Mina Baites: Die silberne Spieldose

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Mina Baites: Die silberne Spieldose
ET (D)
2017
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9781477824511

Informationen zum Buch

Seiten
320

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die Wolframlampe auf dem Werktisch erhellte einen Barren aus reinem Silber.

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»Für Paul, in Liebe«, so lautet die Widmung, die der jüdische Silberschmied Johann Blumenthal aus Hamburg 1914 für seinen Sohn auf eine Spieldose graviert. Es ist sein Abschiedsgeschenk, denn Johann meldet sich freiwillig in den Kriegsdienst, um für seine geliebte Heimat zu kämpfen. Das kostbare Andenken seines Vaters wird für Paul und seine Kinder zu einem Symbol für Hoffnung und Zusammenhalt, während der Hass auf sein Volk wächst und sich die Schlinge um die renommierte Juwelierfamilie enger zieht. Das Erbstück wird den Blumenthals Trost schenken, sie in Gefahr bringen und eines Tages trennen. Bis es fast fünfzig Jahre später über Schicksalswege in die Hände der jungen Londonerin Lilian Morrison gerät und sich die silberne Spieldose ihrer älteren Schwester jede Nacht wie ein ungebetener Gast in ihre Träume schleicht. Doch was hat das kostbare Andenken der Familie Blumenthal mit ihr zu tun?

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Berührend und wichtig

Johann Blumenthal, ein Silberschmied mit einer noch jungen Familie aus Altona, beschließt 1914 freiwillig für das Deutsche Kaiserreich in den Krieg zu ziehen. Für ihn scheint es eine gute Möglichkeit, als Jude seinen Patriotismus zu beweisen, zu sein. Zum Abschied schenkt er seinem 4jährigen Sohn Paul eine sehr hübsche, fein ziselierte Spieldose aus Silber - mit einer berührenden Widmung. Was er nicht ahnen kann, ist, dass dieses Abschiedsgeschenk ein verbindendes Element zwischen den verschiedenen Generationen der Blumenthals werden wird - ein Symbol der Liebe, Verbundenheit und vor allem der Hoffnung.

Fast 50 Jahre später gelangt die Spieldose in die Hände von Lilian Morrison, die nicht im Entferntesten ahnt, was dieser kleine Schatz aus ihrem Erbe mit ihr zu tun haben könnte...

Auf 320 Seiten erzählt die Autorin Mina Baites eine dichte Geschichte, die mehrere Jahrzehnte umfasst. Sie hat mich berührt und mich weder während der Lektüre noch im Anschluss losgelassen. Besonders beeindruckt hat mich, dass sich aufgrund der großen Zeitspanne der Fokus auf die Figuren zwangsläufig verschieben musste und dennoch nie die Nähe zu den einzelnen Charakteren verloren gegangen ist. Dabei schafft es die Autorin die Waagschale realistisch zu halten: in den dunkelsten Jahren der deutschen Geschichte kann es nicht nur glückliche Wendungen geben - soviel sollte klar sein.

Auch wenn es kleinere Missverständnisse im Text gibt (z.B. über die Größe einer Brigade oder aber bei den Autoren, deren Werke den Bücherverbrennungen anheim fielen), so schmälert dies in meinen Augen keinesfalls die Leistungen der Autorin. Denn das Buch zeigt sehr gekonnt, wie sich die Gesellschaft vor der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg über die sogenannten Rassegesetze des Dritten Reiches bis hin zum Holocaust verändert. Genau hier beweist die Autorin großes Feingefühl und zeigt anhand einzelner Personen, die Nachbarn oder Freunde der Blumenthals waren, wie sie sich von blindem Hass haben leiten lassen... Aber Baites zeigt auch, dass es in all den unbegreiflich grausamen Zeiten Menschen gab, die nicht vergessen haben, dass es auch möglich ist, Gutes zu tun und zu helfen.

Für mich war es eine intensive Lektüre, die mich nicht selten traurig oder gar wütend gemacht hat, die es aber auch geschafft hat, immer wieder Hoffnung keimen zu lassen und mich schlussendlich sogar ein wenig glücklich gemacht hat. Auf jeden Fall ein Buch das nachhallt - was ich bei diesem Thema sehr wichtig finde.
Für mich war regelrecht spürbar, dass die Autorin Mina Baites viel Herzblut hinein gesteckt hat.

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Eine berührende Geschichte

" Die silberne Spieldose " von Mina Baites ist eine berührende und zugleich bedrückende Geschichte der jüdischen Familie Blumenthal von 1914 an, über die Anfängen des Nationalsozialismus bis hin ins Jahr 1963.
Hamburg 1914, Johann Blumentha ein Silberschmied, entscheidet sich etwas ganz besonderes für seinen Sohn Paul zu fertigen. Es soll ein Abschiedsgeschenk sein, denn Johann hat beschlossen für sein geliebtes Heimatland im ersten Weltkrieg zu dienen . Eine wunderschöne silberne Spieldose ist es geworden, die über Generationen hinweg erst Paul und später seine Tochter Margarethe wie einen großen Schatz bei sich tragen werden.
Leider ist Johann im Krieg gefallen und kehrt nicht mehr zu seiner geliebten Lotte und dem kleinen Paul zurück. Als Paul alt genug ist übernimmt er das Juweliergeschäft seines Vaters und ist ebenfalls Silberschmied geworden. Er hat eine liebevolle Frau , Clara, geheiratet und ihr Glück scheint perfekt als sie Eltern von Margarethe werden ein kleines bezaubernde Mädchen, welches man einfach in sein Herz schließen muss.
Doch die Zeiten für jüdische Familien werden über die Jahre unerträglich und so bleibt vielen nichts anderes als die Flucht übrig, sofern sie sich rechtzeitig dazu entschieden haben.

Die Autorin hat einen guten Weg gewählt dem Leser eine Einblick in die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus zu geben ohne die Gräueltaten ausführlich zu schildern, denn die sind allzeit bekannt. Man erlebt wie jüdischen Gemeinden mit ihrem Schicksal im Altag zurecht kommen, wieviel Hoffnung sie tragen, dass sich doch noch alles zum Guten wenden wird um dann festzustellen, dass sie in diesem Land als Nichtarier nicht mehr erwünscht sind. Ehemals Freunde werden nun zu Feinden. Zum Glück gibt es Menschen die all die Jahre zu den Blumenthals halten und ihnen zur Seite stehen obwohl sie damit ihr eigenes Leben riskieren.

Mina Baites hat mit ihren Figuren wunderbare und liebevolle Menschen geschaffen die einem sofort sympathisch und mir im Laufe der Geschichte richtig ans Herz gewachsen sind. So blieb es nicht aus, dass ich mit ihnen glücklich , traurig und erschrocken gewesen bin. Ich habe mit ihnen gelitten und bin über die kleinste Zuversicht glücklich gewesen.
Der Schreibstil ist sehr einfühlsam und berührend und verleiht der Geschichte etwas ganz Besonderes. Ebenfalls gut hat mir die Recherchearbeit gefallen, die dem Roman die Authentizität gibt.

Von der ersten Seite an hat mich die Geschichte mitgenommen und ich habe die Spannung an machen Stellen kaum ausgehalten, so blieb mir nichts anderes übrig als das Buch kaum aus der Hand zu legen. Es ist ein in sich abgeschlossener Roman wo keine Frage unbeantwortet bleibt, einfach nur wunderschön. Ich freue mich schon auf einen nächsten Roman von Mina Baites ( Iris Klockman ) in den ich abtauchen kann.

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Berührender Roman mit enormer Leuchtkraft

Der im März 2017 bei Tinte & Feder Amazon Media erschienene Roman "Die silberne Spieldose" von Mina Baites erzählt die Geschichte der Jüdischen Familie Blumenthal vom Beginn des 1. WK bis in die 1960er Jahre.
Johann Blumenthal ist Familienvater und Silberschmied und hat sein Juweliergeschäft in Hamburg Altona. Als er sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst meldet, schmiedet er mit Hingabe eine silberne Spieldose, in der nicht nur sein überragendes, filigranes Können steckt, sondern auch seine ganze Liebe und Zuversicht. Denn diese Spieldose ist ein Abschiedsgeschenk für seinen Sohn Paul.
Damit beginnt für das kleine, schillernde Kunstwerk eine lange und ungewisse Reise durch die Schrecken des 1. Weltkrieges, die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre bis zum Börsen-Crash 1929, den zunehmenden Antisemitismus bis zur offenen und gnadenlosen Judenverfolgung während der Nazidiktatur. Dann verschwindet die Spieldose für viele Jahre in einer kupfernen Kiste und taucht erst wieder auf, als Lilian Morrison nach dem Tod ihrer Eltern ihr Erbe antritt.

Trotz des langen Zeitraums, den die Geschichte umfasst, ist das Buch kein dicker Wälzer. Die Autorin schafft es dennoch, soviel zu erzählen, das man alles weiß, was man wissen muss, um die Ereignisse richtig einzuordnen und mitzufiebern. Die Geschichte ist so fesselnd geschrieben, dass sie enormen Raum einnimmt, obwohl das Buch nur 300 Seiten hat. Ja, an der einen oder anderen Stelle hätte ich mir durchaus einen noch tieferen Einblick in die Gedanken der Protagonisten gewünscht. Dennoch ist der Schreibstil so klar, bildhaft und präzise, dass ich beim Lesen die Geschichte wie einen Film vor mir ablaufen sah und am Ende habe ich nichts vermisst. Dabei verzichtet die Autorin fast vollständig auf die detaillierte Beschreibung von Gräueltaten. Sie gestaltet liebevolle, sehr sympathische Charaktere mit Stärken und Schwächen. Mit ihnen gemeinsam durchleben wir jene Zeiten, in denen die Welt mehrfach außer Kontrolle geriet und sich in grausamen Kriegen wiederfand, in denen der bewußt geschürte Volkshass Juden und andere Menschengruppen isolierte, denunzierte, verprügelte, verjagte und schließlich Massen von ihnen vernichtete.

Die Spieldose hat in dieser Geschichte eine tragende Rolle als Bindeglied über die Zeiten mit viel Symbolcharakter. Ihr leuchtendes Silber steht für Hoffnung, Zuversicht, Familie und Liebe. Das angelaufene Silber symbolisiert für mich die dunkle Zeit, als die Hoffnung verloren zu gehen schien und niemand wußte, ob und wer das Grauen von Krieg und Verfolgung überlebt hat.
Doch Silber verliert seine Leuchtkraft nicht, es braucht nur ein wenig Pottasche... Es überdauert die Zeit wie die Liebe und die Hoffnung, die diese Familie stets begleitet hat. Und so leuchtet sie am Ende erneut strahlend; Menschen kommen zusammen, die so lange aufeinander gewartet haben und von denen manch einer nicht mehr an ein Wiedersehen glaubte.
Es ist ein kraftvoller Schluss, emotionsgeladen wie selten, weil man gar nicht anders kann, als die Freude zu teilen, den Triumph zu spüren, dass es den Nazis nicht gelungen ist, alle Juden zu vernichten. Durch die Erzählweise wird das Buch zudem zu einer Warnung ohne erhobenen Zeigefinger.

Mich hat dieses Buches in jeder Hinsicht bereichert, denn es zeigt sowohl, wozu Menschen grausamer Weise fähig seien können, es zeigt aber auch, dass es immer wieder Menschen gibt, die helfen und beschützen, für die Freundschaft und Dankbarkeit mehr als ein Wort ist und deren Mitgefühl nicht am eigenen Gartenzaun endet. Ich empfehle das Buch sehr gerne und uneingeschränkt weiter.


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Schwere Zeiten

Johann Blumenthal lernt man als wirklich netten jüdischen Mitbürger kennen, der sich 1914 freiwillig für den Kriegsdienst meldet, um für Deutschland zu kämpfen. Das sollte ja ganz schnell gehen, wenn sie alle zusammenhalten und die Franzosen sind doch schnell erledigt. Leider war dem nicht so und der Krieg war endlos und das erlebte konnte auch kein überlebender wirklich hinter sich lassen. Johann hat seinen Sohn Paul zum Abschied noch eine silberne Spieldose geschenkt, die er als Juwelier mit größtem Geschick selbst entworfen und hergestellt hat.
Jahre später wird es für die jüdische Bevölkerung immer schlimmer und bald zählt auch nicht mehr, das viele Juden im ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft haben. Paul der zu dieser Zeit den Juwelierladen seines Vaters übernommen hatte, kämpft täglich mit den Vorurteilen gegen Juden und muss zusehen wie sich selbst Freunde von ihm abwenden.


Die Autorin hat es geschafft eine tolle Familiensaga zu erschaffen, die mich von der ersten Seite an mitgerissen hat. Ich mochte die Familie Blumenthal von Anfang an und auch viele der Protagonisten sind mir ziemlich ans Herz gewachsen. Der Schreibstil war von Anfang an flüssig zu lesen und ich fühlte mich in die Geschichte integriert. Die Geschichte ist stellenweise sehr traurig, wie allgemein der erste und zweite Weltkrieg verlaufen ist, das wissen wir ja leider alle sehr gut. Wie die Juden Schritt für Schritt immer weiter fertig gemacht wurden, Familien zerrissen wurden und das Leid immer größer wurde, genau das hat die Autorin wunderbar beschrieben.


Hier wurden wunderbare Charaktere zum Leben erweckt und haben uns an ihrem Leben Teil haben lassen, ich habe mit ihnen gelacht, geweint und gezittert und war oft wirklich Sprachlos, über so viel Anfeindungen. Das Buch ist wirklich schlüssig erzählt und ich liebe es, wenn mich ein Buch wirklich packt und alle Handlungen nachvollziehbar sind. Ich hatte das Glück das Buch in einer Leserunde mit der Autorin persönlich zu lesen und es hat mir wirklich großen Spaß gemacht. Ich kann das Buch nur jeden empfehlen, ein wirklich Großartiges Buch.

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Prädikat: Besonders wertvoll! Eine silberne Spieldose - GEGEN DAS VERGESSEN!

"Die silberne Spieldose" von Mina Baites (Pseudonym der Autorin Iris Klockmann) erschien als TB im Verlag 'Tinte und Feder' bei amzon Publishing, 2017.

"Für Paul, in Liebe"
so lautet die Widmung, die der jüdische Silberschmied Johann Blumenthal aus Hamburg 1914 für seinen Sohn auf eine Spieldose graviert. Es ist sein Abschiedsgeschenk, denn Johann meldet sich freiwillig in den Kriegsdienst, um für seine geliebte Heimat zu kämpfen. Das kostbare Andenken seines Vaters wird für Pau und seine Kinder zu einem Symbol für die Hoffnung und Zusammenhalt, während der Hass auf sein Volk wächst und sich die Schlinge um die renommierte Juwelierfamilie enger zieht. Das Erbstück wird den Blumenthals Trost schenken, sie in Gefahr bringen und eines Tages trennen. Bis es fast fünfzig Jahre später über Schicksalswege in die Hände der jungen Londonerin Lilian Morrison gerät und sich die silberne Spieldose ihrer älteren Schwester jede Nacht wie ein ungebetener Gast in ihre Träume schleicht. Doch was hat das kostbare Andenken der Familie Blumenthal mit ihr zu tun?"(Quelle: Buchrückentext)

Es ist nun schon ein paar Tage her, dass ich dieses Buch - das mehr als ein Roman ist, sondern ein Stück dunkelster deutscher Zeitgeschichte transportiert, zugeklappt habe. Los lässt es mich noch immer nicht, weshalb hier 5 Sterne als Höchstmaß nicht ausreichen; dies hat mehrere Gründe:

Mina Baites (Iris Klockmann) ist es gelungen, in sehr einfühlsamer Weise das Schicksal der jüdischen Juweliersfamilie Blumenthal - stellvertretend für Millionen anderer jüdischer Familien - vom Beginn des 20. Jahrhunderts an zu beschreiben: 1914 wird die silberne Spieldose von dem Silberschmied Johann Blumenthal angefertigt, der seinem Sohn Paul ein liebevolles und auch außergewöhnliches Abschiedsgeschenk damit überreicht, nachdem er sich freiwillig zum Kriegsdienst meldet, um für sein Vaterland zu kämpfen. Johann wird aus dem 1. Weltkrieg nicht lebend zurückkehren, jedoch hat er sein Leben für einen Kameraden gegeben, dem er half, ein Lazarett zu erreichen...

Paul tritt beruflich in die Fußstapfen des Vaters und übernimmt das Juweliergeschäft in Hamburg, doch die Wolken am Himmel verdüstern sich: Mit Hitlers Machtergreifung beginnt das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte und damit die Ausgrenzung und Verfolgung von Juden......

Paul heiratet die Tochter des jüdischen Arztes Dr. Fisch, Clara und ist sehr glücklich mit ihr. Zu der Zeit, als Tochter Margarethe, ein sehr aufgewecktes und intelligentes Mädchen, zur Welt kommt, emigrieren die Schwester johanns, Martha und ihr Mann Hermann sowie Lotte, die Mutter Pauls, die ohne ihren geliebten Johann keine Zukunft mehr in ihrer Heimatstadt sieht, nach Südafrika. Onkel Max wie auch der ältere Arzt sind unter keinen Umständen zu bewegen, auszuwandern - aus sehr verständlichen Gründen. Sie hoffen noch immer, dass sich alles sehr bald wieder zum Guten wenden wird.

Doch es kommt anders... Paul, Clara und die kleine Margarethe flüchten vor den Schergen der SA und finden in einem Gutspächter einen Freund. Bei Friedrich Lükemeier können sie eine Weile untertauchen und auf ein Schiff hoffen, das sie in die Freiheit bringt, während es in Nazideutschland für Juden, Kommunisten oder auch Sozialisten immer unerträglicher - und lebensgefährlicher wird. Wird es ihnen gelingen, das Land noch rechtzeitig zu verlassen?
Die Spieldose ging in den Besitz von Margarethe über, die sie ebenso hütet wie ihr Vater dies bereits tat. Da kündigt sich ein Geschwisterchen an....

Mina Baites hat einen Roman über das Schicksal der Familie Blumenthal geschrieben, der es in sich hat: Die Spieldose taucht später in einem englischen Schließfach wieder auf, wo sie auf die Erbschaft von Lilian Morrison wartet. Diese junge Frau sucht nun nach den Wurzeln ihrer Familie und erkennt, dass vieles anders ist, als sie bisher angenommen hat. Hier fügen sich die Puzzleteilchen zusammen und ohne das tragende, alles überdauernde Element der Spieldose, die für Hoffnung und Zuversicht stand, hätte die Familie vielleicht nicht die Chance gehabt, einander wiederzufinden.

Gerade das letzte Drittel geht dem Leser sehr zu Herzen; man begibt sich mit Lilian auf Spurensuche und freut sich mit ihr, als sie fündig wird! Die größte Stärke dieses Romans liegt m.E. darin, dass er die Lebensbedingungen einer jüdischen Familie im dritten Reich so emotional erzählt, dass einem die gesamte Familie Blumenthal mehr als ans Herz wächst; ja dass man sie liebgewinnt, um sie bangt, um sie weint und sich mit ihr freut.

Fazit:
Ein sehr bewegender, sehr einfühlsam geschriebener und gut recherchierter Roman, dem ich meinen ganzen Respekt zolle und ihn mit einer absoluten Leseempfehlung markieren möchte: Er transportiert in einer Weise ein Stück dunkler deutscher Zeitgeschichte und Historie, die ich so schnell nicht vergessen werde, ebenso wie die schöne Leserunde mit der Autorin, die stets alle Fragen beantwortete, die sich uns stellten. Eine absolute (Lese)-Bereicherung für mich, die ich jedem empfehlen kann und das Prädikat "besonders wertvoll" sowie "literarischer Stolperstein" - gegen das Vergessen! - hinzufüge. 5 Sterne reichen hier nicht aus: Ich vergebe 7 Sterne und einen großen Dank an die Autorin!

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Zutiefst berührend

Wir schreiben das Jahr 1914, als sich der jüdische Silberschmied Johann Blumenthal freiwillig zum Kriegsdienst meldet. Das Abschiedsgeschenk für seinen Sohn Paul ist eine, mit viel Liebe hergestellte, wunderschöne Spieldose. Johann konnte damals nicht ahnen, welch wichtige Rolle diese Spieldose noch 50 Jahre später, im Leben der Familie Blumenthal, spielen wird.
Johann kehrt nicht zurück, Paul ist in seine Fußstapfen getreten und führt das Hamburger Juweliergeschäft, doch die dunklen Wolken des Antisemitismus rücken immer näher und zwingen Paul und seine Familie bald zur Flucht. Die Spieldose ist nun ständiger Begleiter seiner Tochter doch warum gelangt sie 50 Jahre später in den Besitz der Londonerin Lilian Morrison?

Mit leiser Stimme, aber dafür umso eindringlicher erzählt die Autorin Mina Baites die Geschichte der jüdischen Familie Blumenthal. Über drei Generationen hinweg durfte ich den Weg dieser Familie verfolgen und ich muss sagen, die Geschichte hat mich tief berührt. Die Protagonisten sind mit viel Feingefühl, liebevoll beschrieben und man schliesst jeden von ihnen sofort ins Herz. Durch diese innere Verbindung zur Familie Blumenthal ist mir die Verfolgung der Juden durch die Nazissehr nahe gegangen und dabei war keine detaillierte Beschreibung der Gräueltaten notwendig.
Geschickt werden die Bögen zwischen den Generationen gespannt und immer wieder mit der silbernen Spieldose verknüpft.

Für mich ist dieses Buch eines meiner Highlights dieses Jahr und verdient volle fünf Sterne mit einer absoluten Leseempfehlung.

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