Margriet de Moor: Von Vögeln und Menschen

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Margriet de Moor: Von Vögeln und Menschen
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Van Vogels en Mensen
ET (Original)
2016
ISBN-13
9783446258198

Informationen zum Buch

Seiten
272

Sonstiges

Originalsprache
niederländisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Eines frühen Junimorgens kommt er nach Hause.

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Handlungsort

Kontinent
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Vor dem Amsterdamer Hauptbahnhof klafft eine Baugrube. Auf dem schmalen Steg davor begegnen sich zwei Frauen. Schreiend beginnt die jüngere auf die ältere einzuschlagen, bis diese in die Grube stürzt und den Tod findet. Seit ihrer Kindheit hat Marie Lina den Gedanken an Rache im Herzen getragen, an diesem Tag bricht er sich Bahn. Marie Linas Mann ist Vogelvertreiber am Flughafen, sie führen eine gute Ehe. Die tiefe Wut seiner Frau aber kann er nicht vertreiben. Warum hat Marie Linas Mutter einst einen Mord gestanden, den sie nicht begangen hat? Von Vögeln und Menschen ist ein Roman über drei starke Frauen – spannend, dicht und unglaublich raffiniert erzählt.

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Charaktere 
 
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Sprache & Stil 
 
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Hat mich trotz sprachlicher Finesse und interessanter Prämisse leider nicht ganz überzeugen können

Eines Tages wird Louise Bergmann aus dem Schlaf geklingelt und von der Polizei abgeholt. Der 90-jährige Bruno Mesdag wurde umgebracht. Als Haushaltshilfe des alten Herrn fällt der Verdacht schnell auf sie. Sie wird festgehalten und verhört, bis sie es nicht mehr erträgt. Obwohl sie unschuldig ist, legt sie ein Geständnis ab, schildert die Tat genau so, wie sie vollführt wurde. Und tritt anschließend eine lange Haftstrafe an, die sie von ihrem alten Leben, ihrem Mann und ihrer Tochter zwangsläufig entfremdet.

Louises Tochter, Marie Lina, die bei der Verhaftung noch ein junges Mädchen war, mittlerweile aber selbst glücklich verheiratet und Mutter, kann diese Ungerechtigkeit, die sie seit Jahren quälend umtreibt, nicht ruhen lassen. Und so macht sie sich auf die Suche nach der Frau, für deren Mord ihre Mutter büßen musste. Der Plan nach Rache und Vergeltung ist in ihr fest gefasst und sie ist bereit, ihn um jeden Preis auszuführen.

Ich hatte keine großen Erwartungen, wurde dann zunächst überrascht und habe letztendlich doch mit sehr gemischten Gefühlen das Buch beendet. Von Vögeln und Menschen ist vor allem eine Mutter-Tochter-Geschichte, in der das Gespann zwar nicht viel Zeit miteinander verbringen kann, das Leben der Tochter jedoch drastisch von dem Leben der Mutter beeinflusst ist. Margriet de Moor schafft es hier, die verschiedenen Charaktere der Hauptfiguren extrem scharfsinnig zu zeichnen und dem Leser bzw. der Leserin einen Einblick in die Psyche dieser Figuren zu liefern, der gleichzeitig sehr nüchtern und präzise ist, aber einen dann doch tief in ihre seelischen Befindlichkeiten hineinblicken lässt. Genau dies hat mir auf der einen Seite zwar gefallen und mich de Moors feine Beobachtungsgabe bewundern lassen, die sich wie ein Tanz auf der Suche nach Wahrheit und (grausamer Un-)Gerechtigkeit zwischen den schuldigen und unschuldigen Frauen und Männern hin- und herbewegt - auf der anderen Seite hat es mich jedoch nie wirklich mitgerissen oder emotional berührt, wobei ich mir aber auch nicht sicher bin, ob das tatsächlich das Ziel war. Zumindest fühlte ich mich aber, als würden mir ein paar Teile des Bildes fehlen, um diesen Roman in seiner Gesamtheit sehen zu können - und ein paar Teile (hauptsächlich diese, die in Verbindung mit den Vögeln standen), besaß ich auch am Ende zu viel und konnte ich nicht richtig einfügen.

Im Endeffekt bleibt nach „Von Vögeln und Menschen“ bei mir eine große Neugier auf de Moors weitere Werke, aber keine nachhaltige Begeisterung für dieses durchaus kunstvoll konstruierte und sprachlich interessante (und wirklich sehr schön übersetzte), aber dann doch zu nüchterne und für mich zu abschweifende Werk über die menschlichen Abgründe und Sehnsüchte, über Hass und Vergebung und die Frage danach, was es braucht, um einen Menschen zum Äußersten zu treiben.

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Das Buch der Schuld

In Margriet de Moors Roman "Von Vögeln und Menschen" geht es klar um Schuld: um echte, um nicht eingestandene und um solche, die anderen angehängt wurde. Es geht um schuldige und unschuldige Männer und Frauen. Vor allem um Frauen. Ich sehe das Buch als einen Familienroman, gewissermaßen aber auch als Krimi, einer, der quasi rückwärts erzählt wird.

Denn die Geschichte beginnt in der Gegenwart mit Rinus Caspers, der als Vogelvertreiber am Amsterdamer Flughafen arbeitet - und zwar mit Begeisterung - und mit seiner Frau Lina, einer Krankenschwester, die ebenso wie er Vögel liebt. Scheinbar hat sich etwas ereignet, doch bald schwenkt der Fokus auf ein lange zurückliegendes Ereignis:

Ein alter Mann wird in seinem Zimmer im Seniorenheim ermordet aufgefunden: ein sehr netter Herr, der, obwohl schon sehr bejahrt, noch eine ganze Weile hätte leben können, so gut wie er beisammen war. Doch er hatte Geld - Geld, das nun fehlt und das kann auch bei lieben Menschen ein Grund für Mord sein. Eine Schuldige - nämlich seine Haushaltshilfe Louise ist schnell gefunden und gibt den Mord nach anfänglichem Leugnen zu, wofür sie lange Jahre ins Gefängnis muss. Ihre Familie geht daran zugrunde und sie selbst letztendlich auch.
Jahre später stirbt eine Frau durch das Zutun von Louises Tochter Lina. Diese, längst glücklich verheiratet und Mutter eines elfjährigen Sohnes, gibt ihre Schuld sofort zu, ja, sie macht diese sogar größer als diese in der Anklage ist, wo nämlich von einem Unglück, schlimmstenfalls einem Totschlag ausgegangen wird. Doch Lina sagt aus, diesen Mord seit Jahrzehnten geplant zu haben.

Eine traurige Geschichte um große Themen wie Schuld und Sühne, aber auch Reue und Hingabe - wie auch um deren Fehlen. Und zwar durchaus auch auf anderen Ebenen als in diesem ganz besonders dramatischen, im Zentrum der Handlung stehenden Fall. Doch Margriet de Moor hat sie mit einer Leichtigkeit, einer Klarheit - die in der deutschen Übersetzung sehr gut transportiert wird - geschildert, die Charaktere ebenso eigenwillig wie plastisch dargestellt, dass ich sie schnell gelesen hatte. Im Vergleich zu anderen Werken der Autorin empfand ich es als besonders zugänglich. Da die Autorin stets einen gewissen Abstand zu ihren Figuren und der Handlung wahrt, bleibt man auch als Leser ein Beobachter von außen, was ich mit Blick auf die Handlung als sehr passend empfinde. Man wird dadurch quasi davor bewahrt, sich selbst zu sehr zu involvieren.

Ein aus meiner Sicht spannender und vielschichtiger Roman, der jedoch durch seine nüchterne Erzählweise sicher auf einige Leser auch (zu) kalt wirken kann. Ich empfehle ihn dennoch als ein ungewöhnlichen Roman, den ich gerade durch den fernen Blick, den man als Leser hat, als besonders wirkungsvoll empfunden habe. Wenn auch viele Fragen offen blieben. Doch das ist sicher Absicht und Teil des Romankonzepts.

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