ghetto lebt. Hunger und Leid bestimmen seinen Alltag und nur die Puppen bringen Abwechslung in sein Leben. Wird der Puppenprinz ihm immer beistehen und sein Leben retten?

Wir als Leser erleben die Zeit ab 1939 aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen, denn mal erfahren wir etwas über den Soldaten Max (Täter) und mal über unseren Puppenspieler Mika (Opfer). Beider Leben sind miteinander verbunden und ihre Erlebnisse ähneln sich, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise.

Bisher habe ich nur Bücher gelesen, die rein aus der Opfersicht berichten, daher war die Sicht auf die Gedanken der Täter unheimlich spannend für mich.

Mich hat hier vor allem beeindruckt wie stark Menschen sein können, wenn es ums nackte Überleben geht. Das bringt der Roman sehr deutlich zum Ausdruck. Viele geschilderte Ereignisse gehen bis ins Mark, manch Grausamkeit wollte ich mir gar nicht vorstellen.

Eva Weaver schreibt sehr angenehm, aber durchaus anspruchsvoll, was aber vielleicht auch am Thema liegen mag, denn es ist kein Buch, welches man mal eben als leichte Urlaubslektüre liest. Mich hat das Buch so gepackt, dass mir die eine oder andere Träne einfach entglitten ist und mit feuchten Augen liest es sich nicht gerade leicht.

Das Hauptaugenmerk liegt auf den Charakteren Mika und Max, die sehr intensiv dargestellt sind. Auch wenn ich mit Max nicht sympathisiert habe, konnte ich sein Handeln doch immer verstehen. Mika seine Stärke und sein Überlebenswillen haben mich beeindruckt.

Sehr besonders empfand ich auch die Rolle der Puppen. Ich kann mir bald nicht vorstellen, dass diese eine so lange und vor allem schwere Zeit überhaupt überstehen können. Jedenfalls haben die Puppen etwas sehr magisches, märchenhaftes, das gefiel mir gut.

Fazit: Wer sich nicht davor scheut, sich emotional mitreißen zu lassen und geschichtsinteressiert ist, der wird dieses Buch lieben. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Dieses Buch bleibt mir in Erinnerung

Dieser Roman beinhaltet drei Geschichten, die jedoch in direktem Zusammenhang stehen. Zum einen – und damit beginnt das Buch – handelt es von Mika, welcher mit seinem Enkel durch sie Straßen New Yorks geht. Der auf diesen kurzen Abschnitt folgende Teil handelt von dem 13jährigen Mika im Warschauer Ghetto, welcher nach dessen Zerstörung übergeht in die Beschreibung der Kriegsgefangenschaft des deutschen Wehrmachtssoldaten Max und sein weiteres Leben. Diese drei Eben ergänzen sich aber so perfekt, dass sie sich wie in einer Symbiose am Enden vereinen.

Die Geschichte von Mika dem Puppenspieler mit seinem, im Titel erwähnten Mantel, ist sehr bedrückend und sie erfordert viel Ruhe und Respekt zum lesen. Diese Geschichte berührt so sehr, dass man fassungslos weint, trauert und doch immer wieder hofft.
Es ist faszinierend, wie auch die selbstgebastelten Puppen in diesem Roman eine Seele eingehaucht bekommen, vor allem die eine, die alles eint.
Die Geschichte von Max in Russland, ist sehr plastisch beschrieben und so manche Parallele zu den eigenen Taten erscheinen hier sehr deutlich im Kriegsgefangenleben von Max.
Eva Weaver gelang es hier ein erschreckend deutliches Bild des Ghettos und des all seiner Würde beraubten jüdischen Volkes zu zeichnen. Auch wenn es sich hier um eine fiktive Geschichte samt ebenso erdachten Protagonisten handelt, so ist dieser Roman leider aber erschreckend identisch mit der damaligen Realität. Verdeutlicht wir diese hier auch, in dem in der Geschichte auch reale Personen vorkommen wie zum Beispiel der Kinderarzt Janusz Korczak und vielen anderen, die versuchten in diesem grausamen Elend ein wenig Hoffnung und Mut zu geben.
Man wünscht sich, während man die Geschichte der Mika liest, dass all dies nur Fiktion sein kann, aber wir wissen zu gut, dass dem nicht so ist.
Eva Weaver hat genau den richtigen Ton getroffen um eben diese grausame Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, das Andenken an die Opfer zu bewahren und auch zu mahnen. Das liegt aber auch daran, dass die Protagonisten sehr glaubhaft und authentisch sind.
Besonders gut gefiel mir, dass es bei dieser Autorin nicht nur schwarz und wie gibt, nicht nur Jude und Nazi sondern es gibt jüdische Menschen, es gibt deutsche Soldaten, die Nationalsozialisten sind und es gibt, zumindest hier in dieser Geschichte einen deutschen Soldaten, der selbst Vater ist und einen sehr differenzierten Blick hat.
Dieses Buch handelt von Verzweiflung und dem daraus entstehenden Mut, über sich selbst hinauszuwachsen. Es handelt aber auch von Schuld und ewiger Reue und Erinnerung. Es handelt von Vergebung und Aussöhnung. Es handelt von Geschehnissen, die so nie wieder geschehen dürfen. Das Ende ist sehr gut gelungen und verleiht diesem Roman einen würdigen Abschluss.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Grausames Kasperletheater und die Frage der Schuld

New York im Jahre 2009. Ein alter Mann geht mit seinem Enkel spazieren, als Plakat für ein Puppentheater entdeckt, das ihn zu Tode erschreckt. Wieder zuhause holt er ein altes Paket hervor, dessen Inhalt er andächtig seinem Enkelsohn zeigt. Es ist ein verstaubter, abgetragener alter Mantel – doch dieser hat eine große Bedeutung für ihn gehabt, damals im Ghetto.
Seinem Enkel erzählt Mika jetzt, „wie es wirklich war“, damals in Warschau. Er erinnert sich an seine Geschichte. 15 Jahre war er alt, als die Nazis die Juden erst ausgrenzten und schließlich wegsperrten.Während Mikas Opa seine Arbeit als Universitätsdozent verliert darf Mika nicht mehr zur Schule gehen. Armbinden kennzeichnen sie als Juden, die schließlich in einen Stadtbezirk Warschaus eingepfercht werden. Lebensmittel und medizinische Versorgung werden immer knapper, bald kämpfen die Bewohner um ihr Überleben. Nachdem sein Opa von Wehrmachtssoldaten getötet wird „erbt“ Mika dessen wunderbaren Mantel, der allerlei Schätze beherbergt – unter anderem einen Schlüssel zu einer winzigen Kammer der Wohnung, die sie bald mit mehreren Personen beherbergt. Hier findet Mika einige Handpuppen aus Pappmachee, die sein Großvater geschaffen hat. Mika entdeckt seine Liebe zum Puppenspiel, doch gerade diese soll sein Schicksal fortan bestimmen. Er spielt Geschichten, zunächst für sich selbst und seine Familie, bald für Waisenkinder und Kranke – schließlich aber auch für die Soldaten der Wehrmacht. Gegen seinen Willen wird er bald regelmäßig gezwungen für den Feind und Unterdrücker „Kasperletheater“ zu spielen. Er fühlt sich feige und als Verräter, doch bleibt ihm schließlich nichts Anderes übrig. Mika nutzt deshalb jede Möglichkeit zu helfen, indem er Nahrungsmittel ins Ghetto aber auch kranke Kinder aus dem bewachten Stadtbezirk schmuggelt.
Ich möchte nicht zuviel verraten, Mika überlebt die Massenvernichtung und am Ende schließt sich der Kreis der Geschichte, die nicht nur das Leben der Juden im Holocaust beleuchtet, sondern auch das jener Wehrmachtssoldaten, die in den gleichen Viehwaggons, in denen die Juden zum Vernichtungslager gebracht wurden, nun in russischer Kriegsgefangenschaft, in Arbeitslager verbracht werden. ( sofern sie die Zugfahrt überlebten )
Der Roman ist durch seine Eindringlichkeit und die realitätsnahe Schilderung des Lebens der Protagonisten sehr traurig und bedrückend.
Dabei möchte die Autorin die Aspekte der Schuld und der „Erbsünde“ aufgreifen, über die man sicherlich viel diskutieren kann und muss.
Wieviel Schuld trägt unsere Generation, z.B. einfach durch die Tatsache, dass wir nicht nachgefragt haben. Waren vielleicht auch unsere Großväter „Befehlsempfänger“ und welche Schuld traf sie, welche uns als Nachkommen?

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

 

Affiliate-Programm von LCHoice (lokaler Buchhandel) und Amazon. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue