Enrique de Hériz: Lügen

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Enrique de Hériz: Lügen
Verlag
ET (D)
2005
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Mentira
ET (Original)
2004
ISBN-13
9783453351790

Informationen zum Buch

Seiten
637

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Tot? Ich, Isabel, tot?

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Die spanische Anthropologin Isabel wurde für tot erklärt. Während sie auf Forschungsreise im Dschungel Guatemalas noch zögert, den Irrtum aufzuklären, schreibt sich zu Hause Tochter Serena ihre Trauer von der Seele. Dabei räumt sie mit einer undurchsichtigen Familiengeschichte auf, der sie schon immer misstraut hat. Von der quietschlebendigen Isabel erfährt man allerdings eine ganz andere Version.

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Der Klappentext klingt recht spannend. Die Anthropologin Isabel, gerade im Dschungel von Guatemala unterwegs, wird versehentlich für tot erklärt. Während sie zögert, den Irrtum aufzuklären, erfährt man aus Sicht der Tochter Serena, wie die Familie zuhause reagiert und bekommt gleichzeitig einen Überblick über die Familienlegenden, die Serena schon lange beweisen oder widerlegen, jedenfalls die Wahrheit unter dem Märchengespinst aufdecken wollte.

Das verspricht, oberflächlich gesehen, mehr Spannung, als der Roman liefert, sämtliche Geschehnisse scheinen nämlich sehr entspannt abzulaufen. Doch trotz der Unaufgeregtheit ist „Lügen“ nicht langweilig: Da sind die Anekdoten aus Isabels langem Forschungsleben (die Fehler, die Aldawen bemerkt hat, sind mir nicht aufgefallen und konnten mich somit nicht stören), da ist Serenas Neffe Luis, der dank einer Kopfverletzung auch in unglücklichsten Momenten seine Meinung nicht für sich behalten kann und nicht zuletzt ist da Serenas Rekonstruktion der Familienlegende: Großvater Simóns Kampf um sein Leben.

Die Figuren sind mir weder besonders sympathisch noch unsympathisch, es ist einfach niemand von ihnen offen genug, um ihn bzw. sie ins Herz schließen zu können. Dabei schweigen sie häufig, um den anderen Familienmitgliedern Schmerz zu ersparen, so dass man es ihnen noch nicht einmal übel nehmen kann. Luis ist da eine Ausnahme, nach einem Unfall ist er nicht mehr in der Lage zu täuschen und zu lügen, was einem vermutlich vor Augen führen soll, dass die ungeschminkte Wahrheit der wohlmeinenden Lüge nicht unbedingt vorzuziehen ist. Der Titel „Lügen“ ist ganz passend, auch wenn im Verlauf des Buches deutlich wird, dass die starke Trennung zwischen Lüge und Wahrheit, wie sie am Anfang propagiert wird, nicht funktioniert und es in Wirklichkeit eine große Grauzone zwischen diesen beiden Begriffen gibt. Dabei geht es gar nicht so sehr um DAS große Familiengeheimnis, sondern vielmehr um die vielen kleinen Geheimnisse, die in einer Familie existieren und wie sie sich zu Legenden auswachsen, die Einfluss auf die ganze Familie nehmen.

„Lügen“ ist in erster Linie ein Geschichtenerzählbuch, mir hat es jedenfalls Spaß gemacht es zu lesen, nur schade, dass aktuell keine anderen Bücher des Autors ins Deutsche übersetzt sind.

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Die Anthropologin Isabel hat sich, gegen den Willen ihrer Kinder, im Alter von knapp 70 noch einmal auf eine Reise in den Dschungel Guatemalas begeben, und durch einen dummen Zufall wird ihr Name mit einer verunglückten anderen Europäerin in Verbindung gebracht. Nicht einmal ihre Kinder erkennen bei der Identifizierung, daß es sich nicht um die Mutter handelt, was vielleicht noch dadurch entschuldbar ist, daß das bei einer nicht mehr ganz frischen Wasserleiche auch nicht einfach ist. Jedenfalls unternimmt Isabel auch aktiv nichts, um dieses Mißverständnis aufzuklären, obwohl sie sehr früh darüber Bescheid weiß. Während Isabel also in ihrem einsamen Quartier in Guatemala sitzt und ihr Leben aufschreibenderweise Revue passieren läßt, was durch ihr anthropologisches Spezialgebiet, wie Menschen mit dem Tod umgehen, hier eine besondere Morbidität erfährt, macht ihre Tochter so etwas ähnliches zu Hause in Spanien. Auch Serena schreibt nämlich über die Familie und ihre Geheimnisse, bei denen besonders der früh verstorbene Großvater Simón, von dem nur bekannt ist, was Großmutter Amparo über ihn erzählte und der Vater weitererzählte, eine Rolle spielt. Aber außer der Geschichte um Großvater Simón gibt es noch ein paar Geheimnisse mehr, und das betrifft nahezu jedes Familienmitglied. Manchmal stehen diese Geheimnisse in Zusammenhang mit der Familiengeschichte, manche sind davon unabhängig.

Die Ausgangslage, die Hériz hier wählt, fand ich durchaus interessant. Da Isabel sich in ihrem wissenschaftlichen Leben vor allem mit Fragen rund um den Tod und wie die Hinterbliebenen mit ihm umgehen beschäftigt hat, sind ihre Gedankengänge angesichts dieser Verwechslung schon andere als die eines „normalen“ Menschen. Mit dieser unterschiedlichen Wahrnehmung spielt Hériz, denn Serena kennt zwar das Forschungsgebiet ihrer Mutter, hat aber natürlich nicht deren Wissen, so daß man ihre Reaktionen (und die ihrer Brüder und ihres Neffen, die sie in ihren Tagebucheinträgen beschreibt) gut mit dem vergleichen kann, was Isabel an Erinnerungen an verschiedenste Riten durch den Kopf geht.

Dieses Wechselspiel zwischen Isabels Überlegungen und Serenas Aufzeichnungen löst Hériz auch stilistisch gut, selbst wenn es nicht durch kursiv vs. normal gesetzte Schrift deutlich würde, so wäre (auch unabhängig von den Inhalten) allein am Tonfall klar, ob man Isabel oder Serena vor sich hat. In dieser Hinsicht war es durchaus ein Lesegenuß. Allerdings hatte ich den Eindruck, daß das Wort Lüge ein bißchen zu häufig in einem sehr dogmatischen Sinn gebraucht wurde. Dabei zeichnet sich vor allem Serena aus, die mehr als einmal mit einem Ton, der keine Diskussion zuläßt, das vernichtende Urteil Lüge! auf etwas hinabsausen läßt. Nun sicher, es entspricht dem Titel (auch dem spanischen Originaltitel), aber trotzdem schien mir Serena in ihrer Bewertung gerade innerhalb der Familie doch arg hart, und das hat sie doch eine Menge meiner Sympathie gekostet.

Hériz hat auch ein Nachwort beigesteuert, in dem er seine „Begegnungen mit der Wirklichkeit“ aufführt, darunter auch einige anthropologische oder ethnologische Werke. Wenn er sich also tatsächlich auch auf dieser Ebene mit Isabels Forschungsgegenstand beschäftigt hat, dann wird mir noch unverständlicher, warum er trotzdem Mist in den Roman hineinschreiben konnte, indem er Bantu zu einer Sprache macht, obwohl es eine Sprachgruppe mit rund 500 Sprachen ist, und zwei Volksgruppen in Tansania zu nahen Verwandten erklärt, die sich zwar das Siedlungsgebiet am Lake Eyazi teilen, aber nicht einmal verwandte Sprachen (nämlich eine der Khoisan-Familie und eine südkuschitische) haben. Zugegeben: Das ist für die Handlung des Romans im Detail nicht „kriegsentscheidend“, aber da Isabels Forschungsreisen und ihre wissenschaftliche Arbeit einen so großen Raum in ihren Kapiteln einnehmen, wäre etwas mehr Sorgfalt doch wohl nicht zu viel verlangt. Schließlich ist das ja auch nur ein Beispiel, an dem es mir eben aufgefallen ist. Ob unter diesen Umständen von all den anderen Ausführungen über andere Völker mehr zu halten ist, wage ich einfach mal zu bezweifeln. Vielleicht wollte er sich aber auch einfach nur dem Titel seines eigenen Romans anpassen, der ein richtig guter hätte werden können, aber für diese Schlampigkeiten muß ich einfach eine Ratte abziehen.

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