Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers

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Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Blue
ISBN-13
9783442757749

Informationen zum Buch

Seiten
480

Sonstiges

Originalsprache
norwegisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Nichts hielt das Wasser auf, man konnte es den Berg hinab zum Fjord verfolgen; vom Schnee, der aus den Wolken fiel und sich auf die Gipfel legte, bis zum Dampf, der aus dem Meer aufstieg und wieder zu Wolken wurde.

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Handlungsort

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Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern kann.

Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrockneten Garten ein uraltes Segelboot entdecken. Signes Segelboot.

Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit.

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Irgendwie am Thema vorbei

Nach "Die Geschichte der Bienen" legt Maja Lunde mit "Die Geschichte des Wassers" den zweiten Roman ihres Klima-Quartetts vor. Unabhängig voneinander zu lesen, beschäftigt sich das neue Buch nun um die sehr verletzliche Verbindung zwischen Mensch und Natur und dem Fakt, dass ersterer es schafft, sich - ohne viel Gedanken zu machen - die Grundlage des eigenen Lebens zu entziehen.

Signe ist fast ihr ganzes Leben schon Umweltschützerin, als sie sich 2017 mit knapp 70 Jahren auf eine gefährliche Reise begibt: sie segelt von ihrer norwegischen Heimat Richtung französische Küste. Nur sie alleine, das Boot und eine Fracht, die alles verändern könnte.

24 Jahre später zwingt eine gewaltige Dürre die Menschen aus dem Süden Europas zur Flucht gen Norden. David und seine Tochter Lou sind ganz auf sich alleine gestellt - gestrandet in einem Flüchtlingslager und in der Hoffnung, Davids Frau Anna und Lous Bruder August zu finden. Auf der Flucht vor Feuer und der Suche nach einem Platz zum Leben, an dem es Wasser für sie gibt, haben sich die Vier verloren... Die beiden unternehmen Streifzüge durch die Umgebung, um der Trostlosigkeit des Lagers ein wenig zu entkommen - da entdecken David und Lou mitten auf dem Land ein altes Segelboot und obwohl es auf vertrocknetem Grund liegt, keimt plötzlich Hoffnung auf...

Für mich klang das alles nach einem sehr interessanten Roman, der ein Thema behandelt, das so viel mehr von unserer Aufmerksamkeit verdient hat: dem menschgemachten Klimawandel und was wir gehen ihn unternehmen können, nein, müssen.
Signe Hauger ist ein gutes Beispiel, denn sie versucht bereits den Großteil ihres Lebens, ihre Mitmenschen von einer nachhaltigen Lebensweise zu überzeugen. Die Journalistin und Autorin hat dies schon in jungen Jahren von ihrem Vater gelernt - der ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter stand, einer Politikerin, die damals an den Beschlüssen, Gletscherwasser zur Stromgewinnung zu nutzen, beteiligt war. Diese Entscheidungen werden heute keineswegs nicht als Lehrstück gesehen, sondern ausgeweitet - nun wird ein anderer Gletscher abgebaut, um dieses besondere, reine Wasser in Form von Eiswürfeln an reiche Menschen verkaufen zu können. Beteiligt ist unter anderem Magnus, ein Freund Signes aus Kindertagen und ihre erste große Liebe. Kann sie wenigstens ihn überzeugen, von diesem absurden Raubbau abzulassen? Signe will nichts unversucht lassen...

Das Vorhaben der Autorin, ihrer Leserschaft wichtige Themen nahezubringen, ist ein hehres - und dennoch muss ich gestehen, dass die Geschichte mich schlussendlich nicht gänzlich berühren konnte. Die Charaktere scheinen mir nicht ausgereift, besitzen nicht die nötige Tiefe, so dass sie mich irgendwie immer auf Distanz gehalten gefühlt habe. Natürlich entwickeln und reflektieren sich die Figuren - dennoch bleibt einiges an der Oberfläche und die Geschichte dümpelt streckenweise nur so vor sich hin. Vor allem der Strang, der in der Zukunft spielt, versandet immer mehr, je mehr die Geschichte voranschreitet. Das ist vor allem insofern schade, als dass ich die Beschreibung, wie es in der Zukunft aussehen könnte, durchaus spannend fand und weil ich David mochte - im Gegensatz zu Signe, die mir ein Stück weit zu verbittert erschienen ist. Die Art und Weise mit der man seine Ziele verfolgen sollte, kann sehr entscheidend sein - vor allem, wenn sie so elementar wichtig sind. Und damit meine ich keineswegs die Intensität oder Hartnäckigkeit. Aber Signe bleibt unnahbar, irgendwie ständig keifend und dadurch gerät ihr Einsatz für Mensch und Natur ins Hintertreffen.

Für einen Roman benötige ich keine liebenswerten, zurecht geschliffenen Charaktere, aber hier gibt es auch keine wirklich guten Reibungspunkte. Ich bin mir sicher, dass es das Buch für mich lesbarer wäre, wenn die Figuren mehr Verständnis erzeugen würden - für ihr Handeln, nicht für ihre einzelnen Ansichten. Signe könnte stellvertretend für unsere Verantwortung stehen und möglicherweise sogar eine kleine Vorbildfunktion für die Leserschaft darstellen, wenn sie denn irgendwie emotional mehr bewegen würde.

Schlussendlich ist das Thema immens wichtig, kratzt aber leider nur an der Oberfläche, anstatt aufzurütteln und von der Brisanz, endlich aktiv zu werden, zu berichten. Schade, denn ich wurde den Eindruck nicht los, dass Maja Lunde viel mehr rausholen hätte können, hätte sie mehr recherchierte Fakten einfließen lassen und dem Kernthema mehr Raum gewährt.

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(Aktualisiert: 05 Mai 2018)
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Ein wichtiges Thema, aber die Umsetzung konnte mich nicht ganz überzeugen

Inhalt:
Norwegen, 2017. Die 67-jährige Signe Hauger, Journalistin, Autorin, Berufsdemonstrantin, hat sich ein Leben lang für den Erhalt der Natur eingesetzt. Als nun ihr Jugendfreund Magnus Raubbau am Gletscher ihrer Heimat betreiben lässt, segelt Signe zu ihm nach Frankreich. An Bord ihres Bootes "Blau" hat sie einige Kisten mit Eis.

Frankreich, 2041. David ist mir seiner kleinen Tochter Lou auf der Flucht vor der Dürre, vor dem Feuer. In Nordfrankreich finden sie Zuflucht in einem Auffanglager, wo sie auf Davids Frau Anna und das Baby August warten wollen, von denen sie auf der Flucht getrennt wurden. Doch auch hier wird das Trinkwasser und die Nahrung immer knapper.

Meine Meinung:
„Die Geschichte des Wassers“ ist Teil des sogenannten Klima-Quartetts von Maja Lunde, einer Romanreihe, die sich mit dem Klimawandel und seinen Folgen beschäftigt. Bisher erschienen zwei Bände, die völlig unabhängig voneinander sind.

Während mich das erste Buch „Die Geschichte der Bienen“ absolut begeistern konnte, hatte ich mit dem vorliegenden Buch leichte Probleme. Die Erzählung um David in der nahen Zukunft fand ich sehr ansprechend und spannend. Seine Ängste um seine Tochter und den verlorenen Rest der Familie, die Hoffnung, sie bald wiederzusehen, seine Überforderung, Tag und Nacht für sein Kind da sein zu müssen - all das konnte ich sehr gut verstehen. David war mir dabei sehr sympathisch, und auch wenn er manchmal etwas machte, was mir nicht gefiel, habe ich doch nachvollziehen können, warum er so handelte.

Mit Signe bin ich leider überhaupt nicht warmgeworden. Bei ihrem Handlungsstrang musste ich mich immer ein bisschen überwinden weiterzulesen. Zwar erkannte sie schon früh, wie wichtig der Erhalt der Natur ist, aber ihr Kampf darum war mir einfach zu extrem und irgendwie auch zu egoistisch. Mir schien es, als ob sie den von Menschen verursachten Klimawandel als Beleidigung ihrer Person empfand. Sie war mir schon als kleines Kind, das man in den Rückblicken erlebt, nicht sonderlich sympathisch und das ändert sich leider auch im Verlauf des Buches nicht. In den Rückblenden erfährt man sehr viel über Signes Leben und warum sie sich so entwickelte. Ihre Eltern Iris und Bjørn hatten in manchen Dingen sehr unterschiedliche Ansichten, und die kleine Signe musste sich für eine Seite entscheiden. Darunter sollte sie ein Leben lang leiden.

Auch wenn mir dieses Buch im Gegensatz zum ersten nicht ganz zusagte, werde ich trotzdem den nächsten Band lesen, sobald er erscheint. Die Themen sind einfach zu wichtig, um sie zu ignorieren. Maja Lunde hat hier sehr schön herausgearbeitet, wie sehr unser Leben vom Wasser abhängt und wie empfindlich das Gleichgewicht der Natur ist.

Das Klima-Quartett:
Die Geschichte der Bienen
Die Geschichte des Wassers

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Nicht ganz zufriedenstellend umgesetzt

Norwegen im Jahr 2017. In ihrem Heimatort an einem großen Fjord stellt die fast 70-jährige Signe mit Bestürzung fest, dass aus dem Gletscher, für dessen Erhaltung sie schon über 40 Jahre früher gekämpft hat, Eis geschlagen wird, um es als Luxusgut zu exportieren. Kurz entschlossen bemächtigt sie sich einiger Kanister mit Eisbrocken und begibt sich damit auf ihrer Segelyacht in den Süden Europas, um einen der Profiteure zur Rede zu stellen. Rund 25 Jahre später herrscht seit langer Zeit eine Dürre in Südeuropa, die viele Menschen zwingt, ihre Wohnorte zu verlassen und in nördliche Länder auszuwandern, wo die Wasserversorgung noch gewährleistet ist. Unter diesen Flüchtlingen befindet sich auch David mit seiner kleinen Tochter Lou, die vom Rest ihrer Familie getrennt wurden. Sie stehen vor der Entscheidung, entweder auch nach Norden zu wandern oder auf die beiden anderen Familienmitglieder zu warten, über deren Verbleib sie nichts wissen. Nicht nur das Wasser, sondern auch die Nahrungsmittel werden immer knapper und das Leben in der von Dürre geprägten Umgebung gefährlicher.

Um den Klimawandel und seine Auswirkungen kommt man in unserer Zeit kaum noch herum. Deshalb wäre es interessant zu erfahren, wie das Leben in der Zukunft aussehen könnte, wenn Trinkwasser immer rarer wird. Insofern hört sich der Titel "Die Geschichte des Wassers" verheißungsvoll an. Daneben klingen auch die zwei Handlungsstränge des Buches reizvoll und sorgen, besonders in Bezug auf die in der Zukunft angesiedelten Ereignisse, für eine hohe Erwartungshaltung. Leider kommt es in der Hinsicht zu einer Enttäuschung, denn über die Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit für die Bevölkerung gibt es kaum Hinweise. Man bekommt zwar Einblicke in das Leben von Personen, die sämtliches Hab und Gut hinter sich lassen mussten, um in ein Lager zu flüchten, in dem wenigstens die Grundversorgung noch gewährleistet ist. Was sich aber europaweit abspielt, bleibt völlig im Dunkeln. Es bleibt noch nicht einmal viel Platz für Spekulationen, weil man abseits der ganz persönlichen Erlebnisse von David und seiner Tochter in deren relativ kleinen Aktionsradius rein gar nichts darüber erfährt, wie ein Europa unter der Last der Dürre aussieht. Der Teil von Signe, der anderen Hauptperson, ist etwas aufschlussreicher, wenn auch nur in Bezug auf allgemeine Umweltbelange. Signes Sensibilität für dieses Thema beginnt schon in ihrer Kindheit, beeinflusst sie ihr Leben lang und verlangt ihr dabei viele Opfer ab. Auf diese Weise bekommt man Einblick in das Leben einer Umweltaktivistin.

Der Titel ist vielleicht etwas unglücklich gewählt und weckt Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Der Originaltitel Blå ist passender, er bezieht sich auf Signes Segelboot, das tatsächlich eine wichtige Rolle spielt und vor allem die Verbindung zwischen den zwei Geschichten im Buch darstellt. Wenn man den Anspruch zurückstellt, detailliert über die Auswirkungen der Wasserarmut auf Umwelt und Bevölkerung zu erfahren – was ohnehin viele Spekulation beinhalten würde – hat die Geschichte doch einiges zu bieten. Schon wenige Aktivisten können etwas bewirken, auch wenn es nur vorübergehend ist. Um das Klima zu retten, bedarf es jedoch mehr als eine Hand voll direkt Betroffener, vor allem, wenn wirtschaftliche Belange Vorrang haben und große Konzerne Einfluss ausüben.

Die Stimmung im Buch spiegelt das ernste Thema wieder. Die beiden Hauptprotagonisten sind keine Menschen, die sofort jeden für sich einnehmen, sondern Figuren mit Ecken und Kanten, die noch nicht abgeschliffen und es vielleicht auch nie sein werden. Sie leben beide unter dem Einfluss des Klimawandels, wobei David die Auswirkungen direkt zu spüren bekommt, die Signe zeitlebens zu verhindern versuchte und dafür ihr persönliches Glück opferte.

Obwohl einiges passiert, ist es alles andere als plakativ. Auf den ersten Blick wirkt der Stil schon sehr zurückhaltend. Das mag schlecht ankommen bei Lesern, die ausgeprägte Reize bevorzugen, um Spannung zu empfinden. Ich glaube nicht, dass Maja Lunde diese Art von Spannung erzeugen will. Sie möchte einfach verdeutlichen, welche Wirkung ein drohender Klimawandel auf die Menschheit hat.

Die Autorin zeigt aber auch die menschliche Seite, sie zeigt, was dem Einzelnen passieren kann. Man braucht eine Aufgabe und ein Ziel, auf das man zusteuern kann, um sich nicht selbst aufzugeben. Auch wenn alles noch so aussichtslos erscheint, darf man nicht aufhören zu glauben, dass eine Besserung machbar ist. Und selbst wenn die Menschlichkeit in vielen Fällen auf der Strecke bleibt, ist immer noch Liebe möglich.

Keine Lektüre mit reinem Unterhaltungsfaktor, sondern auch mit der Absicht, die Augen zu öffnen. Es gab schon andere Bücher mit Zukunftsvisionen, die sich nach Jahrzehnten als äußerst realistisch erwiesen.

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da wäre mehr drin gewesen

„Die Geschichte des Wassers“ von Maja Lunde spielt in drei Zeitebenen.

In den 60ger und 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts entbrennt zwischen Ökoaktivisten und Einheimischen ein Streit darum, ob ein Fluss und dessen zwei Wasserfälle dem Fortschritt und der Industrialisierung weichen sollen oder ob die Natur über dem Gewinnstreben der Menschen und dem Wunsch nach neuen Arbeitsplätzen stehen darf. Während Signes Vater gegen das Vorhaben zu Felde zieht ist ihre Mutter auf Seiten der Befürworter dieser einschneidenden Veränderungen. Signe wird durch den jahrelangen Streit der Eltern in ihren politischen Ansichten stark geprägt.

50 Jahre später ist sie entsetzt darüber, dass inzwischen der Gletscher über ihrem Heimatdorf fast vollständig verschwunden ist und als die letzten kümmerlichen Überreste als Eiswürfel für afrikanische Scheichs verpackt werden, entschließt sie sich zu handeln.

Nochmal 40 Jahre später ist der Süden Europas von jahrelangen Dürren ausgetrocknet und die Menschen sind auf der Flucht in den Norden und auf der Suche nach Wasser und einer neuen Heimat. Hier begegnen wir David und seiner kleinen Tochter, die in ein Flüchtlingslager gelangen und dort hoffen auf den Rest ihrer kleinen Familie zu treffen.
Der Titel des Romans und das erste Drittel der Geschichte sind vielversprechend und lassen auf ein spannendes Buch mit einer wichtigen ökologischen Botschaft hoffen. Leider bleibt es aber für mich bei gutgemeinten Ansätzen und Andeutungen zu einem komplexen und hochaktuellen Thema.

Die Autorin verliert sich in Beschreibungen über die zwischenmenschlichen Probleme der Akteure. Das Wasser und der Kampf darum sind zwar mehrmals der Auslöser von Konflikten und Aktionen aber es wird dann doch nur zur Staffage degradiert. Vor allem der Handlungsstrang in der gar nicht so fernen Zukunft hätte mich noch mehr interessiert. Maja Lunde macht sich aber nicht die Mühe zu erklären, warum die Zivilisation so schnell so komplett zusammengebrochen ist. Man erfährt auch nichts über den Zustand der restlichen Welt oder auch nur darüber, was in der betreffenden Region überhaupt passiert ist. Dadurch spielt alles wie in einer Blase und man hat keine Relationen, an denen man messen kann, ob hier wirklich eine Klimakatastrophe stattfindet und wie die Menschheit tatsächlich damit umgeht. So sind David und Lou nur ganz einfach Flüchtlinge und ihr Schicksal ist austauschbar und könnte auch heute in einem anderen Land spielen.

Die Sprache von Maja Lunde ist unaufgeregt und klar, manchmal fast etwas einfallslos. Die Akteure und ihre Motivationen wurden gut beschrieben aber das Setting blieb alles in allem blass und meiner Meinung nach wurde das Thema Wasser als Dreh- und Angelpunkt verfehlt. Das ist sehr schade, denn, wie gesagt, die Ansätze waren durchaus vorhanden und mit etwas gutem Willen kann man durchaus rauslesen, was die Autorin wohl wirklich sagen wollte.

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Die Geschichte des Wassers

Mit "Die Geschichte des Wassers" hat Maja Lunde nach "Die Geschichte der Bienen" den zweiten Teil des Klima-Quartetts geliefert.

In zwei Handlungssträngen und Zeitebenen begegnen wir einerseits Signe, eine siebzigjährige Umweltaktivistin, die sich mit ihrem Boot "Blau" auf den Weg nach Frankreich macht und sich gegen den Verkauf von Gletscherwasser an reiche arabische Länder egagiert. Andererseits erleben wir im Jahre 2041 mit David und Lou, die als Klimaflüchtlinge auf dem Weg nach Norden in die Wasserländer in einem Flüchtlingslager ankommen, aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels und der Wasserknappheit in vielen Ländern, die ja bereits heutzutage vielerorts sichtbar und spürbar ist.

Der Stil ist zwar flüssig und sprachlich nicht zu überfrachtet, aber einen richtigen Bezug konnte ich nicht zu allen Figuren aufbauen, auch wenn mir der Signe-Abschnitt von beiden Ebenen am besten gefallen hat, so bleiben die Personen doch nicht gänzlich greifbar.

Es gab spannende Passagen, die den Leser durch das Buch tragen, aber mir hätte etwas mehr Bezug zu Umweltthemen gefehlt, denn die Schicksale der Protagonisten waren dafür etwas zu sehr im Vordergrund als dass viel Platz für den Klimawandel und deren Folgen, wie die Wasserknappheit gewesen wäre.

Zwar werden die Auswirkungen in den David-Abschnitten angesprochen, aber in dem Maße, dass man es fast schon getrost außer Acht lassen konnte, leider. Vielleicht wird der Leser auch den deutschen Titel "Die Geschichte des Wassers" in die Irre geführt, denn dadurch erhofft man sich möglicherweise mehr und ist am Ende enttäuscht, anders wäre es gewesen, wenn der Verlag den Originaltitel genutzt hätte bzw. ihn übersetzt hätte.

Alles in allem ein interessantes und spannedes Buch, aber in Betracht des Problems, welches angesprochen wurde, kamen Ausführungen viel zu kurz und das Potenzial wurde nicht ausreichend ausgeschöpft.

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Meine Erwartungen wurden enttäuscht

Eine alte Umweltaktivistin namens Signe versucht im Jahr 2017 einen norwegischen Gletscher vor der Verarbeitung zu Eiswürfeln zu retten. 2041 kämpfen David und seine Tochter Lou in Frankreich ums Überleben - seit fünf Jahren herrscht aufgrund des Klimawandels eine Dürre und die Wasservorräte werden knapp.

Der Schreibstil der Autorin ist knapp, aber angenehm zu lesen. Trotz seiner fast 500 Seiten kann man das Buch schnell durchlesen, was auch daran liegt, dass für ein Erwachsenenbuch relativ wenig Text auf den einzelnen Seiten untergebracht ist.

Die heutige Zeitebene hat mich leider auf großen Strecken nur gelangweilt. Seite um Seite schippert Signe mit ihrem Boot übers Meer. Mit der Schifffahrt kenne ich mich zu wenig aus, um mich dafür begeistern zu können, und eigentlich hatte ich gehofft, etwas über Wasser und nicht über Vorsegel und Treibanker zu lernen. Auch in der Geschichte von David und Lou kommen Wasser bzw. die Gründe für dessen Mangel viel zu kurz. Stattdessen lernt man das Leben in einem Flüchtlingslager kennen, was durchaus interessant ist. Dennoch wären mehr Informationen über Wasser an sich, den Wasserkreislauf, die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wasser, usw. im Buch sehr schön gewesen. Leider übergeht die Autorin all das vollständig oder handelt es in ein paar Sätzen ab (wie z.B. die Grundwasservorräte). Es gibt 2041 einfach kaum noch Wasser - Punkt. Und auch die Auswirkungen auf den Rest der Welt bleiben im Dunkeln.

Alle Protagonisten sind für mich schwer durchschaubar geblieben und sehr viele ihrer Handlungen konnte ich nicht nachvollziehen. David, der 26 ist und schon eine 6jährige Tochter hat, benimmt sich wie ein ahnungsloser, naiver und triebgesteuerter Teenager. Signe wiederum ist in ihren Aktionen viel zu radikal, um als sympathische Naturschützerin wahrgenommen werden zu können. Auch mit den Nebenfiguren wie Marguerite und Magnus konnte ich mich nicht anfreunden.

Der fulminante deutsche Titel "Die Geschichte des Wasser" verspricht leider mehr, als das Buch halten kann. Unter dem Originaltitel Blå (="Blau" und gleichzeitig auch der Name von Signes Boot) hätte ich wahrscheinlich weniger erwartet und wäre nicht so enttäuscht worden.

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Wässriger Inhalt

Die Geschichte des Wasser beschreibt die Geschichte von Signe in 2 Zeitebenen, nämlich Ausschnitte ihrer Kindheit und Jugend, die sie zur Umweltaktivisten werden ließen, sowie ihrer Reise als ältere Frau auf der Blau zu ihrem ehemaligen Lebensgefährten und die Geschichte von David und seiner Tochter Lou, die in der Zukunft als Flüchtlinge direkt von der Wasserknappheit betroffen sind.

Das Thema "Wasser" soll laut Titel eine wesentliche Rolle spielen - doch sollte man sich hier nicht täuschen lassen und auf den Originaltitel "Blau", dem Namen des Bootes schauen...

Ich fand das Buch stellenweise recht spannend, auch wenn mir beide Hauptcharaktere nie wirklich sympathisch geworden sind, vor allem im Zukunftshandlungsstrang immer wieder Unstimmigkeiten oder Fragen zur Schlüssigkeit bzw. Nachvollziehbarkeit entstanden und das Thema "Wasser" nur einen Randplatz mit Sichtbehinderung eingenommen hat. An vielen Stellen hätte die Autorin hier Fach- und Sachbezüge einfließen lassen können, beschränkte sich aber immer nur auf die Liebesbeziehungen der Protagonisten und hat so am "Umweltthema", welches ich erwartet habe, vorbeigeschrieben.

Vielleicht ist es ausschließlich ein Problem der Erwartungshaltung, aber für mich schafft es das Buch leider nicht, das sehr wichtige Thema Wasser ausreichend mit Denkanstößen zu versehen.

Ich danke hier trotzdem nochmal für die Leserunde, die Spaß gemacht hat...

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