Micaela Jary: Wie ein fernes Lied

Micaela Jary: Wie ein fernes Lied

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Micaela Jary: Wie ein fernes Lied
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783492306133

Informationen zum Buch

Seiten
544

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die Menschen starrten sie an, als wäre sie nicht ganz bei Trost.

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Hamburg,1939: Verzweifelt sieht Marga dem Zug hinterher, mit dem ihr Jugendfreund Michael in die Ferne reist. Seit sie denken kann, ist sie in den jüdischen Klarinettisten verliebt, zahllose Stunden verbrachte sie mit ihm in den Tanzlokalen der Hamburger Swingjugend. Obwohl seine Herkunft ihn zur Emigration nach Paris zwingt, ist Marga fest entschlossen, ihn wiederzusehen. Denn ihre Liebe ist wie ein Lied, das niemals verklingt. Doch in dessen süße Melodie mischen sich schon bald die kalten Klänge des Krieges ...

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Eine Zeitreise in die Zeit der Swing-Jugend während des Nazi-Regimes

Hamburg 1939: Die junge Marga muss am Hamburger Bahnhof Abschied von ihrer Jugendliebe Michael nehmen. Sie ist mit ihm aufgewachsen und schon lange heimlich in den jüdischen Klarinettisten verliebt, durch den sie den Swing und die Swingjugend der 1930er Jahre kennengelernt hat. Auch wenn die politische Lage Michael zur Emigration zwingt, ist Marga fest entschlossen, ihn wiederzusehen. Indem sie ihren großen Traum als Sängerin verfolgt, hofft sie auf ein Wiedersehen mit Michael.

Paris 1999: die junge Studentin Andrea Cramer verdient sich mit Klavierspielen in Hotels nebenher etwas dazu, dabei fällt ihr ein älterer Mann auf, der interessiert ihrem Spiel lauscht. Als sie ihn ansprechen möchte, läuft er davon und es kommt zu einem tragischen Unfall.

Das neue Buch von Micaela Jary entführte mich in eine Episode der Nazizeit, die mir bisher völlig unbekannt war: ich wusste bisher nichts von der Swing-Jugend, die als oppositionelle Jugendkultur im Nationalsozialismus aufgetreten ist. Umso spannender war es für mich, in diese Thematik und den Swing der damaligen Zeit abzutauchen.

Das Buch wechselt immer zwischen zwei Zeitebenen, die Querverweise zwischen ihnen sind der Autorin sehr gut gelungen.

Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, welche Wendung das Buch nehmen und wie es für die Protagonisten ausgehen wird. Das Ende fand ich stimmig und hat mir sehr gut gefallen.

Marga Maibach ist eine Figur, die es dem Leser und ihren Mitmenschen nicht immer leicht macht. Sie ist unsterblich verliebt in Michael und diese Liebe wird über die lange Zeit, die sie von ihm getrennt ist, beinahe zur Obsession, über die sie manches Mal den Blick auf ihre wirklichen Freunde verliert. Teilweise agiert sie sehr impulsiv und unüberlegt und bringt damit ihre Umwelt in Gefahr.

Für die Politik interessiert sie sich nur wenig, für sie steht die Musik und Michael an erster Stelle. Was ich an ihr aber toll finde, dass sie die Ideologie der Nazis völlig ablehnt, allerdings lässt es sich nicht vermeiden, dass sie als Orchestersängerin immer wieder mit Parteifunktionären zusammentrifft.

Außerdem ist sie hoffnungslos naiv-romantisch, was mich öfters zum grinsen gebracht hat, wenn sich dann ihre Vorstellungen so ganz anders erfüllen. Sie hat Glück, dass sie einen sehr guten Freund an ihrer Seite hat, der ihr immer wieder aus der Patsche hilft und der, wie bald klar wird, mehr für Marga empfindet als nur Freundschaft. Leicht hat er es nicht mit Marga, die aufgrund ihrer Besessenheit für Michael ihn nicht immer so zu schätzen weiß, wie er es verdient hätte.

Aber gerade, weil die Figur der Marga so reizt und nicht perfekt ist, finde ich sie besonders gut gelungen.

Ein tolles Buch, das mich mit viel Swing zwischen den Zeilen in die damalige Zeit entführt hat.

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Wenn die Musik dein Leben bestimmt...

Nachdem ich mit großer Begeisterung "Das Haus am Alsterufer" gelesen hatte, war klar, dass ich von Micaela Jary auf jeden Fall wieder etwas lesen wollte und so freute ich mich schon sehr auf das vorliegende Buch, welches mich mitten ins Herz getroffen hat.

In der Geschichte geht es um zwei starke Frauen. Zum Einen haben wir Marga Maibach, die sich im Sommer 1939 so richtig verliebt hat und sich als Sängerin während des Krieges auf die Spuren ihres Liebsten begibt. Wird es zu einem Wiedersehen kommen? Zum Anderen haben wir Andrea Cramer, die eine merkwürdige Begegnung mit einem älteren Herrn hat. Was wollte er bloß von ihr?

Ein allwissender Erzähler führt uns durch die beiden Handlungsstränge, so dass wir aus den unterschiedlichsten Perspektiven etwas über die Geschichte erfahren. Die Handlung um Marga spielt ab 1939, die Handlung um Andrea sechzig Jahre später.

Der Autorin ist es in diesem Buch sehr gut gelungen ein detailliertes Bild vom Krieg und den darin involvierten Menschen zu zeichnen. Als Leser spüren wir sehr intensiv wie der Krieg sich immer mehr auf die Menschen auswirkt. Doch nicht nur das, hat mir Frau Jary doch auch die Swing Kids der damaligen Zeit näher gebracht, von denen ich zuvor noch nie etwas gehört hatte. Die Musik spielt im Buch eine sehr große Rolle und zur Schau gestellte Lieder verstärken dies noch. Während des Lesens musste ich immer mal wieder zu dem ein oder anderen Lied recherchieren.

Die dargestellten Akteure wachsen einem sofort ans Herz. Mir hat es vor allem Marga mit ihren Ecken und Kanten angetan. Anfänglich mochte ich sie nicht sonderlich, weil sie recht überzogen und sprunghaft agierte, aber sie entwickelt sich sehr gut im Roman. Aber auch die anderen Charaktere wie Harald mit seinem guten Herzen oder Michael mit der brennenden Leidenschaft für Musik wussten zu überzeugen.

Die Handlung in der ferneren Vergangenheit nimmt einen deutlich größeren Teil ein, was mich persönlich aber absolut nicht gestört hat, da mich die Zeit um den 2. Weltkrieg ganz besonders interessiert.

Das Ende der Geschichte lässt keine Fragen offen und hat mich zu Tränen gerührt. Selten hat mich ein Roman so emotional berührt wie dieser.

Fazit: Ich habe wieder einmal etwas dazugelernt und fühlte mich wunderbar unterhalten. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen.

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Über allem Musik

Die 17-jährige Marga und der Nachbarsjunge Michael Friedländer sind zusammen aufgewachsen. Beide lieben den Swing. Doch 1939 ist diese Musik tabu. Als der Halbjude Michael mit dem Swing-Orchester Bobby Schwan auf Tournee in die Schweiz geht, bietet sich ihm die Möglichkeit, weiter mit seiner Klarinette die geliebte Musik machen zu können und dem Einfluss der Nazis zu entgehen. Beim Abschied auf dem Bahnhof gesteht Michael Marga, dass er sie liebt. Da Marga schon lange in Michael verliebt war, steigert sie sich nun ihre Träume hinein. Als sich ihr die Chance bietet, mit dem Orchester Harry Alsen die Truppen zu unterhalten, sagt sie sofort zu in der Hoffnung Micheal wiederzusehen. In Paris glaubt sie ihn auf der Bühne eines Swing-Clubs entdeckt zu haben, doch schon ist er verschwunden. Wird sie ihn jemals wiedersehen?
Andrea Cramer studiert Musik in Paris und verdient ihren Unterhalt als Pianistin in Foyers von Hotels. Ein alter Mann hört ihr mehrfach interessiert zu, doch bevor sie ihn ansprechen kann, ist er verschwunden. Bei einem Konzert mit ihrer Band ist er wieder unter den Zuhörer. Als sie auf ihn zugeht, flüchtet er und es geschieht ein Unfall. Der deutsche Journalist Frank Renner, der in Paris ist, um für eine Reportage über den Swing zu recherchieren, ist bei dem Unfall auch zugegen. Mit Andrea forscht er nach, warum der alte Mann namens Jules Delaborde den Kontakt zu Andrea meidet, obwohl er doch Interesse an ihr zeigt.
Diese Geschichte liest sich wunderbar flüssig. Es war wirklich schwer, das Buch zur Seite zu legen. Ich wollte wissen, was diese beiden Handlungsebenen miteinander verbindet. Da ist natürlich die Liebe zum Swing, über den Evelyn Künneke sagte: „Swing! Mehr als nur ein Rhythmus ist das, ein fröhlicher Bazillus, ein Lebensgefühl, Fliegen können, compris? Ich meine, Swing hat man plötzlich im Bauch wie Ella den Blues oder meine Freundin Monica ihr Baby, und das kann man doch auch keinem erklären, oder?“ Doch diese Musik, welche die jungen Leute so lieben, ist unter den Nazis verpönt und dann sogar strikt verboten. So kommt es, dass aus der getanzten Lebensfreude gleichzeitig eine Möglichkeit wurde, sich dem Regime zu verweigern.
Die Charaktere sind lebendig und authentisch beschrieben. In Margas Elternhaus spielte Politik keine Rolle und so ist auch für sie Politik kein Thema. Dabei sieht sie in ihrer Naivität die Zeichen der Zeit nicht. So bringt sie mit ihrer Direktheit sich und andere in Gefahr. Mit ihrem impulsiven Verhalten geht sie mir auf die Nerven und doch ist mir nicht unsympathisch, denn sie steht zu den Menschen in ihrem Umfeld. Sie idealisiert ihre Beziehung zu Michael und übersieht dabei, dass sie auch Gefühle für den hilfsbereiten und pragmatischen Harry hat, der sie immer wieder aus prekären Situationen rettet.
Die sympathische Andrea Cramer ist vorsichtig bei Beziehungen. Obwohl sie Frank Renner sympathisch findet, hält sie ihn auf Distanz.
Micaela Jary ist es wundervoll gelungen die Atmosphäre der damaligen Zeit spürbar zu machen, das schließt das Grauen genauso ein wie das lebhafte Swingen. Ich habe mitgefiebert, mitgehofft und mitgelitten. Immer wieder sind da Situationen und Verbindungen, mit denen ich so nicht rechnete. Ganz besonders das Ende hatte ich so nicht erwartet, doch es war stimmig und hat mich überzeugt.
Absolute Leseempfehlung!

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Ein wunderschönes Leseerlebnis!!!

"Wie ein fernes Lied" von Micaela Jary kann den Leser von Anfang bis wirklich zur letzten Seite fesseln. Sofort ist man mitten im Geschehen und hat das Gefühl tatsächlich alles mitzuerleben oder zu beobachten. Dabei ist es egal in welcher der beiden Zeitebenen man sich befindet. "Wie ein fernes Lied" spielt in zwei unterschiedlichen Zeitebenen. Ein Handlungsstrang verläuft zu Zeiten des 2.Weltkriegs und der zweite Handlungsstrang im Jahr 1999. Jeder Handlungsstrang für sich ist sehr informativ und vor allem sehr spannend. Mit der Zeit ergeben sich immer mehr Verknüpfungen dieser beiden Handlungsstränge. Geschickt baut Micaela Jary diese Verknüpfungen in das Geschehen ein. Die Spannung baut sich immer mehr auf, da viele Kapitel mit einem Cliffhanger enden. Man fiebert mit allen Charakteren beider Handlungsstränge mit. Das Buch hält den Leser bis zum Schluss gepackt. Der Leser wird so regelrecht zum Weiterlesen gezwungen. Außerdem fängt man an mitzurätseln. Und obwohl ich einige Zusammenhänge richtig vermutet habe, gab es für mich dennoch so manche Überraschung. Besonders die Auflösung, die wirklich erst ganz am Ende erfolgt, brachte noch einige sehr interessante Überraschungen mit sich. Das Ende ist wunderschön. Es blieb keine Frage offen.
Die Charaktere sind sehr gut und vor allem authentisch dargestellt. Ich habe nicht alle Hauptpersonen gemocht, war sogar teilweise von Marga etwas genervt. Aber gerade Margas Art mit ihren Ecken und Kanten, lässt sie authentisch wirken. Und vor allem sorgt sie in diesem Roman so für viel Spannung..
Micaelas Schreibstil ist mir bereits aus ihren anderen Romanen bekannt. Mir gefällt der flüssige und detaillierte Schreibstil sehr gut. Aber sie schreibt auch sehr informativ und atmosphärisch. Doch nicht indem sie Informationen aneinander reiht, sondern den Leser vieles selbst erleben lässt. Wie bereits erwähnt, taucht man richtig in ihre Geschichten ein. Man meint das Gelesene selbst zu erleben. Dabei ist es ganz egal ob es freudige Ereignisse oder traurige Ereignisse sind. Ganz besonders muss in diesem Roman noch die Musik erwähnt werden. So schön und detailliert beschrieben, dass man beim Lesen die Musik im Ohr hat und ein Kribbeln in den Füßen verspürt und lostanzen möchte. Ich habe wie schon bei "Das Bild der Erinnerung" viel im Internet nach den erwähnten Liedern gesucht und gelauscht.
Für mich bisher mein Buch des Jahres 2015 :-)
Vielen Dank für dieses tolle Leseerlebnis!!

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