Jim Shepard: Aron und der König der Kinder

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Jim Shepard: Aron und der König der Kinder
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Book of Aron
ET (Original)
2015
ISBN-13
9783406689598

Informationen zum Buch

Seiten
270

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Meine Eltern nannten mich Aron, aber mein Vater sagte, sie hätten mich besser Was-hast-du-angestellt genannt, und mein Onkel erzählte jedem, ich hätte eher Was-hast-du-dir-bloß-gedacht heißen sollen.

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Aron, ein kleiner polnisch-jüdischer Junge, ist in seiner nicht gerade kleinen, armen Familie so etwas wie eine Katastrophe auf zwei Beinen. Nichts will ihm so recht glücken und alles macht er kaputt. Doch halb Tom Sawyer, halb Simplicius – er ist ein guter Kerl. Aron hat leider keine Zeit, ein vernünftiger Erwachsener zu werden. Denn seine Familie zieht nach Warschau, die Deutschen überfallen Polen und die Juden werden ins Ghetto gepfercht. Er freundet sich mit einer Gruppe Jugendlicher an, die für sich und ihre Familien ums Überleben kämpfen, arbeiten, schmuggeln und stehlen und sich immer fragen müssen, wieviel Freundschaft und Liebe sie sich noch leisten können. Verrat und Tod lauern jederzeit. Als der König der Kinder, der berühmte Arzt und Pädagoge Janusz Korczak, Aron in sein Waisenhaus aufnimmt, beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft, die den Jungen verändert und beide über sich hinauswachsen lässt.


Der preisgekrönte amerikanische Autor Jim Shepard erzählt in diesem spannenden und lakonisch-anrührenden Roman aus dem Warschauer Ghetto eine Geschichte von Menschwerdung und Überleben in einer inhumanen Welt und berichtet von einer Dimension des Menschlichen, die noch das Finsterste überstrahlt.

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Eine berührende Lektüre, die mich darüber hinaus beschäftigt

Aron zieht mit seinen Eltern und Brüdern nach Warschau. Dann überfallen die Deutschen Polen und nach kurzer Zeit errichten sie in Warschau ein jüdisches Ghetto, in dem auch Aron künftig leben muss. Das Leben dort ist von Anfang an sehr hart, bald schon wird Aron und seine Familie mit Hunger, Krankheit und dem brutalen Vorgehen der "Obrigkeit" konfrontiert.
Doch der Neunjährige findet eine Zweckgemeinschaft, in der er mit anderen Kindern und Jugendlichen ums blanke Überleben kämpft. Sie stehlen, schmuggeln und tauschen alles, was möglich ist und ihr Dasein verlängert oder vielleicht ein klein wenig erträglicher macht. Doch die Freundschaft und Solidarität der Gemeinschaft wird schnell auf die Probe gestellt, denn in solch finsteren Zeiten denken nicht wenige erst einmal oder sogar ausschließlich nur an sich selbst.
In der tiefsten Dunkelheit menschlicher Geschichte begegnet Aron dem polnischen Arzt und Pädagogen Janusz Korczak, der gemeinsam mit Stefania Wilczy?ska, einer Lehrerin und Erzieherin, das Dom Sierot, ein Waisenhaus, leitet. Nachdem Aron dem berühmten Arzt einige Male zufällig begegnet ist, nimmt ihn dieser schließlich ebenfalls in seinem Haus auf - eine Entscheidung, die Aron verändern wird.
Wer von den realen Figuren Janusz Korzcak und Stefania Wilczy?ska schon einmal gehört hat, der wird nicht nur ahnen, wie die Geschichte weitergeht...

Jim Shepard setzt mit seinem Buch zwei realen Menschen ein Denkmal, das sie mehr als verdient haben. Aus der Sicht eines Kindes schildert der Autor die unfassbar grausamen Erlebnisse im Warschauer Ghetto und im Gegensatz zu all diesem zutiefst Schlechten berichtet Shepard von sehr viel Menschlichkeit, die nicht nur von Mitgefühl und Liebe, sondern auch von größter Selbstlosigkeit zeugt. Vor einem Mann und einer Frau, die selbst in Anbetracht der größten Inhumanität und Hoffnungslosigkeit nicht aufgeben, kann ich heute noch nur den Hut ziehen.
Auch wenn der Einstieg aufgrund der Perspektive und dem damit verbundenen Erzählstil nicht einfach war, so finde ich, dass Jim Shepard hier ein großartiges Buch vorgelegt hat. Es ist nicht nur thematisch sehr wichtig, weil es von Menschen erzählt, die in Deutschland kaum bekannt sind, sondern auch weil es durch den Jungen einen sehr eindrucksvollen Blickwinkel erhält. Aron, dessen Zukunft vor dem Einfall der Deutschen nicht sonderlich rosig aussieht, der als Kind im Ghetto - für mich als Leserin - greifbar abstumpft und der sich durch wichtige Begegnungen mit Menschen, die ganz anders sind, als die, die er größtenteils in den letzten Jahren erleben musste, stark verändert - trotz aller Sinnlosigkeit.

Dieses Buch berührt und erschüttert und die Lektüre ist in meinen Augen unbedingt empfehlenswert.

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Das Recht Fehler zu machen

Eine abschließende Meinung zu diesem Buch zu schreiben, fiel mir recht schwer. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit knappen Beschreibungen hatte ich den Eindruck mich eingelesen zu haben. Als die Geschichte jedoch weiter fortschritt, der Ton immer ernster, die Bedrohungen greifbarer wurden, merkte ich, dass ich mich getäuscht hatte.

Erzählt wird aus Arons Sicht, eines etwa 12 jährigen Jungen, der in seinem Leben schon viel negatives ertragen musste. Daher passt dieser eher emotionslose und karge Erzählstil recht gut zu seiner Figur. Allerdings fühlte ich mich nicht davon angesprochen. Zu sehr musste ich mich bemühen zwischen den Zeilen zu lesen, was der Autor ausdrücken wollte. Oft musste ich Passagen erneut lesen, um mich wieder zu erinnern, was dort stand. Es gibt Autoren denen das wesentlich besser gelingt. Zudem störten mich Ausdrücke, die nicht weiter erklärt wurde. Hier hätte ein Glossar Aufschluss gebracht, so musste ich mir die Bedeutung anderweitig erklären lassen.

Aron und seine Freunde müssen den Alltag im Ghetto meistern. Sie tragen bei den Unterhalt ihrer Familien zu sichern. Sie schmuggeln und stehlen. Unter normalen Umständen wären ihnen dies verboten worden, doch dort wird vieles anders betrachtet. Jeder versucht so gut wie möglich zu überleben. Und so überschreitet mancher auch Grenzen, absichtlich oder gezwungenermaßem, zur eigenen oder der Sicherheit anderer. In harten Zeiten werden oft auch die Herzen der Menschen hart.

Was mir auffiel, war, dass kaum Hass und Wut zum Ausdruck kamen. Dominierend empfand ich Angst und auch Trauer und Enttäuschung.

Auch wenn der Roman aus der Ich-Perspektiver erzählt wurde, konnte ich die Distanz zu den Figuren nicht überwinden. Die unmenschlichen Bedingungen unter denen die Menschen im Ghetto lebten, berührten mich nicht in den Maßen, wie ich es aus anderen Büchern kenne.

Ich hatte erwartet mehr über den König der Kinder, Janusz Korczak, zu lesen. Was natürlich durch die Erzählperspektive kaum möglich war. Gerade hier hat der Autor es mit seinem Stil geschafft, mein Interesse an dieser realen Person zu wecken. Er hat einen Menschen beschrieben, der das Wohl der Kinder zu seinem Lebensinhalt machte und doch stets mit seinen Zweifeln und Ängsten kämpfen musste.

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Wichtiges Buch über das Leben im Warschauer Ghetto

Aron wird gezwungen, mit seiner Familie umzuziehen, als alle Juden in ein Ghetto umgesiedelt werden. Er lebt sich schnell ein, findet Freunde, die wie er stehlen und schmuggeln, um ihre Familien zu unterstützen. Jeden Tag treffen sie sich, diskutieren ihre besten Möglichkeiten den Tag zu verbringen und welche Ware wohin geliefert werden wird.

Am Anfang hat mir diese Leichtigkeit nicht gefallen, denn die Kinder scheinen das Ghetto als Abenteuer anzusehen, obwohl Menschen, selbst Kinder vor ihren Augen erschossen werden.
Doch die Stimmung schlägt schnell auch bei den Kindern um. Aron muss zusehen, wie sein Vater vor einem Deutschen auf dem Boden liegt und mit Stiefeln misshandelt wird. Er ist unfähig zu handeln, schaut nur zu und kann später nicht aufhören, sich Vorwürfe zu machen. Nach und nach verschwinden und sterben Arons Familienmitglieder. Aron findet halb erfroren ein neues Zuhause im Kinderheim. Hier lernt der Leser Janusz Korczak kennen.
Herr Korczak ist ein angesehener Kinderarzt, der alles gibt, um seinen Kindern im Heim das Leben zu erleichtern. Er ist ein großer Mann, der an diesem grausamen Ort nie an sich selbst denkt und sein Leben täglich für die Kinder aufs Spiel setzt. Seine Biografie kann hier nachgelesen werden:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Janusz_Korczak
Hilfe bekommt er von einer Lehrerin, Stefania Wilczy?ska, die das Kinderheim an seiner Stelle leitete während Herr Korczak in der ersten Weltkrieg eingezogen wurde. Ihre bemerkenswerte Biografie:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Stefania_Wilczy?ska

"Aron und der König der Kinder" ist ein furchtbares Buch, es ist nur schwer zu ertragen und sollte auf keinen Fall zur Unterhaltung gekauft werden. Dass dieses Buch mir gefallen hat, kann ich nun wirklich nicht behaupten, aber ganz sicher hat es die Höchstwertung verdient. Janusz Korczak, Stefania Wilczy?ska und alle Menschen, die im Warschauer Ghetto leiden mussten, sollten nie vergessen werden.

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Erschütternde literarische Annährung an Janusz Korczak

In der Übersetzung von Claudia Wenner nähert sich Jim Shepard in seinem Roman "Aron und der König der Kinder" den letzten Monaten des bekannten Arztes und Pädagogen Janusz Korczak und seiner unermüdlichen Helferin Stefania Wilczy?ska literarisch an.

Erzählt aus der Perspektive des 13jährigen Jungen Aron erfährt der Leser von den unmenschlichen Zuständen, die im Warschauer Ghetto herrschten. Innerhalb kürzester Zeit spitzt sich die Lage im von Willkür und Gewalt beherrschten Lebens der Insassen zu, bis sich jeder nur noch selbst der nächste und Solidarität ein Fremdwort ist. Es geht um das nackte Überleben, alles andere wie Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Loyalität sind ein unleistbarer Luxus geworden.

Korczak und Wilczy?ska geben in dieser verrohten Welt trotzdem nicht auf. Unermüdlich kämpfen sie um eine noch so minimal menschliche Welt für ihre Waisenkinder, schenken ihnen Wärme, Geborgenheit und ein kleines bisschen Hoffnung. Korczak befindet sich selbst am Rande der vollständigen Erschöpfung und macht trotzdem täglich seine Bettelrunden oder organisiert gemeinsam mit den Kindern eine Theateraufführung.

Stilistisch in einfachen Worten gehalten, springt die Handlung von einer kurzen Episode zur nächsten. Namen tauchen auf und verschwinden ohne Erklärung wieder, ganz so wie ein traumatisiertes Kind von seinem Leben berichten würde. Nüchtern und sachlich, aber schonungslos führt Aron den Leser von Anfang bis zum bitteren Ende.

Erschütternd und weit entfernt von tränendrückendem Kitsch. Lesenswert.

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Ein kleiner Junge und ein großer Mann

treffen sich in der dunkelsten Stunde ihres Lebens. Der Mann ist als alter Doktor bekannt, es ist nämlich der Arzt und Pädagoge Janusz Korczak, der sich in unbegreiflichem Idealismus für die Schwächsten überhaupt- die Waisenkinder nämlich - einsetzte und versuchte, sie zu beschützen. Ein wahrhaft großer Mann also mit einem überaus traurigen Schicksal.

Das Warschauer Ghetto einer der deprimierendsten und grausamsten Orte, die man sich vorstellen kann. Dorthin verschlägt es Aron und seine Familie quasi automatisch, denn die Mauern werden rund um das Viertel, in dem sie leben, errichtet und bald wird es sehr, sehr voll, werden doch Juden aus ganz Polen dorthin verschleppt. Alle Wohnungen sind überbelegt, man hat keine Wahl, Krankheiten und bald auch der Tod greifen um sich. Und dazu kommen diverse Repressionen, die von den Nazis über mehrere Stufen weitergegeben werden.

Eine traurige, ergreifende Geschichte, von Jim Shepard eindrucksvoll geschildert, in der deutlich wird, dass es immer noch schlimmer kommen kann. Die Geschichte wird aus Arons Sicht, aus der eines kleinen Jungen, geschildert, dem vieles gar nicht so klar ist und der doch lernt, mit dem Schicksal zu leben und das wertzuschätzen, was er hat. Irgendwann ist es nur noch Korczak, der "König der Kinder", doch der will nicht beschützt werden.

Ein Denkmal für einen Philanthropen, ja einen Märtyrer aus der Sicht von einem, der es am besten wissen muss: nämlich eines Kindes. Eines Kindes, das immer mehr abstumpft, wie alle anderen auch. Mit Korczaks Worten : "Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, an dem tote Kinder uns nicht mehr beeindrucken. Wer den Tod eines Mitmenschen nicht ruhig betrachten kann, dessen eigenes Leben sei hundertmal mehr wert." (S.185f.), Doch alle kommen an diesen Punkt, wie der fassungslose Leser feststellen muss.

Ein starkes, ein kraftvolles Buch. Doch keine leichte Kost, nein, alles andere als das. Also definitiv nichts für Leser, die sich unterhalten lassen wollen. Für historisch Interessierte, die die harte Wahrheit nicht scheuen und einen Sinn für anspruchsvollere Literatur haben, dagegen genau das Richtige.

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Nicht einfach, aber lohnend

Dass "Aron und der König der Kinder" kein Buch ist, das man einfach mal schnell nebenher liest, liegt nicht nur am Thema.
Fehlende Kapiteleinteilungen, jüdische Ausdrücke, die nicht erklärt werden sowie die distanzierte, nüchterne Erzählweise machen es dem Leser nicht leicht, in der Geschichte um den Waisenjungen Aron und den berühmten Arzt und Pädagogen Janusz Korczak anzukommen.
Dennoch lohnt sich die Mühe: Aus Arons Perspektive erfahren wir viel über seine dysfunktionale Familie und die immer schlimmer werdende Situation der jüdischen Bevölkerung in Warschau. Mit dem Einmauern der Bevölkerung in einem Ghetto hat der Schrecken gerade mal begonnen; bis zum Ende sind die Menschen, die dort leben, immer schlimmeren Schikanen und lebensunwürdigen Bedingungen ausgesetzt.

Aron bekommt von seiner Familie oft zu hören, dass er nur an sich selbst denke und ihnen ständig Ärger mache - etwas, wofür ich im Buch eigentlich keine Hinweise finden konnte. Mir tat Aron eher leid; dass er selbst ein negatives Bild von sich selbst hat und den immerwährenden Vorwürfen seiner Umwelt glaubt, ist kein Wunder. Dabei tut er sein Möglichstes, um unter Lebensgefahr die nötigen Dinge zum Überleben für seine Familie zu besorgen, notfalls auch durch Schmuggeln und Stehlen.
Mehrmals kreuzt Aron den Weg des damals schon berühmten "Alten Doktors" Janusz Korczak, der seine Popularität gezielt nutzt, um den Kindern in seinem Waisenhaus das Überleben zu sichern. Später wird er bei ihm im Waisenhaus leben und die täglichen Bemühungen Korczaks entgegen der immer stärker werdenden Bedrohung durch die Nazis hautnah miterleben.

Trotz einiger Kritikpunkte (fehlendes Glossar, fehlende Kapiteleinteilung) halte ich "Aron und der König der Kinder" für ein wichtiges Buch, weil es Janusz Korczak und seine Mitstreiterin Madame Stefa nicht so darstellt, als wären sie von Geburt an zum Heldentum bestimmt und hätten keine Sekunde an ihrem Auftrag gezweifelt. Jim Shepard schildert die beiden als ganz normale Menschen:
Mit Hoffnungen, Enttäuschungen, Schwächen und ihren eigenen inneren Dämonen wie im Falle von Korczak die Geisteskrankheit seines Vaters oder bei Madame Stefa die Überzeugung, hässlich zu sein.

Anfangs war ich etwas enttäuscht, weil ich mit Aron, obwohl ich ihn sympathisch fand, nicht so mitfiebern konnte wie etwa mit den Protagonisten aus "Ein Stück Himmel" oder "Die Bücherdiebin"; im Rückblick fand ich es sehr wohltuend, dass der Autor hier nicht unnötig auf die Tränendrüse drückt. Die Ereignisse sind auch so schon traurig genug und man spürt förmlich die Hoffnungslosigkeit der Menschen. Gerade durch die nüchterne Erzählweise und dadurch, dass man oft genug zwischen den Zeilen lesen muss, wirkt die Geschichte um so eindrücklicher nach.
Manche Leser werden jetzt fragen, ob es wirklich nötig ist, noch ein weiteres Buch über den Holocaust zu schreiben, wo es doch schon so viele davon gibt. Ich finde: Ja, unbedingt. Dass dieses traurige Thema auch heute noch die Menschen so sehr beschäftigt, dass Autoren Bücher darüber schreiben und Leser Bücher darüber lesen wollen, finde ich sehr wichtig.

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Alles andere als leichte Kost…

Seitdem ich „28 Tage lang“ von David Safier gelesen habe, interessiert mich das Schicksal der Warschauer Juden besonders und deswegen wollte ich auch dieses Buch lesen.

In der Geschichte geht es um Aron, der laut seinen Eltern schon immer eine Katastrophe auf zwei Beinen ist. Anders als seine großen Brüder taugt er zu nichts. Als die Familie nach Warschau zieht, ändert sich das Leben der Familie schlagartig, denn sehr bald wird das Ghetto gebaut, in dem sich die Juden dann nur noch aufhalten dürfen. Die Not wird groß, der Hunger auch. Wird Aron sich in diesen schlechten Zeiten durchbeißen können?

Aron agiert hier als Ich- Erzähler, was das Lesen der Geschichte nicht gerade vereinfacht, da er nun mal ein kleiner Junge ist und aus seiner Sichtweise nüchtern berichtet was um ihn herum passiert. Das erfolgt gefühlt auch nicht immer chronologisch, vielmehr folgt er seinen Gedankengängen.

Die Sprache, die Jim Shepard benutzt ist sehr einfach gehalten, so dass man in jedem Fall abkauft, dass ein Junge zu einem spricht. Der Erzählstil ist so nüchtern und distanziert, dass man die dargestellten Figuren gar nicht so richtig fassen kann. Ich konnte zwar fühlen wie schlecht es den Menschen dort ergangen ist, aber mich nicht in die einzelnen Charaktere einfühlen.

Je mehr man liest, desto mehr Grausamkeiten kommen auf einen zu, was beim Lesen gar nicht so leicht zu verdauen ist. Da bestiehlt der Eine den Anderen und Kinder schrecken vor Mord nicht zurück, was ich entsetzlich fand beim Lesen.

Dieses Buch ist ganz klar keine leichte Kost und es ist kein Amüsement es zu lesen, da der Stoff so schwer zu verdauen ist. Dennoch bin ich der Meinung, dass das Lesen dieses Romans einen Mehrwert hat, denn er regt ganz klar zum Nachdenken an.

Fazit: Schwere Kost, aber wer sich mit dem Thema Warschauer Ghetto näher befassen will, der bekommt hier ein sehr authentisches Bild. Für Interessierte auf jeden Fall lesenswert. Alle anderen, die das Thema etwas leichter präsentiert bekommen wollen, denen rate ich eher zu dem Roman von David Safier.

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