Lily King: Vater des Regens

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Lily King: Vater des Regens
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Father of the Rain
ET (Original)
2010
ISBN-13
9783406698057

Informationen zum Buch

Seiten
399

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Mein Vater singt.

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Handlungsort

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Daley Amory erlebt als Elfjährige die Trennung ihrer Eltern und wie vor allem der charismatische, aber weltanschaulich in den 50er Jahren stecken gebliebene und selbstzerstörerische Vater seine alte Familie schnell durch eine neue ersetzt. Daley gelingt es, ein eigenes Leben, eine Liebesbeziehung aufzubauen, und bleibt doch auf eine gefährliche Weise auf ihren Vater fixiert, auf die Vorstellung, ihm helfen zu müssen. Mühsam muss sie sich aus dieser Verstrickung befreien.

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Daley ist elf, als ihre Mutter sie und ihre Koffer ins Auto lädt und das große, herrschaftliche Haus mit dem Pool im Garten hinter sich lässt. Und den Mann, den sie nicht mehr ertragen kann. Gardiner Amory ist laut, selbstherrlich, rassistisch, unbeherrscht - und Alkoholiker.

Doch für Daley ist er zuallererst ihr Dad, ihr Held, ihr Kumpel, den sie regelrecht verehrt. Seine peinlichen und seine dunklen Seiten kennt sie sehr wohl, doch sie liebt ihn trotzdem über alles, kehrt nach der Trennung immer wieder zu ihm und seiner neuen Frau Catherine zurück ins Elternhaus, obwohl sie sich bei diesen Besuchen nie wohlfühlt und die Atmosphäre von ständigen Streitereien vergiftet ist.

Selbst als erwachsener Frau gelingt es Daley nicht, sich von diesen unguten Familienbanden zu lösen. Sie opfert ihre eigenen Lebensträume dem Versuch, ihren Vater zum Alkoholentzug zu bewegen, und glaubt, dass nur sie ihn retten kann.

Sehr direkt und deutlich schildert Lily King aus Daleys Perspektive das Leben mit diesem unberechenbaren Pulverfass von Mann, voller reaktionärer Ansichten und unbestimmter Wut und zuviel Alkohol. Fassunglos und machtlos sieht man beim Lesen zunächst zu, was Gardiner den Menschen um sich herum alles antut und später, wie die erwachsene Daley immer tiefer in eine Co-Abhängigkeit hineinschlittert und dabei sehenden Auges auf einen Abgrund zusteuert, in dem sie sich selbst gänzlich zu verlieren droht, obwohl sie die besten Chancen auf eine erfolgreiche akademische Laufbahn hätte.

Die Handlung spielt sich in drei zeitlich weit auseinanderliegenden Abschnitten ab, doch King wählt das Präsens als Erzählzeit, so dass man unmittelbar und ungeschönt ins Geschehen hineingerissen wird. Wie mit dem harten Strahl einer Neonlampe beleuchtet sie genau das, was nach außen hin verborgen bleibt, das Schwere, das Hässliche, die heftigen Empfindungen, die Abhängigkeiten. Ein kleiner Störfaktor ist dabei die Art, wie die Autorin nackte Körper beschreibt, nämlich fast immer auf unattraktive, beinahe abstoßende Weise, als wolle sie da ganz besonders authentisch und unverblümt erscheinen, die ich insbesondere in Daleys Kindheitskapiteln befremdlich fand.

Eine gemütliche kleine Familiengeschichte ist "Vater des Regens" sicher nicht, dafür aber ein scharfsichtiges und bei aller ungeschminkten Direktheit auch sensibles Buch über das ständige Hin- und Hergerissensein - zwischen zwei verfeindeten Elternteilen, zwischen Liebe zum Vater und Hass auf ihn, zwischen der eigenen Selbstverwirklichung und dem Verantwortungsgefühl gegenüber dem alkoholkranken Elternteil. Lesenswert, aber keine leichte Kost.

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(Aktualisiert: 12 Oktober 2016)
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Halbgott und Verhängnis gleichermaßen

Das ist ihr Vater für Daley Armory, sie kann nicht mit ihm und nicht ohne ihn. Ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter - die beschließt nämlich, als Daley elf Jahre alt ist, ihren egozentrischen und selbstherrlichen Mann Gardiner zu verlassen - Gardiner, der auch lustig sein kann und aufmerksam, charmant und einschmeichelnd - solange alles nach seiner Facon geht. Bald schon werden die Wochenenden mit seiner neuen Familie - denn keine Minute hat er es allein ausgehalten - für Daley zur Qual, zumal er das für alle offensichtliche leugnet: er ist Alkoholiker.

Das Buch teilt sich auf in drei Teile, die drei verschiedene Phasen, unterschiedliche Altersstufen in Daleys Leben wiederspiegeln. Daley hat ihren Vater stets geliebt, aber hat er es zurückgegeben? Oder hat er am Ende nur sich selbst geliebt? Ein sehr komplexes Buch ist dies, in dem mit Sicherheit nicht nur gelegentlich Autorin Lily King aus ihrem eigenen Leben, ihren Erfahrungen spricht.

Dass sie schreiben kann, weiß der deutsche Literaturfreund seit "Euphoria", dem grandiosen Roman über eine ménage à trois unter Ethnologen, die sich grob an der Biographie Margaret Meads orientiert und mich begeistert hat - aber nicht so sehr wie dieses davor geschriebene, doch erst jetzt ins Deutsche übertragene, sehr persönliche Buch.

Es erzählt von Bindungen und von Druck, von eigenem wie auch fremd verursachten, von zuviel und von zuwenig Liebe - und es hinterlässt den Leser nicht selten verwirrt und irritiert. Wie kann Daley sich selbst so wenig lieben, dass sie den einen oder anderen Weg geht? Es wurde ihr doch ganz anders vorgemacht vom Vater, der sich selbst stets der Nächste war. Ein Mann, der Daley und ihrem älteren Bruder viel mitgegeben und noch mehr genommen hat.

Ein Mann, über den Daley - denn aus ihrer Perspektive ist der Roman geschrieben - nie anders als mit Liebe spricht, auch in den Momenten, in denen es ihr unendlich schwer fällt. Nein, dies ist keine Rechtfertigung, auch keine Begründung, am ehesten ist es eine Widmung. So war es und Daley ist - fast - durchs Fegefeuer gegangen. Ich persönlich kann sie verstehen und erkenne viele Parallelen in der eigenen Biographie, in der seitens des Vaters lange nicht so viel Schmerz, so viel Druck, so viel Selbstgerechtigkeit aufgebaut wurde. Aber dennoch - dieses Bedingungslose, das manchmal bei der Tochter durchblitzt, das kenne ich auch und es ist auch mir kostbar.

Lily King hat ein kluges und ehrliches Buch geschrieben, in dem sie vieles offenbart und preisgibt - in Familien ticken die Uhren eben anders, man kann nicht alles logisch begründen. Einfach großartig, wie ich finde. Ich wünsche diesem Buch viele Leser!

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