Kristin Hannah: Die Nachtigall

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Kristin Hannah: Die Nachtigall
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Nightingale
ET (Original)
2015
ISBN-13
9783352008856

Informationen zum Buch

Seiten
608

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Wenn ich in meinem langen Leben eines gelernt habe, dann ist es Folgendes: In der Liebe finden wir heraus, wer wir sein wollen. Im Krieg finden wir heraus, wer wir sind.

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Zwei Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich: Während Vianne ums Überleben ihrer Familie kämpft, schließt sich die jüngere Isabelle der Résistance an und sucht die Freiheit auf dem Pfad der Nachtigall, einem geheimen Fluchtweg über die Pyrenäen. Doch wie weit darf man gehen, um zu überleben? Und wie kann man die schützen, die man liebt?

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Die Nachtigall

Kristin Hannahs Buch „Die Nachtigall“ beginnt in Oregon im Jahr 1995 mit einer alten Dame, die vor einem Umzug steht. Auf dem Dachboden sucht sie nach einem Koffer, den sie unbedingt mitnehmen möchte und der sie an weit zurückliegende Ereignisse erinnert.

Dann wechselt die Handlung und der Leser findet sich im August 1939 in Frankreich wieder.

Hier geht es um die Schwestern Vianne und Isabell, die früh ihre Mutter verloren haben und deren Vater sich danach nicht in der Lage sah, für die Kinder zu sorgen. So hat Vianne früh geheiratet und eine kleine Tochter bekommen, Isabell hat ihren Weg nicht wirklich gefunden, ist immer eine Rebellin gewesen und von einer Schule zur anderen gewandert.

Beide Schwestern werden durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges aus ihren bisherigen Leben herausgerissen. Für Vianne gilt es, nachdem ihr Mann als Soldat eingezogen wurde, den Lebensunterhalt als Lehrerin alleine sicherzustellen und sich immer schützend vor ihre Tochter zu stellen. Dabei hegt sie immer die Hoffnung, dass der Krieg vorübergehen und ihr Mann zurückkehren wird. Als ein deutscher Soldat in ihrem Haus einquartiert wird und die Nazis den kleinen Ort Carriveau immer mehr für sich in Anspruch nehmen, wird der Alltag mehr und mehr zum Problem. Isabell bleibt wie sie ist und schließt sich schnell Widerständlern an. Damit bringt sie zeitweise auch ihre Schwester in große Gefahr. Doch was sie leistet ist wirklich beachtlich.

In „Die Nachtigall“ schildert die Autorin sehr eindringlich den zweiten Weltkrieg aus Sicht der Franzosen und schafft es die Leserschaft trotz des ernsten Themas zu begeistern. Hier wird deutlich wie der Krieg Menschen verändert, sie aber auch stark machen kann. So lange zwischen vielem Bösen das Gute überleben und gedeihen kann, ist nichts verloren. So lange singt sie, die Nachtigall.

Die Geschichte regt zum Nachdenken an. Man fragt sich während der Lektüre mehr als einmal wie man selbst wohl mit der jeweiligen Situation umgegangen wäre. Wie viel Stärke steckt in einem selbst? Würde man sich selbst der Nächste sein oder helfen? Würde man alles opfern oder nur ein kleines Risiko eingehen? Wenn man kaum jemandem vertrauen kann und auf sich alleine gestellt ist, ist es schwierig den Alltag zu meistern. Vianne und Isabell aber gelingt das hier. Sie scheinen so verschieden und in Wahrheit sind sie sich doch sehr ähnlich und beide sind sie eben auch die Töchter ihres Vaters, der seine Geheimnisse gut zu verstecken weiß.

„Die Nachtigall“ ist eine absolute Leseempfehlung. Ein Roman über ein wichtiges Thema, das gerade in der heutigen Zeit wieder mehr beleuchtet werden sollte.

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Ein echtes Highlight

Die beiden Schwestern Vianne und Isabelle könnten unterschiedlicher nicht sein: beide vom frühen Tod ihrer Mutter und dem in seiner neuen Rolle versagenden Vater traumarisiert, sucht die ältere Zuflucht bei ihrer großen Liebe und in der frühen Gründung einer Familie, während die andere rebelliert und damit unzählige Schulen verschleißt.

Doch dann okkupieren die Nazis einen großen Teil Frankreichs. Während Isabelle gleich zu Beginn die Grausamkeit der Deutschen erleben muss, versucht Vianne sich in der Kleinstadt Carriveau zu arrangieren - ohne ihren Ehemann, der eingezogen wurde, und mit einer kleinen Tochter.
Die Geschehnisse bringen die beiden Schwestern wieder zusammen - sie leben gemeinsam im alten Bauernhaus 'Le Jardin', das schon sehr lange im Besitz der Familie Rossignol ist. Als ein Wehrmachtsoffizier einquartiert wird, wird das Leben zunehmend gefährlicher, denn Isabelle kann mit ihrer Meinung über den Feind kaum hinter dem Berg halten.

So trennt sich der Weg der beiden ungleichen Schwestern auch wieder: während Viannes großes Ziel ist, ihre Tochter zu schützen und eines Tages die Familie wieder vereint zu sehen, schließt sich Isabelle der Résistance an. Beide jedoch wachsen über sich hinaus und finden nicht nur ihren Weg, sondern auch die Möglichkeit das Richtige zu tun...

Gut 50 Jahre später findet eine ältere Dame einen Koffer auf ihrem Dachboden - in ihm sind jede Menge Erinnerungen, die nicht nur schön, sondern teilweise auch kaum zu ertragen sind. Es ist klar, dass es sich um eine Frau handelt, die Frankreich unter den Nazis erlebt haben muss - doch ist sie eine der Rossignol-Schwestern und wenn ja, welche von ihnen?

Der Autorin Kristin Hannah ist mit diesem Roman ein schwieriges Unterfangen geglückt, denn ehrlicherweise war ich skeptisch, ob eine Autorin, die sich bislang eher mit leichter Unterhaltung hervorgetan hat, ein solches Thema packen würde. Kristin Hannah mag kein literarische Ausnahmekönnerin sein, aber sie hat mit diesem Buch bewiesen, dass sie eine ausgezeichnete Erzählerin ist.
Von der ersten Seite hat sie mich mit ihrer unglaublich bildhaften, einfühlsamen Erzählweise gepackt. Es ist eine Gratwanderung, dieses Thema derart unterhaltsam und spannend zu verpacken, denn die Gefahr, ins Nichtssagende abzudriften, ist groß und könnte dem zeitlichen Hintergrund dann nicht gerecht werden. Doch nichts von alledem! Die Autorin schafft eine solche Nähe zu ihren Figuren und dem Geschehen, dass es nicht nur einmal fast schmerzhaft ist. Keine Frage, so manche Lektüre hat das schon geschafft, aber in der Regel handelte es sich dann um Biographien von Menschen, die tatsächlich existiert haben. Isabelle und Vianne entsprangen der Phantasie der Autorin und der Rahmen, in dem sie sich bewegen, basiert auf historischen Fakten.
Der Alltag im besetzten Frankreich, der Feind in den eigenen vier Wänden, die Sorge um Kind und Ehemann, die Kälte, der Hunger und die Todesangst - all das war für mich greifbar am Beispiel Viannes. Auf der anderen Seite die Naivität, der Wille, etwas zu verändern, der Mut und der Leichtsinn - sinnbildlich in Isabelle vereint. Und über all dem die Frage: wie viel Mut kann ein Mensch haben? Wann wäre es nur allzu verständlich, dass man unter all dem zusammenbricht? Was kann und was muss man gegen Unmenschlichkeit unternehmen?
Fragen, die mich durchaus beschäftigt haben. Überhaupt ließ mich das Buch - auch wenn ich es zwischendurch zuklappen musste - nicht so richtig los. Zu berührend war der Eindruck, den mir die Autorin vom Leben im besetzten Frankreich ermöglicht hat. Dazu war nötig, dass auch kleine Details aus dem Alltag ihren Platz gefunden haben, denn dadurch wurde der Kontrast besonders deutlich. Der Kontrast zwischen dem, wie das Leben war und der Tatsache, dass es für die Menschen nie wieder so sein konnte...

Das Buch enthält alles, was das Leben bereithält - nur eben unter besonders grausamen Lebensbedingungen. Das ist der Autorin wirklich gelungen: sämtliche Facetten eines Lebens einzufangen, ohne dabei die fürchterlichen Vorzeichen, unter dem es zwischen 1940-45 stattfinden musste.

Trotz kleiner Unstimmigkeiten, die größtenteils dem Plot geschuldet sind, ist "Die Nachtigall" ein Buch, dem ich eine große Leserschaft wünsche. Alleine schon, weil dieses Buch etwas schafft, das ich nur selten so gut vereinbart gefunden habe: es unterhält bestens und zeigt dabei so viele wichtige historische Fakten auf, die alleine zu wissen immens wichtig ist. Ganz abgesehen davon, dass man an Isabelle und Vianne lernen kann, wie sich Menschen in solch unmenschlichen Zeiten entwickeln, ja über sich hinauswachsen können.

Kurzum: Für mich ein echtes Highlight und eine Leseempfehlung!

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großartiger Roman

1939 Frankreich. Die Schwestern Rossignol haben schon früh die Mutter verloren und der Vater ist froh, dass er die jüngere Tochter Isabelle in diverse Internate abschieben kann und die ältere Tochter Vianna ihren Mann kennenlernt und blutjung heiratet. Als die Deutschen 1940 in Paris einmarschieren schickt er Isabelle gegen ihren Willen zur Schwester aufs Land. Die Reise dorthin wird von Fliegerangriffen überschattet und Isabelle lernt Gaeton kennen der sie schließlich doch noch unversehrt ans Ziel bringen kann. Aber schon bald geraten die beiden Geschwister aneinander, denn Isabelle ist rebellisch und voller jugendlichen Tatendrang und möchte die Besatzung durch den Feind nicht klaglos erdulden. Sie schließt sich heimlich dem Widerstand an und reist so bald als möglich zurück nach Paris, um dort dabei zu helfen, abgeschossene Alliierten-Piloten über das Gebirge nach Spanien zu schmuggeln. Die Deutschen nennen sie „Die Nachtigall“, freilich ohne zu wissen, dass es sich tatsächlich um eine Frau handelt, die dem Feind immer wieder ein Schnippchen schlägt.

Vianne ist anfangs von der Angst wie gelähmt, hofft monatelang, dass ihr Mann aus der Gefangenschaft zurückkommt. Ein deutscher Offizier wird bei ihr einquartiert und sie glaubt lange, dass sie ihre Tochter und sich am Besten schützen könnte, wenn sie sich still und unauffällig verhält und nichts tut, was sie gefährden könnte. Aber dann werden die ersten Judentransporte organisiert und ihre beste Freundin Rachel soll deportiert werden. So erkennt auch Vianne, dass es Zeit wird, Stellung zu beziehen und sich zu wehren, so gut es eben geht.

Ich hatte vorher noch kein Buch von Kristin Hannah gelesen. Wohl, weil ich dachte, dass es sich vor allem um triviale Frauenliteratur handeln würde. Also Liebesgeschichten ohne Tiefgang und Nährwert. Nachdem ich nun „Die Nachtigall“ gelesen habe, bin ich geneigt zu glauben, dass ich hier wohl etwas versäumt habe. Denn sowohl der eindringliche Schreibstil als auch der spannende Plot haben mich von der ersten Seite an gefangen genommen und ich bin begeistert von der Geschichte um die zwei französsichen Schwestern, die voller Liebe, Drama, Gefühl und geschichtlichen Details ist und zu keiner Zeit langweilig oder gar kitschig war.

Das Buch hat mich aufgewühlt. Ich habe um das Leben der Schwestern gebangt, um ihre Freundinnen und ihre Liebsten. Die Gräuel des Krieges werden nicht verschwiegen und auch die Familie Rossignol muss einen mehr als hohen Preis zahlen. Dennoch ist das Ende eines mit einem versöhnlichen Unterton, eines, mit dem man als Leser leben kann und welches einen das Buch zufrieden und mit einem Lächeln unter Tränen schließen lässt.

Oh weh, wenn ich nicht nicht aufpasse wird meine euphorische Rezension jetzt selber kitschig. Einfach ein großartiger Roman der alles hat, was das Leserherz begehrt.

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Eins meiner Jahreshighlights!

Frankreich, 1940. Das kleine Städchen Carriveau liegt vom Krieg noch unberührt und idyllisch in einem nicht näher benannten Teil Frankreichs und ist beinahe kitschig schön. Hier in der Nähe wohnt Vianne Rossigniol mit ihrem Mann Antionne und ihrer Tochter Sophie in einem alten Bauernhaus, das seit Jahrhunderten inFamilienbesitz ist. Schließlich holt der Krieg Vianne und ihre kleine Familie doch ein, Antionne wird eingezogen, die Deutschen besetzen Frankreich und auch in dem ruhigen Örtchen wird es zunehmend ungemütlicher. In dieser Zeit zieht Viannes jüngere Schwester Isabelle zu ihr, die von ihrem Vater aus PAris weggeschickt wurde. Während Vianne versucht, ihren Kopf untern zu halten um auch ihre Tochter zu schützen, zumal ein deutscher Offizier bei ihr einquartiert ist, muss sie Isabelle immer wieder ermahnen, ihre Rebellion nicht offen zu tragen. Konflikte zwischen den beiden Schwestern sind vorprogrammiert, denn jede sucht in dieser Situation ihren eigenen Weg, mit der Besatzung umzugehen, doch versteht den Weg der anderen nicht. Schließlich geht Isabellle wieder nach Paris, doch erst nach dem Krieg merken die beiden Schwestern, dasss sie sich gar nicht so unähnlich sind.

Der Stil, in dem Hannah schreibt, ist so bildhaft, dass er beinahe kitschig wirken könnte, stellte er nicht mit den malerischen Beschreibungen einen deutlichen Kontrast zu den Schrecken, Verunsicherungen und Ängsten der Charaktere unter der Besatzung dar. Schon auf den ersten Seiten zeugt sich dieser Bruch zwischen Szenerie und Situation und transportiert so die Emotionalität, mit der der Kriegsalltag bestritten wurde. Man kann mit den Charakteren dadurch mitfühlen, ihre Wut, ihre Verzweiflung aber auch ihre Angst wird dadurch umso greifbarer.
Im Zentrum der Geschichte stehen die beiden ungleichen Schwestern Vianne und Isabelle. Während Vianne glücklich verheiratet und Mutter ist, und ein beschauliches Leben auf dem Land führt, fliegt Isabelle von einem Internat nach dem nächsten. Ihre ungestüme, rebellische Ader ist in diesen Zeiten gefährlich, doch ihre Jugend lässt die Konsequenzen entweder nicht erkennen oder nur mit den Achseln zucken. Obwohl beide Charaktere unterschiedliche Wege einschlagen, mit der Besatzung der Deutschen und all ihren Konsequenzen für das Alltagsleben umzugehen, kann man die Entscheidungen beider nachvollziehen, manchmal aber auch den Kopf schütteln. Spannend sind beide Wege, denn beide Schwestern finden Wege, nicht mit den Deutschen konform zu gehen.

Das Buch ist ein wahrer Rausch zu lesen, nicht nur, was die Beschreibungen und die Sprache angeht, sondern auch die Emotionen, die man fast schon gezwungen ist zu fühlen. Hannah beschreibt in ihrem Buch den alltäglichen Schrecken während des Zweiten Weltkrieges, der sich erst langsam und kaum bemerkbar in das tägliche Leben schlich und es schließlich bestimmte, und auch, wie Freundschaft und Mitgefühl in dieser Zeit immer schwerer gegen die Angst ankamen.
Das Buch ist eines der Jahreshighlights 2016!

ACHTUNG: Ab hier kommen Spoiler vor!!

Obwohl ich das Buch unglaublich genossen habe und es mir Lust auf gehaltvollere Literatur gemacht hat, gibt es dennoch ein paaar Kritikpunkte, die ich an- bzw. Besprechen möchte.
Während die Geschichte voranschritt, überkam mich zeitweise das Gefühl, dass es etwas zuviel ist für die Familie Rossigniol. Vater und jüngere Tochter bei der Resistance, sie sogar eine der meistgesuchtesten Kämpferinnen, die ältere Tochter versteckt jüdische Kinder und stellt falsche Papiere her. Beide Parteien – Resistance und Kinderrettung – wussten nichts voneinander. In einer Rezension kritisierte Violet Wells auf Goodreads, dass Hannah versuchte, den gesamten Schrecken des Zweiten Weltkrieges in diese kleine Stadt im Nirgendwo und in diese kleine Familie zu packen. Bis zu einem gewissen Punkt ist die Kritik nachvollziehbar, auf der anderen Seite waren gerade die SChilderungen von den Vorkommniessen in Carriveau nicht überladen oder übertrieben. Jeder, der ein Geschichtsbuch mit Zeitzeugenberichte gelesen hat, weiß, dass sowas durchaus Gang und Gäbe war.

Ein weiterer, nicht nachvollziehbarer Kritikpunkt ist der Vorwurf, es sei ein Liebesroman. Vianne leidet, als Antoine eingezogen wird, und zwischendurch wird immer wieder deutlich, dass sie ihren Mann über alles liebt. Auch Isabelle hat jemanden, den sie liebt, und ab und an werden die komplizierten Verhältnisse angesprochen, in denen die beiden ihre Liebe leben müssen. Allerdings sind diese Szenen schon fast Randnotizen und stehen in keinster Weise im alleinigen Fokus der Geschichte, als dass sie die Bezeichnung ¨Liebesroman¨ rechtfertigen würden.

Zum Schluss seien noch zwei Logiklöcher angesprochen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen. Zu klären wäre, wie Isabelles falsche Papiere das KZ überstanden haben, denn sie hatte keine persönlichen Dinge mehr. Zum anderen kommt Rachel, die beste Freundin Viannes, erstaunlich schnell, nämlich innerhalb weniger Stunden, an falsche Papiere für sich und ihre Kinder. Wie das auf die Schnelle ging wurde leider nicht erklärt.
Insgesamt kann keiner der Kritikpunkte etwas an der Bewertung ändern, denn was ich vor der Spoilerwarnung schrieb gilt auch nach der Spoilerwarnung: Das Buch ist eines der Jahreshighlights 2016!

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Ein Jahreshighlight!

Das Gelesene liegt bereits ein paar Tage zurück und immernoch fällt es mir schwer meine Gedanken zu diesem Buch in Worte zu fassen. Ich habe noch kein Buch gelesen, dass mich bereits während des Lesens so intensiv bewegt hat.

Kristin Hannah erzählt die fiktive Geschichte zweier Frauen im besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs. Zwei Frauen, die sinnbildlich für die vielen Frauen stehen, die daheim um das Überleben der Familie kämpften. Einzelschicksale, die in den Geschichtsbüchern kaum Erwähnung finden, dabei sind sie genau so große Heldinnen wie diejenigen, die direkt an der Front kämpfen mussten.

Vianne und Isabelle sind die Protagonisten der Geschichte und treffen den Leser mitten ins Herz. Obwohl ihr Charakter und ihre Intentionen grundverschieden sind, fühlt man sich beiden sofort verbunden und kann die Handlungen nachvollziehen. Es ist unheimlich traurig zu lesen, wie die Kriegsjahre die jungen Frauen verändern, sie zeichnen. Nicht nur einmal musste ich das Buch aus der Hand legen, um mich kurzzeitig zu sammeln. Immer wieder tauchte in meinem Kopf die Frage auf, wie viel Leid ein Mensch wohl ertragen kann, bevor er gebrochen wird.

Die Darstellung des alltäglichen Lebens der Menschen ist beeindruckend. Nur schleichend kommen die Veränderungen durch den Kriegsbeginn. Zunächst ändert sich nichts.

Alles sah aus wie immer, und das überraschte Isabelle. Krieg zog auf, und sie hatte geglaubt, das würde sich irgendwie in der Landschaft bemerkbar machen, vielleicht indem sich die Farbe des Grases änderte oder die Bäume abstarben oder die Vögel fortflogen, doch nun, während der Zug nach Paris dampfte, sah alles vollkommen normal aus.(S. 41)

Mit zunehmenden Kriegsjahren werden die erbrachten Opfer größer, der Hunger stärker. Selbst für mich, die noch nie einen Krieg miterleben musste, sind die Ängste und die Auswirkungen spürbar. Doch immer steht ein Gedanke im Vordergrund: Liebe ist stärker als Hass.

Nachdem ich die letzte Seite beendet habe, musste ich erst einmal tief durchatmen und meine Tränen wegwischen. „Die Nachtigall“ wird noch eine ganze Weile in meinen Gedanken nachhallen und gehört damit definitiv zu meinen Jahreshighlights.

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Zwei starke Frauen

Die Deutschen besetzen im 2. Weltkrieg große Teile von Frankreich. Mit diese Situation müssen sich auch die Schwestern Vianne und Isabelle auseinandersetzen. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Die ältere Schwester Vianne hat Familie und sorgt dafür, dass sie und ihre Tochter überleben können, während ihr Mann als Soldat an der Front ist. Isabelle dagegen ist eigenwillig und rebellisch. Sie schließt sich der Résistance an. Schon bald bringt sie Piloten der Alliierten, welche abgeschossen wurden, über die Pyrenäen nach Spanien. Sie bringt sich damit in große Gefahr, denn sollte man sie erwischen, droht ihr die Todesstrafe.
Es ist ein sehr berührendes Buch, welches ich kaum aus der Hand legen konnte.
Der Krieg an sich ist schon fürchterlich, doch was die deutschen Besatzer dort in Frankreich aufführen, ist erbarmungslos und grausam. Sie gehen sehr brutal gegen die Bevölkerung vor. Je länger der Krieg dauert und je hoffnungsloser er wird, desto enthemmter verhalten sie sich die Besatzer. Das verleitet die Menschen, die unter diesen Repressalien zu leiden haben, natürlich dazu, Widerstand zu leisten.
Vianne will nicht auffallen, auch wenn sie die Folgen der Besatzung sehr bald spürt. Aber sie will ihre Familie nicht in Gefahr bringen. Daher hat sie kein Verständnis für die Entscheidung ihrer Schwester, zumal ein deutscher Offizier bei ihr einquartiert ist. Erst als Rachel in Gefahr gerät, wird Vianne bewusst, dass sie sich entscheiden muss. Als die Juden abtransportiert werden, hilft Vianne ihrer besten Freundin Rachel, welche Jüdin ist.
Als Folge dieser grauenhaften Umstände verändern sich die Schwester und entwickeln eine Stärke, die sie sich vorher wohl selbst nicht zugetraut haben. Dabei gehen beide ihren eigenen Weg. Aber auch unter den Besatzern gibt es Menschen, die sich eine menschliche Seite bewahrt haben. Leider Kommt das nur zu selten vor.
Bewundernswert finde ich alle diese Menschen, die im Untergrund ihren Beitrag geleistet haben, um anderen zu helfen, und dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben.
Der Autorin gelingt es wundervoll, alle Charaktere mit ihren Eigenheiten zu schildern. Ganz besonders ans Herz gewachsen sind mir natürlich die Schwestern, Vianne und Isabelle, die mitfühlend, mutig und stark sind.
Der Schreibstil ist einfach packend und überwältigend. Die fiktive Geschichte der Schwestern ist sehr gut in die historischen Gegebenheiten eingebettet.
Ein absolut empfehlenswertes Buch.

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Berührend, aber oberflächlich

Die ungleichen Schwestern Vianne und Isabelle müssen lernen, im von den Nationalsozialisten besetzten Frankreich zurecht zu kommen. Während Vianne versucht sich unter der Vichy-Regierung mit dem Feind so gut es geht zu arrangieren, schließt sich die impulsive Isabelle sofort der Résistance an. Da die eine in den Augen der zweiten zu vorsichtigt agiert, die zweite wiederum ohne Rücksicht auf die Familie ihrer Tätigkeit nachgeht, sind Konflikte in der ohnehin gefährlichen Zeit vorprogrammiert.

Kristin Hannah wagt sich an ein sensibles Thema. Die Umsetzung gelingt ihr dabei nur bedingt. Sie schreibt fesselnd und berührend, bleibt aber zu sehr an der Oberfläche. Die Darstellung der Entbehrungen und Willkür, die die Bevölkerung während dieser Zeit erdulden musste, ist geglückt. Die Kältewinter, der nagenden Hunger und die ohnmächtige Angst vor den Nazis werden glaubhaft transportiert. Leider konzentriert sich die Autorin viel zu sehr auf das belastete Beziehungsgeflecht zwischen den einzelnen Protagonisten. Die Charaktere werden auf dem Silbertablett serviert. Sie handeln in sich widerspruchsfrei, laden aber wenig zu entdecken ein. Da man ihre Lebensgeschichte sofort präsentiert bekommt, kann man ihre Handlungsweisen vorhersagen. Überraschungen gibt es dadurch keine.

Dafür erfährt die interessierte Leserschaft relativ wenig über die Résistance und ihre Arbeit. Hier kommt es zu teilweise großen Lücken in der Handlung, bis der Autorin gegen Ende auch noch ein Logikfehler unterläuft. Ein Logikfehler, der völlig unnötig war, denn die Rahmenhandlung, in der eine alte Dame sich Mitte der 1990er an ihr Leben erinnert, ist überflüssig und trägt wenig zur Geschichte bei.

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