Martin Mosebach: Mogador

 
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Martin Mosebach: Mogador
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783498042905

Informationen zum Buch

Seiten
368

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Hitze, den ganzen Körper köstlich durchglühende Hitze.

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Nicht immer wird ein Sprung aus dem Fenster zum Sprung in eine andere Welt. Aber als der junge, auf der Karriereleiter seiner Bank schon ziemlich hoch hinaufgelangte Patrick Elff nach einem Gespräch im Polizeipräsidium aus dem Fenster springt, ist das der Beginn einer gefährlichen Reise. Er hat betrogen, die Entdeckung steht bevor. Nun sucht er Hilfe bei einem mächtigen marokkanischen Finanzmann, der ihm noch einen Gefallen schuldet, und flieht nach Mogador.

Doch auch in der Stadt an der marokkanischen Atlantikküste erweist sich das Untertauchen als schwierig. Um der Aufmerksamkeit der Polizei zu entgehen, mietet er sich nicht in einem Hotel, sondern im Haus der Patronin Khadija ein, einem Universum im kleinen, einer verborgenen Welt mit eigenen, weit jenseits des Normalen liegenden Gesetzen: Khadija ist Hure und Kupplerin, Geldverleiherin, Zauberin und Prophetin. Patrick, der sich selbst als einen erlebt, der mehr oder weniger unfreiwillig in seine Tat hineingeschliddert ist, stößt hier auf eine Frau, die mit ihrem Willen einen Kult bis zur Selbstvergötzung treibt. Zum zweiten Mal in kürzester Zeit übertritt er die eben noch unverrückbar scheinenden Grenzen seines Lebens, sieht die Geisterwelt, lernt Schrecken kennen, die irdische Strafen übersteigen.

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Eine faszinierende Erzählung, die sich nicht in eine Schablone pressen lassen möchte

Patrick Elff hat sich trotz seiner jungen Jahre die Karriereleiter in der Bank hoch hinauf gearbeitet. Im Zuge seiner Arbeit hat er es zu seinem eigenen Vorteil nicht immer ganz genau mit dem Gesetz genommen, was ihm nun auf den Kopf zu fallen droht. Ein mächtiger Kunde könnte ihm aus der Misere helfen. Basierend auf einem vagen Versprechen lässt Elff alles hinter sich und flüchtet nach Marokko. Dort taucht er bei der willenstarken Khadija unter, in einer Welt, in der andere Regeln gelten, als er sie im durchtstrukturierten Deutschland gewohnt ist.

Martin Mosebach vermischt in seinem wortstarken Roman eine kleine Krimigeschichte mit der Seelenreise eines Getriebenen vor der exotischen Kulisse Marokkos. Er gibt seinem charakterschwachen Helden Elff einen starken weiblichen Gegenpart zur Seite. Anders als Elff, der sich durchgehend als Opfer der Umstände betrachtet und kaum zu einer minimalen Einsicht gekommen in die nächste Opferrolle verfällt, hat Khadija ein Rückgrat aus Stahl. Ihr widerfährt nichts, sie widerfährt anderen. Hure und Kupplerin, Zauberin und Mutter, Witwe und Liebende, Khadija trifft ihre eigenen Entscheidungen und lebt mit den Konsequenzen ohne Bedauern.

Mosebachs Protagonisten sind realistisch beschrieben. Man hat sofort eine gute Vorstellung von den einzelnen Personen. Einzig Pilar, Elffs Ehefrau bleibt blass und seltsam verschwommen. Wahrscheinlich beabsichtigt, denn bis fast zum Ende des Romans erlebt man sie nur aus seiner Sicht. Schnell erkennt man, dass dieser schwache und doch sympathische Antiheld seine Frau nicht kennt. So überrascht sie letztendlich ihn und den Leser.

Sprachlich erinnert der Roman an eine orientalische Erzählung. Sehr lebhaft und wortreich, mit einprägsamen Bildern und Vergleichen:

"Die Sonne stand schon tief, in warmen Goldgelb, herrlich anzuschauen; sie geradewegs anzublicken, das war inzwischen möglich - die Farbigkeit hat ihre das Stechende und Verwundende genommen. In Khadijas Welt alles zerbrochen, verschimmelt und vom Schwamm befallen, aber darüber erhob sich jeden Tag dieses Bild der ungetrübten Vollkommenheit, der reine Kreis, von dem die Mathematiker behaupten, er könne nur gedacht werden, kein Mensch könne ihn fehlerlos zeichnen." - Martin Mosebach - Mogador, Zweiter Teil, Kapitel 3, Seite 119

Derartige stilistische Höhenflüge ziehen sich durch die gesamten 370 Seiten des Buches. Sie machen das Lesen zur Freude, verlangen aber auch die Bereitschaft zur Konzentration. Zwischen Traum und Wirklichkeit schwankend, muss jeder für sich selbst entscheiden, was real und was Illusion ist. Popcornunterhaltung darf man sich nicht erwarten, dafür wird man mit einer komplexen Geschichte mit lebendig gezeichneten Charakteren belohnt.

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Die Macher

Es gibt Macher unterschiedlicher Art - solche, die ihr eigenes Schicksal gestalten, dann solche, die darüber hinaus auch die Schicksale anderer Menschen - weniger oder auch vieler - bestimmen und dann gibt es noch solche, die andere wie Schachfiguren hin und her schieben, je nachdem, wie es ihnen gerade passt, egal ob es den anderen nun passt oder auch nicht.

Patrick Elff gehört zunächst zur zweiten Kategorie: ein junger, erfolgreicher Aufsteiger, mit dem das Schicksal es gut gemeint hat. In seiner Bank hat er es schon ziemlich weit gebracht und leitet ein Team von teilweise wesentlich älteren und schon lange in dort tätigen Angestellten, die seit Jahren feststecken. Einer von ihnen wird ihm zum Verhängnis - indem er nämlich als Chef und Mitwisser für gewisse Machenschaften haften muss. Aus seiner Sicht rutscht er von jetzt auf gleich in die dritte Kategorie - im Schachspiel wird er zur tragischen Figur und damit zum Verlierer, der verfolgt wird und sich auf seiner Flucht nach Mogador/Marokko begiebt, wo - so meint er - sich der einzige Mensch befindet, der ihm noch helfen kann.

Er gerät in eine eigenartige Gemeinschaft, in die Welt von Khadira, die quasi über ein eigenes Universum herrscht und es mit eigener Kraft aus Kategorie eins, also der Abhängigkeit in die zwei, die Herrschaft über andere, geschafft hat. Eine faszinierende Person in einem ebenso eindringlichen Umfeld, das in ausführlicher Beschreibung den Mittelteil des Romans und aus meiner Sicht den qualitativen Höhepunkt der Geschichte bildet.

Eine besondere Thematik, die mir zu Beginn, als Patrick Elff sich absetzte und auf seine Wanderung begab, ziemlich krimilastig vorkam, was sich jedoch bald änderte. Denn die Geschichte von Khadija hat ganz klar etwas von 1001 Nacht. Mir hat gefallen, wie schnell Khadija davon abkam, sich manipulieren zu lassen, sondern vielmehr selbst die Rolle des Manipulators übernahm. Wird auch Philipp wieder dorthin gelangen?

Eine sehr wortreich und blumig erzählte Geschichte, bei der es mir manchmal des Guten zuviel war - sprachlich und stilistisch gesehen, meine ich. Bei den Charakteren empfand ich insbesondere die weiblichen Figuren als gut gezeichnet, Philipp Elff hingegen verlor sich ein wenig hinter den Ereignissen, was möglicherweise auch beabsichtigt war. Das orientalische, opulente passte aus meiner Sicht gut zu Khadija, nicht jedoch zu Philipp, mir hätte es besser gefallen, wenn es sich auch stilistisch ein wenig abgesetzt hätte. Wobei dies mein erster Roman von Martin Mosebach war - ich bin also vollkommen unbelastet und somit auch frei von Erwartungen in dieses Buch gestartet. Und jetzt? Nun, ich werde es vom Thema abhängig machen, ob ich mich nochmal an einen Mosebach wage - dieses Buch habe ich trotz der unbestreitbaren Eloquenz des Autors mit Interesse, nicht jedoch mit Begeisterung gelesen: an die sehr wortreiche, stellenweise verschnörkelte Sprache konnte ich mich wie erwähnt nur teilweise gewöhnen.

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