John Boyne: Cyril Avery

 
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John Boyne: Cyril Avery
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Heart's Invisible Furies
ET (Original)
2017
ISBN-13
9783492058537

Informationen zum Buch

Seiten
736

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Erster Satz
Lange bevor wir herausfanden, dass er zwei Kinder mit zwei verschiedenen Frauen gezeugt hatte, einer in Drimoleague und einer in Clonakilty, stand Father James Monroe vor dem Altar der Kirche Unserer Lieben Frau, Stern des Meeres, der Gemeinde Goleen in West Cork und brandmarkte meine Mutter als Hure.

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Handlungsort

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Seit seiner Geburt steht Cyril Averys Leben unter einem ungünstigen Stern. Als uneheliches Kind hat er nämlich keinen Platz in der konservativen irischen Gesellschaft der 1940er Jahre. Ein exzentrisches Dubliner Ehepaar nimmt ihn in die Familie auf, doch auch dort findet er nicht das Zuhause, nach dem er sich sehnt. In dem katholischen Jungeninternat, auf das sie ihn schicken, lernt er schließlich Julian Woodbead kennen und schließt innige Freundschaft mit ihm. Bis er mehr für den rebellischen Lebemann zu empfinden beginnt und auch dieser Halt für ihn verloren geht. Einsam und verzweifelt verlässt Cyril letztendlich das Land – ohne zu wissen, dass diese Reise über Amsterdam und New York ihn an den Ort führt, nach dem er immer gesucht hat: Heimat.

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Ein bemerkenswertes Epos

Irland in den 40ern. Eine Sechzehnjährige gebiert Cyril Avery - das uneheliche Kind einer Verstoßenen. Kann ein Leben, das unter keinem guten Stern beginnt, einen guten Lauf nehmen?
Der Junge wird von einem wohlhabenden und exzentrischen Dubliner Ehepaar adoptiert, doch auch bei ihnen findet er nicht das ersehnte liebevolle Zuhause. Erst auf dem katholischen Internat, auf das ihn Maude und Charles ?schicken, findet er so etwas wie Zugewandtheit und tiefe Freundschaft. Julian Woodward fasziniert Cyril, scheint er doch aufsehenerregend wie gefährlich zugleich zu sein - doch dann entwickeln sich Cyrils Gefühle weiter und er droht seine Geborgenheit zu verlieren...
Verletzt lässt Cyril schließlich alles hinter sich - stets auf der Suche nach sich und seiner Herkunft. Doch Begriffe wie Identität, Zuhause und Heimat sind nicht nur leere Worthülsen - Cyril möchte sie begreifen und füllen können.

John Boyne widmet sich in seinem über 700 Seiten starken Roman einem eigentlich gewöhnlichen Leben, das durch die gesellschaftlichen Umstände zu einem ungewöhnlichen wurde. Alles beginnt damit, dass eine jugendliche Schwangere in ihrem Dorf beschimpft, beleidigt und geschlagen wird - bis man sie schlußendlich aus ihrem Zuhause verjagt. Es scheint fast, als wäre diese Entwurzelung mit der Geburt auf Cyril übergegangen, dem Menschen, dem in seinem Leben wenig glückliche Momente, aber viele dramatische Tiefpunkte vergönnt sein werden. Als junger Mann muss er mit seiner Homosexualität klar kommen - als Teil einer Gesellschaft, die zutiefst katholisch geprägt ist und seine Orientierung nicht akzeptieren will.
Man könnte nun sagen, dass Boynes Roman vom irischen Staat und seinem intoleranten Umgang mit Menschen, die nicht zu den religiösen Ansichten passen wollen, erzählt. Dies wird durch zahlreiche Gespräche mit ignoranten wie unwissenden Mitmenschen immer wieder untermauert... Der Einfluss der Kirche vor allem im ländlichen Irland ist ausschlaggebend für Cyrils Schicksal - und doch wird klar, dass es nicht nur an diesem Ort der Welt so war beziehungsweise ist. Zum Glück entwickelt sich die irische Republik in Cyrils Leben, dem wir hier in Sieben-Jahres-Schritten beiwohnen können, weiter: das Referendum über die Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare im Jahr 2015 zeugt eindrucksvoll davon.

John Boyne hat hier ein Epos vorgelegt, das mich mit seinem Mitgefühl, seiner Brillanz und seinem Humor von Anfang bis Ende begeistern konnte. Eine bewegende Geschichte von einem Mann und der Entwicklung eines europäischen Staates - im Zusammenspiel mit Katholizismus und Patriarchat. "Cyril Avery" handelt von der Suche eines Mannes nach Identität und einem Zuhause, ebenso wie von der Modernisierung der irischen Republik und seiner Gesellschaft.

Schlicht und ergreifend grandios.

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Ein meisterhafter Gesellschaftsroman

Inhalt:
Cyril Avery hat es nicht leicht im Leben. Schon seine Geburt im Jahr 1945 verläuft unter dramatischen Umständen. Der Junge wächst bei Adoptiveltern auf, die ihm wieder und wieder einschärfen, dass er kein richtiger Avery ist. Seine homophile Neigung kann er niemandem offenbaren, am wenigsten dem Subjekt seiner Liebe, seinem Freund Julian. So hadert Cyril lange Zeit mit seinem Leben, trifft Entscheidungen, mit denen er sich und anderen das Leben schwer macht, bevor er nach vielen Jahrzehnten endlich zu sich selbst findet.

Meine Meinung:
Alle sieben Jahre, so sagt man, gibt es gravierende Änderungen im Leben eines Menschen. So erscheint es nur folgerichtig, dass John Boyne das Leben Cyril Averys in Sieben-Jahres-Abschnitte eingeteilt hat. Wir begleiten den absolut liebenswerten, aber bei Weitem nicht fehlerfreien Protagonisten von 1945 bis 2015, beginnend mit der Zeit kurz vor seiner Geburt, als seine 16-jährige Mutter der Schande wegen aus ihrem Heimatdorf vertrieben wird und in Dublin ein neues Leben anfängt. Die Engstirnigkeit und Bigotterie der Menschen Mitte des 20. Jahrhunderts in Irland lassen einen erschaudern. Der Einfluss der katholischen Kirche ist enorm, das Verhalten der Priester und Gläubigen alles andere als christlich. Aber die junge Catherine schlägt sich recht gut. Um ihrem Kind ein gutes Leben zu ermöglichen, gibt sie es nach der Geburt zur Adoption frei. Doch unwissentlich werden sich die beiden immer wieder über den Weg laufen.

John Boyne skizziert anhand von Cyrils Leben die Entwicklung der Gesellschaft, vor allem auch ihren Umgang mit Homosexualität. Dies ist zwar eines der großen Themen dieses Romans, doch geht es auch um Familie, um Liebe und Freundschaft.

Der Schreibstil dieses Autors ist einfach großartig. Er fesselt von der ersten Seite an und begeistert bis zum Schluss. Er ist locker und schwungvoll, die Dialoge wirken authentisch. Die Figuren erwachen zu Leben und man hat den Eindruck, sie schon ewig zu kennen. Jeden einzelne Charakter fand ich sehr interessant, ob er nun sympathisch war oder auch nicht. Besonders in der ersten Hälfte des Romans steckt auch jede Menge Humor, sodass man immer wieder schmunzeln muss. Dies nimmt der dramatischen Entwicklung viel von ihrem Grauen.

Dieser Roman hat nur einen Fehler: Er ist mit 734 Seiten viel zu kurz. Ich hätte gerne noch weitergelesen, so viel Vergnügen hatte ich dabei. Aber leider war die Geschichte schon fertig erzählt und an einem tollen Ende angelangt.

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